Rasen statt Röser – aber die Probleme bleiben

Bösen Zungen zufolge musste erst Großverdiener Lucas Röser von der Gehaltsliste gestrichen werden, damit sich der FCK nach sechs Jahren Wartezeit endlich einen neues Geläuf leisten kann. Dieses erlebte nun gegen den SV Meppen seine Premiere. Um es vorweg zu nehmen: Spielerisch waren gegenüber dem Vorgängermodell „Kartoffelacker“ kaum Änderungen zu bemerken.

Die Geschichte des Spiels

In den ersten zehn Spielminuten presst der FCK hoch und kommt zu zwei vielversprechenden Möglichkeiten: Zunächst durch Kleinsorge, dann durch Ouahim, der aus der Distanz abzieht, anstatt den besser postierten Zimmer anzuspielen. Anschließend verengt Meppen geschickt den Raum im Mittelfeld. Die Folge sind ständige Ballverluste und Fehlpässe der Roten Teufel, welche die Emsländer immer wieder für Konter über deren rechte Seite nutzen. Einen solchen Spielzug, der mit einer Flanke endet, lässt der ungewohnt schwache Avdo Spahic passieren. Und es kommt, wie es kommen musste. Ein ehemaliger Lauterer - zu dem wir später noch kommen - erzielt das 0:1 für die Gäste.


Spieltagsbilder: 1. FC Kaiserslautern - SV Meppen (2:2)


Das 1:1 wäre eigentlich eine Kopie der Chance von Ouahim, nur dass es dieses Mal Marlon Ritter ist und die Übersicht behält, um Jean Zimmer einzusetzen. Dieser passt mustergültig zu Ritter zurück, der trocken einschiebt. Kurz nach der Pause geht der Gast dann per Foulelfmeter in Führung. Zwar verursacht Tim Rieder im Zweikampf den Strafstoß, Ausgangspunkt ist jedoch ein haarsträubender Pass von Alexander Winkler.


Der Trainer kann ja jetzt schlecht die ganze Mannschaft auswechseln“ wäre an dieser Stelle ein klassischer Tribünen-Kommentar. „Hold my Getränkeflasche!“, muss sich FCK-Coach Antwerpen da wohl gedacht haben. Zwischen der 54. und 57. Spielminute tauscht er exakt die Hälfte seiner Feldspieler aus. Vereinsrekord. Was folgt ist eine weitere 10-minütige Druckphase, in der Elias Huth endlich mit seinem ersten Saisontreffer belohnt wird. Fortan spielen die Roten Teufel mit Dreierkette (Ciftci, Rieder, Senger), die Außenspieler in der Abwehr und im Mittelfeld schieben jeweils eine Reihe nach vorne. Das bringt am Ende trotzdem wenig. Letztlich ist das Untentschieden mit gerecht bis glücklich zu bewerten.

Nicht dem Sturm, sondern dem Mittelfeld fehlt die Effektivität

Anas Ouahim und Marlon Ritter sind Techniker, wie sie der FCK selbst zu Zweitligazeiten nur selten in seinen Reihen hatte: Ballsicher, dribbelstark und mit einer feinen Schusstechnik gesegnet. Was beiden momentan fehlt ist die Effektivität. Im richtigen Moment den richtigen Pass zu spielen, den Ball richtig mitzunehmen und den Torschuss besser zu justieren. Ähnliches gilt für Hikmet Ciftci, der allerdings stets jede Menge gewonnener Defensivzweikämpfe auf seiner Habenseite verbuchen kann. Kenny Redondo hat es bisher leider nur im Derby geschafft, einmal über volle 90 Minuten konzentriert zu spielen und seine unglaubliche Schnelligkeit auch richtig einzusetzen.


Sämtliche Sechser mit Ausnahme von Ciftci (Sickinger, Rieder, Bakhat) traten in der bisherigen Spielzeit in der gegnerischen Hälfte kaum in Erscheinung. Wie man letzte Woche erfuhr, spielt Marius Kleinsorge schon seit längerem trotz eines Leistenbruchs. Wenn er fit ist und seine Großchancen verwertet, ist er eine echte Waffe – aber auch das war zuletzt leider nur in Mannheim der Fall. Das FCK-Mittelfeld bringt grundsätzlich alles mit, um richtig guten und erfolgreichen Fußball zu spielen. Am Samstag ließ sie sich trotzdem von einer biederen Meppener Mannschaft die Butter vom Brot nehmen. Das Auslassen von Großchancen ist zuletzt nicht mehr das Problem der Mannschaft. Es ist vor allem die fehlenden Effektivität im Mittelfeld, den Ball zu behaupten und Chancen zu kreieren.

Die Leistungskurve des Teams macht wieder Angst

Bärenstarker Sieg gegen Mannheim, starkes Unentschieden gegen Bayern II, unglückliche Niederlage gegen Ingolstadt und nun eine überwiegend schwache Leistung gegen den SV Meppen. Die Leistungskurve nach vier Spielen unter Marco Antwerpen zeigt klar nach unten – wie bei jedem FCK-Coach in dieser Saison. Sinnbildlich dafür ist die Leistung von Jean Zimmer, der am Samstag völlig neben sich stand und neben der Torvorlage zum 1:1 quasi keine guten Szenen hatte. Dennoch war er in der Lage ein Treffer vorzubereiten. Er könnte der Spieler sein, an dem sich die anderen aufrichten. Wahrscheinlich muss er es sogar sein.

Wird jetzt rotiert?

