Kommentar: Dem Fritz Walter sei Swoosh

Sinnbildlich für die FCK-Offensive: Zwei Lautrer probieren es gegen sechs Rostocker. (Foto: MS-Sportfoto, Michael Schmitt)

Nach der Niederlage in Meppen wird FCK-Cheftrainer Jeff Saibene mit den Worten „ich habe noch nie eine so ruhige Mannschaft gesehen“ zitiert. Eigentlich eine Bankrotterklärung für die gesamte Kaderplanung, die doch gerade das Fehlen von Führungsspielern und „echten Typen“ als Hauptmängel der letzten Saison ausgemacht hatte.

Starker Auftritt gegen den Tabellenführer

Unter Umständen war es aber auch ein Griff in die Motivationskiste. Falls ja, dann mit Erfolg: Gegen den Tabellenführer Hansa Rostock geben die Lauterer ab der ersten Sekunde den Ton an, bestimmen mutig das Spiel und lassen hinten kaum etwas zu. Jeder einzelne Spieler übernimmt Verantwortung – das komplette Gegenteil vom Auftritt im Emsland. In der ersten Halbzeit haben die Roten Teufel Hansa klar im Griff, der zweite Durchgang wiederum ist ausgeglichen. Auch spielerisch ist es bis zum gegnerischen Strafraum ansehnlich. Dort allerdings kommen die Lauterer Flanken und Pässe zumeist nicht an, große Chancen bleiben Mangelware. Gegen den Tabellenführer aus Mecklenburg-Vorpommern bietet der FCK seine - nach dem 1:1 gegen Ingolstadt - zweitstärkste Saisonleistung. Allerdings agieren die Roten Teufel im letzten Drittel des Spielfeldes nicht zwingend genug, erspielen sich gegen defensivstarke Rostocker letztlich zu wenige hochkarätige Torchancen und warten damit weiterhin auf den ersten Saisonsieg. Läuferisch und kämpferisch bietet die Truppe am Montag genau das, was sich der geneigte Betze-Fan wünscht. Mut und Risikobereitschaft sind ebenfalls in Ordnung und werden sich mit dem nächsten Erfolgserlebnis, sprich dem ersten Saisonsieg, automatisch steigern. Wenn er denn endlich kommt.


Hansa Rostock hingegen spielt genauso, wie man als Tabellenführer der 3. Liga spielen sollte: Hinten kompakt und vorne auf Chancen lauernd, die aus Fehlern resultieren. Obwohl den Mecklenburgern auf dem Betzenberg in der Offensive wenig gelingt - weil der FCK auch wenig zulässt - wartet das Team geduldig auf seine Chancen und wird fast belohnt: In der 85. Minute vereitelt Marius Kleinsorge erst mit einer Notbremse die Großchance von Hansa-Stürmer Korbinian Vollmann. In der Nachspielzeit unterbricht Schiedsrichter Tobias Schultes den laufenden Gästekonter mit dem Schlußpfiff. Auch wenn ein Rostocker Sieg nicht wirklich verdient gewesen wäre: Wer in die zweite Liga aufsteigen will, spielt genauso wie Hansa.

Saibene bringt das Team immer wieder in die Spur

Weiterhin haben die Männer in rot immer noch unerklärliche Leistungseinbrüche, die selbst einen erfahrenen Trainer wie Jeff Saibene mitunter ratlos machen. Dem furchtbaren Fußball der ersten Halbzeit in Wiesbaden sowie im Derby gegen Mannheim folgen jeweils deutliche Halbzeitansprachen des Coaches. In der Folge spielt das Team auf einmal um Klassen besser. Dem aus Saibenes Sicht Saisontiefpunkt mit dem 2:3 beim Abstiegskandidaten SV Meppen folgt nun das starke Match gegen Rostock, bei dem der Tabellenführer klar in Schach gehalten wird. Nachvollziehen lassen sich die extremen Leistungsschwankungen bisher nicht. Wie die oben genannten Beispiele allerdings zeigen, scheint Saibene mit seiner klaren, ruhigen und authentischen Art sehr wohl auch innerhalb eines Spiels erfolgreich Einfluss auf die Mannschaft nehmen zu können. Eine Eigenschaft, die sein Vorgänger letztlich nie wirklich nachweisen konnte. Schöner wäre allerdings, wenn der Luxemburger sein Team nicht ständig an Basics wie Kampf und Laufbereitschaft erinnern müsste.

