Boris Tomiak: "Stand heute bleibe ich beim FCK"

FCK-Verteidiger Boris Tomiak bejubelt seinen Treffer gegen SC Freiburg II

Boris Tomiak gilt als die sportliche Entdeckung dieser Saison. Der 23-Jährige wechselte im Sommer vom Regionalligisten Fortuna Düsseldorf II zum Betzenberg. Sein Wunsch war es, regelmäßig zu spielen und sich als Teil der Mannschaft festbeißen zu können. Das Ergebnis ist jedoch ein gänzlich anderes: Lediglich eine Gelbsperre bremste den Innenverteidiger einmalig für 90 Minuten aus, ansonsten stand der gebürtige Essener in allen Partien über die volle Distanz auf dem Spielfeld. Seine Bilanz: Fünf Tore und drei Vorlagen. Tomiak hat sich unter Marco Antwerpen binnen kürzester Zeit zu einem Führungsspieler entwickelt. Im Interview mit Treffpunkt Betze spricht die Nummer zwei der Lautrer über seinen sportlichen Lauf und den Drahtseilakt, der den Roten Teufeln im Saisonfinale bevorsteht.


Treffpunkt Betze: Seit eurem Auswärtserfolg beim FSV Zwickau belegt der FCK den zweiten Tabellenrang. Ein ziemlich gutes Gefühl, oder?


Boris Tomiak: Ja klar! Spiele zu gewinnen macht immer Spaß, und wenn man dann zum Ende der Saison noch solch einen Tabellenplatz belegt, dann erst recht. Das ist ein schönes Gefühl.


Blicken wir zunächst ein paar Monate zurück: Den Beinahe-Abstieg des FCK aus der letzten Saison dürftest du mitbekommen haben. Hattest du vor der Vertragsunterschrift nicht die Sorge, auch eine solche Katastrophen-Saison erleben zu müssen?


Boris Tomiak: Diese Sorge hatte ich um ehrlich zu sein nicht. Natürlich habe ich verfolgt, wie eng es hier zuging - aber gleichzeitig wusste ich, welche Spieler schon da sind und wie das Team verstärkt werden soll. Nicht zu vergessen unser Trainerteam. Da war mir klar, dass wir eine gute Mannschaft haben werden, die nicht noch einmal unten drin stehen wird.


"Fühlt sich an wie ein Traum"


Über dich bzw. vielmehr deine Leistungen wurde in dieser Saison schon jede Menge gesprochen. Im November kürten dich die Leser von Treffpunkt Betze gar zum Spieler des Monats. Mit welchen Stichworten würdest du deine Entwicklung seit dem Wechsel zum Betzenberg beschreiben?


Boris Tomiak: Es fühlt sich für mich noch immer wie ein Traum an. Natürlich hat man Wünsche vor Augen, wenn man als Fußballspieler den Verein wechselt oder einen neuen Lebensabschnitt beginnt. Und wenn all das sogar noch übertroffen wird, dann ist es umso schöner.


Mit deiner Spielweise und Zweikampfstärke nehmen wir dich einerseits als “aggressive leader” wahr, gleichzeitig wirkst du als Person eher ruhig. Wie passt das für dich zusammen?


Boris Tomiak: Das stimmt schon. Neben dem Platz bin ich wahrscheinlich eher der ruhigere Typ. Aber auf dem Platz - warum auch immer - bin ich eher der emotionale Typ.


"Diese Derbys sind einmalig"


Bei deinen vorherigen Stationen bist du eher selten als Torschütze oder Vorlagengeber aufgefallen. Beim FCK kommst du nun nach rund drei Viertel der Saison auf 5 Tore und 3 Vorlagen. Was hat sich verändert? Ist es die Spielweise unter Marco Antwerpen? Kannst du jetzt deine Stärken besser als in der Vergangenheit ausspielen?


Boris Tomiak: Das ist im Vergleich immer schwer zu sagen. In meinen Jugendstationen habe ich häufig noch viel weiter vorne gespielt und mit den Jahren fand ich meinen Platz jedoch in der Abwehr. Auf eine gewisse Art und Weise hatte ich schon immer einen gewissen Zug zum Tor. Und in dieser Saison klappt es bisher sehr gut.


