Ein Taktik-Zeugnis für die Winterpause

Beim Jahresabschluss trennen sich der FCK und Braunschweig 1:1 Unentschieden
Foto: Imago Images / Kirchner-Media

In einem hart geführten und taktisch trotzdem sehr ansehnlichen Spiel trennen sich die Eintracht aus Braunschweig und der 1. FC Kaiserslautern beim Jahresabschluss 1:1 Unentschieden. Ein Spiel, das eigentlich torlos hätte ausgehen müssen. Der Blick auf die taktischen Anweisungen lohnt sich hierbei ganz besonders.

Hoch spielen, flach gewinnen


Die taktische Ausrichtung der Mannschaft von FCK-Cheftrainer Marco Antwerpen war von Beginn an klar zu erkennen. Frühes Anlaufen, gepaart mit schnellen Vorstößen nach Ballgewinn in der eigenen Hälfte. Dazu schnelle Konter nach Standard-Situationen der Braunschweiger und jede Menge Gegenpressing nach missglückten, aber durchaus einkalkulierten weiten Pässen. Soweit so offensiv. In der Defensive traten die Roten Teufel mit der gewohnten Dreier- bzw. Fünferkette an, die sich jedoch in diesem Spiel - ob geplant oder nicht - ein paar Mal selbst überraschte. So kippte Felix Götze regelmäßig ab, wodurch sich im Aufbauspiel eine Viererkette mit vier Innenverteidigern ergab. Jogis 2014er Weltmeister lassen grüßen. Zu Ende der ersten Halbzeit nahm in dieser Viererkette sogar Jean Zimmer die Rolle eines Rechtsverteidigers ein, was überraschenderweise dazu führte, dass sich Boris Tomiak plötzlich auf dem rechten Flügel wiederfand. Ein Tor entstand aus dieser Situation zwar nicht, verwirrte die Braunschweiger aber allemal.


Beide Tore entstanden nach Fehlentscheidungen des Unparteiischen, der besonders in der ersten Hälfte der ersten Halbzeit eine sehr strenge Linie fuhr und den ein oder anderen Zweikampf vielleicht zu unrecht abpiff. So kam es zu Beginn der zweiten Halbzeit, als Jomaine Consbruch nach Abseitsposition von Pena Zauner zur Führung der Hausherren traf. Und nur sechs Minuten später nahm Kenny Prince Redondo einen Kontakt von Braunschweigs Phillip Strompf allzu dankend an. Ein Elfmeter aus der Kategorie: Kann man pfeifen, sollte man aber nicht. Verwandelt wurde dieser durch das neue Herzstück der Pfälzer Mannschaft. Marlon Ritter trat an und verwandelte seinen zweiten Elfmeter in dieser Saison per neumodischem „Hüpf-Anlauf“. Neumodisch ist dabei übrigens nicht im mindesten despektierlich gemeint. Der „eingebaute“ Hüpfer gibt dem Schützen die nötigen Millisekunden, um den Torhüter zu verladen. Es sieht meist nur eben etwas unbeholfen aus.


Drei Innenverteidiger für ein Halleluja


Ansonsten war der durch Marco Antwerpen zum "Motor der Roten Teufel" - beziehungsweise der taktischen Offensiv-Ausrichtung - auserkorene Ritter auch in diesem Spiel mal wieder einer der besten gewesen. Er war stets vom eigenen Sechzehnmeterraum bis zu dem des Gegners zu finden. Er hat Bälle selbst erobert und Konter sowohl eingeleitet als auch vollendet.


Einzig die Defensivarbeit der Lautrer lässt sich in der Nachbetrachtung des Spiels kritisieren, schließlich hatten die Braunschweiger in der Mitte des Platzes oft sehr viel Raum zum Agieren. Und den bespielten sie auch immer dann, sobald sie das Pressing von Redondo und Hanslik überspielen konnten. Mit viel Tempo am Ball folgte daraufhin ein schneller Pass in die freie Mitte und ein Steilpass für Lion Lauberbach. Der hatte aufgrund seiner Schnelligkeit im Laufduell mit Kevin Kraus und Maximilian Hippe dann oft leichtes Spiel, konnte sich aus Sicht des FCK glücklicherweise aber nicht entscheidend durchsetzen. Ein Dank gilt an dieser Stelle wieder einmal Matheo Raab.


