Kommentar: Die Roten Teufel duseln sich aus dem Tabellenkeller

Herausragende sieben Punkte holt der FCK in drei - ausnahmslos schlechten - Spielen nach der Coronapause. Punktemäßig stehen die Roten Teufel nun näher am Relegationsplatz als an den Abstiegsrängen. Leistungsmäßig gibt es allerdings nicht den geringsten Grund in der Tabelle nach oben zu schielen.


Der FC Carl Zeiss Jena ist nicht nur abgeschlagener Tabellenletzter, sondern derzeit eine „heimatlose“ Mannschaft, die vor der Wiederaufnahme des Spielbetriebs kein einziges Mannschaftstraining absolvieren konnte. Sie ist permanent auf Achse um von Auswärtsspiel zu Auswärtsspiel zu reisen, da in der Thüringer Heimat nicht gespielt werden darf. Daher wurde das „Heimspiel“ gegen den FCK auf den Betzenberg verlegt. Nach dominantem ersten Durchgang „gelingt“ es lethargischen Lauterern, die - in der ersten Halbzeit mausetoten - Thüringer im zweiten Durchgang wieder zum Leben zu erwecken und den sicher geglaubten Sieg beinahe noch zu verspielen. In jeder Mannschaft gibt es normalerweise zumindest einen oder zwei Führungsspieler, die in solchen Situationen die Truppe lautstark wieder in die Spur bringen. Leider existiert dieser Spielertypus im aktuellen FCK-Kader nicht. Es bleibt ruhig auf dem Platz. Mit dem glücklichen Sieg gegen Jena und dem noch glücklicheren Unentschieden gegen 1860 München duselt sich der FCK weiter aus dem Tabellenkeller heraus.

Mangelnde Laufbereitschaft oder fehlende Kondition?

Schon im Spiel gegen überlegene Münchner Löwen fällt auf, dass kaum einmal über mehrere Stationen kombiniert wird. Das Mittelfeld kann keinerlei Akzente setzen. Ob gegen 1860 München (mit Zuck, Bachmann und Sickinger) oder gegen Jena (mit Zuck, Bakhat und Ciftci). Und das liegt sicher nicht an den fußballerischen Fähigkeiten der Akteure. Nein, der ballführende Spieler sieht sich einfach stets einer Überzahl an Gegenspielern ausgesetzt und findet kaum Anspielstationen. Zwei Beispiele aus dem Spiel vom Mittwoch:


1. Außenverteidiger Philipp Hercher setzt sich gegen 1860 auf dem linken Flügel durch und könnte bzw. müsste von der Torauslinie nach innen flanken. Da niemand mitgelaufen ist muss er abbrechen und verliert schließlich gegen zwei Gegenspieler den Ball.


2. Es sieht schon beinahe arrogant aus, wie Hikmet Ciftci seinen Münchner Gegenspieler nahe der Mittellinie kurz ausspielt um direkt noch ein Pirouette um den gleichen Mann zu drehen und ihn schließlich noch ein drittes Mal aussteigen zu lassen. Ohne jeden Raumgewinn versteht sich. Letztlich kann man ihm keinen Vorwurf machen, da sich einfach kein Mitspieler anbietet.


Ob die Mannschaft nicht fit genug ist oder ihr einfach die Bereitschaft zu laufintensivem Spiel fehlt, ist schwer zu sagen. Fußball „spielen“ und, den Gegner dominieren kann sie so jedenfalls nicht, trotz mehrerer technisch begabter Spieler. Sie kann derzeit maximal auf Konter spielen oder auf Florian Pick hoffen, der zwar seit dem 18. Spieltag nicht mehr selbst getroffen hat, aber alle vier Tore nach der Coronapause vorbereitet hat.

Königstransfer Alexander Winkler könnte die Abwehr stabilisieren

Konnte 1860 die Schnelligkeitsdefizite der Lauterer Innenverteidigung noch eiskalt zum Ausgleichstor nutzen, so stellt Trainer Boris Schommers gegen Jena Carlo Sickinger nach längerer Zeit noch einmal in die Abwehrzentrale. Der 22-jährige Kapitän ist nicht nur deutlich schneller als Kraus und Hainault, sondern verfügt auch über ein deutlich besseres Aufbauspiel, was dem FCK-Spiel sichtbar gut tut. Für die neue Saison ist die Verpflichtung von Unterhachings Mannschaftskapitän Alexander Winkler für die Abwehrzentrale so etwas wie ein Königstransfer. Die auslaufenden Verträge von Kevin Kraus und André Hainault dürften zumindest nicht beide verlängert werden. Zudem sollte nach aktuellem Stand Joe Matuwila zum Betzenberg zurückkehren.


