Kommentar: Lautrer geben niemals auf

Im Abstiegkampf kommt es auf Kampf, Leidenschaft und die innere Einstellung an.

Wieder einmal hat es gegen einen direkten Konkurrenten nicht zum Sieg gereicht. Doch die englische Woche der Roten Teufel lässt sich dennoch als einigermaßen erfolgreich bezeichnen. Fünf Punkte konnte der FCK in den vergangenen drei Spielen erkämpfen und dadurch den großen Rückstand von sieben auf drei Zähler reduzieren. Die Auftritte des 1. FC Kaiserslautern bleiben nach wie vor nichts für schwache Nerven, manch einen Fan treiben sie sogar in den Wahnsinn. Im Auswärtsspiel gegen den VfB Lübeck machen es die Gäste aus der Pfalz wieder unnötig spannend. Dabei wäre ein Sieg gegen einen direkten Tabellennachbarn so extrem wichtig gewesen, ein 6-Punkte-Spiel sozusagen. Doch angesichts des Spielverlaufs und der anstrengenden Belastung der letzten Tage war einfach nicht mehr drin. Dabei zeigten sich wieder altbekannte Schwächen, aber auch neue Stärken, die man vor ein paar Wochen noch schmerzlich vermisste.

FCK im Tiefschlaf

Wenn man die Spiele des 1. FC Kaiserslautern über die komplette Saison aufmerksam verfolgte, dürfte eines sofort auffallen: Die mangelnde Konstanz. Einer guten Halbzeit folgte in der Regel eine schlechte Halbzeit - einem gutem Spiel folgte in der Regel eine schwache Leistung. Unter Marco Antwerpen hat sich das zuletzt deutlich gebessert. Jetzt sind es nur einzelne Phasen, in denen die Mannschaft nicht konzentriert genug ist. Gegen Lübeck war der FCK in der ersten Hälfte in alte Muster zurückgefallen, und verschlief besonders die Anfangsphase. Das nächtliche Feuerwerk und der Feueralarm dürfen hier nicht als Ausrede gelten.


Sinnbildlich für den schwachen Beginn war der komplett misslungene Rückpass von Alexander Winkler auf Keeper Avdo Spahic, der diesen Ball nicht kontrollieren konnte und dabei den Lübecker Stürmer Akono zu Fall brachte. Hier stand das Schiri-Glück ausnahmsweise mal auf Lautrer Seite, sodass der Pfiff letztendlich ausblieb. Es war im Rückblick der vergangenen Wochen nicht der erste Rückpass, bei dem man als Zuschauer den Atem anhielt - es war demnach nur eine Frage der Zeit, bis es schiefgeht. Auch darüber hinaus wirkten die Roten Teufel nicht wach, waren zu passiv und kamen überhaupt nicht in die Zweikämpfe. Im Spiel nach vorne zeigten sich die Pfälzer ideenlos, agierten oft nur mit langen Bällen und verbuchten kaum gefährliche Abschlüsse. Besonders Flanken über die Außen fanden gar nicht erst ihren Weg in die gefährlichen Situationen und prallten bereits am ersten Gegenspieler ab.


All das machte die Hausherren aus Lübeck stark. Sie übernahmen zunehmend die Kontrolle über das Spiel, woraufhin auch nicht unverdient das 1:0 fiel. Dass der entscheidende Zweikampf zwischen Hercher und Ramaj womöglich ein Foulspiel war, glich sich spätestens jetzt durch den zuvor nicht gegebenen Elfmeter aus. Aufgrund einer Verletzung von Tim Rieder musste Marco Antwerpen noch vor der Pause umstellen - der Cheftrainer brachte Nicolas Sessa, der das Spiel der Gäste deutlich belebte. Dennoch blieben die ersten 45 Minuten aus Lautrer Sicht komplett verkorkst.

