Martin Bader: „Demut und Respekt haben immer gutgetan“

Herr Bader, der Kader des FCK stand relativ früh fest. Waren Sie in der Endphase einer Saisonvorbereitung schon einmal so entspannt?

Es gab in jeder Phase, beim 1. FC Nürnberg oder auch Hannover 96, Wochen, in denen du das Gefühl hattest, es passt alles. Ob das wirklich so ist, wissen wir tatsächlich erst dann, wenn die harte Überprüfung gelaufen ist. Ich verspüre erst einen Spannungsabfall, wenn der 31. August gekommen und die Transferperiode wirklich vorüber ist. So war es in der Vergangenheit auch immer.


Boris Notzon hat den Vertrag als Sportlicher Leiter verlängert. Das aber schien kein Selbstläufer zu sein ...

Es musste aus FCK-Sicht, aus meiner Sicht und auch für Boris passend sein. Das haben wir zusammen besprochen und die Arbeitsbereiche klar definiert.


Das heißt?

Die Schwerpunkte bleiben so wie gelebt, aber es werden zusätzliche Tätigkeiten hinzukommen. Das Scouting und die Verzahnung mit dem Nachwuchsleistungszentrum werden noch mehr in unseren Fokus rücken. Wir wollen noch intensiver dran sein, was in der U17, U19, U21 passiert, wollen von außen nur dann Spieler dazuholen, wenn wir die nicht im eigenen Jugendbereich haben. Das Thema Scouting muss so bedient werden, dass es der Liga gerecht wird, unsere Schwerpunkte werden daher Deutschland und die Region sein.


Als Sie zum FCK kamen, glichen die Einträge in Foren und sozialen Medien einer Kondolenzliste. Wie gehen Sie generell mit so etwas um?

Ich blende es aus. Ich kann es nicht beeinflussen, und es raubt Energie und Zeit. Man versucht mit seiner Arbeit natürlich, viele Leute auf die Reise mitzunehmen, das, was wir machen, soll nachvollziehbar sein. Wenn dann jemand sagt: Oh, das hat eine gewisse Logik, dann freut man sich darüber. Ich habe natürlich mitbekommen, dass es viele kritische Stimmen gab, aber das liegt in der Natur der Sache, wenn du 15 Jahre dabei bist. Es ist Teil des Geschäfts, das weiß man.


Ein unschöner Teil. Immerhin hat der Wind sich inzwischen gedreht.

Ich versuche von morgens bis abends, das zu machen, von dem ich überzeugt bin, dass es richtig ist. Da lasse ich mich ungern vom Weg abbringen. Nehmen wir Eintracht Frankfurt: Die haben sich gegen alle öffentlichen und medialen Widerstände entschieden, nicht mit Alex Meier zu verlängern. Sie machen es aus Überzeugung, und so handle ich auch. Du darfst dich nicht so sehr damit beschäftigen, was man über dich schreibt, weil es dich vielleicht in deiner Entscheidung beeinflusst.


Ist die Dritte Liga auch für Sie eine Wundertüte, oder können Sie die Spielklasse einschätzen?

Man weiß, was auf einen zukommt. Egal, in welcher Liga du spielst: Es ist zu Beginn einer Saison für alle Mannschaften Neuland. Letztes Jahr ist in der Zweiten Liga keiner davon ausgegangen, dass Nürnberg und Düsseldorf aufsteigen. Bei Braunschweig und Union dachten viele, dass sie oben dabei sind. Du kannst wie Braunschweig Dritter werden und ein Jahr später absteigen. Ich kann einschätzen, was gefordert ist, was wir an Qualität und Mentalität brauchen, aber eine Überprüfung findet an 38 Spieltagen statt. Eine spannende Herausforderung, aber wir sind gut vorbereitet.


Nehmen Sie die Favoritenrolle an?

Es ändert nichts, ob ich sie annehme oder von mir weise. Wenn 19 oder 18 Trainer sagen, ihr seid Aufstiegsfavorit, werde ich nicht jeden einzelnen anrufen und fragen, warum. Wir wissen, was die Uerdinger machen, was der KSC macht, was Braunschweig noch machen wird. Wehen Wiesbaden wird weiter schön unter dem Radar fliegen wollen, weil die damit ganz gut gefahren sind. Ich weiß, dass die uns alle als Favorit sehen. Aber das ist halt unser Name, unsere Tradition, die Wucht, die dieses Stadion hat, unser Selbstverständnis. So sind wir ja auch rangegangen. Wir haben Spieler verpflichtet mit der Vision, über die Dritte Liga etwas aufzubauen. Wir haben zum Beispiel gesagt: Gino (Fechner, die Red.), bleib’ bei uns, geh’ mit uns über die Dritte Liga. Wenn wir dann aufsteigen, sind wir auch in der Zweiten Liga ein richtig guter Verein. Viele Scheinwerfer werden auf uns gerichtet sein, logisch. Aber, wir werden in kein Spiel reingehen und die Nase oben haben. Wir werden nicht mit der großen Klappe durch die Gegend laufen und sagen, der Abstieg war ja nur ein Betriebsunfall. Demut und Respekt, egal gegen wen, haben immer gutgetan.


Sind sie im Moment wunschlos glücklich, was den FCK angeht?

Nö (lacht). Ich weiß natürlich, dass ich zu 80 Prozent an der Zusammenstellung des Kaders gemessen werde. Aber meine Aufgabe ist es auch, über den Tellerrand zu schauen. Wie ist das Ganze wirtschaftlich eingebettet, was passiert im Sommer nächsten Jahres? Ich muss schauen, dass wir in allen Szenarien wettbewerbsfähig sind. Wichtig ist für mich das Nachwuchsleistungszentrum, weil ich großen Wert darauf lege, dass diese Keimzelle des Vereins gut funktioniert. Du musst Präsenz zeigen, musst den Mitarbeitern das Gefühl geben, dass es sich nicht zwingend immer nur um die Erste Mannschaft dreht. Ich habe viele Wünsche im Kopf, was ich verändern möchte, was auf Sicht vielleicht auch notwendig ist. Was den Kader angeht, bin ich zufrieden, weil unsere Ideen erst mal aufgegangen sind – in der Hoffnung, dass sich das durch die Ergebnisse in den kommenden Wochen und Monaten bestätigt.


Quelle: Rheinpfalz