Hinsichtlich der Mannschaftsaufstellung sind für die nächsten Spiele sicherlich mehrere Änderungen zu erwarten: Völlig überraschend war Stürmer Marvin Pourié am Samstag noch nicht einmal für den Kader nominiert. Durchaus nachvollziehbar, denn in seinen letzten fünf Spielen stehen bei ihm null Tore, ein Assist und mehrere vergebene Großchancen zu Buche. Seine Vertreter Martin Hanslik und Elias Huth konnten zuletzt zumindest je einen Treffer erzielen. Man darf gespannt sein, wie der extrovertierte Pourié mit dem Denkzettel seines Trainers umgeht. In der vergangenen Saison sind beide noch gemeinsam in Braunschweig aufgestiegen. Auch die Auswechslung von Innenverteidiger Alexander Winkler könnte ein Zeichen für die kommende Mannschaftsaufstellung sein. In den letzten Spielen leistete sich der ehemalige Hachinger gleich mehrere Aussetzer und brachte der Abwehr nie die gewünschte Stabilität. Winterpausentransfer Marvin Senger, bislang in jedem Spiel eingewechselt, könnte hier durchaus ein Startelfkandidat auf Winklers Position in der Innenverteidigung sein.


Dass die Stärken von Linksverteidiger Hendrick Zuck ausschließlich in der Offensive liegen, bewies der Saarländer gestern wieder eindrucksvoll: In der 59. Minute führte sein sehenswerter Flankenlauf zum 2:2 Ausgleich. Nur zwei Minuten später foulte er seinen Gegenspieler Guder vollkommen ungeschickt in einer eigentlich ungefährlichen Situation im Strafraum. Zum Glück gab der Schiedsrichter den berechtigten Elfmeter nicht. Zuck ist definitiv kein Linksverteidiger, allerdings deutet derzeit wenig darauf hin, als würde Marco Antwerpen diese Meinung teilen.

Nervensäge Hemlein geht sogar dem Lutscher auf den Zeiger

Als Boris Schommers FCK-Trainer wurde, wendete er den alten Trainertrick an, ein paar Spieler zu suspendieren ohne dabei die Mannschaft zu schwächen. Einer dieser Spieler war Christoph Hemlein, der sich im Nachgang mehrfach medial zu Wort meldete und sich unter anderem gemobbt fühlte. Im Interview nach dem Spiel trat Torschütze Hemlein dann nochmal gegen seinen ehemaligen Coach Schommers nach und nannte ihn „den Harry Potter an der Seitenlinie“.


Ich glaube tatsächlich, dass Hemlein eigentlich ein netter Kerl ist. Ehrlich. Allerdings gehört er zu der seltenen Spezies Spieler, die es binnen weniger Sekunden schaffen, sowohl das gegnerische als auch das eigene Team komplett gegen sich aufzubringen. Der letzte FCK-Profi mit diesen Eigenschaften war wahrscheinlich Jörgen Pettersson. Selbst Hemleins Trainer Torsten Frings zeigte sich in der Pressekonferenz von ihm genervt und gab zu Protokoll, Hemlein möge sich doch das ständige „Labern mit der gegnerischen Trainerbank“ endlich einmal abgewöhnen.


In seinen 45 Liga-Einsätzen für den FCK fiel der Außenstürmer leider nie durch Leaderqulitäten und selten durch Vorlagen oder gar Tore auf. In seinen zehn Spielen als Kapitän wurde er beinahe immer nach rund einer Stunde - leistungsgerecht - ausgewechselt. Kann sich irgendjemand an ein wirklich starkes Hemlein-Spiel erinnern? Einzige Konstante beim ehemaligen Bielefelder ist die übertriebene Theatralik und das ständige Diskutieren mit Schiedsrichtern oder Gegenspielern. So auch gestern, als er sich nach dem Tor demonstrativ die Ohren zuhielt und sich mehrfach Wortgefechte mit der FCK-Bank lieferte. Würde das Prinzip „Nur wer Leistung bringt, darf die Klappe aufreissen“ stimmen, würde man „Locke“ Hemlein nicht nur auf dem Betzenberg als introvertiertes Musterbeispiel an Ruhe und Ausgeglichenheit kennen.

Wie geht es nun weiter?

Beim nächsten Lauterer Gegner, der Hansakogge aus Rostock läuft momentan so ziemlich alles rund. In den letzten acht Spielen holten die Hanseaten nicht weniger als 22 von 24 möglichen Punkten. Mit Ausnahme vom Hinspiel gegen 1860 und dem Rückspiel gegen Wehen-Wiesbaden sah der FCK gegen die Spitzenteams zwar fast immer gut aus, konnte allerdings nicht einen einzigen Sieg verbuchen. Beim Blick auf die Tabelle fällt auf, dass der KFC Uerdingen in seinen vier Nachholspielen lediglich zwei Punkte verbuchen muss, um den FCK hinter sich und auf einen Abstiegsplatz abrutschen zu lassen. Ein weiteres Szenario ist der Ausstieg der insolventen Krefelder aus dem Ligabetrieb. In dem Fall würden alle Spiele anulliert. Damit stünde der KFC zwar als erster Absteiger fest, jedoch bekäme der FCK die drei Punkte aus dem Hinspiel aberkannt.


Das alles ist mehr als beunruhigend. Mit der Leistung der beiden Druckphasen gegen Meppen kann der FCK jeden Gegner in der 3. Liga so dominieren wie den SV Waldhof im Derby. Mit der Darbietung der restlichen 70 Minuten im Heimspiel gegen Meppen wird die 3. Liga hingegen nicht zu halten sein.


Quelle: Treffpunkt Betze