Aufholjagd Teil 2/10: „Antwerpen auf 180“

Ausgleich in letzter Minute: FCK und Zwickau trennen sich 2:2

Einen Sieg hätten sich die Roten Teufel am Mittwoch kämpferisch zwar verdient gehabt, aufgrund der Chancen jedoch nicht zwingend. Der FCK ist fast über die gesamte Spielzeit sehr engagiert und kampfstark – aber nicht unbedingt das bessere Team. Die Lauterer Tore fallen beide recht glücklich - und in der Defensive haben die Hausherren mehrfach Glück. Dass - und wie - der Ausgleich in letzter Minute fällt, ist natürlich niederschmetternd. Aber man hat den Eindruck, dass dieses Team den Willen und die Stärke besitzt, auch nächsten Samstag wieder 90 Minuten Vollgas zu geben und dabei eine ordentliche Leistung abzurufen. Das war in dieser Saison längst nicht immer so.


Spieltagsbilder: 1. FC Kaiserslautern - FSV Zwickau (2:2)

15 Minuten westsächsisches Tiki-Taka

Lediglich in der Viertelstunde nach der Pause werden die Lauterer „rückfällig“. Zwischen der 45. und 60. Minute schnüren die Zwickauer den FCK regelrecht ein und gehen folglich mit 1:0 in Führung. Bei allem Respekt für die Westsachsen. Mit dominantem Ballbesitzfußball wird der FSV Zwickau ähnlich oft in Verbindung gebracht wie Dietmar Hopp mit Ultra-Gruppierungen oder günstigen Äpfeln. Marco Antwerpen wird zu diesem Zeitpunkt des Spiels immer lauter.


Bei einer Konterchance bewegen sich die Roten Teufel auffallend behäbig nach vorne. Vor allem der ballführende Ritter ist in sehr gemütlichem Tempo unterwegs – verbal begleitet von Coach Antwerpen, der sich ob der mangelnden Geschwindigkeit fast die Lunge aus dem Hals brüllt. Sofort gibt es Konsequenzen. Erst wirft er seine Jacke weg, dann werden die beiden Kreativen, Marlon Ritter und Anas Ouahim, ausgewechselt. Die beiden Einwechselspieler machen dann sofort von sich reden. Erst ist es Nicolas Sessa, dessen Schuss Zwickaus Keeper Brinkies nur abprallen lässt, woraufhin Philipp Hercher aus spitzem Winkel den Ausgleich erzielt. Anschließend will Anil Gözütok eigentlich zum Kopfball hochsteigen, entschließt sich aber kurzerhand zu einem 'Kung-Fu-ähnlichen-Kick', trifft damit seinen Gegenspieler Könneke in Kopfhöhe und fliegt vom Platz. Vertretbar. Vermeidbar.


Bitter dann das Gegentor in der Schlussminute: Ein Freistoß von der linken Zwickauer Angriffsseite fliegt über die Köpfe im Strafraumzentrum hinweg und prallt von Hendrick Zucks Bein aus zu Stanic, der das Leder gedankenschnell mit der Hacke über die Linie drückt. Wieder mal nichts mit zwei Siegen in Folge.

„Wieso? Ich habe doch heute noch nicht einmal gelb bekommen!“

Wieso? Ich habe doch heute noch nicht einmal gelb bekommen!“ antwortete er nach Spielende verwundert ins Reporter-Mikrofon. Zwar ging es in der Frage gar nicht um seine Person, aber tatsächlich hat er in dieser Saison schon mehrere gelbe Karten sowie einen Platzverweis inklusive Innenraumsperre erhalten. Am Mittwoch bleibt es tatsächlich nur bei einer verbalen Ermahnung, die er sich routinemäßig quasi jede Woche vom Unparteiischen abholt. Wohlgemerkt geht es hier nicht um die Karriere des 70er-Kickers Walter Frosch, sondern um den aktuellen Trainer des 1. FC Kaiserslautern.


