Minimale Mühen am Maschsee

Foto Stuart Franklin/Getty Images

Eine lautrer 1b-Mannschaft schlägt kriselnde Hannoveraner mit etwas Glück, einem ausgeklügelten Matchplan und dem wiederkehrenden Ivan Prtajin.

Bevor nun der geneigte Leser zu Fackeln und Mistgabeln greift, muss eins vorweggenommen werden: Nur weil eine Mannschaft mehr Ballkontakte hat und auf Kurzpassspiel setzt, ist sie nicht automatisch die Bessere. Und ja, die Pfälzer hatten großes Glück, dass Marlon Ritter nicht früh vom Platz gestellt wurde. Dennoch saß vor allem das taktische Korsett, dass das Trainerteam den Spielern an die Hand gab. Bei manchen macht sich aufgrund der zeitlichen Nähe ein Vergleich zum Spiel in Nürnberg auf, jedoch erinnerte der FCK in Hannover eher an die Partie in Wolfsburg.

Viele Schüsse, wenig Gefahr

Was machst du, wenn dein Gegner in einer offensiven Sinnkrise steckt und kein Scheunentor trifft? Genau, schießen lassen. Das Formtief der Hannoverschen Offensive war der Grundstein des Auswärtssiegs. Sechzehn mal schossen die Gastgeber in die Richtung von Julian Krahl, nur sieben Mal ging der Ball aufs Tor. Keine einzige Großchance erspielte sich die Mannschaft von Sandro Wagner, oft benötigten die Niedersachsen Einladungen von Lautrern, wie beispielsweise Marlon Ritter oder kurz nach Anpfiff Alex Murphy, die für Gefahr am falschen Ende des Platzes sorgten. Dennoch ritt der FCK auf der Rasierklinge: ein abgefälschter Ball, und das Spiel wäre gekippt.

Besonders in der ersten Hälfte blieb Hannover gefährlich, sobald der FCK jedoch auf den tiefen Block umstellte, fielen die Gastgeber in Halbzeit zwei auf 0,45 xG ab. Ein weiterer Blick in die Statistik zeigt, dass die 0,04 xG on Target, also aufs Tor, daraus resultierten, dass die nun gutstehende Defensive der Lautrer das äußerst schwache Abschlussverhalten der 96er verstärkte. Um diese Zahlen zu veranschaulichen: Hannover 96 hätte bei diesem Abschlussverhalten 25 (!) zweite Halbzeiten spielen müssen, um ein Tor zu erzielen.

Zu kitschig für Hollywood

Unterm Strich dominierte besonders eine Beobachtung: Beiden Teams war ihre Mentale Verfassung überdeutlich anzumerken. Während der FCK vor Selbstvertrauen überlief, schien Hannover mental völlig neben der Spur. Der Gegenbeweis von Murphy’s Law wurde spätestens dann klar, als der so sehnsüchtig erwartete Ivan Prtajin wieder Rasen unter den Füßen hatte und – natürlich – auch traf. Was in dieser Woche für manche der Ballon d’Or für Harry Kane war, dürfte für den Pfälzer das 0:2 durch den Kroaten gewesen sein. Die Leidenszeit, die Einwechslung, die Flanke: Hätte der Stadion-DJ in diesem Moment „My heart will go on“ gespielt, man hätte es ihm nicht verdenken können. Ein weiteres Element, das die ohnehin schon breite Lautrer Brust noch mehr anschwellen lässt. Die mentale Verfassung dieses Teams ist beeindruckend.

Zur Saison 2026/27 bringen wir die Spielernoten zurück. Der jeweilige Redakteur benotet selbst – mit Begründung.

Julian Krahl: 2+

Wie immer fehlerfrei, eine absolute Glanzparade fehlte, aber das ist meckern auf sehr hohem Niveau.

Mika Haas: 3+

Unsicher im Passspiel (57%), dennoch 1-2 sehenswerte Einzelaktionen.

Alex Murphy: 3

Wieder die meisten Ballaktionen, hatte jedoch Glück, dass sein Fehler von Hartel nicht bestraft wurde (2.).

Maxwell Gyamfi: 2+

Abwehrchef und Zweikampf Monster, hatte jeden Gegenspieler im Griff.

Leon Robinson: 3

Viele Defensivaktionen, allerdings mit merkbar mangelnder Spielpraxis.

Simon Asta: 4-

Gewann keinen Zweikampf, wirkte überhastet. Starke Flanke auf Haas, der verpasste (

Marlon Ritter: 5+

Rabenschwarzer Tag für MR7, seine Entscheidung, sich auswechseln zu lassen zeugt von Größe.

Fabian Kunze: 4+

Auf der Doppelsechs mit Ritter überfordert, im tiefen Block deutlich besser aufgehoben. Steuerte einen Assist bei.

Ibrahim Kanaté: 3+

Alleinunterhalter nach dem 1:0, kam zu selten in gute Situationen, weil der FCK mauerte.

Thierry Tazemeta: 2-

Ähnlich wie Kanaté: Bemüht, aber abgesehen von der Vorlage mit wenig Output.

Milos Lukovic: 3+

Ein Schuss, ein Tor der Milos! Abgesehen davon extrem unauffällig

Semih Sahin: 3-

Stabilisierte das Mittelfeld merklich, allerdings mit vielen Ungenauigkeiten.

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