Der Saisonstart des 1. FC Kaiserslautern verlief insgesamt ordentlich. Mit 11 Punkten nach 6 Spielen stehen die Roten Teufel auf Platz 5 und nur 2 Punkte trennen sie vom FC Heidenheim auf dem Relegationsplatz. Zwar stand der FCK in der Vorsaison an Spieltag 6 tabellarisch besser da, doch es gibt gute Gründe, eine dennoch positive Startbilanz zu ziehen.
Treffpunkt Betze bei Google bevorzugen
Der neugefundene Fokus
Gegen den großen Favoriten aus Wolfsburg trat die Mannschaft von Torsten Lieberknecht couragiert an, fokussierte sich auf die Verteidigung und hatte gleich mehrere Chancen auf einen eigenen Treffer. Auch in frustrierenden, fahrigen Spielen gegen den KSC und Eintracht Braunschweig verlor die Mannschaft augenscheinlich nicht die Ruhe. Selbst der Anschlusstreffer des FC St. Pauli brachte die Mannschaft nicht ins Schwimmen. In vergangenen Saisons wäre es gefühlt fast jederzeit denkbar gewesen, dass sich der FCK in diesen Spielen trotz guter Ausgangslage unnötige Gegentore einfängt, diese Saison nicht.
Defensive als Trumpf
Die Defensive steht in der Dreierkette, auch dank des auf der Linie außergewöhnlich starken Julian Krahl, der Renaissance eines Jan Elvedi und der gewachsenen Abgeklärtheit von Maxwell Gyamfi gut da. 4 Gegentore nach 6 Spielen sind schon ein guter Wert, dazu hat die Lautrer Hintermannschaft bereits 4-mal die Null gehalten. Einen Grund, hier die Ordnung aufzubrechen und auf eine Viererkette umzustellen oder größere personelle Veränderungen vorzunehmen, gibt es trotz der mehr als adäquaten Vertretung von Jacob Rasmussen durch Alex Murphy nicht wirklich.
Die Ausnahme: Magdeburg Auswärts
Das Gastspiel beim 1.FCM ist der große Ausreißer im ansonsten gelungenen Saisonstart. Dort wurden die Männer in Rot nicht nur von Petrik Sanders stark aufspielender Elf, sondern auch von ihrer eigenen Nachlässigkeit besiegt. Zusätzlich zur ungewohnten Schläfrigkeit der Pfälzer Defensive erwischten speziell Torhüter Dominik Riemann und Innenverteidiger Anselmo Garcia McNulty auf der Seite der Blau-Weißen einen guten Tag. So kam der FCM aus 1,55 Expected Goals auf 3 Treffer, der FCK blieb aus 1,05 Expected Goals derweil torlos, obwohl die Mannschaft den Anschlusstreffer durchaus jagte.
Neue Stärken im alten System
Die Betzebuben finden auch ohne den Systemwechsel, den einige Kritiker vor der Saison forderten, mehr und vor allem sauberere Lösungen durch das Zentrum, wo Semih Şahin allmählich in seine Rolle als Taktgeber hineingefunden hat. Die Offensive findet sich trotz Anlaufproblemen langsam. Sie besitzt bereits Qualität und wird voraussichtlich nur noch stärker. Nachdem der Knoten endlich platzte, waren die Roten Teufel auch ohne den bald zurückkehrenden Ivan Prtajin in der Lage, Tore zu erzielen.
Neuzugänge und Rückkehrer als Schlüssel?
Thierry Tazemeta hat sich in den letzten Spielen als Stammspieler etabliert. Erencan Yardimci beeindruckte mit zwei technisch anspruchsvollen Toren, seiner Physis und seiner Geschwindigkeit, die ihn vor allem gegen Braunschweig immer wieder vor die gegnerischen Verteidiger kommen ließen. Ibrahim Kanaté bereitet gegnerischen Defensiven Probleme, die er bisher in der Liga noch nicht in Torerfolge ummünzen konnte, hat aber enormes Potential, in Form von Scorerpunkten zum Erfolg der Mannschaft beizutragen.
Wenn der kroatische Torjäger Prtajin und der quirlige Naatan Skyttä von ihren Verletzungen zurückkehren, ist der FCK offensiv nicht nur breit, sondern auch qualitativ hochwertig aufgestellt. Die Neuzugänge intensivieren den Konkurrenzkampf für die letztjährigen Leistungsträger und bringen neue Profile mit, die die Mannschaft deutlich variabler machen.
Sorgenkind Berisha
Offensiv scheint es einzig bei Stürmer-Sorgenkind Mergim Berisha weiterhin nicht zu laufen. Trotz unbestrittener fußballerischer Qualität ist seine Zeit auf dem Betze bislang nicht von Erfolg gekrönt. In saisonübergreifenden 17 Ligaspielen stehen ihm gerade einmal 2 Tore zu Buche. Die Rückkehr von Prtajin könnte ihm die Möglichkeit einer neuen Rolle eröffnen. Ob weiterhin als Joker oder in Form einer Variante mit zwei Stürmern bleibt hier zu sehen.
Der Sechser: Schramm oder Kunze?
Torsten Lieberknecht sieht auch Eigengewächs David Schramm als Kandidaten für die Startelf. Bei “der Betze Brennt” lobte er seine „unglaubliche Vorbereitung“ und räumte ein, dass er nach Problemen zu Beginn der Saison „[…] bald auch wieder zu denjenigen gehören kann, die von Anfang an spielen.“ Mit Schramm im Nacken gerät Fabian Kunze zunehmend unter Druck. Dass sein fahrlässiges Foul im Spiel gegen Darmstadt nicht mit einem Gegentor bestraft wurde, ist allein Lance Duijvestijns Nerven zu verdanken. Beim Gegentor im Spiel auf St. Pauli wurde sein Fehler bestraft; auch in Magdeburg machte er, wie zugegebenermaßen der Rest der Lautrer Defensive, keine gute Figur und wirkte gehemmt. Im Heimspiel gegen die Eintracht saß er sogar zugunsten von Leon Robinson auf der Bank und fand nach seiner Einwechslung nicht mehr ins Spiel.
Ergänzungsspieler war Kunze zuletzt bei Arminia Bielefeld in der Saison 2019/20; damals feierte er gegen Ende der Saison seinen 22. Geburtstag. Es bliebe abzuwarten, wie er darauf reagieren würde, dauerhaft aus der Startelf zu rutschen. Wie geht es weiter? Der Ausblick auf die nächsten Spiele Die Spiele nach der XXL-Länderspielpause werden wegweisend. Der FCK täte vor allem so früh in der Saison gut daran, sich auf sich selbst zu fokussieren. So gut die alte Dame aus Berlin und der 1. FC Nürnberg auch in die Saison gestartet sind, sollte klar sein, dass auch diese beiden Vereine über die nächsten 28 Spieltage patzen können und werden. Es warten Heidenheim, Bochum und im Anschluss der FCN, ausgerechnet auswärts. Durchaus anspruchsvolle Aufgaben. Nach diesen Spielen gegen sehr verschiedene Gegner wird sich herauskristallisieren, wozu diese Mannschaft imstande ist. Zwischen der Rückkehr von Hoffnungsträgern, dem allmählichen Ankommen von Neuzugängen und der bislang besten Defensive der Liga gibt es gute Gründe für die Hoffnung, dass der FCK dazu fähig ist, diese Saison einen weiteren Schritt nach vorne zu machen.
Autor: Chris





