Kommentar: Man wird ja wohl noch träumen dürfen

So ziemlich jeder Fußballfan – oder zumindest Anhänger des 1.FC Kaiserslautern - hat eine kleine Stimme in seinem Hinterkopf die für Dinge wie Hoffnung, irrationalen Glauben an Erfolg und das Aufzählen aller Meistertitel des FSV Mainz 05 zuständig ist.


Diese Stimme sorgt dafür, dass jeder Blick auf die Tabelle von einem leisen kaum vernehmbaren Rechnen begleitet wird. „Also wenn wir die nächsten drei Spiele gewinnen und alle anderen 19 Mannschaften alles verlieren, spielen wir in spätestens drei Jahren wieder Champions League“, flüstert die Stimme, während sich der kapitale Teil meines Gehirns wundert, dass Braunschweig nur noch sieben Punkte Rückstand auf uns hat.

„Die Hölle, das sind die anderen“

Der FCK-Fan ist – und das ist schwierig genug zuzugeben – Enttäuschungen gewohnt. Von daher war ich über den späten Ausgleich gegen Zwickau nicht überrascht. Denn eben genau diese kleine Stimme, die vor dem Spiel irrationale Hoffnungen auf baldige Champions League versprach, rief kurz vor dem letzten Zwickauer Freistoß so laut sie konnte: „Du weißt was jetzt passiert. Das was immer passiert.“

Was erlauben Sternberg?

Der Spielverlauf ähnelte dem der anderen Spiele unter Hildmann. Zäher Anfang. Die erste Halbzeit ist vorwiegend ein Abtasten. Und in der zweiten Halbzeit wird das Gegenpressing ausgepackt. Viele Torchancen, leider wenig Ertrag. Und das wurde dem FCK in dieser Saison schon viel zu oft zum Verhängnis. Man erinnert sich an Spiele gegen Lotte, gegen Münster und viele weitere.


Das Spiel wird an dieser Stelle nicht noch ausführlicher nacherzählt werden. Stattdessen lieber ein Blick in die Zukunft. Denn sollten wir nächste Saison noch einmal in der dritten Liga antreten dürfen, und sollten uns genug junge Spieler aus dieser Rückrunde erhalten bleiben, bin ich gerne bereit (wie vor jeder Saison) die Euphorie-Keule auszupacken. Hildmann ist ein fähiger Trainer (Stand der Aussage: 25.02.19) und momentan scheint dem Team einzig und allein ein guter Torschütze zu fehlen. Sollen die Gegner doch ein oder sogar zwei Tore in der Nachspielzeit machen. Alles egal wenn die jungen wilden um Kühlwetter, Pick, Jonjic, Sickinger und Grill vorher vier machen.


Des Weiteren zeigen große Teile der Mannschaft endlich taktische Variabilität und das ganze Team scheint sich auf die jeweiligen Gegner einzustellen. Das alles sah in der Vorrunde noch ganz anders aus. Es geht also insgesamt aufwärts, sofern das Damokles-Schwert namens Insolvenz außen vorgelassen wird.


Die dritte Liga werden wir dieses Jahr nicht verlassen. Realistisch gesehen geht es ohnehin mehr ums reine Überleben des Vereins als ums Aufsteigen. Das ist jedem, wirklich jedem klar, beziehungsweise muss es werden. Und zwar ungeachtet der Tatsache, dass die leise Stimme, die wir alle in uns tragen, viel lieber gegen Bate Baryssau, Standart Lüttich und Real Madrid spielen würde.


Aber man wird ja wohl noch träumen dürfen.


Quelle: Treffpunkt Betze