Häämspiel: Los Wochos uff em Betze

Vor dem FCK-Heimspiel gegen Meppen: Eine neue Ausgabe unserer Häämspiel-Kolumne

Gerade einmal zwei Wochen durften sich die Spieler von Marco Antwerpen etwas erholen, bis der Lautrer Chefcoach sein Team wieder zum Tanz bat und dem frisch angesetzten Weihnachtsspeck den Kampf ansagte. Um die nur zweiwöchige Vorbereitungszeit auf die Rückrunde optimal nutzen zu können, verzichteten die Roten Teufel in diesem Jahr auf ein Trainingslager und absolvierten ihre Übungseinheiten auf dem heimischen Betzenberg. Aber natürlich würden wir nicht über den FCK reden, wenn alles nach Plan liefe. Nur 19 Spieler standen beim ersten Mannschaftstraining auf dem Platz. Neun Akteure hingegen konnten aufgrund von Erkrankungen, Verletzungen oder positiver Corona-Tests nicht am Aufgalopp ins neue Jahr teilnehmen.

Jede Seite hat zwei Medaillen

Also nicht gerade beste Voraussetzungen für das, was die dritte Liga direkt zum Restart zu bieten hat. Allein im Januar stehen noch vier Punktspiele auf dem Programm. Positiv für den FCK ist allerdings die Tatsache, dass drei davon auf dem Betzenberg stattfinden und sich so wenigstens die Reisestrapazen in Grenzen halten. Diese drei Heimspiele haben es aber in sich. In Anbetracht der drei Niederlagen, die die Roten Teufel in der Hinrunde gegen Meppen, Berlin und Halle kassierten, und einem Blick auf die aktuelle Tabelle wird sehr schnell klar, warum eine bisher durchaus sehr passable Saison noch nicht das Zeug zu einem Hollywood-Blockbuster mit Brad Pitt in der Hauptrolle hat.


Um die in der Vorrunde verloren gegangenen Punkte wenigstens teilweise wieder zurückzuholen, müssen Antwerpen und seine Jungs die Gegner aber nahezu allein niederkämpfen. Aufgrund der aktuellen Situation rund um die Corona-Pandemie werden den tristen Drittliga-Alltag im Heimspiel gegen Meppen lediglich bis zu 500 'Very Important Persons' bei Sekt und Kaviar genießen. Hoffentlich bleibt zwischen den Häppchen etwas Zeit, um die Mannschaft dennoch möglichst lautstark zu unterstützen. Einen Club wie den FCK treffen diese Regelungen doppelt. Einerseits gehen bei zuletzt wieder stark ansteigenden Zuschauerzahlen gute Einnahmen flöten, andererseits fehlt mit den Hardlinern der Westkurve der berühmt berüchtigte 12. Mann, der schon öfter der entscheidende Faktor sein konnte, wenn ein Spiel auf der Kippe stand.

Nur Druck verwandelt Asche in Licht

Und dennoch kann man zuversichtlich auf die anstehenden Aufgaben blicken. In der Form der letzten vorweihnachtlichen Wochen brauchen sich die Roten Teufel vor niemandem zu verstecken. Schlagbar sind in der dritten Liga ohnehin alle Teams. Wenn es Antwerpens Ensemble zudem noch schafft, die Leidenschaft und die Einsatzbereitschaft aus dem alten ins neue Jahr zu transportieren, dürften sich zwangsläufig sehr schnell die richtigen Ergebnisse einstellen. Nachlassen sollte man jedoch nicht. Wenn die Frühphase der aktuellen Spielzeit eines gezeigt hat, dann dass nur dann Punkte geholt werden, wenn man weniger Fehler macht als der Gegner. Und einen Gegner im Vorfeld zu unterschätzen wäre schon ein erster fataler Fehler, den es zwingend zu vermeiden gilt.


Marco Antwerpen verspürt leichten Druck, der auf seiner Mannschaft liegt. Allerdings scheint er dessen Ursprung zu kennen und genießt dieses Gefühl möglicherweise sogar ein bisschen. Die Roten Teufel mischen schließlich ganz vorne in der Tabelle mit und nicht zu Unrecht keimt allmählich die leise Hoffnung, dass der Weg des FCK wieder Richtung Zweitklassigkeit führen könnte. "Wenn man erfolgreich ist, weckt man Erwartungen. Und wir haben die Erwartung geweckt, dass es vielleicht möglich ist, diesen ganz großen Sprung zu schaffen", sagte Antwerpen am Sonntagabend im SWR.


"Der Druck ist schon da. Der Verein lebt von seiner Tradition und seiner Emotionalität. Und wir wissen, dass der Verein nach Erfolgen lechzt", führte der Lautrer Coach weiter aus. Aber dennoch sollten wir alle dafür sorgen, dass die Erwartungshaltung nicht zu groß wird. Nicht jedes Spiel kann laufen wie ein Derby. Es wird auch, wie beispielsweise gegen Würzburg, den ein oder anderen Rückschlag geben. Solange sich diese Rückschläge aber in Grenzen halten und wie in der genannten Begegnung lediglich dem fehlenden Spielglück geschuldet sind, dürfte der FCK-Zug nicht aus den Gleisen geworfen werden.

Die Superperforator

Eine der großen Überraschungen dieser Saison gibt sich morgen auf dem Betzenberg die Ehre. Dass die Meppener in dieser Saison überhaupt noch einmal in die Pfalz reisen dürfen, verdanken sie dem KFC Uerdingen und dessen Ansammlung dubioser Geldgeber – oder eben Nicht-Geldgeber. Sportlich bereits in die Regionalliga abgestiegen, profitierte der SVM Anfang Juni vom Krefelder Investorenchaos und verblieb nach dem finanziellen Kollaps der ehemaligen Bayer-Betriebssportgruppe doch noch im Profifußball. Die Emsländer mussten umgehend die Planungen wieder Richtung dritte Liga lenken und bereits feststehende Transfers, wie zum Beispiel der von Tankulic zu Türkgücü, mussten rückabgewickelt werden.


Aber die Kaderplaner rund um Trainer Rico Schmitt leisteten ganze Arbeit. Die Meppener zählten direkt zu den Spitzenteams der dritten Liga und bissen sich schnell in den oberen Tabellenregionen fest. Überwintert wurde sogar auf Relegationsplatz drei, punktgleich mit Braunschweig. Für die Lautrer geht es also so weiter, wie es aufgehört hat: Mit einem Spitzenspiel und der Möglichkeit weitere „Big Points“ zu sammeln.


Quelle: Treffpunkt Betze

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