Kommentar: Warum nicht auch mal ein Unentschieden?

Rückblick: Im September fuhren die Roten Teufel keinen einzigen Punkt ein, im Oktober blieb der FCK sieglos. Im November wiederum beendet der 1. FC Kaiserslautern alle sechs Spiele ohne Niederlage. Die daraus resultierenden 10 von 18 möglichen Punkten sind trotz der aufsteigenden Tendenz dennoch enttäuschend - und zwar besonders deswegen, weil der FCK in fünf der sechs Partien mit 1:0 in Führung ging, die Führung jedoch nicht über die Zeit brachte. So auch am Sonntag in Saarbrücken.

Hochmotivierte Fans im Land des Schwenkgrills

Direkt nach dem FCK ist der 1. FC Saarbrücken der zweitbeliebteste Verein im Land des Schwenkgrills. Dementsprechend heiß auf das Spiel war auch deren Anhang, der selbst die Lauterer Trainerbank mit FCS-Schals dekorierte. Selbstverständlich ließ sich auch Magentasport nicht "lumpen" und präsentierte vor Spielbeginn den legendären "Saarländer Adventskranz": Ein Ringel Lyoner-Fleischwurst mit vier Maggiflaschen als Kerzen. Doch damit nicht genug: Es gab auch eine Homestory über zwei saarländische Vorzeigefans, deren vier Wände mit Jerseys von FCS-Spielern in Trikotrahmen geradezu museumsgleich dekoriert waren. Für die Kameras ließen sich die beiden Fans in blau-schwarz dann auch mehrfach ein Glas Pils „schmecken“, dessen Schaumkrone lockere 60 % ausmachte. Andere Länder, andere Sitten.

Zum ersten Mal selbstbewusster FCK-Fußball

Für das Saar-Pfalz-Derby ein „1:1 nach 1:0 Führung des FCK“ zu prophezeihen, war vor dem Spiel ungefähr ähnlich spektakulär wie in der Bundesliga einen Sieg Bayern Münchens mit Torbeteiligung von Robert Lewandowski vorherzusagen. Auch dass mit Maurice Deville ein ehemaliger Lauterer das Tor für die Saarländer erzielte, war nicht nur „typisch FCK“, sondern auch statistisch recht wahrscheinlich: Mit den beiden Saarbrücker Top-Torschützen Nicklas Shipnoski und Sebastian Jacob sowie Steven Zellner und eben jenem Deville bot der FCS gleich vier Ex-Lauterer auf.


Im Gegensatz zu der eher schwachen Leistung beim Sieg gegen Lübeck präsentierten sich die Lauterer beim saarländischen Tabellenführer kämpferisch, läuferisch und - kurzfristig sogar spielerisch - stark. Hatten die Saarländer im ersten Durchgang noch die besseren Torchancen, so spielte der FCK im zweiten Durchgang zunächst bärenstark auf: Die Männer in Rot entschieden wichtige Zweikämpfe mehrheitlich für sich, und auch das anschließende Passspiel war sauber und präzise. Zum allerersten Mal in der bisherigen Saison spielte das FCK-Team einen wirklich selbstbewussten Fußball! Leider nur kurz, denn mit dem Platzverweis für Torhüter Avdo Spahic änderte sich das komplette Spiel. Die Punkteteilung ist letztlich gerecht, wobei natürlich - wieder einmal - mehr drin gewesen wäre.

Hanslik bärenstark, Ciftci überragend

Wenn spielerisch wenig läuft, muss man sich halt ins Spiel kämpfen, sagt man. Den Spruch verinnerlichte Elias Huth bereits am Mittwoch gegen Lübeck mit einem enormen Laufpensum. Gleiches galt nun auch gegen Saarbrücken für den in den letzten Wochen etwas unglücklich agierenden Daniel Hanslik. Extrem fleißig, lauf- und zweikampfstark und offensiv immer eine spielerische Lösung suchend war die Kieler Leihgabe nach dem überragenden Hikmet Ciftci der auffälligste FCK-Spieler. „Hiko“ Ciftci hat inzwischen längst die Chefrolle im zentralen Mittelfeld übernommen. Er zeigt sich sowohl als kompromissloser Balleroberer als auch als immer anspielbereiter Spielmacher, der Gegenangriffe einleitet und mit zunehmender Selbstsicherheit die Bälle durch das Mittelfeld transportiert.

