Wegweisende Partie unter Flutlicht

Foto: Andreas Leiner

Im Max-Morlock-Stadion wissen die Roten Teufel einfach nicht zu überzeugen. In der 2. Liga konnte der FCK bei seinen Gastspielen dort noch nie gewinnen. Am Samstag soll sich das ändern.

Samstagabend, Flutlicht, Traditionsduell in Nürnberg. Wenn der FCK zum 78. mal auf den neunmaligen deutschen Meister trifft, hat das Spiel auch auf dem Platz, statt wie gewohnt nur abseits dessen, einiges zu bieten. Es handelt es sich um ein Match zwischen zwei Top-Mannschaften der Liga, der Tabellenvierte zu Gast beim Tabellenzweiten. Doch ein Ausfall bei den Franken trübt die Vorfreude.

Die Gastgeber: Kontinuität zahlt sich endlich aus

Nach mehreren Jahren guter Arbeit neben dem Platz, begleitet von sportlichem Mittelmaß, geht Nürnbergs Strategie diese Saison vollkommen auf. Der ‘Jamestown Analytics’-Partnerverein erzielt einen Transferüberschuss im Sommer, auch weil sie Leistungsträger abgeben – und startet dennoch durch.

Die sportliche Situation der Franken sollte keinem mehr fremd sein – Platz 2 mit 18 Punkten und 21 Toren. Die zweitbeste Offensive der Liga, hinter Wolfsburg. Der Club ist bisher ungeschlagen und wirkt trotz seines jungen Durchschnittsalters ungemein stark. Trainer Miroslav Klose scheint die richtige Balance in der dritten Saison im Amt endlich gefunden zu haben. Der ex-Lautrer und Rekordtorschütze der deutschen Nationalmannschaft wird völlig zu Recht von Philipp Lahm in seiner “Zeit”-Kolumne geadelt. Der FCN ist längst zu einer Top-Adresse für junge Spieler geworden und hat sich im Vergleich zu letzter Saison beachtlich weiterentwickelt.

Vor allem offensiv geht einiges mehr, Mohamed Ali Zoma ist das Paradebeispiel. Der Italiener hat an Spieltag 8 bereits 7 Tore erzielt, ein Drittel aller Nürnberger Tore fällt durch ihn. Vergangene Saison waren es über 34 Partien 14 Treffer. Umso bitterer ist sein Ausfall. Doch auch Julian Justvan und Piet Scobel spielen einen starken Saisonstart. Gemeinsam bringen sie es auf 8 Tore und 2 Assists, Adam Markhiev steuert weitere 3 Tore und 2 Assists bei. Auch spielerisch zeigt sich eine Entwicklung. Letzte Saison spielte der Club mit knapp 49% durchschnittlichem Ballbesitz 329 genaue Pässe pro Spiel (Quote 81.4%), diese Saison sind es bislang bei 56% Ballbesitz 412 genaue Pässe pro Spiel (Quote 85.4%) [Sofascore]. Die Mannschaft wirkt eingespielter und reif trotz ihres jungen Alters.

Angstgegner Nürnberg: Wie kann der FCK den Club schlagen?

Diese nicht gerade einfache Frage stellen sich Torsten Lieberknecht und sein Trainerteam vermutlich schon seit dem Abpfiff im Heimspiel gegen Bochum, wenn nicht länger. Etwas Zählbares aus Nürnberg mitzunehmen wäre ein Signal an die Liga, dass der FCK es ernst meint, oben mitzuspielen. Leichter gesagt als getan für die Roten Teufel, die in der 2. Liga noch nie in Nürnberg gewinnen konnten (3:0, 3:2, 2:1, 2:1, 3:0, 3:3, 1:1, 0:0, 3:0, in chronologischer Reihenfolge seit 2009) und auch in den letzten zwei Heimduellen gegen den Club ohne Sieg blieben. Auch wenn Nürnberg eine Art Angstgegner für die Männer in Rot geworden ist, gilt es am Samstag, diese Negativserie zu beenden. Sowohl für Nürnberg als auch die Jungs aus Lautern ist dieses Duell der erste echte “Six Pointer” der laufenden Saison. Während der Club seinen Abstand zum FCK auf 6 Punkte ausbauen könnte, kann Lautern gleichziehen.

Nürnberg geriet zuletzt ins Straucheln gegen das individuell starke Wolfsburg und Pele Wollitz’ Energie Cottbus. Beide Spiele verlor Nürnberg zwar nicht, konnte sie allerdings auch nicht für sich entscheiden. Gerade das hohe Pressing und die Intensität, die die Lautrer auf den Platz bringen, könnten ein Faustpfand werden. Der FCN kommt auf zwölf Kilometer pro Spiel weniger Laufleistung und 36 Sprints weniger als die Pfälzer. Das allein belegt nicht, dass Nürnberg weniger intensiv spielt, könnte dem FCK aber entgegenkommen. Gelingt es, den Spielaufbau früh zu stören und die im Sommer neu aufgestellte Viererkette unter Druck zu setzen, bieten sich Chancen auf schnelle Ballgewinne und Umschaltmomente.

Dabei spielt auch die enorme Kaderbreite eine Rolle: Gerade in der Offensive kann Lieberknecht nachlegen ohne auf neue Impulse verzichten zu müssen. Unterschiedliche Spielertypen erlauben es ihm, die offensive variabel und die Intensität hoch zu halten. Auch eine Rückkehr von Ivan Prtajin, zumindest für einen Kurzeinsatz, scheint denkbar. Dass dem Kroaten schon wenig Zeit für einen Treffer reichen kann, wissen alle, die ihn letzte Saison auf Schalke gesehen haben.

Voraussichtliche Aufstellung

Krahl – Elvedi, Gyamfi, Murphy – Joly, Sahin, Sauer, Haas – Kanaté, Skyttä – Lukovic

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