Kommentar: Eine Frage der Zeit

Nach dem Derby-Punkt und dem unter der Woche letztendlich souveränen Weiterkommen im Verbandspokal gegen Marienborn sollte es auch in der Liga endlich mit dem ersten Dreier klappen. Trotz couragierter Leistung und zahlreicher Torchancen mussten sich die Roten Teufel mit einem torlosen Remis begnügen.


Dass die Zweitvertretung der Bayern als amtierender Meister der 3. Liga über eine gewisse Qualität verfügt und zu den spielstärksten Mannschaften der Liga zählt, dürfte zweifelsohne feststehen. Mit Joshua Zirkzee stand beispielsweise ein Spieler in der Startelf mit einem höheren Marktwert als der gesamte Kader des FCK. Durch die Ergebnisse der letzten Wochen und die fehlenden Erfolgserlebnisse in der Liga schien der FCK dabei nicht gerade vor Selbstvertrauen zu strotzen. Umso wichtiger war es also, den ersten Durchgang wie in den Spielen davor nicht zu verschlafen. Gesagt getan. Der FCK hatte sogar durch Mohamed Morabet die erste Großchance der Partie und hätte sogar in Führung gehen müssen. In der Folge agierte aber nur noch Bayern. Dem FCK blieb nichts anderes übrig als zu reagieren und einen Angriff nach dem anderen abzuwehren. Doch der FCK hielt stand.

Systemumstellung zahlt sich aus

Vor dem Spiel überraschte Jeff Saibene mit einer taktischen Umstellung. In einem eher ungewohnten 4-1-4-1 agierten die Roten Teufel nur mit einem Stürmer, statt dem von Saibene bevorzugten 4-4-2 mit zwei Spitzen. Doch diese Umstellung sollte sich bezahlbar machen und verhalf besonders der Defensive zu mehr Stabilität.


Mit Dominik Schad, Kevin Kraus und Carlo Sickinger standen gerade einmal drei Stammspieler der vergangenen Saison in der Startelf. Die vielen Neuzugänge machten sich besonders in der Offensive durch einige Abstimmungsschwierigkeiten bemerkbar. Die Last-Minute Neuzugänge Redondo und Hanslik waren auf den beiden offensiven Außenbahnen zwar bemüht und zeigten besonders in der Defensive großen Einsatz, doch merkte man ihnen auch die letzten fehlenden Prozente im letzten Drittel an.

Kompakte Defensive

Dass ein neuer Trainer in zwei Wochen keine großen Wunder vollbringen kann, dürfte wohl allen klar sein. Doch wie Jeff Saibene es geschafft hat eine wacklige FCK-Hintermannschaft zu stabilisieren ist bemerkenswert. Wie oft kam es in den vergangenen Jahren eigentlich vor, dass der FCK gegen einen tief stehenden Gegner die spielbestimmende Mannschaft war und am Ende doch verlor. Im Spiel gegen die Zweitvertretung des FC Bayern wurde der Spieß umgedreht - und, es sollte sich bezahlbar machen.


Mit viel Kampf, Laufbereitschaft und Teamwork stand die Roten Teufel in Defensive so sicher wie schon lange nicht mehr. Mit zunehmender Spieldauer zogen die Pfälzer den kleinen Bayern immer mehr den Zahn. Vor allem Kevin Kraus, der am Samstag in Topform auflief, nahm Zirkzee bis auf wenige Ausnahmen komplett aus dem Spiel. Symptomatisch war auch, dass der einzige gefährliche Abschluss der Bayern im zweiten Durchgang ein direkter Freistoß von Arp war. Und welch sicheren Rückhalt hat der FCK mit Avdo Spahic zwischen den Pfosten stehen. Mit einer gekonnten Strafraumbeherrschung war Spahic bei allen hohen Hereingaben stets zur Stelle.


Mit dieser Leistung war es deshalb wenig überraschend, dass der FCK das erste Mal in dieser Saison ohne Gegentreffer blieb, besonders gegen einen offensivstarken Gegner wie Bayern II.

