Kommentar: Nichts erreicht, nur verhindert

In der abgelaufenen Spielzeit hat der FCK nichts erreicht, nur verhindert!

Der 1. FC Kaiserslautern hat die Drittliga-Saison 2020/21 auf dem 14. Tabellenplatz beendet und kam so noch mit einem blauen Auge davon. Wir blicken zurück auf die wohl schlechteste Saison in der Geschichte des FCK.


„Dritte Liga, Nichtabstiegsplatz – wir feiern´s wie die Meisterschaft!“, singt die Band Feine Sahne Fischfilet in ihrem Lied „Wo niemals Ebbe ist“. Zwar besingen die Musiker mit dem FC Hansa Rostock eine Mannschaft, die die Liga nun in die „richtige“ Richtung verlassen hat, doch die Gefühlslage lässt sich gut mit der aktuellen Situation des FCK vergleichen. Über 500 Fans feierten am Betzenberg nach dem müden Abschlusskick gegen den SC Verl (1:1) das Saisonfinale. Die Freude ist natürlich nachvollziehbar. Als man zwischenzeitlich sieben Punkte Rückstand zum rettenden Ufer hatte, wurden in Gedanken schon Regionalliga-Auswärtsfahrten nach Elversberg, Pirmasens und Steinbach geplant. Doch bei aller Freude über die späte Aufholjagd und den Klassenerhalt fällt das Saisonfazit mehr als ernüchternd aus: Der FCK hat in dieser Saison nichts erreicht, nur verhindert.

Mal wieder zu große Erwartungen

Die Erwartungshaltung in und um Kaiserslautern war vor Saisonstart gewohnt groß. Nach der guten Schlussphase der Vorsaison und – auf dem Papier – starken Transfers wurde erneut der Aufstieg in die 2. Bundesliga als Saisonziel ausgerufen. Gestandene Drittliga-Profis wie Marvin Pourié, Tim Rieder und Alexander Winkler sollten die Roten Teufel als Führungsspieler ins Aufstiegsrennen hieven. Die Realität sah allerdings wieder einmal anders aus. Alle Sommertransfers blieben zunächst deutlich hinter den Erwartungen zurück. Nach nur zwei Spieltagen kam es dann auch schon zum ersten Trainerwechsel. Boris Schommers musste seinen Hut nehmen und wurde von Jeff Saibene beerbt, der es jedoch auch nicht schaffte, den Kader zu einer Mannschaft zu formen. Schommers wollte mit hochkomplexen taktischen Raffinessen die kampfbetonte Natur der Dritten Liga umgehen und redete während den Spielen nahezu ununterbrochen auf seine Spieler ein. Jeff Saibene saß hingegen meist emotionslos am Spielfeldrand und glänzte mit einer zu braven und zögerlichen Spielausrichtung. Beide Ansätze scheiterten am Ende kläglich, weshalb wieder einmal früh klar war, dass man sich beim FCK erneut mehr Gedanken um das untere Ende der Tabelle machen muss. Der sportliche Misserfolg wurde – selbstverständlich – auch wieder von massig Nebenkriegsschauplätzen in der Führungsetage begleitet. Machtkämpfe, Rücktritte, Vorwürfe, Streitereien – man kennt es.

Die Wende

Nach 22. Spieltagen zogen die Verantwortlichen auf dem Betzenberg erneut die Reißleine und trennten sich nach nur vier Monaten als Tabellen-17. von Jeff Saibene. Mit Marco Antwerpen übernahm ein unbequemer Typ das Traineramt, der bei seinen vorherigen Stationen mehr als einmal aufgrund interner Streitigkeiten seine Koffer packen musste. Ein mutiger Schritt, der von vielen FCK-Anhängern mit Skepsis beobachtet wurde. Wenn auch unerwartet, wurde der FCK tatsächlich einmal für seinen Mut belohnt. Marco Antwerpen stellte sich als absoluter Glücksgriff heraus, der es geschafft hat, dieser blutleeren Truppe neues Leben einzuhauchen. Der 49-jährige lebt den Kampf, die Leidenschaft und die Emotionen, die er von seinen Spielern auf dem Platz sehen will, an der Seitenlinie vor. Der 2:0 Auswärtssieg beim Erzrivalen aus Mannheim bei Antwerpens Debüt war der Startschuss zur Aufholjagd. Danach blieb es weiterhin eng. Und es folgten auch weitere zum Teil katastrophale Auftritte, die jeden FCK-Fan so einige Lebensjahre kosteten. Doch allmählich wurde eine gewisse Aufbruchsstimmung spürbar. Ja, der ein oder andere erwischte sich sogar dabei, sich wieder auf die Spiele der Roten Teufel zu freuen. Trotzdem bleibt es eine Saison zum Vergessen. Es ließen sich noch etliche Punkte aufzählen, wegen denen diese Spielzeit im Detail so unterirdisch verlief, aber das sparen wir uns an dieser Stelle. Jeder, der es mit dem FCK hält, musste sich in den vergangenen Monaten zu Genüge mit den negativen Aspekten des Fan-Daseins auseinandersetzen. Widmen wir uns lieber den positiven Entwicklunge.

