Kommentar: Ein Tiefpunkt jagt den nächsten

Nach sieben Spielen ohne Niederlage verliert der FCK das Freitagsspiel in Unterhaching und ist endgültig im Abstiegskampf angekommen. Bei der Niederlage gegen die Bayern zeigt das Team gewohnte Schwächen in Defensive und Offensive.


Für den 1.FC Kaiserslautern war es ein recht gewöhnlicher Sommer. Wie so oft wurde auch vor der aktuellen Saison der größte Teil des Kaders ausgetauscht. Auch die erste Trainerentlassung ließ nicht lange auf sich warten. Neu war ebenfalls nicht, dass um Zeit gebeten wurde. Schließlich spielt da jetzt eine völlig neuformierte Truppe zusammen und der neue Trainer muss die Jungs ja auch erstmal kennen lernen.


Um es auf den Punkt zu bringen: Der FCK hat es mal wieder versäumt, sauber in eine Saison zu starten. Mit einem Trainer, der bei den Transfers einen gewissen Einfluss hat und mit einer Mannschaft, die bereit für diese Liga ist. Stattdessen folgte wenige Tage vor Transferschluss Jeff Saibene als neuer Mann an der Seitenlinie und fand schon eine mehr oder weniger fertiggeplante Mannschaft vor. Zwar gelten Kenny Prince Redondo und Daniel Hanslik als Wunschtransfers des Luxemburgers, von großem Einfluss auf die Zusammenstellung des Kaders kann man allerdings wahrlich nicht sprechen. Mit diesen Zeilen hole ich relativ weit aus, um auf das Spiel von Freitagabend zu kommen. Aber wahrscheinlich darf das als verzweifelter Versuch gelten, mir die aktuelle Lage rund um Verein und Mannschaft zu erklären.

Es passt einfach nicht

Vielleicht muss man mittlerweile anerkennen, dass es vorne und hinten nicht passt. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Einzelne Spieler bringen zwar Qualität mit, dem Zusammenspiel scheint das aber nicht zu helfen. Der Trainer konnte schon unter Beweis stellen, dass er Erfolg in Liga 3 haben kann, erreicht aber offensichtlich diese Mannschaft nicht. Es war am Freitag nicht zum ersten Mal der Fall, dass der Luxemburger völlig konsterniert und ratlos an der Seitenlinie stand. Erklärungen für den Misserfolg hat er auch nicht parat und kündigte im Anschluss des Spiels personelle Konsequenzen an. Das alles klingt schon sehr nach purer Verzweiflung.


Seit Wochen tritt der FCK in der Offensive völlig harmlos auf. Entweder hat das Team enorme Schwierigkeiten, überhaupt Kreatitvität ins Spiel nach vorne zu bringen oder größte Chancen werden fahrlässig ausgelassen. So wie beispielsweise am Freitag in Unterhaching, so wie gegen den MSV Duisburg, so wie in Saarbrücken und so wie in fast jedem anderen Spiel in der aktuellen Saison. Wurde Saibene zu dieser Problematik befragt, nickte er meist zustimmend, konnte mit vielversprechenden Lösungsvorschlägen jedoch nicht dienen. Und so zieht sich diese Thematik durch die letzten Monate und aktuell ist es schwer vorstellbar, dass sich das in den kommenden Wochen ändern wird.


Die Defensive konnte Jeff Saibene in seiner Zeit als FCK-Trainer sichtlich stabilisieren. Zumindest verrät das der Blick auf die Gegentore. Nach 15 Spielen hat der FCK „lediglich“ 19 Treffer kassiert. Zum selben Zeitpunkt der Vorsaison waren es 32. Dass die neue defensive Stabilität aber nur bedingt weiterhilft, liegt zum einen an der angesprochenen offensiven Harmlosigkeit. Zum anderen an krassen individuellen Fehlern, die das Team nie ganz abstellen kann. Am Freitag fiel dahingehend vor allem Kevin Kraus auf, dessen Stellungsspiel irgendwo zwischen "grausam und unterirdisch" einzustufen ist. Beim letzten Heimspiel leitete Hikmet Ciftci mit seinem Aussetzer den Rückstand ein. Auch diese Reihe ließe sich fortführen…

Einzige Hoffnung Transfers?

Das Schlimme an der aktuellen Misere ist, dass mir inzwischen die Fantasie fehlt, wie diese Mannschaft in dieser Konstellation das Ruder noch einmal herumreißen will. Wir sprechen hier nicht von einer schwierigen Phase seit drei oder vier Wochen. Wir sprechen hier nicht mehr von fehlendem Pech, dass die Mannschaft hat. Die angesprochenen Probleme sind grundlegend. Wenn ein Team trotz häufiger Dominanz nicht in der Lage ist Tore zu schießen, dann wird es mit dem Gewinnen schwer. Und dann wird es ebenfalls schwer, dass mit zwei, drei Umstellungen im Team zu ändern. Personelle Umstellungen schön und gut – aber Hand aufs Herz: Welchem Spieler im Kader, der bislang kaum zu Zuge gekommen ist, ist es zuzutrauen, dass er die Mannschaft weiterbringt?


So bleibt die bald anstehende Transferphase als letzte Hoffnung. Für Neuverpflichtungen ist im Verein jedoch eine Person zuständig, der es in den letzten Jahren nachweislich nicht gelungen ist, funktionierende Mannschaften zusammzustellen. Das alles passt doch irgendwie zur Gesamtlage: Es passt einfach nicht. Und zwar weder vorne noch hinten.


Quelle: Treffpunkt Betze