"Ich bin kein Held": Fritz Walter wird 100!

Fritz Walter, 1920 in Kaiserslautern geboren, 2002 in Enkenbach-Alsenborn verstorben, Kapitän der legendären Weltmeister-Elf von 1954 und in 384 Meisterschaftsspielen Spieler des 1. FC Kaiserslautern, wäre heute 100 Jahre alt geworden. Seine gesamte Karriere lässt sich nicht nur in Zahlen messen. Beeindruckend sind sie dennoch: In seiner aktiven Zeit für den FCK war Fritz Walter 31 Jahre lang am Ball und schoss 327 Tore. Nicht nur deswegen machte man ihn unter anderem zum Ehrenspielführer Deutschlands und des 1. FC Kaiserslautern, verlieh ihm das Bundesverdienstkreuz, benannte das Stadion und eine Straße in Kaiserslautern nach ihm. Fritz Walter gehörte und gehört bis heute zu den herausragenden Persönlichkeiten des deutschen Fußballsports. An seinem heutigen Geburtstag erinnern zahlreiche Organisationen, darunter das Fritz-Walter-Museum, die Fritz-Walter-Stiftung, die Stadt Kaiserslautern und natürlich auch der 1. FCK in Ausstellungen und Internetseiten an den Menschen und an einen der besten Fußballer seiner Zeit. Auch das Treffpunkt Betze Magazin erinnert sich an diesem ganz besonderen Tag an Fritz Walter, den "Erfinder von Kaiserslautern" - mit einem Vorwort von Matthias Gehring*, einer persönlichen Begegnung von FCK-Fan Herbert Thorn* und einem Gedicht von Gedichteschreiber Helmut Marnet*.


Fritz Walter wird 100! Gedanken zu einem ganz besonderen Tag

von Matthias Gehring


Am 31. Oktober 2020 wäre Fritz Walter einhundert Jahre alt geworden. Ein Datum, auf das der Verein, die Stadt, zahlreiche Institutionen und unzählige Menschen seit mehr als einem Jahr mit Engagement und Freude hin gearbeitet haben. Auch wenn unser gesellschaftliches Leben seit nun mehr sieben Monaten gänzlich aus den Fugen geraten scheint und wir aktuell viele Einschränkungen hinnehmen müssen, die es uns auch nicht erlauben diesen besonderen Tag so zu begehen, wie wir es uns vielleicht alle gewünscht hätten.


Es ist schon so viel geschrieben worden über den Mann, dem zu Lebzeiten und über den Tod hinaus unzählige Ehrungen zuteil wurden. Fritz Walter hat nach seiner aktiven Laufbahn in einem TV-Interview einmal gesagt, dass es ihn trotz seiner erfolgreichen Zeit als Fußballer, trotz seiner Bekanntheit, trotz seiner vielen Auszeichnungen, mit Stolz erfülle, dass er nie vom Boden abgehoben, über all die Jahre seinem Verein treu und stets Mensch geblieben sei. Kernelemente dessen, was so oft als die Werte Fritz Walters beschrieben wurde und wird.


Doch was bedeutet es eigentlich, Mensch geblieben zu sein? Sicher gehören Primärtugenden wie Bescheidenheit, Demut, Anstand und Respekt dazu. Wohlklingende Worte, deren Bedeutung heute in vielen Bereichen unserer schnelllebigen Zeit längst nicht mehr so salonfähig zu sein scheint. Zumindest gewinnt man den Eindruck wenn man so manche Kommentarspalten in einschlägigen Internet-Foren durchblättert, wo es mittlerweile gefühlt mehr um ein Gegeneinander als um ein Miteinander zu gehen scheint. Auf die immer wieder aufgeworfene Frage, wie man Werte, für die Fritz Walter stand und steht heute überhaupt noch vermitteln könne, kann es daher eigentlich nur eine einzige knackige Antwort geben. Leben!


Vor diesem Hintergrund wäre es schon ein positiver Schritt, wenn beispielsweise so mancher Nutzer der bereits zitierten Internetwelten nach dem Konsumieren von Nachrichten und Informationen nicht reflexartig seine Emotionalität in Form von Kommentaren in die Welt hinausposaunen, sondern sich einfach erst einmal die Frage stellen würde: "Was hätte Fritz dazu gesagt und wie hätte er es formuliert"? Oder noch einen konsequenten Schritt weiter gedacht: "Hätte Fritz dazu überhaupt irgendetwas gesagt"?


