Ein psychologisch unheimlich wichtiger Sieg

Trotz wiedriger Umstände feiert der FCK einen außerordentlich wichtigen 1:0 Heimsieg

Die Rahmenbedingungen im Vorfeld der Partie gegen den SV Wehen Wiesbaden hätten nicht viel schlechter sein können. Ein Corona-Ausbruch unter der Woche sowie zahlreiche Krankheitsfälle und Verletzungen bescherten dem 1. FC Kaiserslautern Personalsorgen auf allen Positionen. Auf insgesamt fünf Stammspieler musste Chefrainer Marco Antwerpen verzichten, darunter Torhüter Matheo Raab, Abwehrchef Kevin Kraus und Dauerläufer Philipp Hercher. Dementsprechend skeptisch blickte man im Umfeld des Betzenbergs auf die Begegnung mit dem SVWW, der bis zu diesem Zeitpunkt sogar die beste Auswärtsmannschaft der Liga darstellte.


Spieltagsbilder: 1. FC Kaiserslautern - SV Wehen Wiesbaden (1:0)


Doch die Roten Teufel entwickelten eine "Jetzt-erst-recht-Mentalität", trotzten allen wiedrigen Umständen und gingen am Ende verdient als Sieger vom Platz. Diese neu gewonnene Stärke zeigt deutlich, welche Entwicklung die Lautrer während der Saison gemacht haben. Und ein Ende scheint noch gar nicht in Sicht zu sein. Aus gutem Grund.

Eigentlich ein klassisches 0:0

Das Spiel begann ohne großes Abtasten, beide Mannschaften schenkten sich nichts. Auf Seiten der Hausherren machten sich die vielen Änderungen in der Startelf auch in der Spielweise bemerkbar. Immer wieder versuchte die neu formierte Abwehrreihe Kenny Prince Redondo mit schnellen Pässen hinter die Abwehr der Wiesbadener zu bringen, um so seine Schnelligkeit ausspielen zu können. Torchancen suchte man dennoch auf beiden Seiten vergeblich, zu sehr neutralisierten sich beide Mannschaften im Mittelfeld. Es zeichnete sich bereits zu Beginn der Partie ab, dass es entscheidende Kleinigkeiten sein werden, die den Unterschied ausmachen können. Weniger überraschend also, dass es lediglich nach Standards gefährlich wurde. Die Roten Teufel zeigten die insgesamt bessere Spielanlage, wurden mit zunehmender Spieldauer immer stärker und kamen der Führung dementsprechend auch immer näher. Am Ende der ersten Hälfte fehlten dann wortwörtlich nur wenige Zentimeter, als Redondo nach feiner Vorlage durch Ritter den Ball um Haaresbreite verfehlte. Es war die gefährlichste und zugleich einzige Torchance der Pfälzer in Durchgang eins.

Das Glück des Tüchtigen

Im zweiten Durchgang legten die Hausherren gar eine Schippe drauf und spulten ein unglaubliches Pensum ab. Mit hoher Laufbereitschaft und extrem bissigem Zweikampfverhalten drückte der FCK dem Spiel allmählich seinen Stempel auf. Die Wiesbadener wurden regelrecht überrumpelt und mit zunehmendem Spielverlauf immer passiver. Die Lautrer verpassten es jedoch weiterhin sich trotz guter Einschussmöglichkeiten zu belohnen. Dann folgte die Schlüsselszene des Spiels: Der eingewechselte Felix Götze läuft mit viel Platz auf der rechten Seite in Richtung des gegnerischen Strafraums und kann unmittelbar vor dem 16er nur mit einem Foul gestoppt werden. Ob sich das Foulspiel innerhalb oder außerhalb des Strafraums ereignete, war selbst in den Fernsehbildern nicht einhundertprozentig aufzulösen. An diesem Tag entschied das Schiedsrichtergespann auf Foulelfmeter. Während sich der SVWW über eine mögliche Fehlentscheidung ärgern dürfte, durften sich die meisten FCK-Anhänger nach zahlreichen Fehlentscheidungen in den vergangenen Wochen über diese Art der ausgleichenden Gerechtigkeit durchaus freuen. Den fälligen Elfmeter verwandelte Marlon Ritter in abgezockter und lockerer "Robert-Lewandowski-Manier". "Das habe ich mal im Fernsehen gesehen", kommentierte der Torschütze des Tages den eher ungewöhnlichen Elfmetertritt. Im Anschluss ließen die Roten Teufel kaum noch etwas anbrennen und retteten genauso souverän den Sieg über die Zeit. "Wir arbeiten brutal gut gegen den Ball, stehen defensiv gut und kämpfen. Wiesbaden hatte keine richtige Torchance und dann brauchst du halt auch mal Glück wie beim Elfmeter“, fasste Mike Wunderlich die Partie nach Abpfiff zusammen.

