Kommentar: Kurz davor - aber noch nicht im Ziel

Der FCK ist dem Minimalziel 'Klassenerhalt' näher gekommen
Der FCK ist dem Minimalziel 'Klassenerhalt' näher gekommen

Der FCK hat es mal wieder gegen seinen Lieblingsgegner krachen lassen. Und zwar so richtig. Mit 4:1 schickten die Lauterer Jungs den KFC wieder zurück nach Krefeld. Nach kurzem Schock gleich zu Beginn hatte die Mannschaft ein weiteres Mal ihre hervorragende aktuelle Form unterstrichen. Dem Klassenerhalt ist man mit diesem Sieg im Sechs-Punkte-Spiel deutlich näher gekommen. Trotz allem darf man nicht den Fokus verlieren. Gerettet ist der 1. FC Kaiserslautern schließlich noch lange nicht.

Flanken und Standards bereiten dem FCK wie gewohnt große Probleme

Dass die Roten Teufel bei Flanken und Standards anfällig sind, ist bei Weitem kein neues Phänomen. Insbesondere die Schwäche bei ruhenden Bällen verfolgt den FCK schon sehr lange, sowohl vorne als auch hinten. Auch hohe Hereingaben außerhalb der Box stellen die ansonsten meist stabile FCK-Defensive häufiger vor Probleme. Diese Angelegenheit wurde den Pfälzern auch diesmal zum Verhängnis, denn die Gäste brachten gleich zu Beginn mit einer scharfen Flanke Unruhe in den Strafraum der Gastgeber. Kraus konnte nicht richtig klären und der Ball kam postwendend zurück. Die Kugel landete letztendlich über Umwege im Netz und das Ping-Pong-Tor war geschaffen. Eine der harmlosesten Offensivabteilungen der Liga konnte dem FCK spielerisch im gesamten Spiel überhaupt keine Paroli bieten. Mit ein wenig mehr Glück hätte der KFC die Anfälligkeit des FCK bei Standards besser ausnutzen und mehr als ein Tor erzielen können. Wenn es aktuell etwas zu kritisieren gibt, dann ist es wohl genau das.

Kämpfertruppe Kaiserslautern schlägt wieder zu

An manchen Tagen ist es schwer zu glauben, dass das Team der Hin- und Rückrunde mit wenigen Änderungen dasselbe ist. Vor noch nicht allzu langer Zeit hingen die Köpfe der Pfälzer nach dem ersten Rückschlag bereits sehr weit unten. Das hat sich mittlerweile komplett verändert. Unter Antwerpen gab es, den Aspekt der Körpersprache betreffend, eine 180-Grad-Wendung. In den letzten Wochen entwickelte sich die Mannschaft zu einer richtigen Kämpfertruppe. Sie stecken jeden noch so schweren Nackenschlag weg und beweisen immer wieder ihre unglaubliche Moral. Auch dieses Mal hat man die Nerven behalten und nur acht Minuten später zurückgeschlagen. Götze erobert, Hanslik leitet weiter und Hercher vollstreckt. Die Tore zwei und drei folgten noch vor der Pause. An allen drei Treffern beteiligt war jemand, der in den letzten Wochen so richtig aufgedreht und eine alte Leidenschaft entdeckt hat.

Der Mann der Stunde: Philipp Hercher

Es klingt komisch, aber es ist Realität: Außenverteidiger Hercher und Mittelstürmer Pourié stehen zusammen mit jeweils 12 Scorer-Punkten an der Spitze der teaminternen Tabelle. Dass ein Abwehrspieler so torgefährlich ist, sieht man nicht allzu häufig. Insbesondere diejenigen, die nicht für Strafstöße verantwortlich sind. Dabei kommt die Torgefährlichkeit des 25-Jährigen nicht von ungefähr. Besonders deutlich wird sie, wenn man sich intensiver mit Herchers Vergangenheit beschäftigt. „Hecke“ spielte seine gesamte Jugend beim 1. FC Nürnberg und ist eigentlich gelernter Offensivspieler. In der Zweitvertretung des FCN kam er sowohl als Mittelstürmer als auch als Außenbahnspieler zum Einsatz. Den endgültigen Sprung zu den Profis konnte er dort zwar nicht schaffen, jedoch landete er letztendlich über die Stationen Aalen und Großaspach auf dem Betzenberg. Während er in Aspach immer noch als Flügelspieler eingesetzt wurde, verpasste ihm der damalige FCK-Coach Sascha Hildmann im Sommer eine neue Rolle. Diesmal sollte er die Position des Linksverteidigers ausfüllen. Dieses Projekt hatte nach kleinen Startschwierigkeiten aber sofort funktioniert. Mittlerweile ist Philipp Hercher nicht mehr wegzudenken.

Das war es noch lange nicht

Den gestrigen Sieg gegen Uerdingen darf man auch nicht all zu hoch hängen, schließlich arbeiten die Gäste seit geraumer Zeit nicht mehr unter gängigen Profibedingungen. Beim KFC fehlen neben dem sportlichen Erfolg auch noch ganz andere Dinge. Wie der vor Kurzem erst gefeuerte KFC-Trainer Stefan Krämer einmal durchblicken ließ, fängt es bei ganz banalen Sachen wie Wasser für die Spieler, einem geeigneten Trainingsplatz, Massageöl für die Physios oder auch einem Schnittprogramm für den Videoanalysten an. Dinge, die man bei einem Profiklub eigentlich voraussetzen sollte. Dazu kommt dann noch enormes Verletzungspech. Auf dem Betzenberg ist man mit insgesamt 14 Feldspielern angetreten, die Bank blieb dahingehend größtenteils leer. FCK-Fans sind eine teilweise katastrophale Außendarstellung ihres Vereins durchaus gewohnt. Doch das Motto „Schlimmer geht immer“ bewahrheitet sich hier ein weiteres Mal.


Trotz aller Freude über diesen wichtigen Sieg gilt es jetzt den Fokus weiterhin hochzuhalten. Der FCK ist wieder einen Schritt weiter gekommen, aber noch lange nicht im Ziel. Daher gilt der Blick auf das Auswärtsspiel am kommenden Wochenende bei Viktoria Köln, um dort den Sack bestenfalls schon zuzumachen. Eine Zitterpartie am letzten Spieltag gegen Verl möchte niemand freiwillig durchleben.


Beim Fritz-Walter-Klub könnte man eine Horrorsaison letztendlich doch noch irgendwie retten. Es lässt sich nur hoffen, dass es nicht auf die dramatischste Art und Weise am letzten Spieltag entschieden wird. In Kaiserslautern hat man diese Saison nämlich schon genug gelitten.


Quelle: Treffpunkt Betze