Genug Ausfälle für eine ganze Saison

Wie schon bei seinem Vorgänger Boris Schommers verhindern ständige Personalausfälle auch bei Jeff Saibene, dass sich die zu Saisonbeginn neu zusammengestellte Mannschaft endlich einspielt. Mit Alexander Winkler, Nicolas Sessa, Anas Bakhat, Dominik Schad und Lukas Gottwalt hat der Verein nunmehr fünf Langzeitverletzte, von denen lediglich die beiden Erstgenannten kurzfristig wieder zur Verfügung stehen werden. Hinzu kommen immer wieder Ausfälle durch kleinere Verletzungen oder Sperren (Skarlatidis, Ciftci, Pourié, Kleinsorge, Bachmann, Sickinger). Auf eine Saison gesehen klingt das erst einmal unspektakulär. Bedenkt man allerdings, dass erst acht Partien gespielt sind, so entspricht das einer wirklich heftigen Verletztenmisere. Zudem stießen Kenny Prince Redondo und Daniel Hanslik erst kurz vor dem 3. Spieltag zum Kader. So gesehen ist klar, dass keiner der beiden Trainer bisher überhaupt die Chance hatte, seine optimale erste Elf in diesem neu formierten Kader zu finden. Nach und nach scheint Saibene seine Wunschelf zu formieren.

Stammkräfte gesucht

Die Abwehrreihe stellt sich bisher noch von alleine auf. Mit dem baldigen Saisondebüt von Alexander Winkler, der eigentlich als Abwehrchef verpflichtet wurde, gibt es nun allerdings neue Variationsmöglichkeiten: Rückt der Ex-Hachinger in die Startelf, müsste eventuell der kopfballstarke Kevin Kraus weichen, dessen Defizite in Sachen Spielaufbau und Schnelligkeit in dieser Saison schon des Öfteren aufblitzten. Dass der spielstarke Kapitän Carlo Sickinger statt Kraus auf der Bank Platz nimmt, erscheint weniger wahrscheinlich. Allerdings könnte Sickinger seine alte Sechserposition wieder einnehmen, was auch davon abhängt, ob im Mittelfeld mit Doppelsechs gespielt wird. Bei nur einem defensiven Mittelfeldspieler bliebe sicherlich Tim Rieder gesetzt. Phillipp Hercher - in Meppen noch ein Nervenbündel - zeigte gegen Rostock auf der rechten Abwehrseite eine starke Leistung. Und auch Adam Hlousek hat sich auf dem linken Flügel als feste Größe etabliert.


Beim Spiel am Montagabend erobern Tim Rieder und Hikmet Ciftci im defensiven Mittelfeld immer wieder die Bälle und bringen Struktur ins Lauterer Spiel. Mit wachsender Spielpraxis könnte gerade Ciftci das bisher fehlende Bindeglied zwischen Mittelfeld und Angriff werden. Zu oft hängt Angreifer Marvin Pourié hier noch in der Luft oder muss sich alleine gegen mehrere Gegenspieler behaupten - was ihm tatsächlich auch gar nicht so selten gelingt. Als klassischer Zehner wurde Nicolas Sessa aus Aue verpflichtet und könnte hier schon bald eine kreative Bereicherung darstellen und das Vakuum füllen. Gerade im offensiven Mittelfeld, in dem zuletzt häufig eine Viererreihe hinter Stürmer Pourié auflief, wechseln die Spieler derzeit noch im Wochenrhythmus. Marlon Ritter ist hier bisher die einzige Stammkraft und bekommt Woche für Woche neue Mitstreiter: Hanslik, Morabet, Skarlatidis, Zuck, Redondo, Kleinsorge und Gözütök haben sich bisher allesamt präsentiert, wobei Daniel Hanslik, der immer mal wieder in die Spitze geht, wohl die größten Stammelfchancen haben dürfte. Stürmer Elias Huth hat im derzeitigen 4-1-4-1 keinen Platz in der ersten Elf. Mit einer Umstellung auf ein 4-4-2 (oder einem ersten Saisontreffer) könnte sich das aber auch schnell ändern.


