Drei Neue für den Betze – Einkauf für den Aufstieg?

Foto: Andreas Leiner


Am 1. Juli öffnet das Transferfenster. Es sollen weitere Neuzugänge folgen. Unser Transferguide zeigt, welche Spieler auf der Wunschliste der Lautrer Kaderplaner stehen könnten.

Auch diesen Sommer wird der 1. FC Kaiserslautern wieder auf dem Transfermarkt aktiv werden. Die Roten Teufel haben eine turbulente Saison hinter sich und wollen sich im kommenden Jahr verbessern.

In der mittlerweile sechsten Ausgabe unseres Transferguides haben wir drei Positionen identifiziert, die die Pfälzer mit drei potenziellen Spielern besetzen könnten. Dabei möchten wir klarstellen, dass es sich um Ideen handelt. Es geht also nicht um „echte” Gerüchte, sondern um fundierte Möglichkeiten, die der Spielermarkt derzeit bietet.

Innenverteidigung – Großbaustelle

Dass der FCK einen neuen Innenverteidiger braucht, ist kein Geheimnis. Mit dem Abgang von Luca Sirch hat sich eine Lücke geöffnet, die nur durch Qualität zu schließen ist. Jacob Rasmussen, Maxwell Gyamfi und auch die beiden Leihrückkehrer sind solide bis gute Zweitligaspieler, aber es fehlt ein echter Top-Spieler. Das Profil ist relativ klar: Es fehlt ein absoluter Leistungsträger, ein Leader. Deshalb wird an dieser Stelle auch etwas mehr Geld in die Hand genommen als vielleicht erwartet.

Haruya Fujii, 25 (Nagoya Grampus)

Akiyama, Tanaka, Fukunda, Yokota: immer mehr Importschlager kommen aus dem Land der aufgehenden Sonne. Bei Haruya Fujii stellt sich nicht die Frage, ob man den 25-Jährigen verpflichtet, sondern wie der Transfer gelingt. Der Innenverteidiger dominierte die J1 League wie kein anderer. Fujii kann alles: Egal, ob mit dem Ball, gegen das Spielgerät oder in der Luft – nur bei den expected Assists pro 90 Minuten ist der 1,88 m große Japaner durchschnittlich. In allen anderen Statistiken unseres Scouting-Tools ist Fujii entweder überdurchschnittlich oder sogar in der Elite der Liga. Besonders bei abgefangenen Bällen, Tackles und gewonnenen Luftzweikämpfen ragt der Japaner heraus, genauso wie bei Ballbeschleunigungen und progressiven Läufen mit Ball. Mit einer Topgeschwindigkeit von 34,2 km/h wäre Fujii direkt der viertschnellste Lautrer der abgelaufenen Saison gewesen. Nagoya bezahlte im vergangenen Sommer 2 Millionen Euro für den Innenverteidiger – diese Summe wäre wohl auch mindestens fällig, wenn man einen echten Topspieler nach Europa lotsen will.

Gael Alonso (23, FC Andorra)

Wir bleiben exotisch: Gael Alonso ist der Shootingstar der zweiten spanischen Liga. Im spanischen Unterhaus startete der 23-Jährige in 37 von 38 Partien und überzeugte insbesondere durch seine Qualität am Ball. 66,59 erfolgreiche Pässe pro 90 Minuten und 5,03 erfolgreiche lange Bälle pro 90 Minuten: Das junge Talent hatte großen Anteil am sicheren Klassenerhalt des Fußballvereins aus dem Fürstentum. Lediglich in puncto Disziplin ist bei Gael Alonso noch Luft nach oben: Elf gelbe Karten sowie eine rote Karte stehen bei dem ungestümen Verteidiger zu Buche, wobei eine Entwicklung bei einem jungen Innenverteidiger selbstverständlich denkbar ist. Der FC Andorra verpflichtete das bei Celta Vigo ausgebildete Talent ablösefrei. Bei zwei Jahren Restvertrag dürfte dennoch eine gewisse Ablösesumme fällig sein. Transfermarkt.de taxiert Gael Alonso auf eine Million Euro. Transfermarkt.de taxiert Gael Alonso auf eine Million Euro.

