"Der FCK muss endlich von seinem hohen Ross"

Es sind nur noch wenige Tage bis zur Jahreshauptversammlung und der damit verbundenen Neuwahl des 5-köpfigen Aufsichtsrates. Heute stellen wir von euch mit Carsten Krick einen weiteren Kandidaten vor. Im Gespräch mit Treffpunkt Betze spricht der 34-jährige über seine Vorstellung vom FCK, die Außendarstellung des Vereins und die Notwendigkeit, sportlich neue Rahmenbedingungen zu setzen.


Treffpunkt Betze: Was sollten die Mitglieder des 1. FC Kaiserslautern über Sie wissen? Welche Kompetenzen bringen Sie ein, die den FCK in seiner gegenwärtigen Situation wirksam unterstützen?


Carsten Krick: Ich lebe derzeit in Ludwigshafen und bin dort in einem Zahn- und Dentallabor tätig. Ich bin durch meine Familie zum FCK gekommen und stelle auch heute immer wieder fest, dass ich für meinen Teil bei einem Fußballspiel mitfiebern können muss. Und das kann ich eben nun mal nur beim FCK. Seit rund 20 Jahren bin ich zudem als Schiedsrichter im Südwestdeutschen Fußballverband und seit 15 Jahren als Trainer aktiv. Ich war in verschiedenen Vereinen Jugendtrainer, die meiste Zeit habe ich jedoch im Leistungszentrum beim FC Speyer verbracht, dort ist auch die „Dietmar-Hopp-Stiftung“ mit ihren Projekt „Anpfiff ins Leben“ aktiv. All das ist mein Hobby, meine Leidenschaft. Ich bin auch da ambitioniert, etwas zu gestalten und Verantwortung zu übernehmen. Mir ist sowohl als Trainer als auch als Schiedsrichter wichtig, miteinander im Gespräch zu sein. „Behandel die anderen so wie du auch behandelt werden willst“, das ist nicht nur auf dem Fußballplatz, sondern auch in meinem Leben ein wichtiges Leitbild.


Ich bringe aus dem Verein in Ludwigshafen Erfahrungen aus dem Ehrenamt mit. Dort war ich als ehrenamtlicher Vorstand und zudem als Schriftführer in verschiedenen anderen Vereinen tätig. Dadurch und durch meine Aktivitäten im Südwestdeutschen Fußballverband habe ich einen guten Überblick über die Arbeit in Gremien gewinnen können.

Carsten Krick: „Der FCK steht an erster Stelle“

Der Grund, warum ich diesen Schritt gehe und mich als Kandidat bei der bevorstehenden Wahl zum Aufsichtsrat aufstellen lasse ist, dass mir im Aufsichtsrat ein neutraler Blick auf all die Dinge fehlt. Früher wurden viele Aufsichtsräte gewählt, da sie ein Studium abgeschlossen haben, Bänker oder Kaufmänner waren. Finanziell und sportlich hat sich dadurch nichts geändert, nur das Chaos wurde größer. Ich sehe mich dabei nicht als Fanvertreter, und ich kann mich auch nicht für jeden Fan stark machen. Ich bin aber vor allem neutral und loyal dem FCK gegenüber - als Fan der Roten Teufel gehöre ich zudem keiner Gruppierung und keinem Fanclub an. Ich mache das nicht, weil ich mich darstellen will.


Für mich gehört zum Aufsichtsrat dazu, einen ganz pragmatischen Blick auf die Dinge einzunehmen. Da möchte ich das Beispiel ‚Großaspach‘ aufführen, denen der FCK eigentlich Geld schuldet. Ich schäme mich als Mitglied und Fan, dass wir einem solchen Verein Geld schulden. Und dass es anscheinend niemanden gibt, der Interesse daran hat, das gerade zu biegen, in welcher Form auch immer. Wenn man die damaligen Ablösesummen nicht zahlen kann, dann muss man sich zumindest menschlicher und greifbarer präsentieren. Genau solche Innovationen für solche klaren Dinge fehlen mir im Verein. Und ich bin auch der Meinung, der FCK hockt immer noch auf einem hohen Ross. Von diesem muss der Verein unbedingt runter, sonst schmeißt es uns irgendwann mal ab. Es braucht also unbedingt 'Kommunikation auf Augenhöhe'. Und diesen Blick bringe ich ein, weil ich den FCK kenne und weiß wie er nach außen wirkt. Ein weiteres Problem sehe ich in der vereinsinternen und -externen Kommunikation. Es werden Entscheidungen getroffen, die möglicherweise nicht einstimmig sind. Wenn ich solche Ergebnisse dann nach außen kommuniziere, dann muss man das als Einheit tun. Sollte ich nach der Wahl nicht in den Aufsichtsrat einziehen, dann erhalten dennoch alle Kandidaten die volle Unterstützung. Darin erkenne ich Geradlinigkeit.


