Bayern macht den „Betze“ voll

«Kaiserslautern.» Die angeforderten Namen der potenziellen regionalen Investoren, die ihm drei Millionen Euro Soforthilfe gewähren wollen, hat der FCK bis gestern noch nicht bekommen. An bereits kolportierten Listen gibt es Zweifel. Der Wirtschaftskrimi am „Betze“ geht weiter.


Im keinesfalls aussichtslosen Kampf der Lauterer um die Lizenz ganz sicher noch helfen wird die Partie zum Saisonabschluss am Montag, 27. Mai (18.30 Uhr): Für das „Retterspiel“ des FC Bayern München beim FCK und für den FCK haben die Roten Teufel gestern am ersten Verkaufstag schon rund 14.000 Tickets abgesetzt.


Auch Christoph Hemlein freut sich auf seine Premiere gegen die Bayern. Er kam letzten Sommer als Hoffnungsträger zum FCK. Erfahren, gestählt im Dress von Arminia Bielefeld, einer, der weiß, wie Aufstieg geht. Die Saison – ein Zick-Zack-Kurs für Hemlein, den emotionalen Flügelspieler. 31 Einsätze, drei Tore, zwei Vorlagen. Seinen Stammplatz hat er zwischenzeitlich eingebüßt. „Ich weiß, dass ich die Erwartungen, die hoch waren, nicht erfüllt habe – meine eigenen auch nicht“, sagt der 28-Jährige. Letzten Samstag sah er sich plötzlich wieder auf der Sonnenseite. Nach einem rabenschwarzen Montag beim 0:2 in Wiesbaden fand sich Hemlein auf der Bank wieder, kam nach 87 Minuten für den jungen Kollegen (und Rivalen) Toni Jonjic. „Innerhalb von drei Minuten ein Tor vorzubereiten und eins zu schießen, ist gut fürs Selbstvertrauen“, sagt Hemlein, der seelisch am Boden war. Der hoch emotionale Typ mit den blauen Augen ist alles andere als blauäugig. „Ich hab’ den Rückpass nicht absichtlich zum Gegner gespielt …“, sagt er beim Blick zurück auf Wiesbaden. Dass die eigenen Fans ihn beschimpft haben, tut ihm weh. „Das macht mich traurig“, gesteht Hemlein, der natürlich registriert, was im Verein gerade geschieht. „Es wird zwar oft gesagt, dass die Spieler das ausblenden müssen. Aber wenn es um die Lizenz geht – das kannst du nicht ausblenden …“


Den Druck unterschätzt


Er rechnet auch hoch, wie viele Punkte die Mannschaft in der Nachspielzeit verschleuderte. Zehn, zwölf Punkte … Was wäre wenn … Nachtrauern hilft nicht. „So ein Projekt braucht Zeit. Es ist ein langer Weg, es ist ein langer Prozess. Du kannst nicht alles in acht Monaten gutmachen, was über Jahre kaputt gemacht wurde – auch das war ein langer Prozess.“


Er gesteht auch, dass er den Druck unterschätzt hat, der von der Wucht der Tradition, den Erwartungen des Umfelds ausgeht: „Ich wusste auch nicht wirklich, was es heißt, für den FCK zu spielen. Es ist ein großer Klub – aber wir sind Drittligaspieler.“ So ist Hemlein auch überrascht, dass sein Ausflug am Maifeiertag nach Mannheim zu einer Strandparty mit seinem Teamkollegen Jan Löhmannsröben im Internet groß aufgeblasen wurde.


Ein Fan hatte die beiden mit jeweils einem Longdrink-Glas in der Hand geknipst und das Foto verbreitet. Trainer Sascha Hildmann nahm sich die beiden am nächsten Morgen zur Brust. „Der Trainer hat gesagt: Du wirkst nicht wie jemand mit Restalkohol im Blut“, sagt Hemlein rückblickend. „Es war ein Drink an einem freien Tag, es war eine Party am helllichten Tag, meine Frau war dabei, Freunde waren dabei, wir sind schon gegen 21 Uhr heimgefahren.“ Für den FCK zu spielen mit diesem im Positiven wie im Negativen hoch emotionalen Umfeld, sich dieser besonderen Bedeutung bewusst zu werden, das war für die vielen neuen Roten Teufel ein Lernprozess in dieser für alle erneut so schwierigen Saison.


Ruhe, Zeit und Wille



Aber Hemlein ist überzeugt, dass „sehr gute Qualität da ist“, den FCK wieder voranzubringen, „den Verein dahin zu bringen, wo er auch hingehört.“ Mit Ruhe. Mit Zeit. Und Wille. Effektiv werden wie der VfL Osnabrück, der als Meister aufsteigt – ein Weg. Den will der Mann mit der Rückennummer 17 mitgehen, den bis 2020 laufenden Vertrag erfüllen. „,Locke’ zerreißt sich immer, gibt immer alles“, attestiert der Trainer. „Zu verkopft“ sei er zuletzt gewesen, ohne Selbstvertrauen. Das doppelte Erfolgserlebnis gegen Haching – Balsam für die Seele. „Er spielt bei uns immer eine Rolle.“ Das will Hemlein auch am Samstag (13.30 Uhr) beim vorletzten Punktspiel in Würzburg tun. In der Tabelle indes können die beiden Teams aus dem oberen und mittleren Mittelfeld nicht mehr viel reißen.