Grundsätzlich hat der FCK diese Saison eine Mannschaft auf dem Feld, die deutlich besser kicken kann als die der beiden Vorjahre. Mit einer Leistungsbereitschaft wie gegen Rostock sollte sie schon bald zur tabellarischen Aufholjagd ansetzen. Am besten mit einem Sieg in Zwickau.

Zu Ehren des Ehrenspielführers

Anlässlich des 100. Geburtstags von Fritz Walter hatte der 1. FCK eigentlich eine große Gala geplant. Diese fiel jedoch coronabedingt ins Wasser, sodass letztlich von Vereinsseite keine Veranstaltung mehr anstand. Dem DFB war der Ehrentag seines ersten Ehrenspielführers, nebenbei Kapitän der ersten deutschen Weltmeisterelf, auch kein Event wert. An der Otto-Fleck-Schneise in Frankfurt legt man ohnehin mehr Wert auf den 5. Stern beim Hotel als auf den Stern beim Trikot der Nationalelf.


Dass es letztlich doch kein trauriger Geburtstag wurde, lag an einem guten Dutzend FCK-Freunden, die sich dachten, dass man den Ehrentag des „Erfinders von Kaiserslautern“ auf jeden Fall feiern muss. Gemeinsam mit FCK-Sponsor Harry Layenberger, der im letzten Jahr den Nachlass Walters aufkaufte und damit vor der Versteigerung rettete, organisierte die Gruppe in liebe- und mühevoller ehrenamtlicher Arbeit eine Veranstaltung in der Kaiserslauterer Fruchthalle. Neben der Ausstellung der Exponate des Ehrenspielführers gab es auch eine Abendveranstaltung, u.a. mit ehemaligen FCK-Größen wie Andy Buck und Axel Roos. Dies geschah ohne jede Unterstützung des FCK, von dessen Seite auch kein Offizieller dort gesehen wurde. An dieser Stelle ein großes 'Dankeschön!' an die FCK-Fans, die diese unglaubliche Aktion in die Hand genommen und so großartig umgesetzt haben!


So ganz untätig blieb der Verein jedoch auch nicht: Um den Ehrenspielführer beim Match gegen Rostock hochleben zu lassen, wurde das Konterfei Fritz Walters auf den Rasen gemäht. Zusätzlich gab es ein Sondertrikot zu erwerben: Das bordeauxrote Jersey mit historischem Logo und rot-weißem Längststreifen soll an die Zeiten der Walter-Elf erinnern. Allerdings hat es einen kleinen, ähm ... Haken: Der weiße „Swoosh“. Das Logo des Lauterer Trikotsponsors Nike wirkt auf dem Retrotrikot leider komplett deplatziert. Fritz Walters Karriere war längst beendet, als die Firma Nike gegründet wurde. Im europäischem Fußball engagieren sich die Amerikaner ohnehin erst seit den 80er Jahren. Weniger 'retro' geht also kaum. Nun ist es logisch, dass niemand anderes als der aktuelle Trikotsponsor für solch eine Sonderauflage in Frage kommt, jedoch hätte man den „Swoosh“ zumindest farblich dezent halten können. Dennoch ist es ein wirklich schickes Shirt geworden. Als Lauterer ist man ja schon froh, wenn das eigene Trikot weder orangefarben ist, noch ein Rallyemuster enthält.


Quelle: Treffpunkt Betze