Wunderliches Wetter

Beim 2:1 Auswärtssieg des FCK in Würzburg war Mike Wunderlich Mann des Spiels
Foto: Imago Images / Jan Huebner

Dabei waren die Voraussetzungen vor der Partie alles andere als gut. Aufgrund des starken Regen- und Schneefalls stand der Auftakt an diesem 33. Spieltag gar kurz vor der Absage. Letztendlich wurde das Spiel um eine halbe Stunde nach hinten verschoben, worüber nicht nur die 4.000 mitgereisten FCK-Fans erleichtert waren, sondern auch die Roten Teufel selbst, wie Lauterns Stürmer Terrence Boyd im Anschluss verriet: "Wir sind alle froh, dass das Spiel nicht abgesagt wurde und wir keine englische Woche reingedrückt bekommen haben."


Gerade ein solch tiefer Rasen und anhaltender Regen kommt vermeintlichen Außenseitern häufig zugute. In solchen Spielen ist schon so mancher Favorit gestolpert. Gesteigert wurde der Druck zusätzlich dadurch, dass der FCK sein bis dato einziges Heimspiel ausgerechnet gegen Würzburg verlor und in der 3. Liga noch nicht gegen die Kickers gewinnen konnte. Zudem waren die Würzburger aufgrund ihrer Tabellensituation zum Siegen verdammt. Doch trotz aller Wiedrigkeiten und schlechten Vorausetzungen nahm der 1. FC Kaiserslautern den Kampf an und gewann schließlich verdient mit 2:1.

Gnadenlose Effektivität


Bei bestem Fritz-Walter-Wetter passierte zu Beginn wenig, beide Mannschaften machten sich zunächst mit den Begebenheiten vertraut. In der Folge kamen die Würzburger einen Tick agiler und bissiger aus dieser Phase und setzten die FCK-Mannschaft mit einem robusten Zweikampfverhalten immer wieder unter Druck. Ein typisches Flutlichtspiel im Regen. Die Roten Teufel fanden kaum in einen Zweikampf und offenbarten in der Rückwärtsbewegung einige Freiräume, die Würzburg trotz vielversprechenden Schusssituationen nicht nutzen konnte. Bis dahin traten die Lautrer in der Offensive so gut wie gar nicht in Erscheinung.


Nach einer knappen halben Stunde bekam der FCK nun etwas mehr Platz und nutzte diesen prompt. Terrence Boyd behauptete sich gleich gegen zwei Gegenspieler, legte die Kugel quer auf Mike Wunderlich, dessen platzierter Schuss aus 16 Metern unhaltbar ins untere rechte Eck traf. Ganz im Stile einer Spitzenmannschaft mit der ersten Chance die Führung erzielen, und das in einem Spiel, in dem nicht viel zusammenlief - das sind die Roten Teufel im Jahr 2022. Nach der Führung waren die Gäste die spielbestimmende Mannschaft und hätten bereits vor der Pause nach einer Reihe von Standardsituationen die Führung ausbauen können, wenn nicht sogar müssen.

Individuelle Klasse


Nach dem Seitenwechsel kamen die Hausherren aus Würzberg etwas zielstrebiger aus der Kabine, doch die Roten Teufel warfen sich wie gewohnt in jeden Ball und verteidigten souverän die Führung. Nach dieser anfänglichen Druckphase schlug der FCK wieder eiskalt zu. Nach einem Freistoß von Mike Wunderlich köpfte Terrence Boyd zum 2:0. Das war bereits der 25. Treffer nach einer Standardsituation. Diese neue Stärke ist die Stärke eines Aufstiegskandidaten.


Mit dem erneuten Treffer wurde die Partie etwas ruhiger, wobei der FCK durch Mike Wunderlich erneut die Chance auf die endgültige Vorentscheidung verpasste. Da das Spiel deutlich abflachte, nahm dies Cheftrainer Marco Antwerpen zum Anlass und wechselte aufgrund des anstehenden Derbys gegen Saarbrücken munter durch. Doch mit den Wechseln war die Luft raus, auf Seiten der Pfälzer lief nicht mehr viel. Wie schon im letzten Heimspiel gegen Duisburg fanden die Einwechselspieler nicht richtig in die Partie, dadurch witterten die Würzburger ihre letzte Chance. So kam es wenige Minuten vor Schluss, als sich die Hausherren ohne große Gegenwehr durch das Lautrer Zentrum kombinierten und den Anschlusstreffer erzielten. Wieder einmal machte es der FCK in den letzten Minuten unnötig spannend, wie auch der zu diesem Zeitpunkt bereits ausgewechselte Mike Wunderlich betonte: „Nach dem Gegentor zum 1:2 bin ich draußen auf der Bank nochmal zehn Jahre älter geworden."


Glücklicherwiese konnten die Pfälzer die letzten Bemühungen der Hausherren abwehren, so blieb es am Ende beim wichtigen 2:1 Auswärtserfolg. „Wir haben heute nicht unser bestes Spiel gemacht, aber wir müssen uns für die drei Punkte nicht schämen. Letztendlich ist es mir scheißegal, wie wir gewonnen haben“, fasste Abwehrchef Kevin Kraus die Partie zusammen. Unrecht hatte er damit sicherlich nicht. Genau diese Spiele als vermeintlicher Favorit bei einem Gegner, der am Abgrund steht, sind meist die unangenehmsten - und häufig entscheiden oft nur Kleinigkeiten über Sieg oder Niederlage. Im Spiel gegen die Würzburger Kickers war es Routinier Mike Wunderlich, der mit seiner individuellen Klasse zum Matchwinner avancierte und seine Leistungen aus den letzten Wochen bestätigen konnte. Der 1. FC Kaiserslautern besitzt mit Spielern wie Mike Wunderlich, Terrence Boyd, Marlon Ritter oder Philipp Hercher genau diese Unterschiedsspieler. Qualitäten, die in den vergangenen Jahren häufig gefehlt haben.

Noch vier Mal alles raushauen


Die Roten Teufel haben vorgelegt und können nun ganz entspannt auf die Konkurrenz schauen. Mit dem Sieg in Würzburg haben die Lautrer ihre Position nochmal gefestigt und haben den möglichen Aufstieg in Liga zwei weiterhin selbst in der Hand. Und um dieses Ziel zu erreichen, muss weiterhin jeder Rote Teufel alles geben, in jedem Spiel alles reinhauen und stets 100 Prozent oder mehr geben. Dann ist der ganz große Traum in greifbarer Nähe. Doch die vier kommenden Aufgaben werden nicht leichter. Auf die Mannschaft wartet weiterhin ein hartes Stück Arbeit. „Wir haben noch nichts geschafft. Also von daher, wir freuen uns, aber - weiter geht der Lachs", kommentiert Terrence Boyd die Situation rund vier Wochen vor Ende der Saison.


Am Ostersonntag kommt es zu seinem besonderen Highlight. Vor ausverkauftem Haus erwarten die Lautrer den 1. FC Saarbrücken. Das Derby könnte zur Schlüsselpartie im Aufstieg werden. Kann sich der FCK durchsetzen und gelingt den Männern in Rot ein Heimsieg, danndürfte die Pfalz wohl endgültig Kopf stehen.


Quelle: Treffpunkt Betze

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