Roundhouse-Kick: Rot-weiß-rote Ekstase

Die Roten Teufel feiern den 2:0 Derbysieg gegen Saarbrücken
Foto: Boris Tomiak (Instagram)

Ach wat is' dat schön! Erst drehte der Mannschaftsbus auf dem Weg nach Saarbrücken noch eine Extra-Runde und ließ sich am Lautrer Bahnhof von mehreren hundert FCK-Fans frenetisch verabschieden. Auf dem Platz gab es dann zunächst 90 Minuten Hardcore, echte Gefühle, gefolgt von Marco Antwerpen, der beide Fäuste zur Siegerpose in die Luft rammte und einer Mannschaft, die den Derbysieg gemeinsam mit den Fans ausgelassen feierte. All das sind Bilder, die für den 1. FC Kaiserslautern zwar nicht untypisch sind, in den letzten Jahren jedoch zur Rarität wurden. Alles über unseren Hashtag der Woche #derbysieg und was in der letzten Woche sonst noch wichtig war. Unser Wochen-Rückblick.


1. Verbale Blutgrätsche aus der Politik: Die Blutgrätsche der Woche beging der saarländische Innenminister Klaus Bouillon. Der CDU-Mann erwartete zum Derby beim FCS "zwei Sonderzüge voller Chaoten" aus Kaiserslautern. Dass man aufgrund seiner Leidenschaft für die Roten Teufel generell vorverurteilt wird ist eine Sache - aber das dies durch einen Mann geschieht, dessen 70. Geburtstag zu staatsanwaltlichen Ermittlungen führte und dessen Steuererklärung durchaus auch mal die Steuerfahnder auf den Plan ruft, setzt dem Ganzen die Krone auf. Gut, der Mann ist Minister für Inneres, Bauen und Sport – bei den Themen „präventive Deeskalation“ und „sportliche Fairness“ hat er versagt. Vielleicht klappt es ja mit dem Bauen.


Bouillon rechnet mit „Sonderzügen von Chaoten“


2. Lord Helmchen beim FCK: Felix Götze is back! Oder wie die Bild-Zeitung gerne tituliert: Der "Götze-Bruder". Herrgottnochmal, der Mann heißt Felix. Aber wie sagt Ruhrpott-Kabarettist Hagen Rether gerne so schön: "Wat reg ich mich auf?!". Der Lautrer Defensivstratege kehrte nach seiner Gehirnerschütterung, die er beim Gastspiel in Duisburg erlitten hatte, in den Kader zurück. Nachdem sich Götze bereits in Berlin bei einem Zusammenprall am Kopf verletzte, entschied er, vorerst mit Schutzhelm agieren zu wollen. Nach den Schrecksekunden für uns alle und vor allem für ihn selbst eine nachvollziehbare und begrüßenswerte Entscheidung. Auf viele weitere verletzungsfreie Spiele im FCK-Trikot!


Felix Götze: Mit Helm wieder voll im Einsatz


3. Marlon, der Derby-Crasher: Eigentlich spricht alles dafür, den Vertrag mit Marlon Ritter vorzeitig zu verlängern. Der Neu-Sechser wies vergangene Woche im Kicker-Interview darauf hin, dass er mit dem FCK noch kein Derby verloren hat. Und er sollte recht behalten. Seit Ritter auf dem Betzenberg spielt, feierte der FCK gegen Waldhof Mannheim und Saarbrücken insgesamt drei Siege - und genauso häufig mussten die Punkte geteilt werden. Eine Derby-Niederlage mussten die Pfälzer seit dem Abstieg in die dritte Liga also noch nicht einstecken. "Der Südwesten ist und bleibt nun mal rot-weiß-rot". Der Kader der Roten Teufel wäre folglich recht aufgebläht, wenn diese Tatsache der Maßstab von Vertragsverlängerungen wäre. Behält Ritter seine derzeitige Form bei, finden sich aber definitiv auch andere Argumente.


Ritter im Interview: Seitdem ich hier spiele, haben wir kein Derby verloren


4. Elwetritschejagd spanischer Art: Vergangenen Samstag waren es auf den Tag genau dreißig Jahre, als der FC Barcelona auf dem Betzenberg das Fürchten lernte. Kein Mensch hatte nach der 0:2 Hinspielpleite auch nur noch einen Pfifferling auf die Jungs von Kalli Feldkamp gesetzt. Es war klar, dass die Lautrer nur weiterkommen könnten, wenn sich der Mannschaftsbus der Spanier im Pfälzer Wald verirren und nicht wieder herausfinden würde. Aber manchmal kommt es halt anders. Der Busfahrer von Guardiola, Koeman, Stoichkov und Co. schaffte es ohne Navi und fehlerfrei zum Betzenberg. Und Coach Johan Cruyff erlebte beinahe sein blaues Wunder. Doppelpacker Hotic hatte das Hinspielergebnis nach 49 Minuten ausgeglichen. Der Betze bebte, 30.000 Zuschauer brüllten die Lautrer weiter nach vorn. Als Bjarne Goldbaek in der 76. Minute sogar das 3:0 erzielen konnte, war die Sensation greifbar nahe. Aber zum Leidwesen aller behielt auch Sepp Herberger an diesem Abend Recht. "Ein Spiel dauert 90 Minuten", und das wusste auch José Mari Bakero. Der spanische Mittelfeldspieler erzielte förmlich mit dem Schlusspfiff das 3:1 und sicherte durch die Auswärtstorregelung dem großen FC Barcelona doch noch das Weiterkommen und - wie sich im Laufe der Saison herausstellen wollte - auch den späteren Europapokal-Triumpf. Erlebnisse, wie man sie als Lautrer eigentlich nicht braucht - wobei so ein Pflichtspiel gegen die Katalanen in heutigen Zeiten auch so seinen Charme hätte.


Warum Kommentatoren bei Barça-Spielen bis heute "Kaiserslautern" schreien

Kaiserslauterns Barça-Trauma: "Nicht vergessen, nur verdrängt"


5. Boah, das war hart man(n): Bereits zum 35. Mal jährte sich in diesem Monat ein anderes denkwürdiges Spiel der Roten Teufel. Am 01. November 1986 schossen die Lautrer den FC Schalke 04 mit 5:1 vom Betzenberg. Soweit so uninteressant. Was dabei jedoch besonders war, waren die Lautrer Torschützen - oder besser gesagt der Lautrer Torschütze. Nur wenige Monate nach seinem Wechsel von den Königsblauen zum FCK schaffte es Frank Hartmann in den Kreis derer, denen fünf Bundesligatore in einem Spiel gelangen. Der gebürtige Koblenzer ließ seinen beiden Treffern zur 2:1 Halbzeitführung im zweiten Durchgang sogar einen lupenreinen Hattrick folgen und verschaffte sich so einen besonderen Platz in der Lautrer Vereinsgeschichte. Keinem anderen Spieler gelangen in der Clubhistorie so viele Treffer in einer Bundesligabegegnung. Nach weiteren 26 Treffern in insgesamt 99 Spielen für den FCK zog es ihn nach drei Jahren zur SG Wattenscheid 09, wo er seine Karriere ausklingen ließ.


Fünf Tore und ein lupenreiner Hattrick


Quelle: Treffpunkt Betze

Unsere Empfehlungen