„Haben alle Qualität“

Trotz der zahlreichen und schwergewichtigen Ausfälle schlägt der 1. FC Kaiserslautern den SV Wehen Wiesbaden am Ende also verdient mit 1:0 und beweist, dass der häufig kritisierte Kader qualitativ gut besetzt ist. Ähnlich sieht es auch Innenverteidiger Boris Tomiak: "Wir haben einen breiten Kader. Egal wer spielt, wer auf der Bank sitzt oder auch fehlt, wir haben alle Qualität".


Da wäre beispielsweise Avdo Spahic zu nennen. Die Nummer eins aus der Vorsaison verlor seinen Stammplatz im Zweikampf gegen Matheo Raab - fügte sich jedoch ein, befeuerte einen neuen Konkurrenzkampf und hielt im Heimspiel gegen Wehen Wiesbaden, als wäre er nie draußen gewesen. Der FCK hält zwei starke Torhüter in den eigenen Reihen - ein Luxus, den nur wenige Vereine teilen dürfen. Auch in der 3er-Abwehrkette war der Ausfall von Kevin Kraus kaum zu spüren. Neuzugang Maximilian Hippe fügte sich ohne Anlaufschwierigkeiten in den Defensivverbund ein, bewies in den meisten Situationen sowohl sein gutes Stellungsspiel als auch die nötige Zweikampfhärte. "Ich bin mit der Mannschaft und mir sehr zufrieden. Ich bin überglücklich endlich mein erstes Spiel hier gemacht zu haben", äußerte der 23-jährige nach Spielende. Auch die übrigen Spieler fügten sich ohne große Probleme ein und knüpften nahtlos an die Leistungen der letzten Wochen an.


Besonders lobende Worte fand FCK-Cheftrainer Marco Antwerpen über Felix Götze. Götze, der in der vergangenen Trainingswoche krankkeitsbedingt pausieren musste, kam nach 60 Minuten für Nicolas Sessa in die Partie und trug maßgeblich zum vierten Heimsieg dieser Saison bei. "Es war eine richtig gute Einwechslung. Er war direkt da und hatte direkt Zug zum Tor". Bereits in der kommenden Woche im Auswärtsspiel gegen Borussia Dortmund könnten zahlreiche Rote Teufel nach überstandenen Infektionen und Erkrankungen in den Kader zurückkehren. Es wird spannend sein zu sehen, welche Spieler dann den Weg in die Startelf finden. Die gute Stimmung, die derzeitige Formkurve und ein offener Konkurrenzkampf dürften die Roten Teufel auf jeden Fall zusätzlich motivieren.

Alles eine Kopfsache

Dennoch war es für die gesamte Mannschaft nicht einfach und schon gar nicht selbstverständlich, all diese schwierigen Umstände der letzten Tage auszublenden. "Wir haben das als Herausforderung begriffen. Wir wollten nicht lamentieren. Die Jungs, die da sind, sind gute Jungs. Ich bin auf den ganzen Laden hier stolz", beschreibt Antwerpen die angespannte Lage vor dem Spiel und die Erleichterung danach.


Genau diese Mentalität ist es, die den FCK in den vergangenen Wochen so stark gemacht hat. Die Mannschaft kämpft als Kollektiv und ist deswegen in der Lage, individuelle Fehler auszubügeln. Mannschaft und Trainerteam wirken wie eine zusammengeschweißte Einheit. Hinzu kommt dieser unbändige Wille, alles zu geben und über die eigenen Leistungsgrenzen hinauszugehen. Manch einen erinnert das an zurückliegende erfolgreiche Zeiten, in denen der Kampf auf dem Spielfeld erst dann beendet war, als der FCK gewonnen hat.


Vergleicht man nun abschließend die Leistungen zu Saisonbeginn mit den jetzigen, dann lassen sich beachtliche Unterschiede erkennen. Neben der sehr wirksamen Systemumstellung wird deutlich, wie wichtig doch der Kopf und die Einstellung im Sport sind. In vielen Spielen seit dem Abstieg in die dritte Liga hätte der FCK in einer Partie wie der gestrigen entweder ein spätes Gegentor kassiert oder wäre erst gar nicht in Führung gegangen. Nach wie vor stehen jedoch wie zu Saisonbeginn die selben Spieler auf dem Platz. Marco Antwerpen und Frank Döpper ist es gelungen, ein neues Selbstbewusstsein zu entfachen, dass den Spielern erlaubt, endlich ihr fußballerisches Potenzial abzurufen und jegliche Zweifel zu beseitigen. In dieser Form und mit dieser Einstellung wird es jeder Drittliga-Verein schwer haben, diesen FCK zu schlagen.


Quelle: Treffpunkt Betze