Der 1. FC Kaiserslautern beendet die Saison 2025/26 versöhnlich und steht doch vor großen personellen Veränderungen. Unser Autor Gerrit sieht große Herausforderungen auf die Roten Teufel zukommen.
Mit dem 1:0-Auswärtssieg in Magdeburg und dem damit verbundenen Sprung auf Platz Sechs hat der FCK formell sein ausgegebenes Saisonziel erreicht. Besser abschneiden als Platz Sieben war die Devise, die direkt nach dem letzten Spieltag der Spielzeit 2024/25 ausgegeben wurde. Alles paletti also? Sollte man meinen, doch dem ist bei Weitem nicht so. Schaut man sich die Stimmungslage am Betzenberg an, so war diese gar nach dem Fast-Abstieg 2023/24 durch den gleichzeitigen Einzug ins DFB-Pokalfinale besser. Doch woran liegt das? Die Hauptgründe dafür sind hausgemacht.
Die schwelende Trainerdiskussion ist hausgemacht
Die Ansprüche in Kaiserslautern sind naturgemäß immer hoch. Unruhe bei Rückschlägen gehört ebenso zur Vereins-DNA wie schier grenzenlose Euphorie nach Siegen. Doch nach der Niederlage in Dresden Anfang Mai – der dritten Pleite in Serie – wäre die Stimmung beinahe vollends gekippt. Die verpasste Aufstiegschance, schwache Auswärtsauftritte und nichts zuletzt fehlende spielerische Weiterentwicklung waren nur einige der Gründe, warum auch die in der Saison meist sehr geduldige Kurve allmählich die Geduld zu verlieren schien. Angesprochen auf die Trainerfrage antwortete Geschäftsführer Thomas Hengen nach dem Saisonabschluss gegenüber „Der Betze brennt“ dünnhäutig: „Ich kann diese ständigen Fragen zu diesem Thema nicht mehr hören.“ Doch wo kommen diese ständigen Fragen eigentlich her? Diese wie so oft auf eine von den Fans geschürte zu hohe Erwartungshaltung zu schieben, wäre viel zu einfach. Vielmehr müssen die Vereinsverantwortlichen einmal mehr Aktionen und – vielleicht noch wichtiger – Kommunikation hinterfragen. Dann wäre es zu gewissen Nachfragen und Diskussionen gar nicht erst gekommen.
Am 22. April 2025 entließ der FCK Cheftrainer Markus Anfang. Damals stand der Verein mit 46 Punkten auf Platz Sieben – drei Zähler hinter dem Relegationsplatz. Als Begründung führte Geschäftsführer Thomas Hengen damals fehlende sportliche Weiterentwicklung an – ähnlich wie bei der Entlassung von Aufstiegstrainer Dirk Schuster ein Jahr zuvor („Stagnation ist Rückschritt“). Anfang stand mit dem FCK mitten im Aufstiegskampf, holte mit 1,5 Punkten im Schnitt so viele Zähler wie lange niemand vor ihm. So traf Hengens Entscheidung nicht unbedingt auf breite Zustimmung. Und das, obwohl Anfang nach seiner Verpflichtung alles andere als der Wunschkandidat der Fans war. Mit Torsten Lieberknecht wurde zudem ein echtes Pfälzer Urgestein und langjähriger Wunschtrainer als Nachfolger präsentiert.
Die Angst vor Fehlern führt genau zu diesen
Der Aufstieg wurde trotz des Trainerwechsels verpasst, die Spielweise, gerade in den ersten Wochen war sehr durchwachsen. Viele Hoffnungen ruhten also auf der Sommerpause. Diese Hoffnungen wurden von der Vereinsführung zusätzlich genährt. Denn unmittelbar nach dem desaströsen 0:4 im Saisonabschluss beim Aufsteiger aus Köln gab Hengen die Marschroute für die kommende Spielzeit aus. Besser sein, als Platz Sieben. Formell ist damit natürlich (auch) Platz Sechs gemeint. Doch jedem war sofort klar: Geschäftsführung, Investoren und Trainer wollen vor allem eins: Schnellstmöglich zurück in die Bundesliga. Wo wäre da eigentlich das Problem gewesen, einmal klipp und klar auszusprechen, was hinter verschlossenen Türen seit langer Zeit kommuniziert wird. Die Angst, etwas auszusprechen, was dir hinterher auf die Füße fallen könnte, prägt seit Jahren die Kommunikation beim Fritz-Walter-Klub. Dass aber auch diese vermeintliche Zurückhaltung ein Boomerang werden kann, wird jetzt deutlich.