Eine daraus geschlussfolgerte Zurückhaltung zu üben, das ist sicher nicht immer einfach, aber es scheint lohnenswert einmal darüber nachzudenken. Vielleicht würde dann auch die Welt wieder ein Stückchen unaufgeregter. Ganz im Sinne von Fritz Walter!


Fritz Walter - der Erfinder von Kaiserslautern

von Herbert Thorn


Ein toller Spieler, ein toller Mensch, das FCK-Idol!


Heute wäre er 100 Jahre alt geworden, der zu seiner Zeit beste Fußballer Deutschlands. Auf den Gassen in Kaiserslautern begann er als kleiner Junge mit dem Fußballspielen. In den großen Stadien des nationalen und internationalen Fußballs spielte er bis zu seinem Karriereende am 20. Juni 1959. In dieser Zeit machte er, trotz der Unterbrechung durch den Krieg, 384 Spiele für seinen FCK und erzielte dabei 327 Tore. Fritz Walter trat 61 Mal im Trikot der Nationalmannschaft an und schoss dabei 33 Tore. Er wurde zweimal deutscher Meister und stand weitere dreimal im Endspiel um die Deutsche Meisterschaft.


Fritz Walter war ein begnadeter Techniker und ein gewiefter Stratege auf dem Spielfeld, ein ehrlicher und überaus beliebter und - auf seine ganz eigene Art - charismatischer Mensch. Er war sehr heimatverbunden und liebte seinen 1.FC Kaiserslautern. Das ging sogar soweit, dass er Angebote von Atletico Madrid, Inter Mailand, FC Nancy und Racing Paris mit, für damalige Verhältnisse gigantischen Entlohnungen, ausschlug, um für seinen FCK zu spielen. Das Idol der Roten Teufel war nach dem Krieg beteiligt am Wiederaufbau des FCK und setzte sich immer für seinen Verein ein.


Fritz Walter war aber nicht nur ein Idol auf dem grünen Rasen, er war auch ein Vorbild für viele Fußballer weit über seine Laufbahn als Spieler hinaus. Er ist Zeit seines Lebens ein ganz bescheidener Mensch geblieben, der sich auch mit anderen Personen auf Augenhöhe unterhielt. Er wusste, was den Menschen, die ihm bei seinen Spielen zuschauten, im Kopf herum ging und was es für sie bedeutete, wenn der FCK gut spielte. Und Fritz Walter wusste, dass man auch eine soziale Verantwortung als FCK-Spieler und Vorbild hat. Auch deshalb engagierte sich der „Lautrer Bub“ in unzähligen Aktionen, Stiftungen und Organisationen, die Mitmenschen zu Gute kamen, die nicht immer an der Sonnenseite des Lebens standen. Für den Deutschen Sport war er Zeit seines Lebens ein Aushängeschild, welches man überall gerne präsentierte, weil er als Sinnbild des neuen und friedliebenden Deutschlands galt. Für dieses Engagement erhielt er viele Auszeichnungen.


Leider habe ich Fritz Walter nie live spielen sehen, weil ich erst 1959 geboren bin. Aber wenn ich meinem Vater beim Schwärmen zuhöre und das Leuchten in seinen Augen sehe, wird mir klar, was dieser Mann den Menschen damals gegeben hat.


Die Person Fritz Walter durfte ich dennoch persönlich kennen lernen. Ich war fünfzehn Jahre alt, als er bei einem Jubiläum unseres Jugendvereins die Schirmherrschaft über die Feierlichkeiten übernahm. Unsere Jugendmannschaft hatte am Sonntagmorgen ein Spiel gegen den Erzrivalen aus dem Nachbarort. Wir erspielten eine Niederlage, die weh tat. Ich kam also nach Hause und warf, laut "Scheiße" brüllend, meine Fußballsachen in die Ecke und ging ins Wohnzimmer. Da stand er dann vor mir, dieser Mann, der mich schon alleine durch seine Erscheinung und vor allem seine Ausstrahlung tief beeindruckte. Er erklärte mir, dass er auch keine Niederlagen mochte, dass man aber daraus am meisten lernen könne. Er erzählte mir, worauf es beim Fußball ankam: Den Zusammenhalt der Mannschaft, den Willen jedes Spielers, auch auf der Ersatzbank, jederzeit für seine Mitspieler alles zu geben. Und er betonte, worauf es taktisch in solch aufgeheizten Spielen zu achten galt.


