Neuer Anlauf an alter Kultstätte

Weißblau ist der Himmel über München-Giesing zurzeit nicht gerade. Und auch die Gäste, die Roten Teufel vom 1. FC Kaiserslautern, haben schon sonnigere Zeiten erlebt. Heute (14 Uhr) treffen sich der TSV 1860 München und der FCK zum Fußball-Drittliga-Duell im grauen unteren Mittelmaß.


Das Kultstadion an der Grünwalder Straße ist mit 15.000 Zuschauern ausverkauft. Das FCK-Kontingent von 1500 Tickets war rasend schnell abgesetzt. Es ist Wiesn-Zeit in München. Und natürlich wollen die Lauterer im zweiten Punktspiel unter Trainer Boris Schommers den Gastgebern die ohnehin schlechte Oktoberfest-Laune so richtig verderben.


Mithelfen, die Münchner miesepetrig zu machen, will unbedingt FCK-Stürmer Timmy Thiele. Allein, um seine eigene Laune zu verbessern. „Die Stimmung im Team ist besser als außenrum“, beteuert FCK-Trainer Schommers. „Außer vielleicht bei Timmy Thiele.“ Der 28-Jährige wurde von seinem neuen Chef nach seiner Roten Karte aus dem mit Hängen und Würgen noch 3:0 gewonnenen Verbandspokal-Achtelfinale von Mittwochabend beim SV Gonsenheim zum kurzen, aber „prägnanten“ Gespräch gebeten. „Wenn dich einer provoziert, dann musst du eine andere Antwort geben“, sagte Schommers, „am besten, indem du beispielsweise ein Kopfballtor erzielst“. Thiele habe sich „sehr einsichtig“ gezeigt. Wie Thiele habe auch sein Gegner in dieser Szene, Gonsenheims Torwart Paul Simon, „einen Kopfstoß angedeutet“, sagte Schommers, der sich Gleichbehandlung gewünscht hätte. Der SVG-Keeper aber durfte weiterspielen.


„Aber Fakt ist, dass auch ein angedeuteter Kopfstoß laut Strafmaß zu einer Roten Karte führt“, sagte der FCK-Trainer. Nun wurde Thiele vom Südwestdeutschen Fußball-Verband für drei Verbandspokalspiele gesperrt, in der Liga aber darf er ebenso wie im DFB-Pokal ran. So saß Thiele gestern mit im Bus nach München.


Viel vor hat in Giesing auch FCK-Mittelfeldspieler Simon Skarlatidis. Der aus Würzburg gekommene und zu Saisonbeginn verletzte 28-Jährige hat vorigen Samstag bei Schommers Einstand beim 1:1 gegen Magdeburg sein erstes Drittligaspiel über 90 Minuten für seinen neuen Verein gemacht. Mit viel Luft nach oben.


Im Verbandspokal erntete der offensive Mittelfeldspieler dann deutlich mehr Lob. „,Skarla’ hat seinen Auftritt mit seinem Tor zum 3:0 gekrönt“, sagte der FCK-Coach. Der in Waiblingen geborene Skarlatidis, eine eloquente schwäbische Frohnatur, weiß, dass in den ersten beiden Partien unter Schommers „im letzten Drittel des Spielfeldes viel Luft nach oben“ war bei den Roten Teufeln.


Der neue Trainer hat viele Baustellen und noch „einen langen Weg“ vor sich mit der verunsicherten Mannschaft. Hinten die Schießbude schließen, das hat für Schommers Priorität. Und dann sind bislang verhinderte Künstler wie Skarlatidis gefragt. „Wir müssen in die letzte Situation vor dem gegnerischen Tor mehr Qualität, mehr Tempo bringen“, weiß der Schwabe mit griechischen Wurzeln. „Giesing, Kult! Ich freu’ mich sehr auf das Spiel.“


So spielen sie


TSV 1860 München: Bonmann - Willsch, Weber, Rieder, Klassen - Wein, Gebhart - Kindsvater, Greilinger - Owusu, Mölders

Es fehlen: Steinhart (Gelb-Rot-Sperre), Bekiroglu (Muskelfaserriss), Belkahia (Kreuzbandriss), Karger (Sehnenriss), Moll (Reha nach Kreuzbandriss)


1. FC Kaiserslautern: Grill - Schad, Sickinger, Matuwila, Sternberg - Hemlein, Bachmann, Skarlatidis, Pick - Thiele, Kühlwetter

Ersatz: Spahic, Kraus, Fechner, Zuck, Starke, Jonjic, Röser

Es fehlen: Bjarnason (Knöchelverletzung), Hercher (muskuläre Probleme), Esmel, Spalvis (beide Reha), Bergmann (Trainingsrückstand)


Schiedsrichter: Schröder (Hannover).


Die Rheinpfalz