Vom Aufstieg ist der FCK noch weit entfernt
Es sollte nämlich so richtig angegriffen werden. Deutlich wurde das auch durch Neuzugänge wie Ivan Prtajin und Nathan Skyttä, die für Millionenbeträge in die Pfalz wechselten, oder die Wintertransferns von Bundesligastürmer Mergim Berisha und Jacob Rasmussen (RB Salzburg). Dass gerade diese wirkungslos verpufften ist ein Sinnbild der nun abgelaufenen Spielzeit. Die Realität konnte den geschürten Erwartungen nur selten standhalten. Zuhause war der FCK lange Zeit eine Macht, die erste Niederlage setzte es erst im November gegen Hertha BSC. Doch gerade auswärts setzte es jede Menge Niederlagen, einige davon heftig, wie das 0:4 in Darmstadt oder das 1:6 im DFB-Pokal – erneut gegen die Alte Dame aus Berlin.
Auch die Defensive konnte mit 47 Gegentoren nicht so stabilisiert werden, wie es sich die Verantwortlichen erhofft hatten. In den Fokus geriet aber insbesondere der einstige Fanliebling Torsten Lieberknecht. Oftmals agierten die Roten Teufel gerade offensiv ideenlos, lustlos und uninspiriert. Hinzu kommt, dass die sogenannten Basics, stagnieren. Schon die Verpflichtung von Markus Anfang sollte dies zum Besseren verändern. Am Ende der diesjährigen Saison sprechen die Fakten jedoch eine andere Sprache: Platz 14 bei der Laufdistanz, Platz 12 bei sogenannten intensiven Läufen. Hinzu kommt – trotz technisch versierten Spielern wie Skyttä oder Ritter -, eine desaströse Passquote von lediglich 78,6 Prozent. Hier ist der FCK auf Platz 16 akut abstiegsgefährdet.
Der Abgang von Daniel Hanslik ist ein risikoreicher Fehler
Verbessert hat sich also bei Weitem nicht alles. Es wäre fatal, mit dem Erreichen des Saisonziels Platz Sechs nun alles rosarot zu malen. Vielmehr muss alles auf den Prüfstand. Auf dem Trainer sollte dabei nicht der Hauptfokus liegen. Vielmehr muss sich gegen alte Muster gestellt werden, in die der FCK schon vor Jahren gefallen ist. Auf gute Heimspiele folgen oft desaströse Auswärtsauftritte. Scheinbar stellt sich bei Spielern zu schnell eine gewisse Zufriedenheit ein. Ist dies eine mentale, gar eine Charakterfrage? Fragen, die beantwortet werden müssen. In der Breite fehlte es bislang außerdem an Qualität, um ganz oben mitzuspielen. Die Herausforderung, dem entgegenzuwirken, wird nun nicht kleiner.
Mit Luca Sirch wird den FCK ein Leistungsträger ablösefrei Richtung Bundesliga verlassen. Dies muss erst einmal kompensiert werden. Mit Kenny Redondo und Daniel Hanslik hat sich der FCK außerdem entschieden, zwei Publikumslieblinge und einstige Aufstiegshelden ziehen zu lassen. Gerade bei Hanslik ist diese Entscheidung nur schwer nachzuvollziehen. Der 29-Jährige steuerte bei lediglich knapp über 1.000 Einsatzminuten immer noch drei Tore und fünf Vorlagen bei. Seinen bedingungslosen Einsatz kann sich nahezu jeder Teamkollege zum Vorbild nehmen. Welche Qualitäten beispielsweise ein Norman Bassette Hanslik Voraus haben soll, bleibt bisher ein Geheimnis.
Zudem wäre der gebürtige Bad Hersfelder unfassbar wichtig für die Identifikation zwischen Mannschaft und Kurve gewesen. Warum man einen Jungen, der den Verein so ins Herz geschlossen und gerade die tiefen Täler mit durchgestanden hat, nicht perspektivisch einbindet, wie es auch andere Klubs schaffen, bleibt ein Rätsel. Viele Spieler, die dieses Herzblut vorleben, hat der FCK nun nicht mehr auf dem Rasen. Und das ist fast noch schwerer zu kompensieren, als fehlende Qualität. Das Beispiel Düsseldorf zeigt aktuell, dass sich das Blatt nach einem verpassten Aufstieg ganz schnell auch in eine sehr negative Richtung drehen kann. Es sollte sich also ganz genau überlegt werden, welche Ziele in der kommenden Saison realistisch ausgegeben werden können. Ein Wiederaufstieg scheint jedoch derzeit eher unrealistisch zu sein.
Quelle: Treffpunkt Betze





