11 Verteidiger müsst ihr sein

Dritter Sieg im dritten Sieg. Der FCK schlägt den HFC mit 1:0.

In der Winterpause schrieb ich die „sechs steilen Thesen zum Rückrundenbeginn". Diese Thesen schreibe ich seit rund zwei Jahren in regelmäßigen Abständen. Für gemeinhin haben sie weder einen literarischen noch einen journalistischen Wert. Manch einer tut sie als reinen Spaß und 11FREUNDE-ischen Klamauk ab. Doch nach nun drei Spielen im neuen Kalenderjahr 2022 hat der 1. FC Kaiserslautern weder ein Gegentor kassiert noch Punkte liegen lassen. Genau wie ich es voraus gesagt habe. Zu Buche stehen ein 4:0 gegen den direkten Konkurrenten Meppen, ein 2:0 gegen Viktoria Berlin und zuletzt der 1:0 Heimsieg gegen den Halleschen FC. Der Traum vom Aufstieg rückt näher, wenn auch noch nicht in greifbare Nähe. Das liegt nicht zuletzt daran, dass die Roten Teufel immer noch von zahlreichen Mitkonkurrenten gejagt werden. Und dank den davoneilenden Magdeburgern wird letzten Endes nur ein sicherer Aufstiegsplatz übrig bleiben. Ob den FCK gegen Ende der schlechte Saisonstart nochmal einholt, hängt also von den nächsten Wochen und den Ergebnissen gegen Zwickau, Magdeburg und Mannheim ab, die durch ihr Unentschieden in Meppen zur Freude aller pfälzischen Fußballfans auf Rang sechs abgerutscht sind.


Spieltagsbilder: 1. FC Kaiserslautern - Hallescher FC (1:0)

Gegentore? Fehlanzeige!

Aber erst einmal genug der Zukunft. Werfen wir einen Blick auf den inzwischen achten Heimsieg dieser Saison. An dieser Stelle ließe sich die Geschichte vom "dreckigen Sieg" erzählen - man könnte auch das Pferd beschwören, welches immer nur so hoch springt, wie es letztendlich muss. Es wäre jedoch auch möglich, die Abwehrreihe der Pfälzer zu loben, die trotz neuer Ausfälle (Niehues, Redondo, Ritter) und trotz einer weiteren Woche voller Spieler-Rochaden mal wieder zu null gespielt hat. Und das obwohl Lauterns erster Verteidiger und Debutant Terrence Boyd die erste Halbzeit lang wie Falschgeld auf dem Platz herumgelaufen ist, wie er im Anschluss an die Partie gegen den Halleschen FC zugab.


Nach einigen - auch verbal deutlich zu hörenden - Korrekturen durch FCK-Cheftrainer Marco Antwerpen und einem in der Halbzeitpause neu gestalteten Plan, gelang es dem Deutsch-Amerikaner dann die Rolle des sogenannten ersten Verteidigers besser umzusetzen. Zwar konnte sich Boyd nicht mit einem Tor belohnen, aber viele Tore zu erzielen ist in dieser Mannschaft ohnehin nicht das Maß aller Dinge. In dieser Mannschaft zählt es vielmehr draufzugehen, wo andere die Meter nicht mehr gehen wollen und zu pressen, wo immer es möglich ist. Das Mittelfeld der Hallenser musste sich so einige Male gleich gegen fünf anlaufende Lautrer gleichzeitig durchsetzen. Und das bis weit in Hälfte zwei.

Die erzwungene Führung

Wie schon beim 1:0 Führungstreffer im Heimspiel gegen Viktoria Berlin, bei dem es Marlon Ritter war, der sich mutig ins Gegenpressing warf und dessen Balleroberung letztlich zu einem Tor führte, war es gegen den HFC seine Vertreter Hikmet Ciftci, der mit einer beherzten Grätsche einen eigentlich schon verlorenen Ball zurückeroberte und diesen über Umwege zu Top-Scorer Phillip Hercher buxierte. Herchers Rückpass an die 16er-Kante und Wunderlichs Schuss, der den Ball um alle Verteidiger herum in die linke Torwartecke verfrachtet - das ist dann nur noch reine Erfahrung. Halle hatte zum Ende der Partie noch eine gute Einschussmöglichkeit, doch wäre Shcherbakovskis Ball nicht gegen die Latte geprallt, wäre Matheo Raab höchst wahrscheinlich zur Stelle gewesen. "Wenn du so verteidigst, gewinnst du auch so dreckige Spiele", sagte Torschütze Wunderlich. Am Ende konnte der FCK das 1:0 über die Zeit bringen und die exakt 1.000 Fans zufrieden stellen. "Solche Siege stärken unsere Mentalität", gab Daniel Hanslik zu Protokoll.

Mannheim hat Schnatterer, Magdeburg hat Atik. Und der FCK?

Besonders bemerkenswert an dieser Mannschaft ist die Tatsache, dass sie ohne einen einziges Star, ohne einen am Fließband treffenden Stürmer und ohne einen einzigen Spieler, der alle anderen überragt, auskommt. Für sich genommen hat der FCK einen grandiosen Torhüter, einen Innenverteidiger, den vor der Saison niemand auf der Rechnung hatte und einen Mittelfeldspieler, der alle Kritiker zum schweigen brachte. Zoomed man jedoch etwas weiter raus, lassen sich drei Mannschaftsteile erkennen, die in sich perfekt zusammenarbeiten und eine Einheit bilden, wie man sie seit den Tagen des Marco Kurz nicht mehr auf dem Betzenberg gesehen hat.


Waldhof Mannheim hat Marc Schnatterer, der 1. FC Magdeburg hat Baris Atik. Und der 1. FC Kaiserslautern verfügt über eine Mannschaft, die in sämtlichen Besetzungen Woche für Woche abliefert. Und das in einer Liga, die körperlich hart, voller englischer Wochen und unberechenbaren Gegnern ist.


Am Ende lässt sich der Heimsieg gegen Halle am besten mit den Worten von Neuzugang Terrence Boyd beschreiben. "Drei Punkte. Geil".


Quelle: Treffpunkt Betze

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