Das Knisterderby endet leistungsgerecht

Es knisterte schon lange vor dem Anpfiff. Anspannung lag in der Luft. Beide Mannschaften zeigten gleich, dass Angriff oft die beste Verteidigung ist. So entspann sich ein munteres, temporeiches Derby bei toller Stimmung. Nach dem Abpfiff jubelten vor allem die rund 5000 Waldhof-Fans am „Betze“, wo es alles in allem friedlich blieb.


„Letztendlich müssen wir mit dem 1:1 leben, ein gerechtes Ergebnis“, sagte FCK-Trainer Sascha Hildmann. Sein Kollege Bernhard Trares zeigte sich „zufrieden mit dem 1:1 und vor allem mit der Art und Weise, wie wir in der zweiten Halbzeit aufgetreten sind“.


Schon anfangs gefielen die Blau-Schwarzen mit flinkem und entschlossenem Vertikalspiel. 28 Punktspiele in Serie ohne Niederlage, nun sind es 29, machen die Brust breit. Aus dem bekannt schnellen Umschalten der Waldhöfer resultierte auch die frühe Führung. Sie gelang einem Pfälzer – dem aus Schifferstadt stammenden Gianluca Korte nach tollem Zusammenspiel mit dem starken Valmir Sulejmani (10.): Der flankte perfekt, Korte köpfte kraftvoll. Eine knappe halbe Stunde später musste Sulejmani mit einer Bänderverletzung am linken Sprunggelenk ausgewechselt werden – eine Schwächung für die Mannheimer.


Die Roten Teufel zeigten ihren an diesem aufregenden Sonntag fast einheitlich ganz in Rot gehüllten Fans, dass sie gut gewappnet waren. Sofort starteten sie, ebenfalls mit schnellem Spiel in die Tiefe und Seitenwechseln, energische Gegenangriffe, erarbeiteten sich zunehmend ein Chancenplus. Innenverteidiger Kevin Kraus schließlich köpfte nach einer Ecke von Manfred Starke das verdiente 1:1 (34.).


Gleich nach der Pause setzte sich der enorm fleißige Lauterer Rechtsverteidiger Dominik Schad über den rechten Flügel durch, seine Hereingabe lenkte Waldhof-Verteidiger Michael Schulz fast ins eigene Tor (47.). Nach Steilpass des lauf- und zweikampfstarken Timmy Thiele scheiterte FCK-Kapitän Christian Kühlwetter an Torwart Timo Königsmann (57.). Der forsche Aufsteiger ließ nicht nach, im Gegenteil.


Der starke FCK-Torschütze Kraus rettete bei einem Versuch Dorian Dirings kurz vor der Torlinie (71.). Eine Heldentat, für die Kraus sich jedoch nicht zu sehr loben lassen wollte, ebenso wenig für sein Tor. „Es ist immer noch ein Mannschaftssport“, sagte er. In seinem Fazit war Kraus „ein bisschen zwiegespalten“. Wäre die Partie nach 60 Minuten abgepfiffen worden, dann hätte er die Unzufriedenheit seiner Kollegen Florian Pick und Timmy Thiele geteilt. Kurz vor Schluss eines spannenden, kampfbetonten Derbys mit teils gefälligen Spielzügen aber hätte der eingewechselte Kevin Koffi für einen Auswärtssieg sorgen können – er vergab zweimal im Strafraum (89., 90.). Und so sagte Kraus: „Manchmal muss man auch mit einem 1:1 zufrieden sein.“


Vier Punkte verbuchte der FCK aus den letzten zwei Spielen. „Weniger hätte es nicht sein dürfen“, sagte Kraus. Florian Pick konstatierte: „Ich hätte mir gewünscht, dass wir so ein Spiel auch mal ziehen ...“


Notenspiegel


Lennart Grill 3

Dominik Schad 2

Kevin Kraus 1,5

José-Junior Matuwila 1,5

Philipp Hercher 3,5

Janik Bachmann 3,5

Timmy Thiele 2

Manfred Starke 3

Carlo Sickinger 4

Florian Pick 4

Christian Kühlwetter 3



1. FC Kaiserslautern: Grill - Schad, Kraus, Matuwila, Hercher - Bachmann - Thiele, Starke (74. Röser), Sickinger (68. Skarlatidis), Pick - Kühlwetter

SV Waldhof Mannheim: Königsmann - Marx, Schultz, Seegert, Conrad - Christiansen, Schuster - Deville, Gianluca Korte (51. Ferati), Diring - Sulejmani (28. Koffi)

Tore: 0:1 Gianluca Korte (10.), 1:1 Kraus (34.) - Gelbe Karten: Kraus (2), Kühlwetter (4) - Conrad

Beste Spieler: Kraus, Matuwila, Thiele - Diring, Christiansen, Königsmann

Zuschauer: 36.766

Schiedsrichter: Hartmann (Wangen).


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Eine Frage des Verstandes


Von Andreas Böhm & Oliver Sperk

Sportlich erfüllt das Südwestderby die Erwartungen. Die Fans des FCK inszenieren zwei Choreografien. Eine wirft Fragen auf.

Als Schiedsrichter Hartmann um 13.05 Uhr anpfiff, wirkte das für manch einen wie ein Weckruf: Ups, gekickt wird ja auch noch! Schier wäre das in Vergessenheit geraten wegen all der geschmacklosen Sauereien, die beide Fangruppen im Vorfeld angestellt hatten – im Angesicht all der Polizisten, die dieses Höchstrisikospiel absicherten, der Hubschrauber, die am Himmel über dem Betzenberg kreisten, als handle es sich um ein Kriegsgebiet. Es ist immer wieder ein Wahnsinn, welch ein Aufwand betrieben werden muss, um für eine derartige Sportveranstaltung einen annährend gesitteten Rahmen zu gewährleisten.


Es war nur ein Fußballspiel. Und dieses erfüllte beim 1:1 das Gros der Erwartungen. Die Partie war intensiv, leidenschaftlich, fair. Der SV Waldhof kann mit dem Ergebnis besser leben als sein Rivale, der auf Platz zehn festhängt, neun Zähler hinter Primus Braunschweig. Es mag nicht vorangehen für die Roten Teufel.


Die Fans des FCK auf der Westtribüne warteten mit zwei Choreografien auf. Die erste war wunderbar, die zweite tumb, weil sie dem normalen Zuschauer den Spaß an der ersten verdarb. Zu lesen stand in großen Buchstaben: „Waldhof verrecke.“ Die Wortwahl bewege sich „nicht im Sinne des Menschenverstandes“, fand Trainer Sascha Hildmann, der zuvor die famose Unterstützung gelobt hatte. Der FCK wusste vom Inhalt der Choreo. Geschäftsführer Klatt betonte, dem Klub sei „natürlich unwohl“ gewesen. Die Aussage aber sei nach Darstellung der vom Verein befragten Staatsanwaltschaft keine Beleidigung und durch die Meinungsfreiheit gedeckt. Hätte die Führungsriege die Ultras zum Verzicht drängen müssen? Es hätte wohl nichts gebracht.


Die Rheinpfalz