Grandios kämpfende Lautrer belohnen sich nicht

Foto: Getty Images / Christian Kaspar-Bartke

Eine große Pokalschlacht bot der 1. FC Kaiserslautern den 38.317 Zuschauern in der ersten DFB-Pokal Hauptrunde. Über 120 Minuten waren die Hausherren dem Bundesligasechsten der Vorsaison durchweg gleichwertig und zeigten ihre beste Saisonleistung. Am Ende waren es zwei vermeidbare Fehler, mit denen sich die Pfälzer um den verdienten Sieg brachten. Enttäuscht war der FCK-Anhang nach Schlusspfiff lediglich über das Ergebnis. Die Mannschaft selbst bereitete allerdings große Freude.

Überragender Ritter mit Traumtor


Bereits weit in der gegnerischen Hälfte griffen die hochstehenden Breisgauer die Roten Teufel ab der ersten Spielminute an, um sie zu unkontrollierten langen Bällen oder Fehlern im Spielaufbau zu zwingen. Beides vergeblich, denn die Männer in Rot taten ihnen diese Gefallen schlichtweg nicht. Stattdessen kombinierten sich die Gastgeber immer wieder sehr ordentlich aus der eigenen Defensive heraus, ohne dabei in Hektik zu verfallen.


Wie bereits in den beiden Ligaspielen zuvor ließ der FCK auch gegen den letztjährigen Pokalfinalisten im ersten Durchgang so gut wie keine gegnerischen Chancen zu. Stattdessen gingen die Lautrer nicht unverdient in Führung. In der 33. Spielminute sprintete Daniel Hanslik den Freiburger Eggestein aus dessen Windschatten an und spitzelte den Ball zu Julian Niehues. Dieser übergab kurz zu Ritter, welcher aus 50 Metern Torentfernung über den weit vor seinem Kasten stehenden Freiburger Keeper Mark Flekken hinweg zur 1:0 Führung traf. Ein Treffer der Marke „Tor des Monats“. Mit großer Spielfreude und jeder Menge Einsatz übertraf Marlon Ritter seine ohnehin schon starke Leistung der Vorwoche noch einmal und war am Ende der Partie der überragende Mann auf dem Platz.

Lautern kontert, Freiburg trifft


Wenig überraschend übten die favorisierten Freiburger im zweiten Durchgang mehr Druck auf das Lautrer Tor aus. Doch die Roten Teufel ließen weiterhin kaum Großchancen zu und begannen Mitte der zweiten Hälfte ihrerseits zu kontern:.Zwischen der 78. und 82. Spielminute erarbeitete sich der großartig kämpfende Terrence Boyd alleine vier Torchancen. Hätte er nur eine davon verwertet, es wäre der K.O.-Schlag für die Mannschaft von Trainer Christian Streich gewesen. Aber wie der Fußball nun mal ist, fing sich der FCK unmittelbar nach Boyds vergegeben Chancen prompt den Ausgleich - weil er sich, wie Dirk Schuster es formulierte, „anstellt als kämen wir aus Oberamateurhausen“.


Was der FCK-Coach damit meinte: Die Freiburger führten einen Eckball schnell auf den am Fünfmeterraum lauernden Nils Petersen aus und überraschten damit die gesamte Lautrer Hintermannschaft. Nachdem der Schussversuch des Routiniers noch geblockt wurde, passte er den Ball auf den ebenfalls freistenden Sallai, der unbedrängt den Ausgleich erzielte. Solch einen Treffer darf sich eine Hintermannschaft - klassenunabhängig- niemals einfangen. Ebenfalls unclever verhielt sich der ansonsten stark spielende Hendrick Zuck, als er in der 111. Spielminute seinen Gegenspieler Ritsu Doan vollkommen unnötig von hinten in die Beine sprang. Den anschließenden Freistoß verwandelte der Gefoulte aus 25 Metern Entfernung mit einem perfekten Schuss ins rechte untere Eck zum 2:1 Siegtreffer für den SC Freiburg.

