Kommentar: Pick Pick Hurra!

Was ist nur los in Kaiserslautern. Zwei Siege am Stück, das gab es gefühlt seit 1998 nicht mehr. Von den Dächern Kaiserslauterns trällern die Tauben die Champions-League-Hymne und auch sonst geht es mir sehr gut.

Zwischen Slapstick und eiskalt verwandelten Elfmetern: Der FCK in seiner zweiten Drittliga-Saison

Meinen letzten Kommentar für Treffpunkt Betze schrieb ich zum Sieg gegen Großaspach. Da war die Welt noch relativ in Ordnung, Sascha Hildmann fest im Sattel und unser Vorstand so gefestigt wie eh und je. Doch dann ist mit der Mannschaft etwas passiert. Und mit mir auch. „Wer schreibt den Spielkommentar?“ Ich sicher nicht. Ich verstecke mich in den Tiefen der Redaktionsgruppe und tue so, als wäre ich nicht da. Über was hätte ich auch schreiben sollen? Ich hätte mir das Trauerspiel ohnehin nicht angeschaut. Dann ein goldener Abend gegen Nürnberg. Ein Spiel das alles hatte. Betze-Slapstick, Glück, gelebte Unfairness. Und gefühlte 15 Elfmeter aus dem Lehrbuch. Am nächsten Morgen hatte ich keine Stimme mehr. Und das, obwohl ich mir diesen Pokalfight 700 Kilometer entfernt vom Betzenberg, alleine auf einem kleinen Laptop-Bildschirm ansah.


Es folgte die Ernüchterung mit einer Niederlage gegen Würzburg. Der traurige Liga-Alltag, der schon einmal durch einen Sieg gegen den Rivalen aus Mainz unterbrochen wurde, war zurückgekehrt. Und doch hatte sich etwas geändert. Die Mannschaft trat im nächsten Spiel gegen Uerdingen komplett anders auf und holte den ersten souveränen Sieg dieser Saison. Und was folgte? Mal wieder die Ernüchterung. Allerdings nur eine kleine, denn Elfmeter schienen die Betze-Spieler ohne Ende trainiert zu haben. So konnten sich die Roten Teufel im Südwestpokal gegen Pirmasens doch noch behaupten. (Keine Sorge, meine dramaturgische Klammer ist gleich zu Ende).


Gegen Rostock hatte ich ein besseres Gefühl. Ich weiß nicht wieso. Ich meldete mich in der Redaktionsgruppe und stellte mich seelisch auf das ersten Drittliga-Spiel seit langem ein, dass ich live schauen werde. Und ich wurde nicht enttäuscht. Nicht mal im geringsten. Fragt euch selbst, wann ihr das letzte Mal kein bisschen von diesem Verein enttäuscht wurdet. Als Florian Pick dieses wunderschöne Tor erzielte, wusste ich schon, dass dieses Spiel durch war. Zu jedem anderen Zeitpunkt dieser und der letzten Saison hätten wir in der 75. Minute 3:0 führen können und ich wäre mir keines Sieges wirklich sicher gewesen.


Die Mannschaft wirkte wie ausgetauscht - geradezu wie entfesselt. Und Pick, dieser wunderbare junge Pick, spielt hoffentlich nicht die Saison seines Lebens. Denn das würde heißen, dass er nie wieder so gut werden würde.

Statistische Einschübe tun immer gut

Wie gut er wirklich ist, zeigen seine Statistiken. Zwölf Tore und vier Vorlagen in 20 Spielen. Auf ähnliche Werte kommen in der jüngeren FCK-Vergangenheiten nur vermeintliche Größen wie Mo Idrissou, der in der Saison 13/14 28 Scorerpunkte in 34 Spielen erzielte. Davor gelangen Srjdan Lakic in der Saison 2010/11 27 Scorerpunkte in 35 Spielen. Entschuldigt, dass ich die jüngere FCK-Vergangenheit weiter fassen musste, aber Osayamen Osawe und Jacques Zoua kommen leider auf keine guten Werte.


Vorausgesetzt, es gelingt Florian Pick seine aktuelle Form zu halten, dann würde er bei einer Hochrechnung für die gesamte Saison auf 22 Tore und sieben Torvorlagen kommen. In dem Fall müsste Roman Weidenfeller eingestehen: "Florian Pick has a grandios Saison gespielt". Picks Sprints sind spritzig, seine Pässe präzise, seine Schüsse verheerend. Und mit seinem Jubel hat er den - ohnehin durchweg in der Vergangenheit schwelgenden - FCK-Fans neues Leben eingehaucht. Sollte Pick auf diesem Niveau weiterspielen ist klar, dass wir ihn bei einem (sehr wahrscheinlichen) Nichtaufstieg nicht halten können. Die Frage ist nur, wann er seine Kinder in Bremen auf der Schule anmelden wird.


Wo wir schon bei Scorerpunkten und 'hübschen' Zahlenspielen sind: Miro Kloses beste Saison beinhaltete nur 24 Scorerpunkte. Und die wird Pick auf jeden Fall knacken.


Quelle: Treffpunkt Betze