Kommentar: Ein Funken Hoffnung

Nach den zuletzt enttäuschenden Auftritten gegen Unterhaching und 1860 ist dem FCK gestern ein Befreiungsschlag geglückt. Durch den 2:0 Auswärtssieg gegen Uerdingen sorgen die Roten Teufel für einen halbwegs gelungen Abschluss einer bisher verkorksten Saison. Nicht wenige sprachen der Mannschaft nach den zuletzt schwachen Spielen die Drittligatauglichkeit ab, und bangten gleichzeitig um die Existenz des Vereins. Blutleer und ohne Gegenwehr präsentierte sich das Team von Jeff Saibene.


Umso überraschender dann das Auftreten in Düsseldorf, mit der womöglich besten Leistung in dieser Saison. Doch woher kommt diese 180-Grad-Wandlung in Sachen Leistung innerhalb weniger Tage? Es könnte ja einfach nur am absoluten Lieblingsgegner aus Uerdingen liegen. In den Begegnungen gegen den KFC weist der FCK in der 3. Liga mittlerweile eine überragende Statistik auf. Mit einem Torverhältnis von 16:2 gewannen die Roten Teufel bisher alle 5 Drittligaspiele gegen Uerdingen. Vielleicht sollte man künftig beim DFB beantragen, alle 38 Partien gegen die Krefelder zu bestreiten. Aber wäre das nicht viel zu einfach? Sind es nicht genau die Aufreger und die Spannung, die zum FCK-Fan-Dasein mittlerweile dazugehören? Aber Spaß beiseite. Im gestrigen Auswärtsspiel ließ sich erkennen, dass diese Mannschaft besser ist als sie es zum Teil widergespiegelt hat. Die Leistung gegen Uerdingen macht zumindest Hoffnung auf mehr.

Mannschaft wie ausgewechselt

Erstaunlich wie es Trainer, Verantwortliche und Spieler geschafft haben, binnen vier Tagen die komplette Verunsicherung aus der Mannschaft zu bekommen. Von Beginn an war eine gänzlich andere körperliche Präsenz spürbar, "die Jungs", wie Jeff Saibene seine Mannschaft immer wieder nennt, zeigten gar die in den letzten Wochen fehlenden FCK-Tugenden. Zwischenzeitlich stellte ich mir sogar die Frage, wer denn in den FCK-Trikots spiele? Die Mannschaft der vergangenen Wochen kann es ja unmöglich sein.


Womöglich war die gestrige Leistung auch durch die Systemumstellung begründet. Das 4-1-4-1 liegt den Roten Teufel augenscheinlich besonders gut. Vor allem die Umstellung von Hendrick Zuck von der Außenbahn ins Zentrum neben Ritter machte sich bezahlt. Im Zentrum konnte der gebürtige Püttlinger mit seinem sicheren Passspiel brillieren und so seine Stärken voll zur Geltung bringen. Auch Tim Rieder profitierte von der Umstellung, konnte sich als alleiniger 6er auf seine Defensivaufgaben konzentrieren undgleichzeitig dem Duo Zuck/Ritter den Rücken freihalten. Zudem schien es, dass beide Außenbahnen durch Zucks und Ritters Spielstärke nun deutlich mehr Unterstützung bekamen - und dadurch auch den stark spielenden Hlousek und Hercher deutlich öfter mit in der Offensive einschalten konnten. Auch die Arbeit im Defensivverbund wandelte sich, Kraus und zunächst Sickinger, dann Winkler ließen nur wenig zu, individuelle Fehler blieben aus.


Was jedoch am stärksten für Verwunderung aber auch Freude sorgte war die Tatsache, dass nach langer Zeit wieder eine Einheit auf und neben dem Platz stand. Bei gelungenen Aktionen wurden Mitspieler von allen Seiten gepushed, bei Fehlern wurden sie wieder aufgebaut. Besonders auffallend: Auf dem Platz wurde wieder miteinander gesprochen. Fußball kann so einfach sein.