Kampf angenommen

Mit den Einwechslungen von Elias Huth und Daniel Hanslik gab Cheftrainer Marco Antwerpen die Marschroute für die zweite Halbzeit deutlich vor: Schnellstmöglich den Ausgleich erzwingen. Und sein Plan ging voll auf. Marvin Pourié zeigte seinen Kollegen Zuck und Hercher mit einer gekonnten und scharf geschlagenen Flanke, wie man Bälle gefährlich in den Strafraum bringt. Dort steigt Daniel Hanslik zum Kopfball und erzielt das wichtige 1:1. Zum wiederholten Mal bewies der FCK Moral und spielerische Comeback-Qualitäten und holte einen Rückstand auf. Noch vor ein paar Wochen wäre das genaue Gegenteil eingetroffen.


Plötzlich drehten die Roten Teufel auf, agierten spritziger und aktiver als noch in der ersten Hälfte. Die Zweikampfintensität stieg, und damit auch die Intensität im Spiel nach vorne. Es entwickelte sich ein echtes Kampfspiel auf beiden Seiten. Dabei blieben die fußballerischen Finessen auf der Strecke - zahlreiche Fouls und Fehlpässe verhinderten einen ordentlichen Spielfluss. Mit zunehmender Spieldauer wurde die Anstrenung der englischen Woche deutlich spürbar. Besonders Felix Götze und Nicolas Sessa, die beide aus einer langen Verletzung kommen, kamen an ihr Limit. Dadurch kam Lübeck wieder etwas besser zum Zug, doch der FCK kämpfte aufopferungsvoll bis zum Schluss.

Abgerechnet wird zum Schluss

Für Marco Antwerpen gilt es in der kommenden Woche einige Herausforderungen zu lösen. Durch den dritten Platzverweis in Folge ist ein weiterer Spieler gesperrt. Zudem ist abzuwarten, wie sich die Verletzungen von Tim Rieder und Jean Zimmer entwickeln. Nicht auszuschließen ist, dass Antwerpen durch die Ausfälle von Winkler, Kraus und Rieder in der Innenverteidigung auf Spieler aus der U21 oder U19 zurückgreifen muss. Problematisch dabei ist, dass gerade den jungen Talenten jeglicher Spielrhythmus fehlt. In einem hitzigen Derby wie kommende Woche gegen Saarbrücken kann dies äußerst riskant sein. Auch das Thema Belastungsteuerung dürfte ein wichtiges Thema unter Woche sein. Gerade Sessa und Götze sind zwei Schlüsselspieler, die in den kommenden Wochen dringend benötigt werden.


Marco Antwerpen muss es zudem schaffen, die nötige Mischung in Sachen Motivation zu finden. In manchen Spielphasen wirkt die Mannschaft übermotiviert und zu hastig, wodurch vielversprechende Situationen leichtfertig verspielt wurden. Ebenfalls ein Punkt sind die unnötigen Platzverweise, die das Team immer wieder schwächen.


Die Situation im Abstiegskampf ist nach wie vor bedrohlich, aber nicht unlösbar. Der 1. FC Kaiserslautern steht nach wie vor mit drei Punkten Rückstand unter dem Strich. Doch eines macht mittlerweile Mut: Die Mannschaft kämpft und läuft deutlich mehr, es scheint, als habe sie begriffen, worauf es im Abstiegskampf ankommt. Ein weiterer Hoffnungsschimmer besteht darin, dass der FCK von allen im Tabellenkeller stehenden Mannschaften den vermeintlich leichtesten Spielplan hat. Und: Bei sieben verbliebenen Spielen haben es die Pfälzer weiterhin selbst in der Hand haben. Um die Chance auf den Klassenerhalt bis zum Schluss zu wahren, darf der FCK im besten Fall kein Spiel mehr verlieren. Und bei allen Prognosen, Prophezeiungen und Tabellenrechnern: Wichtig ist, dass der FCK nicht heute über dem Strich steht, sondern am 38. Spieltag. Abgerechnet wird bekanntlich erst am Schluss.


Quelle: Treffpunkt Betze