Marcus Mathisen (30, 1. FC Magdeburg)

Ein alter Bekannter macht unser Transfer-Trio komplett. Der Däne liefert seit Jahren Top-Leistungen in der zweiten Liga ab. Nun verlässt Mathisen den FCM ablösefrei. Der 30-Jährige ist auf dem Höhepunkt seines Schaffens und hat in der vergangenen Saison einmal mehr unter Beweis gestellt, weshalb er als einer der ballstärksten Innenverteidiger der Liga gilt. Auch im Spiel gegen den Ball ist Mathisen stark, was 1,82 abgefangene Bälle sowie 4,6 Wiedereroberungen p90 (beides absolute Top-Werte im Ligavergleich) zeigen. Abgesehen von der Statistik überzeugen auch einige Soft-Faktoren: Mathisen könnte der dringend benötigte Abwehrchef der Roten Teufel sein. Auch die beeindruckende Konstanz des Dänen in drei Jahren Zweitligafußball spricht für eine Verpflichtung. Das einzige Manko könnte ein Wettbieten sein, das zwangsläufig bei ablösefreien Transfers entsteht. Dieses müsste der FCK für sich entscheiden.

Marcus Mathisen hat sich für den FC St. Pauli entschieden, das war uns zur Fertigstellung des Artikels nicht bewusst, Sorry!

Offensives Mittelfeld: Adjutant für den Kapitän

Spätestens mit dem bestätigten Interesse an Nicolas Verkooijen steht fest: Der FCK braucht einen „Zehner“. Zwar spielte Naatan Skyttä eine starke Saison, in der Rückrunde blieb er jedoch blass. Da der FCK zudem meist mit zwei offensiven Mittelfeldspielern startete, kam der Finne selten zur Pause und konnte sein Formtief nicht überwinden. Und da auch Marlon Ritter eher dem Herbst seiner Karriere zustrebt, wird ein weiterer Leistungsträger benötigt. Hier könnte ein Neuzugang für Stabilität sorgen.

Michal Sevcik (23, Sparta Prag)

hat eine beeindruckende Saison hinter sich. Der 23-Jährige traf in der ersten tschechischen Liga neunmal und steuerte einen Assist bei. Als Spielertyp ist Sevcik zwischen Marlon Ritter und Naatan Skyttä zu verorten. Der Tscheche ist gut im Dribbling, aber herausragend in der Spielgestaltung: 0,51 kettenbrechende Pässe sowie 0,17 Pre-Assists pro 90 Minuten sind elitäre Werte. Sevcik zeigte sich offen für den Sprung nach Deutschland. Zur Saison 2024/25 wechselte der vielseitige Mittelfeldspieler nach Nürnberg. Damals schien das deutsche Unterhaus zum Finden der eigenen Form eine Spur zu groß, jetzt könnte der Schritt perfekt sein. Der ehemalige U21-Nationalspieler Tschechiens ist ein „fertiger Spieler“, der in der zweiten Liga überzeugen kann, hat aber auch noch genügend Potenzial für weitere Steigerungen. In Kaiserslautern könnte Sevcik hinter den etablierten Stammspielern lernen und alle progressiven Rollen im Mittelfeld bekleiden. Diese Flexibilität, gepaart mit dem vorhandenen Potenzial, könnte die Lücke im Lautrer Kader schließen. Sevcik geht in sein letztes Vertragsjahr und könnte ein Schnäppchen sein.

Ryan Merlen (24, VV St. Truiden)

ist ebenfalls ein flexibler Spieler mit großem Potenzial. Er kam im vergangenen Jahr nach Sint-Truiden und trumpfte im Kampf um die europäischen Play-offs groß auf. Der Franzose erzielte in nur 477 Minuten drei Tore und bereitete ein weiteres vor. Bis dahin kam er nicht über die Rolle des Ergänzungsspielers hinaus, obwohl der 1,88 m große Mittelfeldmotor zweifellos alle Anlagen hat, die ihn für jedes Mittelfeld wichtig machen können. Der 24-Jährige besticht durch eine gute Spielübersicht, hohe Progressivität und starke Anlagen gegen den Ball, gepaart mit der Physis, die ein moderner Mittelfeldspieler benötigt. Merlen dürfte in Kaiserslautern den nächsten Schritt machen und sich mit mehr Spielpraxis zu einem echten Monster entwickeln.

Laurin Ulrich (21, VfB Stuttgart)

wäre ein echter Statement-Transfer. Der 21-Jährige steht auf der Verkaufsliste der Schwaben, bei denen er keinen Platz im Kader finden dürfte. Da das Offensivtalent gleichzeitig ins letzte Vertragsjahr geht, ist der Pokalfinalist zum Handeln gezwungen. Laut Medienberichten müsste der FCM für eine Verpflichtung an seine finanziellen Grenzen gehen, dieses Limit könnte der finanziell stärkere FCK jedoch wohl „matchen“. Ulrich hätte in Kaiserslautern die eindeutig bessere Perspektive auf Erfolg und wäre ein würdiger Herausforderer für Naatan Skyttä. Sollten die Roten Teufel zur Fünferkette zurückkehren und mit zwei „Zehnern“ auflaufen, dürfte die gesamte Liga vor diesem Duo zittern. Allerdings stehen einige Interessenten Schlange, mit denen der FCK konkurrieren müsste.