In der zweiten Halbzeit wurde diese Lücke im Mittelfeld dann sichtlich besser geschlossen. Dies führte dazu, dass sich Braunschweigs Lauberbach teilweise sehr tief fallen lassen musste und so besonders Hippe etwas mehr Zeit zum durchatmen gab. Der Neuzugang aus Dortmund, der zuletzt Alex Winkler aus der Startelf verdrängte, dürfte sich besonders in den ersten 35 Minuten sehr beliebt gefühlt haben, als die Braunschweiger Offensivkräfte nur gegen den 23-jährigen pressten, während Kraus und Tomiak weitestgehend ohne Gegenwehr agieren konnten. Die Kräfteverhältnisse der Dreierkette waren für die Braunschweiger also klar. Profit schlagen konnte der BTSV daraus allerdings nicht, denn die Lautrer - beziehungsweise Hippe selbst - konnten damit relativ gut umgehen. Um sich zu befreien, schlugen die Pfälzer Gäste weite Bälle in die Spitze und setzten zum Gegenpressing mit vier Mann an. Je nachdem, ob der Ball auf die rechte oder linke Seite des Platzes kam, schalteten sich Hendrick Zuck und Jean Zimmer zusätzlich mit ein. Es mag nach einem verhältnismäßig einfachen und für die dritte Liga gängigen Schachzug klingen, erfordert jedoch körperliche Fitness und die Bereitschaft, zusätzliche Meter zu gehen.


Gelungener Turnover


Jean Zimmer, der in der bisherigen Hinrunde zwar über die richtige Einstellung und Körpersprache verfügt, spielerisch aber häufig die falschen Entscheidungen trifft, leistete sich besonders im Spielaufbau über die rechte Seite mehrere Ballverluste, die vermeidbar gewesen wären. Und dabei geht es nicht um simple Fehlpässe wie der von Mike Wunderlich, der letztendlich zum 1:0 für Braunschweig führte. Es geht vielmehr um Kabinettstückchen, unnötige Dribblings und schlechtes Zweikampfverhalten. Drei Dinge, die man entweder schlicht nicht tun sollte oder durch einen Pass in die eigene Abwehr umgehen kann. Es bleibt zu hoffen, dass der Kapitän der Roten Teufel die Winterpause nutzen kann, um sein Leistungsniveau anzugleichen. In der gegenwärtigen Verfassung muss er sich jedoch hinter Philipp Hercher anstellen.


Generell darf der FCK in seiner aktuellen Form auf eine sehr zufriedenstellende Hinrunde blicken. Nach einem desolaten Saisonbeginn brauchen sich die Roten Teufel gegenwärtig vor keiner anderen Mannschaft zu verstecken - selbst ein Rückstand gegen den Tabellenzweiten wirft die Lautrer nicht aus dem Rennen. Die Mannschaft ist in der Lage Ausfälle dank des breiten und insgesamt gut funtionierenden Kaders hervorragend zu ersetzen. Sie punktet in Spielen, in denen sie sich in der vergangenen Saison gegen Ende eines Spiels häufig um ihren Ertrag brachte. Der 1. FC Kaiserslautern wird, sofern er sich über die Winterpause nicht verschlechtert, definitiv eine Rolle im Aufstiegsrennen spielen können. Und sollte es am Ende doch nicht für den Aufstieg reichen, so bleibt zumindest zu hoffen, dass sich der FCK über die Ligaplatzierung für den DFB-Pokal qualifiziert.


Braunschweigs Trainer Michael Schiele sagte nach dem Spiel übrigens, er wäre "zufrieden mit der Leistung seiner Mannschaft und es wäre fantastisch", nach der Hälfte der Saison unter den besten Sechs zu stehen. Und zu denen gehört im Übrigen auch der FCK mit einem sehr guten Torverhältnis und sichtbarem Hunger auf mehr. Zudem kann es in den entscheidenden Situationen sogar von Vorteil sein, als Verfolger zu agieren.


Quelle: Treffpunkt Betze

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