So spielen sie


Würzburger Kickers:

Verstappen - Göbel, Hägele, Schuppan, Kurzweg - Kaufmann, Sontheimer, Gnaase, Skarlatidis - Elva, Breitkreuz

Es fehlen: Bachmann (Geln-Sperre), Drewes (Syndesmoseriss), Ofosu-Ayeh (Fersenverletzung)


1. FC Kaiserslautern:

Grill - Schad, Kraus, Hainault, Sternberg - Hemlein, Fechner, Zuck (Löhmannsröben), Pick - Thiele, Kühlwetter

Ersatz: Hesl, Gottwalt, Bergmann, Biada, Jonjic, Huth

Es fehlen: Albaek (Adduktorenreizung), Dick (Sprunggelenke lädiert), Esmel (Kreuzbandriss), Sickinger (Faserriss im Oberschenkel), Spalvis (Knorpelschaden)


Schiedsrichter:

Fritsch (Mainz)


Hinrunde:

0:0.


Ich bin der Meinung, ...


... dass dem FCK nur ein Schulterschluss der Vernunft hilft.


„Es geht nur um den FCK!“ Ein gern und oft gesprochener (und noch öfter gebrochener) Vorsatz – immer wieder zu vernehmen bei Mitgliederversammlungen und Pressekonferenzen des 1. FC Kaiserslautern. Dabei geht’s oft nur um Eitelkeiten, Macht und Mauschelei. Das hat was von Feind – Todfeind – Parteifreund. Vieles, was sich beim FCKseit jenem schlimmen Tag 1996 abspielte, als der zurückgetretene Präsident Norbert Thines von der Bühne gejagt wurde, ist kein Ruhmesblatt. Die viel beschworene FCK-Familie – Wunschdenken. Der FCK 2019 steuert – wenn die Vernunft nicht doch noch zur Vollbremsung führt – ein knappes Jahr nach der Ausgliederung auf einen Crash zwischen dem e. V. und der Kapitalgesellschaft zu. Dabei braucht der Verein Ruhe, dabei braucht er eine starke Führung, kein unsägliches Bauerntheater.


Neue Spieler, junge Profis, die zumFCK kommen, werden gerne von den Verantwortlichen mit den Idealen der Vereinsikone Fritz Walter vertraut gemacht. Nicht selten haben die Spieler in den vergangenen Monaten gefragt, ob diese Leitsätze auch für die Bosse gelten. Ihre tragik-komischen Aufführungen tragen nicht dazu bei, Ruhe bei der Belegschaft in kurzen Hosen zu erzeugen.


Was mit dem unsinnigen Rauswurf des FCK-Romantikers Rainer Keßler, einem klugen Kopf und gut vernetzten Unternehmer, als Vorstandsvorsitzender des e. V. Ende Dezember 2018 begann, setzt sich in unschöner Regelmäßigkeit fort. Zweimal stand Patrick Banf als Vorsitzender des Beirats zur Abwahl – zweimal kam Michael Littig als Widersacher aus der Deckung. Erst gab’s einen Burgfrieden, dann eine Gewaltenteilung. Als Licht am Ende des Tunnels in Gestalt des Luxemburger Milliardärs Flavio Becca erkennbar schien, kam alles ganz anders. Beccas Angebot klingt gut – ein Verein in der Lage des FCK muss es normalerweise mit Kusshand annehmen. Die Bedingung zum Einstieg – Littig muss weg – ein Eigentor. Fans, die Wochen zuvor noch Littig wegen dessen Kontaktaufnahme zum „Skandal-Russen“ Michail Ponomarew, dem Präsidenten des KFC Uerdingen, attackiert hatten, sahen nun die Seele des Vereins verletzt. Die Stimmung kippte. Becca ist – so wie es sich jetzt liest – raus. Littig packte stattdessen die großen Unbekannten aus – regionale Unternehmer als Investoren. Die stehen angeblich bereit für drei Millionen Euro, die helfen würden, die Lizenz zu sichern, wenn andere Partner – genannt werden Lagadere und Quattrex – nicht abspringen. Die von Littig und Mitstreitern angestrebte Abwertung des Vereins von 120 auf 30 Millionen soll die Braut attraktiv machen. Versüßt werden soll das Schnäppchen durch einen Sitz im Beirat. Da bedarf’s einer Satzungsänderung. Das Mitglied, das am 3. Juni 2018 der Ausgliederung zustimmte, darf sich zumindest getäuscht sehen. Der Pfälzer nennt’s verarscht!


Regionale Sponsoren – das klingt gut, das kann auch helfen. Aber warum das eine tun und das andere lassen? Kann es nicht gelingen, die Regionalen und den Großinvestor für den FCK zu gewinnen? Er braucht nachhaltige Hilfe, um aus dem Teufelskreis auszubrechen, um durch sportlichen Erfolg wieder Boden unter die Füße zu bekommen. Der FCK muss raus aus den Negativ-Schlagzeilen. Er braucht Ruhe. Er braucht Geld. Er braucht Visionen. Und er braucht nach der Lizenzierung einen Kader, der den Wiederaufstieg angehen kann. Der VfL Osnabrück, der jetzt als Meister in die Zweite Bundesliga aufsteigt, kann Vorbild sein. 2018 ist der VfL fast abgestiegen. Auch der SC Paderborn leistet Großes. Im Jahr eins nach der Rückkehr in die Zweite Liga ist der Durchmarsch in die Bundesliga möglich. Mit tollem Offensivfußball. Mit einem Fußball mit unverkennbarer DNA. Mitglieder und Fans des FCKhaben verdient, dass es einen Schulterschluss der Vernunft gibt. Darauf baut auch Mitglied Nummer 13.528.


Die Rheinpfalz


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