Das ist kein Zufall mehr

Der FCK feiert einen verdienten 2:0 Heimsieg gegen Viktoria Berlin

Rückschau: Am 03. Spieltag der noch jungen Saison treffen die Roten Teufel auf Aufsteiger Viktoria Berlin und kommen im Jahn-Sportpark mit 0:4 deutlich unter die Räder. Bereits nach dem dritten Spieltag ist jegliche Euphorie verflogen, Trainer Marco Antwerpen infrage gestellt. Auf Platz 19 liegend, mit gerade einmal einem Punkt und einem Torverhältnis von 0:5 befürchtet der Lautrer Anhang wieder einmal das Schlimmste. Doch knapp fünf Monate später belegt der FCK den zweiten Tabellenplatz und hat eine unglaubliche Entwicklung genommen. Mit lediglich 13 Gegentoren stellen die Pfälzer die mit Abstand beste Abwehr der Liga und spielten bereits 13 Mal zu null. Aus den letzten 14 Spielen holte der FCK 10 Siege und ist nach wie vor das formstärkste Team der Liga. Dennoch zeigt der Vergleich der beiden Partien gegen Viktoria Berlin, wie schnell sich Entwicklungen ändern können. Eines steht fest: Kein Spiel in der 3. Liga darf auf die leichte Schulter genommen werden.


Spieltagsbilder: 1. FC Kaiserslautern - Viktoria Berlin (2:0)

Der FCK ist unberechenbar

Anders als in den letzten Spielen dauerte es beim 2:0 Heimsieg gegen Viktoria Berlin ein wenig, bis der FCK ins Spiel fand. Das lag vor allem an starken Berlinern, die in den ersten Minuten einen guten Eindruck hinterließen und optimal auf die Spielweise der Roten Teufel eingestellt wirkten. Mit frühem Pressing und technisch sauberem Spiel brachte die Viktoria den FCK ein ums andere Mal in Gefahr. Insgesamt wirkte das Spiel der Hausherren in der Anfangsphase sehr hektisch.


Es war sehr kompliziert zu Beginn, Berlin lief uns früh an und wollte uns zu langen Bällen zwingen, aber das wollten wir auch. Erst nach zwanzig Minuten, als wir uns selbst weiter nach vorne verschoben haben, hat es funktioniert“, beschreibt Trainer Marco Antwerpen die Schwierigkeiten in der Anfangsphase. Und tatsächlich drückte der FCK dem Spiel allmählich seinen Stempel auf und erspielte sich einige vielversprechende Möglichkeiten. Allem voran die beiden Dauerläufer Daniel Hanslik und Kenny Prince Redondo spulten etliche Kilometer ab und machten der Berliner Abwehr das Leben schwer, beide blieben jedoch erfolglos und ohne das nötige Glück im Abschluss.


Dass die Führung für die Roten Teufel fallen sollte, war dann nur noch eine Frage der Zeit. Und der FCK schlug zum psychologisch wichtigsten Zeitpunkt zu. Kurz vor der Pause brachte Innenverteidiger Boris Tomiak eine butterweiche Flanke in den Strafraum. Was kann dieser Teufelskerl eigentlich nicht? Im Strafraum lief Julian Niehues goldrichtig ein und köpfte gegen die Laufrichtung des Torhüters zur verdienten 1:0 Führung. Dabei rückte Niehues relativ kurzfristig für den verletzten Felix Götze in die Partie und gab damit sein Startelfdebüt für die Lautrer. Mit seinem Premierentreffer ist Julian Niehues inzwischen der 14. Spieler in dieser Saison, der einen Treffer erzielen konnte. Sichtlich glücklich zeigte sich Niehues über seinen Startelfeinsatz und Treffer: "Sehr schön, dass ich das mit dem Tor krönen konnte". Auch die Tatsache, dass die Mannschaft auf verschiedene Situationen taktisch reagieren kann, vor allem dann, wenn sie nicht direkt in Führung geht, zeigt, wie unberechenbar sie inzwischen geworden ist.

FCK strotzt vor Selbstvertrauen

Im zweiten Durchgang sahen die rund 1.000 anwesenden Zuschauer ein unverändertes Bild. Der FCK war weiterhin das dominante Team, wenngleich nicht mehr ganz so aktiv wie in der ersten Halbzeit. Grund zur Sorge bestand dennoch nicht. Bis auf wenige Ausnahmen ließen die Hausherren in der Defensive nichts zu. Nicht umsonst stellen die Roten Teufel die mit Abstand beste Abwehr der Liga. Wer kaum Torchancen zulässt, kassiert eben auch keine Tore. Mit dem gleichen Verständnis, wie die Pfälzer Tore verhindern, traten sie auch auf, um Tore zu erzielen. Gerade als Berlin etwas stärker wurde, präsentierte sich der FCK aktiver und suchte die Entscheidung. Die Roten Teufel blieben in den richtigen Momenten stets hellwach und gewannen die entscheidenden Zweikämpfe. Einen abgewehrten Ball der Berliner eroberte Marlon Ritter mit einer überragenden Grätsche wieder zurück und behielt mit einem feinen Zuspiel auf Hendrick Zuck die Übersicht. Dieser sah am zweiten Pfosten den einlaufenden Philipp Hercher, der nach maßgeschneiderter Flanke nur noch den Fuß zum 2:0 hinhalten musste. Eine abgesprochene Variante, wie Hercher nach dem Spiel verriet: „Zucki und ich sprechen immer vor dem Spiel. Und wir haben gesagt, wir schieben den Ball auf den zweiten Pfosten, wenn einer von uns durch ist“. Es war bereits das fünfte Saisontor für Hercher als Abwehrspieler. Ein Faktor mehr, der die Unberechenbarkeit der Lautrer beschreibt.


