Das 2:2 des FCK auf Schalke macht Hoffnung – und tut gerade deshalb weh. Trotz der stärksten Auswärtsleistung lässt Lautern Big Points liegen und sendet dennoch ein starkes Signal.
Der 1. FC Kaiserslautern holt bei seinem Auswärtsspiel auf Schalke ein 2:2-Unentschieden. Das klingt zunächst ordentlich – erst recht, wenn man die bislang schwachen Auswärtsleistungen der Roten Teufel bedenkt. Doch nach 97 Spielminuten muss man feststellen: Der FCK hat zwei hochverdiente Punkte liegen lassen, die am Ende noch richtig fehlen könnten.
Das neue Auswärtsgesicht?
Nicht wenige Zuschauer dürften sich in der Anfangsphase verwundert die Augen gerieben haben. Denn die in Schwarz-Weiß spielenden Lautrer übernahmen sofort die Spielkontrolle und traten deutlich zielstrebiger auf als in vielen Auswärtspartien zuvor. Mit schnellem, vertikalem Umschaltspiel und präzisen diagonalen Bällen überspielten die Roten Teufel wiederholt die Schalker Abwehr. Von einer verunsicherten Auswärtsmannschaft war nichts zu sehen – vielmehr zeigte sich eine klare Spielidee unter Torsten Lieberknecht: defensiv kompakt stehen, mutig mit Ball agieren und nach Ballgewinn schnell in die Tiefe spielen. Eine Beobachtung, die auf fremdem Platz nicht immer möglich war.
Dass sich der FCK lange Zeit nicht belohnte, lag einerseits an der fehlenden Konsequenz vor dem Tor in der ersten Halbzeit und andererseits an Loris Karius, der stark gegen Marlon Ritter parierte. So ging es mit einem 0:0 in die Pause – und dem klaren Gefühl, dass der FCK dem Führungstreffer deutlich näher war.
Er kam, sah und traf
Wie schon im Spiel gegen Hannover waren es letztlich die Wechselentscheidungen des Trainerteams, die der Partie ihren Stempel aufdrückten. Nach gut einer Stunde brachte Lieberknecht Ivan Prtajin für den umtriebigen Norman Bassette, der nach seinem unauffälligen Debüt erstmals zeigte, warum die sportlich Verantwortlichen den jungen Belgier verpflichtet haben. Der Stürmer lief mit hoher Laufbereitschaft immer wieder an, bot sich mit klugen Tiefenläufen an und war auch in den Zweikämpfen sehr präsent.
Was folgte, war purer Wahnsinn: Naatan Skyttä schlug einen perfekten Freistoß, der per ebenso perfekten Kopfball im Netz landete. Der Torschütze? Natürlich Ivan Prtajin. Wenige Sekunden und ein Ballkontakt reichten, um zu zeigen, warum der Kroate für seine Mannschaft so unverzichtbar ist. Das ist durchaus eine Entwicklung, die dem Stürmer nach einer sportlich schwierigen Zeit bei Union Berlin nicht unbedingt zuzutrauen war.
Die Bank als Waffe
Den nächsten Beweis lieferte der Torjäger beim 2:0, als er erst überragend auf den ebenfalls eingewechselten Daniel Hanslik abtropfen ließ und dann unheimlich abgeklärt vollendete. Ein mustergültiger Angriff der Pfälzer, die einmal mehr ihre enorme Effizienz unter Beweis stellten.
Gleichzeitig standen erneut drei Torbeteiligungen von Jokern zu Buche. Das unterstreicht nicht nur das viel zitierte „goldene Händchen“ von Torsten Lieberknecht und seinem Trainerstab, sondern auch die Qualität des Kaders. Der Fairness halber sei angemerkt, dass diese Optionen in der Hinrunde aufgrund verletzungsbedingter Ausfälle oft nicht möglich waren. Viele Mannschaften der Liga wären froh, Spieler wie Prtajin, Hanslik oder Sahin von der Bank bringen zu können.
//
Werde jetzt Supporter-Mitglied und unterstütze uns dabei, noch mehr großartige Inhalte über den FCK zu produzieren und zu teilen.
Drei Minuten, die alles kippen
Vermutlich die stärkste Auswärtsleistung in der bisherigen Saison und ein dickes Ausrufezeichen im Aufstiegskampf – so hätte das Fazit lauten können. Wären da nicht diese drei folgenschweren Minuten gewesen. Aus dem Nichts war es der ehemalige Weltklasse-Stürmer Edin Džeko, der die bis dahin harmlosen Schalker zurück in die Partie brachte. Ein Gegentor, bei dem man den Gästen kaum einen Vorwurf machen kann. Wie Džeko auf den Ball lauert, ihn verarbeitet und vollendet, ist schlichtweg weltklasse und kaum zu verteidigen. Die individuelle Aktion des Bosniers ließ das Stadion noch einmal explodieren – und welche Wucht eine solche Kulisse entfalten kann, ist jedem FCK-Anhänger bestens bekannt.
Manchmal passieren im Fußball Dinge, die sich rational kaum erklären lassen. Während der FCK in der Vorwoche gegen Hannover noch von solchen unvorhersehbaren Momenten profitierte, wurde man auf Schalke selbst bitter erwischt: Der überragende Debütant Atanas Chernev, mit 19 gewonnenen Zweikämpfen bester Zweikämpfer auf dem Platz (bundesliga.de), blockt in der 89. Minute eine Halbfeldflanke. Der Ball trudelt Richtung Eckfahne und rollt haarscharf ins Toraus statt ins Seitenaus. Ein ungemein bitterer Moment. Denn nur Augenblicke später führte eben jener Eckball zum schmeichelhaften Ausgleich der Knappen. Am Ende waren es wenige Millimeter und Slapstick im Pfälzer Strafraum, die die Gäste um drei hochverdiente Punkte brachten und sie mit einem bitteren Remis zurückließen.
Hinfallen, Krone richten, weitermachen
Was der FCK über 87 Minuten gegen den Tabellenführer zeigte, war bärenstark und ein klarer Beweis dafür, dass die Lautrer die Qualität besitzen, im Aufstiegskampf der engen 2. Bundesliga ein ernstzunehmender Faktor zu sein. Noch wichtiger ist die Erkenntnis, dass die Mannschaft nicht nur zu Hause, sondern auch auswärts überzeugende Leistungen zeigen kann.
Ob die letzten Minuten auf Schalke dem aufopferungsvollen Kampf der Pfälzer oder der eigenen Leichtsinnigkeit geschuldet waren, bleibt für Außenstehende offen. Fest steht: Nach den starken Auftritten gegen die Spitzenmannschaften der Liga muss sich der FCK nicht verstecken. Und er darf – bei aller Bodenständigkeit – vom großen Wurf träumen.
Quelle: Treffpunkt Betze