Das Hainault-Experiment – bitte nicht wiederholen!

Solange der Ball am Boden bleibt haben wir gute Chancen zu gewinnen“, sagte Saarbrückens Trainer Lukas Kwasniok vor dem Spiel. Bezogen war die Aussage wohl auch auf die Lauterer Startaufstellung, in der sich überraschend André Hainault - noch dazu als Rechtsverteidiger - wiederfand. Damit waren drei Dinge klar:

  1. Coach Jeff Saibene setzt auf die Lufthoheit bei Standardsituationen
  2. Flankenläufe eines FCK-Außenverteidigers sind maximal auf der linken Seite zu erwarten
  3. Laufduelle mit den schnellen FCS-Stürmern verheißen nichts Gutes

Um es vorweg zu nehmen: Es war eine charmante Idee, die durchaus hätte klappen können. Leider spielte der 34-jährige Routinier Hainault aber alles andere als routiniert und fiel, gerade in der Anfangsphase, ausschließlich durch Fehlpässe auf. Zudem waren seine eklatanten Tempodefizite neben den, ebenfalls nicht wirklich schnellen, Innenverteidigern Janik Bachmann und Kevin Kraus alles andere als beruhigend. Ob Keeper Avdo Spahic wohl das Gleiche dachte und vor seiner roten Karte deshalb so überhastet aus seinem Tor lief?


Coach Jeff Saibene ist bisher immer wieder für Überraschungen bei seinen Aufstellungen und Einwechslungen gut. Trotzdem bleibt zu hoffen, dass wir diese Saison keinem weiteren „Hainault-Experiment“ - egal auf welcher Position - beiwohnen müssen.

Die Tribünenelf der nächsten Woche

Aktuell fällt tatsächlich nach jedem Match ein weiterer Lauterer Spieler verletzt oder gesperrt aus. Nimmt man Lukas Spalvis und Dylan Esmel mit dazu, dann könnte der FCK mittlerweile eine komplette Elf „aufbieten“, welche am nächsten Wochenende wohl ausfällt:


Spahic

Schad, Winkler, Gottwalt, Hercher

Sessa, Skarlatidis, Bakhat, Sickinger

Spalvis, Esmel


Ein wenig Hoffnung bleibt, dass zumindest Carlo Sickinger und Philipp Hercher beim nächsten Spiel wieder in der Startelf stehen. Über den Fitnessstand von Alexander Winkler ist wenig bekannt. Zumindest in den Spieltagskader hat es der ehemalige Hachinger in dieser Saison noch nicht geschafft. Nichtsdestotrotz dürfte der breite Kader und die ordentliche Einstellung der vergangenen Wochen die Verletzenmisere größtenteils abfangen. Die sportliche Tendenz zeigt, trotz der vielen Unentschieden, weiter nach oben. Dafür muss allerdings am nächsten Spieltag definitiv dreifach gepunktet werden.

Zebrastreifen weiß und blau

Am kommenden Samstag empfangen die Roten Teufel den MSV Duisburg. Die Meidericher sind aktuell völlig von der Rolle. Die kurzfristige Wiederverpflichtung von Ex-Trainer Gino Lettieri nach dem Rauswurf von Torsten Lieberknecht, sorgte im MSV-Umfeld bereits für einhelliges Unverständnis. Seither spielen die Zebras tatsächlich noch schlechter als zuvor und holten zuletzt lediglich zwei magere Punkte aus fünf Spielen. Wer also, wenn nicht der 1. FC Kaiserslautern, könnte einer solchen Krisentruppe wieder auf die Beine helfen?


Nein, bitte nicht! Trotz des immer größer werdenden Lazaretts, sollte der FCK den MSV am Samstag besiegen können und damit in der Tabelle zumindest einmal das Mittelfeld erreichen.


Quelle: Treffpunkt Betze