Konstanz trotz Personalwechsel gab es in der Defensive zuletzt lediglich im Tor, wo sowohl Lennart Grill (Jena) als auch Avdo Spahic (1860) hervorragende Leistungen zeigten.

Was bringt der Rest der Saison noch?

Wenn die englischen Wochen ein Gutes haben, dann, dass nun sämtliche fitten Spieler aus dem Kader ihre Einsatzchance erhalten: Anis Bakhat, Hikmet Ciftci und Alexander Nandzik durften gegen Jena von Beginn an ran. Avdo Spahic konnte zeigen, warum er nächste Saison die neue Nummer eins wird. Und zuletzt bekam sogar Theodor Bergmann wieder etwas Einsatzzeit. Lediglich Simon Skarlatidis und Andri Runar Bjarnason laborieren noch an Verletzungen, sollten jedoch auch bald wieder zur Verfügung stehen.


Unverbesserliche Optimisten im FCK-Anhang haben bereits den Kicker-Tabellenrechner bemüht, um zu kalkulieren wann genau die Roten Teufel den Relegationsplatz erreichen um sich dann mit dem KSC zu messen. Sofern man von den letzten drei Partien mehr als nur das nackte Ergebnis gesehen hat, hofft man dagegen lediglich darauf, den Klassenerhalt möglichst schnell zu sichern. Mehr dürfte mit diesem Kader leider nicht drin sein - so inkonstant die komplette Liga auch sein mag. Anschließend könnten endlich die Planungen für die neue Saison beginnen. Je früher desto besser.

Die FCK-Sanierung in der entscheidenden Phase

Vor den sportlichen Planungen steht allerdings noch ein „kleines“ Hindernis: Verbindlichkeiten in Höhe von ca. 20 Mio. Euro. Dirk Eichelbaum, Fachanwalt für Insolvenzrecht steht dem Verein - so wurde im Laufe der vergangenen Woche bekannt - als Generalbevollmächtigter zur Verfügung und wird in dieser Funktion eng mit FCK-Geschäftsführer Soeren-Oliver Voigt zusammenarbeiten. Da ein Teil der Außenstände Ende Juni fällig wird, gehen die Gespräche mit Gläubigern und möglichen Investoren nun in die entscheidende Phase. Mögliche Ergebnisse können die Insolvenz des 1. FCK, eine (vorläufige) Rettung durch den Einstieg neuer Investoren oder auch ein Schuldenschnitt sein. Letzterer könnte den Gläubigern z.B. eine Umwandlung ihrer Forderungen in Vereinsanteile ermöglichen.

Geistertickets: Eine gute, aber halbherzige Aktion

Drei Tage vor dem Heimspiel gegen 1860 veröffentlichte der Verein eine knappe Meldung zur Geisterticket-Aktion, unterlegt mit einem Video, welches allerdings keinerlei direkten Bezug zu Geistertickets erkennen ließ. Letztlich wurden auf diese Weise immerhin 6.500 Tickets verkauft. Für die kommenden Aktionen hier noch ein paar ergänzende Hinweise und Ideen:

  • Eine solche Aktion braucht ein wenig mehr als drei nur Tage Vorlaufzeit
  • Sie könnte mit einem FCK-Angestellten oder Spieler und mit Hilfe einer direkten Ansprache per Video zusätzlich beworben werden
  • Neben Paypal sollte es auch die Möglichkeit der Kreditkartenzahlung geben
  • Angeboten werden sollte ein hochpreisiges "VIP-Ticket" für diejenigen, die den Verein zusätzlich unterstützen wollen
  • Eine Geisterticket-Dauerkarte: Damit könnten sich FCK-Anhänger für alle verbliebenen Heimspiele mit Geistertickets ausstatten. Einmal bezahlt, alles drin.

Doch damit nicht genug: Das mit Abstand schlimmste Versäumnis dieser Aktion ist jedoch, dass es weder Geister-Weißweinschorle noch eine Geister-Pferdefrikadelle zu erwerben gab. Vollkommen unverzeihlich.


Und bevor die Roten Teufel am kommenden Mittwoch (Anstoß: 20:30 Uhr) auf den Tabellenführer aus Duisburg treffen, gilt es nun, sich hier im Ticketshop des FCK noch schnell einen virtuellen Steh-oder Sitzplatz für das Match zu sichern.


Quelle: Treffpunkt Betze

Bild: Michael Schmitt