Kommentar: Es bleibt ein harter Weg bis zum Klassenerhalt

Nach dem so wichtigen Derbysieg gegen Mannheim, der wie Balsam auf der geschundenen FCK-Seele wirkte, zeigten sich Anhänger, Mannschaft und Trainerteam wieder euphorischer - eine durchaus seltene Emotion in der jüngsten Vergangenheit. Man durfte sich also wieder einmal auf ein Heimspiel freuen, bei dem die Wende aus der sportlichen Talfahrt gelingen und im besten Fall der Derbysieg mit drei weiteren Punkten gegen die zweite Garde des FC Bayern vergoldet werden sollte. Doch es wurde wieder einmal nichts mit der ersten Siegesserie der laufenden Saison. Dabei zeigte das Team von Marco Antwerpen eine ansprechende Leistung und hätte den Sieg mehr als verdient gehabt. Es sind wie so häufig die selben Gründe, weshalb der FCK nach wie vor im Tabellenkeller steckt. Gleichzeitig weckt die Leistung aus dem Heimspiel gegen die Münchner neue Hoffnungen und zeigt auf, warum die Roten Teufel die Klasse am Ende doch halten werden.

Miserable Chancenverwertung

Das größte Problem ist nach wie vor die Chancenverwertung. 23 Tore in 24 Spielen sprechen da eine deutliche Sprache - der FCK schießt einfach zu wenig Tore. Allein in der ersten Halbzeit hätten die Hausherren mit 2:0 in Führung liegen müssen. Positiv sei dennoch zu erwähnen, dass die Roten Teufel - wie auch bereits unter Jeff Saibene - immer wieder zahlreiche Chancen kreeieren. In den Abschlüssen fehlen möglicherweise die nötige Konzentration, Erfahrung und unter Umständen gar Abschlussfähigkeiten. Doch immerhin beweist die Mannschaft unter Antwerpen fußballerische Klasse. Gegen hochstehende Mannschaften erspielt sich der FCK mit seinem schnellen Umschaltspiel Räume in der gegnerischen Defensive. Problematischer wird es gegen tieferstehende Abwehrreihen, wie man nach dem Platzverweis für die Münchner deutlich erkennen konnte. In solchen Momenten fehlt es der Mannschaft noch an kreativen Lösungen.


Bereits vor dem Platzverweis offenbarte sich aus Lautrer Sicht ein Geduldsspiel. Was uns zum nächsten Punkt bringt, der fehlenden Konzentration. Die Defensive agierte stabil, kompakt und ließ über die gesamte Spieldauer fast nichts zu. Es war dann am Ende die eine Unachtsamkeit in der Lautrer Verteidigung, die plötzlich den Führungstreffer für die Gäste ermöglichte. Diese Szene war nicht nur tragisch, sondern auch typisch. Denn die Roten Teufel hatten das Spielgeschehen zu diesem Zeitpunkt unter Kontrolle. Der Führungstreffer für die Bayern, es war zeitgleich der erste richtige Torabschluss - ein Paradebeispiel für effektive Chancenverwertung. In der Vergangenheit lag die Wahrscheinlichkeit ein solches Spiel dann herzuschenken sehr hoch. Aber die Mannschaft zeigte Moral und erzielte nur wenige Minuten nach dem Rückstand den hochverdienten Ausgleich.


Der nächste positive Aspekt. Mit Marius Kleinsorge in Mannheim und Daniel Hanslik gegen München trugen sich plötzlich zwei Spieler in die Torschützenliste ein, die in dieser Saison weder in Form waren noch das Tor getroffen haben. Zudem traf mit Hanslik endlich ein Einwechselspieler. In den Wochen zuvor brachten die von der Bank kommenden Spieler statt frischen Wind ins Spiel oftmals nur ein laues Lüftchen. Hinzu kommt, dass die die Einstellung der Mannschaft in beiden Spielen unter Marco Antwerpen von der ersten Minute an stimmte. Nach dem Rückstand bewiesen die Roten Teufel Moral, agierten mutig und wollten den Sieg unbedingt erzwingen. Doch wie so oft fehlte erst das Glück, und dann kam auch noch Pech hinzu.

Äußere Faktoren

Vorab gesagt, sollen die folgenden Punkte weder Ausrede noch sonstige Rechtfertigungen sein. Der Rasen im Fritz-Walter-Stadion befindet sich in einem desolaten Zustand. Natürlich kämpfen immer beide Mannschaften mit diesen Wiedrigkeiten, der FCK betritt den Rasen dann aber doch in aller Regelmäßigkeit alle zwei Wochen. Was ein guter Rasen bewirken kann, zeigten die Roten Teufe lbereits in Uerdingen, Dresden oder Mannheim. Die Greenkeeper versuchen mit Sicherheit alles Mögliche, um das grüne Geläuf spieltagskonform vorzubereiten. In einigen Szenen jedoch zeigt sich, wie katastrophal die Qualität ist. Torhüter Spahic rutscht beim Abschlag auf dem sandigen Untergrund beinahe aus - und Kleinsorges Lauf wird beendet, als er sich im Boden festläuft. Dieser Rasen hat seine besten Zeiten hinter sich und könnte den FCK im schlimmsten Fall sogar noch Punkte kosten.