Nach dem zweiten Gegentreffer schien die Luft bei den Gästen endgültig raus zu sein - das Spiel war eigentlich entschieden. Doch der FCK wollte die endgültige Entscheidung, allem voran Mike Wunderlich lieferte sich in der Schlussphase ein Privatduell mit dem Berliner Torhüter. Diese Gier und der Wille, unbedingt ein Tor zu machen und selbst bei einem bereits entschiedenen Spiel weiter Vollgas zu geben, sprechen ungemein für diese Mannschaft. Schlussendlich war es kein glanzvoller, aber auf jeden Fall ein extrem wichtiger Arbeitssieg.

Alles andere als ein Selbstläufer

Dabei darf nicht außer Acht gelassen werden, dass der Aufsteiger keinesfalls eine schlechte Leistung zeigte. Im Gegenteil. Besonders in der Anfangsphase stellte Berlin die Hausherren immer wieder vor Probleme - offensiv gelang dem FCK wenig, und defensiv entstanden brenzlige Situationen. Allerdings ließen die Roten Teufel mit ihrer Kompaktheit und Abgeklärtheit nicht mehr zu und zogen mit ihrer Defensivleistung dem Gegner erneut den Zahn. Für Mike Wunderlich kommt das Ganze nicht von ungefähr. "Das ist Wahnsinn. Was wir inzwischen verteidigen, ist brutal. Und das Woche für Woche und das ist kein Zufall mehr“. In der Tat spielt der FCK in den letzten Monaten nicht nur ansehnlichen Fußball, sondern investiert Woche für Woche extrem viel. Angesichts der enormen Laufleistungen könnten einige Spieler gut und gerne am Ironman teilnehmen. Besonders Mike Wunderlich und Marlon Ritter als Mittelfeldachse sind nahezu auf dem gesamten Spielfeld zu finden. Insgesamt ist die Mannschaft sich nicht zu schade, auch in der 90. Minute einen Vollsprint oder eine Grätsche auszupacken. All das sind Grundvoraussetzungen, um im Fußball erfolgreich zu sein. Gleichzeitig muss sich jeder Spieler immer wieder bewusst machen, dass es dazu Bereitschaft braucht und dass solche Dinge nicht von alleine gehen. Jedes Spiel in dieser 3. Liga muss von Woche zu Woche vollumfänglich angenommen werden.

Qual der Wahl

Wenn es um die Aufstellung geht, wird FCK-Cheftrainer Marco Antwerpen in den kommenden Wochen vor vielversprechenden Herausforderungen stehen. Mit Terrence Boyd wurde ein absoluter Top-Transfer in der 3. Liga gelandet. Doch wer müsste möglicherweise für ihn aus der Startelf weichen? Redondo und Hanslik sind mit ihrem variablen Spiel und sehr hohen Laufpensum extrem wichtig für das Antwerp'sche Spielsystem.


Zudem deutet sich auch im Mittelfeld ein Luxusproblem an. Götze, Ritter, Wunderlich, Klingenburg und Ciftci sind alle potenzielle Stammspieler. Mit der Leistung von Julian Niehues im Spiel gegen Berlin wurde deutlich, dass auch er mehr als nur eine Alternative sein kann. Der Kader der Roten Teufel bietet keine klare erste Elf, viel mehr sind es 17–18 Spieler, die jede Woche um einen Platz in der Startelf kämpfen. Jeder kann sich dabei anbieten, wie sich jetzt am Beispiel Julian Niehues erkennen lässt. Für jeden Trainer ist es ein gutes Zeichen, sich entscheiden zu können, auch wenn er dabei die Qual der Wahl hat.

Boyd und Huth - Halle und der FCK

Eigentlich hätte es für Terrence Boyd bis zur Auswärtspartie in München nur wenig Eingewöhnungszeit gegeben. Doch inzwischen steht fest, dass das Spiel aufgrund zahlreicher Corona-Fälle im Team der Sechziger nicht stattfinden kann. Zuvor wurde bereits das Lokalduell der Münchner Löwen gegen Türkgücü München abgesagt. Damit bleibt der Mannschaft mehr Zeit für die Regeneration - und Boyd mehr Zeit für die Integration.


Kurios dabei ist, dass der FCK am kommenden Spieltag auf den Halleschen FC trifft. Dort treffen die Pfälzer auf Elias Huth und der HFC auf Terrence Boyd, diesmal nur in umgekehrten Rollen. Es wird ein weiteres richtungsweisendes Spiel, bei dem Terrence Boyd hoffentlich mehr zu lachen haben wird als Elias Huth. Doch wenn der 1. FC Kaiserslautern an seine Leistungen aus den beiden Spielen gegen Meppen und Berlin anknüpfen und diese fortführen kann, dann wird auch dem achten Heimsieg dieser Saison nur wenig im Wege stehen.


Quelle: Treffpunkt Betze

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