'Auf 180' präsentiert sich der Cheftrainer unmittelbar nach dem Spiel, ledert über den Schiedsrichter im Speziellen und die Schiedsrichter im Allgemeinen sowie den aus seiner Sicht unfairen Gegner. Überhaupt hat man den Eindruck, dass der Nächste, der zufällig neben ihm vorbeiläuft oder eine Frage stellt, ansatzlos einen Leberhaken kassiert. Selbst in der Pressekonferenz bezeichnete er den Unparteiischen noch als „den, der nicht wollte, dass wir hier gewinnen“. Das ist zweifellos ein wenig zuviel, Herr Antwerpen! So kommt man weder besonders sympathisch rüber noch wird der nächste Schiedsrichter gegenüber dem FCK auf Wiedergutmachung aus sein.

Antwerpen geht vorweg – das Team zieht mit

Das ist die leiseste Mannschaft, die ich je trainiert habe“ resümierte Jeff Saibene einst ernüchtert nach wenigen Tagen auf dem Betzenberg. Allerdings kam der Luxemburger selbst auch nicht gerade wie pures Dynamit daher. Marco Antwerpen ist da schon ein anderes Kaliber. An der Seitenlinie röhrt er quasi 90 Minuten lang quer über den Platz und greift mannschaftsintern konsequent durch. Beispiele gefällig?

  • Stürmer Marvin Pourié fehlt in zwei Partien um an einem „individuellen Fitness-Training“ teilzunehmen. Seitdem bringt er wieder Leistung und präsentiert sich nun auch als Teamplayer.
  • Beim Auswärtsspiel in Magdeburg wird Anas Ouahim rund 30 Minuten nach seiner Einwechslung wieder ausgewechselt. Im nächsten Spiel gegen Halle folgt dann sein erster starker Auftritt im FCK-Dress.
  • Dank der „Leistung“ in Magdeburg erwartet die Mannschaft schon unmittelbar nach der Heimkehr zum Betzenberg eine erste nächtliche Trainingseinheit – der Auftakt von zwei trainingsintensiven Wochen mitten in der Saison. Resultat: Einsatz und Laufbereitschaft sind sowohl gegen Halle als auch gegen Zwickau vorbildlich.

Nicht nur, dass das Team unter Marco Antwerpen endlich Feuer und Leidenschaft zeigt, im Vergleich zu seinen beiden Vorgängern Boris Schommers und Jeff Saibene präseniert sich der in Unna geborene Coach auch deutlich variabler. Er wechselt das Spielsysteme von Partie zu Partie oder auch während der 90 Minuten. Bei Auswechslungen schaut er weder auf Namen noch auf die Spielminute. Er stellt sich vor seine Mannschaft, und die zieht aktuell voll mit. Was jetzt fehlt ist das nächste Erfolgserlebnis.

Starke, wer sonst?

Es gibt Investments, da weiß man nicht, ob einen der Wertverlust mehr schmerzt oder die Scham den Kauf überhaupt jemals getätigt zu haben. Ich meine jetzt nicht Mini-Disk Player oder Wirecard-Aktien, sondern Spielernamen als Beflockungen auf FCK-Trikots. Solche, bei denen schon wenig später der Wiederverkaufswert des Textils sowie die Lust es zu tragen gegen Null tendieren. Manni Starke ist so jemand. Zweifellos ein guter Fußballer - nur leider nicht in seiner Zeit in Kaiserslautern. Gleiches trifft auf Baris Atik zu. Christoph Hemlein war zumindest auch mal in Lautern unter Vertrag. Was alle drei gemeinsam haben. Sie erzielten in der Rückrunde wichtige Tore gegen ihren ehemaligem Arbeitgeber. Leider habe ich überhaupt keine schlüssige Erklärung dafür, bin mir aber sicher, Timmy Thiele von Viktoria Köln sowie die halbe Mannschaft des 1. FC Saarbrücken können die Partie gegen den FCK kaum erwarten.

Der nächste Gegner

Schon am Samstag gastieren die Roten Teufel beim VfB Lübeck. Der Aufsteiger aus dem hohen Norden gewann lediglich eine der letzten sechs Partien - letzten Samstag bei Bayern München. In der Tabelle steht der VfB einen Punkt hinter dem FCK, der nun wieder auf Schlagdistanz mit den drei Punkten entfernten KFC Uerdingen und Bayern II liegt. Ohne die Daten des Kaders bis zur C-Jugend rückvalidiert zu haben würde ich behaupten: Es sollte dieses Mal kein ehemaliger Lauterer in der Lübecker Startaufstellung stehen.


Quelle: Treffpunkt Betze