Die Lichtblicke der Saison

Es gab trotz allem auch einige gute Entwicklungen im Verein. Blicken wir auf die Lichtblicke der Saison zurück:


Starke Wintertransfers:
Im Januar war für jeden klar, dass sich etwas an der Mannschaft verändern muss, um das Horrorszenario Regionalliga noch abzuwenden. Mit Anas Ouahim, Marvin Senger, Felix Götze und – allen voran – Jean Zimmer sicherte sich der FCK für die Rückrunde vier neue Leihspieler aus der 1. und 2. Bundesliga. Alle vier schafften es die Mannschaft zu verstärken und sich in die Startelf zu spielen. Mit Nicolas Sessa gab es zusätzlich noch einen „halben“ Neuzugang. Sessa wechselte zwar bereits im Sommer in die Pfalz, konnte aber wegen mehrerer Verletzungen erst ab April aktiv mitwirken und seine Fähigkeiten präsentieren.


Zweifacher Derbysieger:
2:0 in Mannheim, 2:1 auf dem Betze gegen Saarbrücken. Die Roten Teufel konnten in der Rückrunde die beiden Südwest-Derbys mit starken Leistungen für sich entscheiden. Bei all den Tiefschlägen waren diese beiden Siege reinstes Balsam für die geschundenen Fan-Seelen und eine wichtige Zusatzmotivation für den Saisonendspurt. Die Tabelle lügt zwar nicht, doch im direkten Vergleich regiert im Südwesten weiterhin der FCK!


Die Rückkehr der (fast) Vergessenen:
Mit Dominik Schad, Lukas Gottwalt und Lukas Spalvis konnten in den vergangenen Wochen gleich drei Langzeitverletzte FCK-Profis endlich wieder ins Mannschaftstraining einsteigen. Während Lukas Gottwalt den Verein verlassen wird, werden Schad und Spalvis behutsam an den Leistungssport herangeführt. Die Vorbereitung auf die neue Saison wird zeigen, ob sie ihr altes Niveau noch einmal erreichen können.


Kompetenz neben dem Platz:
Dass die Verpflichtung von Marco Antwerpen die wohl beste Trainerentscheidung der vergangenen Jahre war, wurde schon ausführlich besprochen. Beim FCK gibt es mit Thomas Hengen jedoch eine weitere Personalie, die Grund zur Hoffnung gibt. Mit Hengen als Geschäftsführer Sport hat man das Gefühl, endlich wieder fachliche Kompetenz in den eigenen Reihen zu haben. In den kommenden Wochen und Monaten muss sich Hengen als Kaderplaner beweisen und eine Mannschaft zusammenstellen. An der Leistung dieser Mannschaft wird auch er sich messen lassen müssen.

Wie geht es weiter?

Für alle Beteiligten wäre es am besten, diese Saison so schnell wie möglich abzuhaken und nach vorne zu blicken. Wer die Fans des 1. FC Kaiserslautern kennt und auch selbst einer ist, weiß, dass es auf dem Betze selten einen Mittelweg zwischen vernichtendem Pessimismus und überschäumendem Optimismus gibt. Die steigende Formkurve der vergangenen Wochen lädt zum Träumen ein, doch man sollte sich auch um Realismus bemühen. Niemand sollte erwarten, dass der FCK die Liga in der kommenden Saison dominieren wird und nach 20 Spieltagen den Aufstieg eintütet. Trotzdem ist es in Ordnung, den Verantwortlichen um Antwerpen und Hengen etwas Vertrauen zu schenken und ohne beißende Existenzängste der neuen Spielzeit entgegenzublicken. Wir alle haben eine lange und nervenaufreibende Saison hinter uns, die nun erstmal verdaut werden muss. Unabhängig von der Entwicklung der Mannschaft werden wir auch in Zukunft Spiele erleben, bei denen wir entsetzt auf das Geschehen blicken und unser Dasein als FCK-Anhänger verfluchen – doch was wäre das Fan-Leben ohne all die Emotionen, egal ob gute oder schlechte.


Am Ende des Tages ist der 1. FC Kaiserslautern mit einem blauen Auge davongekommen und konnte den Fans doch noch einen versöhnlichen Saisonabschluss bereiten. Trotzdem möchte ich an dieser Stelle noch einmal das bereits vorweggenommene Fazit wiederholen: Der FCK hat in dieser Saison nichts erreicht, nur verhindert.


Quelle: Treffpunkt Betze