Schlussoffensive wird nicht belohnt

Im Gegensatz zur Defensive klappte in der Offensive der Roten Teufel nicht alles auf Anhieb. Zwar konnten die Roten Teufel in den ersten Spielminuten überraschen und verpassten gar die Chance zur Führung, doch in der Gesamtbetrachtung blieb der FCK über weite Strecken in der ersten Hälfte zu harmlos. Gerade in den entscheidenden Umschaltsituationen wirkten die Pfälzer zu hastig und agierten ohne Durchschlagskraft. Zu oft zeigte sich auch die fehlende Abstimmung der neu zusammen gewürfelten Offensive. Einzig Marvin Pourie konnte die Abwehr der Bayern dauerhaft beschäftigen. Mit seinem Einsatz und Willen war er ständiger Unruheherd, aber auch ihm fehlte noch zu häufig die nötige Unterstützung.


Erst gegen Ende der zweiten Hälfte begann der FCK mutiger zu werden. Die Mannschaft von Jeff Saibene nutzte plötzlich die in der bayerischen Defensive entstandenen Räume und kam gleich zu mehreren hochkarätigen Chancen. Besonders in der Schlussphase war der Sieg zum Greifen nah, nicht umsonst sprach der Cheftrainer nach dem Spiel von einem verpassten "Lucky Punch". Mit den Chancen von Zuck und Morabet hätte der FCK eigentlich als Sieger vom Platz gehen müssen, doch die mangelnde Chancenverwertung der Roten Teufel zieht sich wie ein roter Faden durch die bisherige Saison. Am Ende fehlte das nötige Quäntchen Glück.

Ausgewogener Kader

Dass die Roten Teufel über ausreichend Qualität verfügen, um in dieser Liga eine gute Rolle zu spielen, haben sie mit Ausnahme der deutlichen Niederlage gegen Türkgücü München in den bisherigen Spielen bereits unter Beweis gestellt. Auch gegen Bayern II hätte es am Ende mit etwas Glück zum Sieg gereicht. Dabei haben mit Ciftci und Bachmann zwei Spieler gefehlt, die in den ersten Spielen zu überzeugen wussten. Mit Sessa und Winkler stehen demnächst hoffentlich zwei weitere Spieler mit bereits nachgewiesenen Drittliga-Qualitäten bereit.


Jeff Saibene wechselte am Samstag mit Skarlatidis, Zuck und Huth neue Kräfte ein, die das Spiel in der zweiten Halbzeit nochmal deutlich belebten. In der vergangenen Saison war das nur selten der Fall. Das zeigt, dass sich der FCK besonders in der Breite deutlich verbessert hat und und somit deutlich schwerer auszurechnen ist.

Ruhe und Unterstützung

Mit dem bisherigen Saisonverlauf kann sicherlich keiner zufrieden sein, auch nicht die Akteure der Roten Teufel selbst. Dennoch muss man der Mannschaft zugutehalten, dass sie besonders in der Offensive wieder einmal einen kompletten Umbruch erlebt hat. Automatismen und Laufwege können in dieser kurzen Zeit noch nicht zu 100 Prozent passen. Auch werden die Vorgaben des neuen Trainers einige Zeit in Anspruch nehmen. Gleichzeitig hatte der FCK das mit Abstand schwierigste Auftaktprogramm mit zwei Absteigern, einem euphorisierten Aufsteiger, einem Derby und dem Duell mit dem amtierenden Meister. Im Großteil dieser Spiele waren die Roten Teufel über weite Strecken ebenbürtig.


Hinzu kommt, dass das fehlende Selbstvertrauen und eine gewisse Unsicherheit eine große Rolle in den schwankenden Leistungen der Mannschaft spielen. Die öffentliche und teilweise unter der Gürtellinie geäußerte Kritik und der damit verbundene Rauswurf von Ex-Trainer Boris Schommers ging gewiss nicht spurlos an der Mannschaft vorbei. Trotzdem ist der Wille auf dem Platz alles zu geben deutlich erkennbar. Die Männer in rot zeigen in den letzten Spielen Tugenden, die Fans sehen wollen und auch von ihrer Mannschaft erwarten. Genau deswegen benötigen Mannschaft und Trainer viel Ruhe und unsere volle Unterstützung. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis der Knoten platzt und die Mannschaft ihr komplettes Potenzial abrufen kann. Vielleicht schon am kommenden Mittwoch gegen Ingolstadt.


Quelle: Treffpunkt Betze