Sturm zentral: Übergangslösung für Prtajin – oder?

Die Sturmspitze ist ein Sorgenkind am Betzenberg. Ivan Prtajin ist bekanntermaßen sowohl stark als auch verletzungsanfällig und Mergim Berisha ist nach Jahren ohne Spielpraxis eine Wundertüte. Der FCK braucht dringend eine Sofortlösung, die den verletzten Kroaten vertritt und im Fall der Fälle auch eine gesamte Saison lang die Nummer eins sein kann. Niemand weiß, wie fit „Ivan der Torreiche“ zurückkehrt. Gesucht wird ein flexibler „Neuner“, der sowohl als Zielspieler als auch in einer Doppelspitze auftreten kann.

Andrin Hunziker, 23 (FC Basel)

Trotz seiner elf Tore konnte Hunziker den Abstieg des FC Winterthur aus der ersten Schweizer Liga nicht verhindern. Der junge Stürmer verfügt dennoch über gute Anlagen und überzeugt mit einer Körpergröße von 1,92 m durch seine Präsenz in der Luft. Auch der spielerische Aspekt ist vorhanden, was ihn zum idealen Zielspieler macht. Sein Heimatverein, der FC Basel, steht nach der vergangenen Katastrophensaison unter großem Druck. Daher könnte der Aspekt der Talententwicklung zurückstehen. Zudem geht Hunziker ins letzte Vertragsjahr, was dem FCK in die Karten spielt. Auch die zweite Bundesliga ist Hunziker bereits bekannt, denn der KSC lieh den Rohdiamanten für eine halbe Saison aus. Hier kam Hunziker auf zwei Tore und eine Vorlage in 193 Minuten. Andrin Hunziker wäre keine „Boeing“, aber ein sinnvoller Transfer mit Entwicklungspotenzial.

Keyrol Figueroa, 19 (FC Liverpool)

Wir bleiben bei Rohdiamanten. Keyrol Figuero ist zwar kein Zielspieler, aber er ist der moderne Knipser, den viele Teams suchen, und er ähnelt in etwa einer Art Dennis Undav oder Johnny Burkhart, was den Spielertyp angeht. Figuero hat die Nachwuchsliga der Premier League buchstäblich zerschossen: Elf Treffer in vierzehn Spielen sind äußerst beeindruckend. Der Honduraner kann auch seine Mitspieler gut in Szene setzen. Schwächen sucht man bei dem Toptalent vergebens: Figuero ist eiskalt vor dem Tor, pfeilschnell und auch gegen den Ball ein echter Mehrwert. Der Mittelstürmer ist ab dem 1. Juli ablösefrei und hat noch keinen Vertrag bei einem neuen Verein. Sein Profil passt zweifellos in die bisherige Talenttransferriege der Roten Teufel und er könnte ein Low-Risk-High-Reward-Schnäppchen werden.

Rayan Philippe, 25 (Hamburger Sportverein)

Raxan Philippe ist ein alter Bekannter. Der Franzose sorgte in der Saison 2024/25 quasi im Alleingang für den Klassenerhalt von Eintracht Braunschweig. Anschließend wechselte er zum HSV, wo er nur bedingt zum Zug kam. Merlin Polzin setzte den Neuzugang hauptsächlich auf dem Flügel ein – nicht gerade die Idealposition. Zwar gibt es in Hamburg Überlegungen, den schnellen Stürmer fürs Zentrum einzuplanen, allerdings ist die Zukunft im Sturmzentrum der Rothosen ungewiss. In Kaiserslautern würde der 25-Jährige nicht nur deutlich mehr Einsatzzeiten erhalten, sondern auch auf einen Spielstil treffen, der dem Konterstürmer eher liegen dürfte. Sollte der luxemburgische Meister von 2023 den Konkurrenzkampf verlieren, wäre eine Leihe denkbar.

Das waren sie, die möglichen Neuzugänge für den Sommer, die den FCK voranbringen könnten. Besonders spannend dürfte die Vorgehensweise der Verantwortlichen sein. Gehen die Pfälzer „all in” und versuchen, den Kader kurzfristig zu maximieren? Oder legen die Roten Teufel den Fokus auf eine langfristige Entwicklung und verzichten auf waghalsige Transfers?

Quelle: Treffpunkt Betze

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