Treffpunkt Betze Redakteur David im Gespräch mit FCK-Innenverteidiger Boris Tomiak Treffpunkt Betze Redakteur David im Gespräch mit FCK-Innenverteidiger Boris Tomiak


Du hast mit dem FCK bereits drei Derbyspiele erlebt. Die Jubelbilder der Mannschaft in Saarbrücken gingen total unter die Haut. Wie hast du die bisherigen Derbys erlebt?


Boris Tomiak: Derbys kenne ich natürlich noch aus meiner Zeit in Essen. Aber gerade hier ist das einmalig. Bereits ein paar Tage vor den Spielen ist das in der Stadt spürbar. Ich freue mich auf jedes Derby, denn das ist einfach nur mega Leidenschaft und Emotion pur.


"Druck ist spürbar"


Zuletzt habt ihr es euch als Mannschaft besonders auswärts schwer getan. Da scheint euch stellenweise die Gelassenheit zu fehlen oder man sieht leistungsmäßig zwei verschiedene Halbzeiten. Wie nimmst du die Entwicklung der letzten Wochen wahr?


Boris Tomiak: Zuletzt in Freiburg haben wir tatsächlich zwei verschiedene Halbzeiten gespielt. Zu Hause sind wir immer sehr stark, vor allem auch von Beginn an. Auswärts scheinen wir aktuell ein paar Minuten zu brauchen, um ins Spiel zu kommen. Und natürlich, das müssen wir ablegen und von Beginn an da sein.


Auch wenn das Credo der Stunde lautet, “von Spiel zu Spiel zu denken” - wie viel Druck oder auch Last liegt derzeit auf euren Schultern?


Boris Tomiak: Druck ist auf jeden Fall spürbar. Er sollte aber auch da sein, da er wichtig ist. Eine gewisse Gelassenheit ist auch nötig - und die haben wir auch. Wir wissen, was wir können und dass wir eine riesen Saison spielen. Das gibt uns Selbstvertrauen für die letzten Saisonspiele.


Doch wenn man wie ihr wenige Spieltage vor Ende auf Platz zwei liegt, dann will man als Sportler diesen Platz doch sichern, oder?!


Boris Tomiak: Wir haben noch sechs Spiele, das sind 18 Punkte. Das ist noch ein weiter Weg. Oben in der Tabelle ist alles eng beisammen, das ist auch der Grund dafür, warum wir nur von Spiel zu Spiel denken. Wir wollen natürlich versuchen, alle sechs Spiele zu gewinnen. Und dann sehen wir am Ende, wozu es gereicht hat.


"Spiele gewinnen, dann ändert sich nichts"


Diese Saison scheint anders zu sein als viele andere: Erst der verpatzte Saionstart, dann der Weckruf gegen Mannheim und plötzlich ist der FCK mittendrin im Aufstiegskampf. Nun stellt Türkgücü München den Spielbetrieb ein, die Tabelle ist eine andere und euch fehlt ein finales Heimspiel. Wie verändert das eure Situation?


Boris Tomiak: Für uns macht das eigentlich keinen großen Unterschied. Wir sind auf dem zweiten Tabellenplatz - und wenn es uns gelingt, die restlichen sechs Spiele zu gewinnen, dann sind wir weiterhin Zweiter. Deswegen spielen diese Veränderungen für uns kaum eine Rolle. Wir wollen und wir müssen auf uns schauen. Wenn wir unsere Spiele gewinnen, dann ändert sich auch nichts.


Frank Döpper sagte neulich, er habe noch nie eine solch große Kameradschaft erlebt. Ist dieses gute Klima für dich ein Argument für eine längerfristige Perspektive in Kaiserslautern?


Boris Tomiak: Das stimmt schon. Diesen riesigen Zusammenhalt haben wir bereits seit Saisonbeginn. Das gibt es tatsächlich nicht so oft und auch ich habe das in der Form noch nicht erlebt. Das macht einfach doppelt Spaß, jeden Tag zum Training zu kommen, wenn man Teil einer Mannschaft ist, in der es einfach passt.


Anders gefragt: Spielt du unabhängig des Tabellenplatzes in der kommenden Saison noch immer für den FCK?


Boris Tomiak: Im Fußball passiert bekanntlich immer viel. Wir wissen ja noch nicht mal, in welcher Liga wir im nächsten Jahr spielen werden. Aber Stand heute kann ich das auf jeden Fall sagen, ja.


Quelle: Treffpunkt Betze

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