Einfache Taktiken führen zu einfachen Siegen

Macht dir das noch Spaß?“, werde ich des Öfteren gefragt wenn ich sage, dass ich heute meinen geliebten FCK schauen muss. Um ehrlich zu sein verneide ich diese Frage seit drei Jahren. Die sechs Jahre davor hab ich gelogen und „natürlich“ gesagt. Nach jedem Hoch kommt nun mal ein Tief. Bei den Roten Teufel ist das ein eisernes Gesetz. Und eigentlich war jedem FCK-Fan bewusst, dass der Dezember 2019 vorbei ist und im neuen Jahr eben nicht Sieg für Sieg eingefahren wird. Aber wir haben trotzdem daran geglaubt. Der Auftritt der Mannschaft gegen Braunschweig war einfallslos und an fehlender Kreativität einfach nicht zu überbieten. Wer wissen möchte, was ich von der Partie gegen die Eintracht halte und ob ich es schaffe wieder ein paar positive Aspekte herauszuarbeiten, kann die folgende Absätze getrost überspringen.


Denn wenn die Mannschaft schon - um einen großen Fußballfunktionär und Elfmeter-Fehl-Schützen zu zitieren – einen „Dreck“ zusammenspielt, kann ich meine 3000 Zeichen doch einfach dafür verwenden, um den Mann zu ehren, der mich seit meiner jüngsten Kindheit fasziniert, und der am heutigen Tage 61 Jahre alt wird. Sein Sternzeichen ist Hantel mit Aszendent Bizeps. Er ist der Meister Miyagi der Torhüter. Als ich mit gerade einmal sieben Jahren das erste Mal vor ihm stand, habe ich mich hinter dem Bein meines Vaters versteckt. Wahrscheinlich zurecht.

Alles Gute zum Geburtstag, Gerry!

Wenn man Gerry Ehrmann googelt, dann erscheint als erster Suchvorschlag „Schule“. Dieser Mann hat es geschafft den 1. FC Kaiserslautern Jahr für Jahr mit fähigen Torhütern aus der eigenen Jugend zu versorgen. Die Liste der Absolventen seiner harten Schule ist lang und gespickt mit Helden. Roman Weidenfeller wurde Weltmeister und holte dreimal die Bundesliga-Meisterschaftsschale. Tim Wiese wurde in Bremen zur Legende und in Hoffenheim zur Witzfigur, Luis Robles 2015 zum besten Torhüter der Major League gewählt. 2009 wurden mit Tobias Sippel und Florian Fromlowitz gleich zwei Ehrmann-Schüler gleichzeitig U21-Europameister. Dieser Ehre wurde auch Julian Pollersbeck zuteil, der seine U21 im Jahr 2017 als Stammkeeper zur Europameisterschaft führte und anschließend zum Torhüter des Turniers gewählt wurde. Und dann wäre da noch Kevin Trapp, der in Frankreich mehr Pokale holte als alle anderen Ehrmann-Schützlinge zusammen.


Doch auch Tarzan selbst muss sich vor seinen Schülern nicht verstecken. Denn auch er darf drei Meistertitel und drei Pokalsiege sein Eigen nennen. Am Anfang seiner Karriere startete er in Köln ohne viel Spielpraxis und wurde später ab 1984 in Kaiserslautern zu einer echten Institution. Selbst im Meisterjahr 1998 saß er noch ein Mal auf der Bank, als sich Petr Kouba verletzte. Zu dieser Zeit war er bereits designierter Torwarttrainer mit Legendenstatus, den er mit seiner emotionalen Art schon immer pflegte. Seine Karriere war Vorbild für viele Torhüter, sein Spielstil lehrte die Bundesligastürmer der späten 80er und frühen 90er das Fürchten. Und seine Trainingsmethoden wirken gleichzeitig veraltet und revolutionär.


Gerry. Danke, dass es dich gibt. Danke, dass du das Stadion mit Emotionen auflädst, wenn es sonst keiner tut. Und danke dafür, dass du mir Hoffnung gibst, mit 61 Jahren immer noch als knackiger Mitt-40er durchzugehen.

Das 4-3-3 System schwächt die Mannschaft

Und nun genug der Lobhudelei. Wir müssen über Florian Pick sprechen. Denn der lief sich am Wochenende die Seele aus dem Leib und sorgte als einziger dafür, dass der Ball das ein oder andere Mal in den Sechzehnmeter-Raum der Eintracht flog. Dass dort niemand bereit stand, der Bälle verwerten – ach was sag ich – Bälle auch nur annehmen kann, müssen wir den Trainer fragen. Während der Fünf-Sieges-Serie Ende letzten Jahres spielte der FCK ein 4-4-2 mit einer Doppelsechs. Einfache Taktiken führten dabei zu einfachen Siegen. Schwächere Gegner wurden mit Ballbesitz und Pressing in die Defensive gezwungen. Stärkere ausgekontert und gegengepresst. Business as usual.


Doch seit kurzem praktiziert FCK-Cheftrainer Boris Schommers ein offensiveres 4-3-3, welches im Angriff sogar auf vier Offensive setzt (Zuck, Pick, Kühlwetter und Thiele). Jetzt könnte man denken, mehr Angreifer bedeuten auch mehr Strafraum-Szenen. Das dem nicht so ist, hat das Spiel am Samstag eindrucksvoll bewiesen. Von hinten kommt wenig nach vorne. Und so lag es in den meisten Szenen an Florian Pick den Ball zu verteilen, was auf Grund von fehlenden Anspielstationen nahezu unmöglich war. Wenn der Ball dann doch mal ins Zentrum kam, konnten Kühlwetter oder der von rechts einlaufende Thiele diese nicht verwerten. Zudem war Pick das ein und andere Mal gezwungen, sich von der linken Flanke zur rechten zu dribbeln ohne eine Anspielstation zu finden. Achja, der Gegner hatte natürlich das Glück zwei Mal zu treffen, wobei die Braunschweiger eine ebenfalls sehr mäßige zweite Halbzeit spielten. Selbst wenn es den Lautrern gelang, Angriffe gekonnt herauszuspielen, ich kann darin beim besten Willen nichts positives erkennen. In meinen Augen ist das wertlos, wenn man den Platz am Ende mit 0:2 verlässt.


Quelle: Treffpunkt Betze