Den größeren Einfluss auf das Spiel nahm allerdings dass Unparteiischengespann. Das ständige Reklamieren und Fordern von gelben Karten seitens der Bayern beeinflusste den Schiedsrichter zusätzlich. Unglücklich und bitter für den FCK, dass es am Ende der Linienrichter war, der das Spiel mit einer Fehlentscheidung entschied. Unerklärlicherweise zeigte er beim vermeintlichen 2:1 Treffer durch Redondo Abseits an, obwohl er sich, wie Antwerpen nach dem Spiel äußerte, selbst nicht sicher war. Im Zweifel für den Angreifer, ein Credo, dass es nicht mehr zu geben scheint. Doch Fehler passieren und sind menschlich. Es ist jedoch erstaunlich zu sehen, wie oft der FCK in der 3. Liga benachteiligt wird, besonders bei spielentscheidenden Szenen. Am Ende bleibt dann nur noch Lothar Matthäus zu zitieren: „Wäre, wäre Fahradkette“. Die Chance zum Sieg war auch unabhängig dieser Szenen vorhanden.


Ein weiteres, jedoch übergreifendes Problem zeigt sich in den Unruhen bzw. den Erwartungen und teilweise überzogenen Kritiken im Umfeld. Spieler, Trainer, verantwortliche Personen. Die Namen können nicht so groß genug sein. Beinahe jede Veränderung und Entscheidung im Verein wird in den sozialen Netzwerken nicht nur kritisch hinterfragt, sondern vor allem über alle Maße kritisiert. Das kann an niemandem spurlos vorbeigehen, schon gar nicht an der Mannschaft. Das jüngste Beispiel Thomas Hengen zeigte es wieder eindrucksvoll. Ab dem 01. März wird Hengen als neuer sportlicher Leiter agieren. Seine Aufgabe: Neue sportliche Impulse setzen und der FCK sportlich auf ein solides Grundgerüst stellen. Der ehemalige Lautrer, der zuletzt als Manager beim Regionalligisten Alemannia Aachen tätig war, erntete Kritik, bevor er überhaupt loslegen konnte. "Was will man mit einem gescheiterten Sportvorstand, der noch nicht mal bei einem Regionalligisten Erfolg hatte", so die gängige Meinung in den sozialen Netzwerken. Die Kritik an Boris Notzon reiht sich da gnadenlos ein. Gleichzeitig und selbstverschuldet erntete der Aufsichtsrat im vergangenen Jahr aufgrund wochenlanger Querelen im Verein sehr deutliche Kritik. Hinzu kommen die Insolvenz und die Angst um die Zukunft des Vereins, der verschuldete e.V., drei Trainerwechsel, der Streit um und mit Gerry Ehrmann. Der Verein hat wieder einmal ein ereignisreiches und wahrlich schwieriges Jahr hinter sich. Mit der bevorstehenden Jahreshauptversammlung bleibt letztlich die Frage offen, ob nun Ruhe einkehren kann, oder ob Unruhe weiterhin das treibene Mittel bleibt.

Eine Frage der Zeit

Die Situation der Roten Teufel ist weiterhin bedrohlich, dennoch macht vor allem auch der neue Trainer Mut. Vor Marco Antwerpen liegt in den verbleibenen 14 Spielen allerdings noch immer viel Arbeit. In den wenigen Tagen seit seinem Amtsamtritt hat das neue Gespann an der Seitenauslinie vieles richtig gemacht, und vieles bewirkt. Antwerpen hat es geschafft, Spieler, die in einem Leistungstief steckten, zu stärken. Und es gelang ihm in kürzester Zeit, der Mannschaft Mut und Selbstvertrauen einzuhauchen.


Unmittelbar nach dem Platzverweis war es besonders bemerkenswert, wie Antwerpen seine Grundordnung und Spielidee veränderte, in dem er mit Marlon Ritter einen Mann für die gefährlichen Bälle ins Spiel brachte. Der neue Cheftrainer zeigt sich flexibel, taktisch variabel und ist in der Lage, auf veränderte Umstände im Spiel entsprechend zu reagieren. Vielleicht gelingt es ihm sogar, bis zum nächsten Spiel gegen Ingolstadt die Chancenverwertung in den Griff zu bekommen.


Quelle: Treffpunkt Betze