Eine Hinrunde zum Vergessen

Dennoch darf nicht außer Acht gelassen werden, dass der bisherige Saisonverlauf sowohl für Fans als auch für alle Protagonisten extrem enttäuschend ausfällt. Alle haben sich diese Saison anders vorgestellt. Doch fangen wir chronologisch an: Möglicherweise wurden Erwartungen und Ziele vonseiten des Vereins an die neu formierte Mannschaft bereits vor Saisonbeginn zu hoch gestellt. Rückblickend wäre eine "von Spiel zu Spiel" Betrachtung hilfreicher gewesen. Die unglückliche Niederlage gegen Dresden und die erneute Trainerentlassung gleich zu Saisonbeginn trugen sicherlich zur Verunsicherung der Mannschaft bei. Dass die Männer in Rot in der Folge in den meisten Spielen besser bzw. mindestens ebenbürtig waren, jedoch sieglos blieben, tat das Übrige. Mit zunehmenden Saisonverlauf und der schier endlosen Sieglos-Serie wurden Verunsicherung und Last immer größer. Mit den Niederlagen gegen Unterhaching und 1806 München fand diese Entwicklung ihren Höhepunkt.


Hinzu kommt ein beinahe unglaubliches Verletzungspech auf Seiten der Pfälzer. Mit Kleinsorge, Sessa und Winkler fielen bereits vor Saisonbeginn drei Neuzugänge aus, die als Stammkräfte eingeplant waren - Anas Bakhat und Dominik Schad komplettierten diese Verletzungssorgen. Auch dies sollte als Grund herangeführt werden, dass sich nie eine richtige Stammformation finden konnte, und was im Normalfall einen bedeutsamen Erfolgsfaktor darstellt. Nichtsdestotrotz, all das darf nicht als Ausrede für die zahlreichen individuellen Fehler und die teilweise mangelnde Einstellung gelten. In der gegenwärtigen Situation kann es Stand heute nur um den Klassenerhalt gehen, alles andere wäre ein Bonus. Das weiß auch Jeff Saibene, der sich trotz der Erleichterung über die drei Punkte mit den Worten: "Es gibt nichts schön zu reden" in den Winterurlaub verabschiedete. Doch mit Leistungen wie im Spiel gegen Uerdingen dürfte zumindest wieder ein Funken Hoffnung aufkeimen.

Der Glaube an die eigene Stärke  

In der kurzen Winterpause geht es nun darum, dass Spieler und Trainerteam an Weihnachten den Kopf freibekommen und Kräfte sammeln. Darüber hinaus liegt es an den Verantwortlichen, eine umfassende Analyse zu betreiben und aus den bisherigen Spielen die richtigen und nötigen Schlüsse zu ziehen. Denn eine ähnliche Sieglos-Serie darf sich im Kampf um den Klassenerhalt nicht wiederholen. Sportdirektor Boris Notzon kündigte bereits an, dass der Verein auf der Suche nach möglichen Verstärkungen ist - im Fokus steht ein schneller Offensivspieler, der Tempo ins letzte Drittel bringen kann. Braucht der FCK darüber hinaus vielleicht sogar weitere erfahrene Spieler, die vor allem dem instabilen Mannschaftsgefüge Halt geben und dem Team neue mentale Stärke einverleiben können?


Auf der Leistung beim 0:2 Auswärtssieg gegen Uerdingen lässt sich auf alle Fall aufbauen, und es gibt uns Fans ein Stück Hoffnung zurück. Zudem können Siege gegen Uerdingen auch ganze Serien lostreten. Anfang November 2019 begann mit dem Sieg gegen den KFC die letzte kleine Serie von fünf Siegen in Folge. Wer weiß, vielleicht ist es auch diesmal ein gutes Omen.


Zum Schluss noch eine kleine persönliche Botschaft an die Mannschaft, die in den letzten Wochen und Monaten - zum Teil gerechtfertigt - viel Kritik einstecken musste: Liebe FCK-Mannschaft, dass ihr das Potenzial besitzt und besser als der aktuelle Tabellenplatz seid, steht außer Frage. Glaubt an euch und an eure Stärken. Habt Mut ins Risiko zu gehen. Solange ihr Einsatz zeigt und es versucht, werden wir euch Fehler eingestehen. Denn vergesst nie: Wir sind der 12. Mann und stehen sowohl in guten als auch in schlechten Zeiten hinter euch!


Quelle: Treffpunkt Betze