Treffpunkt Betze: Das Insolvenzverfahren ist abgeschlossen, die Aktiengesellschaft ist zwar schuldenfrei, der e.V. jedoch mit mehreren Millionen Euro verschuldet. Welche Weichen gilt es aus Ihrer Sicht in den kommenden 12 bis 24 Monaten unbedingt zu stellen? Welche strukturellen Herausforderungen gehen damit einher? Und welche Ideen und Lösungen werden Sie diesbezüglich einbringen?


Carsten Krick: Das kann nur die Arbeit am sportlichen Erfolg sein. Aber den erreicht man nicht, wenn man nur drüber redet. Andere Vereine mit deutlich geringeren Budgets leisten wirklich tolle Arbeit. Wichtig ist, dass man bodenständig bleibt und nicht nach einer Saison, in der man soeben den Klassenerhalt gesichert hat, vom Aufstieg spricht. Die Verantwortlichen im Verein sagen das, weil sie meinen, die Fans wollen das hören. Aber ob das realistisch ist? Wir erreichen unsere Ziele seit über 10 Jahren kontinuierlich nicht mehr – und man sieht ja, wo wir heute stehen. Die Entwicklung ist dramatisch.

"Videos von Fritz Walter reichen nicht aus"

Man muss Thomas Hengen jetzt das Vertrauen schenken und ihm eine faire Chance geben. Wir müssen als Verein wieder eine Anlaufstelle werden, und zwar nicht, weil Spieler hier viel Geld verdienen können, sondern weil sie hier eine hervorragende Ausbildung genießen. Ich kann die Gehaltsstrukturen nicht im Detail bewerten, aber man muss sie beleuchten und überarbeiten. Ich denke, zu viele Spieler erhalten ein zu hohes Grundgehalt, aber geringe Prämien. Wieso sollten sie sich dann ein Bein für den FCK ausreißen? Diesen Weg können wir in der 3. Liga nicht gehen, weil wir uns aufgrund der geringen finanziellen Mittel den Aufstieg nicht erkaufen können. Zudem muss sich die Transferpolitik ändern. Wir können nicht nach Namen gehen, sondern müssen uns die Frage stellen, ob die Spieler, die zum FCK wechseln hungrig auf den Erfolg sind.


Wir dürfen uns da nicht der Phantasie ergeben, dass wenn wir Neuzugängen Videos von Fritz Walter zeigen, diese dadurch Leistung auf den Platz bringen. Wir müssen jungen Talenten die Chance geben, ihnen jedoch zeitgleich klar machen, dass sie nicht nur gefördert werden, sondern auch in ihre Weiterentwicklung investieren müssen. All das, was den FCK jetzt sportlich ausmacht ist nicht mehr zeitgemäß. Diese Strukturen müssen wir angehen, ansonsten wird der Erfolg ausbleiben. Und damit meine ich nicht die Satzung oder die grundsätzlichen Rahmenbedingungen. Das sind Dinge, die kann man angehen, wenn der FCK wieder mal für zwei oder drei Jahre in der 2. Liga spielen sollte und ein solides sportliches Fundament hat. Der sportliche zeitnahe Erfolg hat Priorität, ansonsten begeht man den dritten vor dem ersten Schritt.

"Vermitteln und beraten"

Treffpunkt Betze: Nach der Anstellung von Marco Antwerpen als neuen Cheftrainer ist eine öffentliche Debatte entfacht worden, inwieweit der Aufsichtsrat Einfluss auf das operative Geschäft nehmen darf. Welches Selbstverständnis liegt dem Aufsichtsrat zugrunde? Und welche Position vertreten Sie dabei?


Carsten Krick: Diese Unterscheidung ist in der Satzung geregelt, und daran haben sich alle Aufsichtsratsmitglieder zu halten. Scheinbar wurde in der genannten Situation das Heft selbst in die Hand genommen, da an anderen Stellen die sportliche Kompetenz fehlte. Mit einer starken und kompetenten Persönlichkeit müssten wir darüber gar nicht reden, dass ein Aufsichtsrat überhaupt auf die Idee kommt, einzugreifen. Die Notwendigkeit entstand scheinbar daraus, dass es seit geraumer Zeit komplett schief lief. Da sind wir wieder bei der Grundwurzel des Problems. Bei sportlichem Erfolg und sportlicher Kontinuität kann ein Aufsichtsrat ganz anders zu Werke gehen.


Aufsichtsratsmitglied zu sein bedeutet für mich, zu vermitteln, zu beraten, Ansprechpartner zu sein, Tipps und Hinweise zu geben, besonders in Sachen Außenwirkung.


Treffpunkt Betze: Wir bedanken uns für das offene und ehrliche Gespräch und wünschen Ihnen für die Wahl am 26. Februar alles Gute und viel Erfolg!


Quelle: Treffpunkt Betze


Die weiteren Aufsichtsratskandidaten im Gespräch:

Bernhard Koblischeck: "Die Komplexität erfordert einen transparenten und messbaren Plan"

Fritz Fuchs: "Nur mit einer sportlichen Philosophie kommen wir da raus"