Mein Vater war zu dieser Zeit in einer Funktion im Verein tätig und hatte Fritz Walter zu den Festlichkeiten abgeholt. Solche Momente vergisst man ein ganzes Leben nicht.


Fritz Walter hatte für junge Menschen stets ein offenes Ohr. In der damaligen Zeit, in der die Jugend nicht sehr viel von der älteren Generation annahm, war er trotzdem ein Idol, auch und vor allem für junge Leute. Fritz Walter machte eben nicht nur einfach seine Autogrammstunden und ging dann wieder, er nahm sich auch die Zeit für das ein oder andere Gespräch.


Nun wäre Fritz Walter 100 Jahre alt geworden. Leider ist er im Juni 2002 von uns gegangen. Ich denke, er würde sich trotzdem freuen, wenn er heute noch die vielen Menschen sehen könnte, die am Wochenende mit der Nummer acht auf dem Trikot ins Fritz Walter Stadion pilgernund seinen FCK, egal in welcher Liga, anfeuern. So wie sich´s fer gute Pälzer geheert!


Unser Fritz

von Helmut Marnet


Ein Mann stieg eben aus der Bahn,
er kam in seiner Heimat an.
Zu Fuß geht er durch seine Stadt,
der er so viel gegeben hat.

Er ist „unser Fritz“ – und er war,
viel mehr als nur ein Fußballstar.
Ihn kennen alle, in jedem Alter,
denn keiner war jemals so – wie Fritz Walter.

Nicht schöne Tore und Rekorde,
Kampfgeschrei und starke Worte –
was wirklich zählt, das sind die Werte,
die unser Fritz uns damals lehrte…

Bescheidenheit … man braucht nicht viel –
das prägte seinen Lebensstil.
Fritz gehörte nie zu denen,
die sich selbst gern wichtig nehmen.

Aufrecht und mit gutem Willen
wirkte unser Fritz im Stillen.
Fritz befasste sich viel lieber
mit dem Menschen gegenüber.

Seine Bodenständigkeit
ist legendär für alle Zeit.
Einst lockte ihn mit sehr viel Geld
einer der größten Clubs der Welt.
Er hat dann eine ganze Nacht
über alles nachgedacht.
Doch seine Frau riet augenblicklich:
„Dehääm is dehääm – unn nur hier bischt Du glücklich…“

Hilfsbereitschaft war letztendlich
für Fritz Walter selbstverständlich.
Nicht jedem, wie das Leben zeigt,
ist die Sonne zugeneigt.

Doch unser Fritz hat unterdessen
auch die im Schatten nie vergessen.
Ohne Gedöns und eher leise –
so half er stets auf seine Weise.

Respekt heißt, andre Menschen achten,
auf Augenhöhe zu betrachten.
Das gilt für alle Lebenslagen,
bei Siegen und bei Niederlagen.

Zusammenhalt ist das Bestreben
für den anderen alles zu geben.
So ist es… so bleibt es… und so wird’s immer sein…
es sind seine Worte – gemeißelt in Stein.

Dem Fritz seine Werte –
sie sind unser Erbe.

Denkt drüber nach, entscheidet klug,
denn jetzt seid nämlich Ihr am Zug…


Gewidmet dem großen Pfälzer Fritz Walter – ein Vorbild für die Ewigkeit.


* Matthias Gehring, auch bekannt als das "FCK-Gesicht" ist seit dem Jahr 1974 Fan des 1. FC Kaiserslautern. Neben seinem Engagement im FCK-Fanclub "Queer Devils engagiert sich Matthias seit mehreren Jahren ehrenamtlich für die 'Initiative Leidenschaft Fritz Walter Museum Kaiserslautern e. V.'


* Herbert Thorn packte die Leidenschaft zum FCK im Jahre 1965. Seit 1967 - seinem ersten Besuch uffm Betze - pilgert Herbert regelmäßig hoch hinaus ins Fritz-Walter-Stadion.

* Helmut Marnet erlebte sein erstes Spiel auf dem Betzenberg als 9-jähriger im Jahr 1970. Es war ein Freundschaftsspiel gegen den SV Alsenborn. Ein bis heute unvergessliches Spiel für ihn ist der 5:0 Sieg gegen Real Madrid. Helmut ist in der Fanszene als Gedichteschreiber bekannt. Seine Gedichte veröffentlicht er auf der Internetpräsenz: http://www.einfach-so.net


Quelle: Treffpunkt Betze

Quelle Titelbild: Mit freundlicher Unterstützung und Genehmigung von 'Foto Bachem'