Beeindruckende Defensivleistung - bis auf die Standards


Auch wenn sich das Lautrer Team am Ende für eine insgesamt disziplinierte Defensivleistung nicht belohnte, kann man vor Dirk Schuster und seiner Mannschaft trotzdem nur den Hut ziehen. Einsatz, Wille und Laufbereitschaft sind genau die Art von Fußball, die jahrelang am Betzenberg vermisst wurde. Endlich können sich die Fans wieder mit der Mannschaft identifizieren, was - mit Ausnahme der vergangenen Saison - in den letzten elf Jahren so gut wie nie der Fall war.


Auch wenn noch Luft nach oben ist, zeigte der FCK am Sonntag spielerisch sein bestes Saisonspiel - und das gegen den bisher stärksten Gegner. Auch im dritten Match der noch jungen Spielzeit stand die Defensive beeindruckend sicher und ließ aus dem Spiel heraus kaum gegnerische Torchancen zu. Auffällig bleibt jedoch, dass - wie schon beim Auswärtsspiel in Kiel - wieder Standardsituationen zu zwei Gegentreffern führten. Eckbälle und Freistöße scheinen momentan nicht nur das einzige, sondern leider ein recht probates Mittel gegen den „Pfälzer Beton“ zu sein. Natürlich ist die Spielweise der Roten Teufel extrem kraftraubend und führt bei zunehmender Spieldauer zu nachlassender Konzentration. Trotzdem waren alle fünf Gegentore absolut vermeidbar. Es wäre folgerichtig, wenn Sportchef Thomas Hengen bis zum Ende der Transferperiode noch einen neuen Abwehrchef präsentieren würde.

So geht Klimaschutz!


Der Deutsche Fußball Bund ließ alle Spiele der diesjährigen ersten Pokalrunde hochoffiziell eine Minute später anpfeifen, um die Zeit für einen Hinweis auf das Thema „Klimaschutz" zu nutzen. Es ist derselbe Verband, der kürzlich noch ankündigte, das DFB-Fancamp der WM in Katar nun doch auszutragen - und zwar in Dubai, wo Fans dafür extra ein- und ausgeflogen werden. Wie schon beim Thema „Menschenrechte“ startet der DFB damit medienwirksam eine Alibi-Aktion, die trotz aller Wichtigkeit und Notwendigkeit, Klimaschutz ins Bewusstsein der Gesellschaft zu rücken, niemand ernst nimmt – am allerwenigsten er selbst.


Ein Lob an dieser Stelle geht an den FCK, insbesondere an Stadionsprecher Horst Schömbs. Dieser handelte die „Klimaaktion“ des DFB recht kurz ab, um anschließend mit bewegenden Worten dem kürzlich verstorbenen Uwe Seeler zu gedenken - womit er sogar Gästetrainer Christian Streich zu Tränen rührte.

Betze Inside: Datenanalyse zu #FCKSCF


Die Hausherren fühlten sich in der Underdog-Rolle wieder einmal sehr wohl, das belegen vor allem die Daten in Abbildung 1. Ballbesitz und Passstafetten lagen wie schon zuletzt auf Seite des Gegners. Trotzdem hatte de FCK bei Ritters Traumtor zunächst auch das nötige Spielglück auf seiner Seite. Nach der Pause erhöhten die Gäste aus Freiburg den Druck allerdings immer weiter (Abb. 3), sodass sie kurz vor Ende den hochverdienten Ausgleich erzwingen konnten. In der Verlängerung (Abb. 4) flachte das Geschehen wiederum etwas ab, die Breisgauer setzen aber durch die große individuelle Klasse von Ritsu Doan den entscheidenden Schlag.



Grafiken: Darstellung von Betze Inside (Instagram / Twitter)


Quelle: Treffpunkt Betze

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