Roundhouse-Kick: Ronnie forever!

Hans Peter Briegel während seines Abschiedsspiels mit Ronnie Hellström
Foto: Imago Images / Ferdi Hartung

Hashtag der Woche: #legendensterbennie. Mit Ronnie Hellström verstarb am Sonntag erneut ein ganz Großer der FCK-Geschichte. Nur drei Monate nach Bekanntwerden seiner schweren Erkrankung erlag er dem Kampf gegen den Krebs und schlief im Kreis seiner Familie ein. Was unser Roundhouse-Kick noch zu bieten hat? Die Planungen für die neue Spielzeit dürften auf Hochtouren laufen, immerhin laufen nicht weniger als 15 Verträge im Sommer aus - was auch auf zwei Stützen des Abwehrbollwerks zutrifft. Ein Coach startet durch, aus dem Süden der Republik gibt's warme Worte und ein Koch wird rund. Unser Wochenrückblick.


1. Vila i frid, Ronnie: Zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen muss sich die FCK-Familie von einer ihrer ganz großen Legenden verabschieden. Am Sonntagmorgen erlag Ronnie Hellström seiner schweren Erkrankung, die er im November des vergangenen Jahres öffentlich machte. Hellström galt als einer der besten Torhüter, die Schweden jemals hatte. 1974 wurde er mit der schwedischen Nationalmannschaft WM-Fünfter, 1971 und 1978 wurde er in seinem Heimatland zum Fußballer des Jahres gewählt. Für den FCK absolvierte er zwischen 1974 und 1984 266 Bundesliga-Spiele. Mit den Roten Teufeln zog der Torhüter 1976 und 1981 ins DFB-Pokalfinale ein und war Teil der Elf, die 1982 erst im Halbfinale im UEFA-Cup scheiterte. Er war der erste ausländische Bundesliga-Spieler, dem die Ehre eines Abschiedsspiels zuteil wurde. „Mir gefällt die Gegend, mir gefallen die Leute – also bleibe ich hier“, war sein knappes Statement auf die Frage, warum er nicht dem Ruf des großen Geldes folgte und stattdessen den Roten Teufeln die Treue hielt. Hellström war zweifelsohne eine der ganz großen Ikonen in Kaiserslautern und auch in der gesamten Bundesliga. „Lieber Ronnie, wir danken Dir für die Zeit, die wir beim FCK mit Dir verbringen durften. Du warst nicht nur ein außergewöhnlicher Torhüter, sondern hast vor allem als Mensch ganz tiefe Spuren in Kaiserslautern hinterlassen“, twitterte der 1. FC Kaiserslautern am Sonntag. Vila i frid – Ruhe in Frieden, lieber Ronnie!


Nachruf: Torhüterlegende Ronnie Hellström verstorben


2. Raabigramm gefällig? Matheo Raab ist in dieser Saison der große Rückhalt im Kasten der Roten Teufel und einer der Hauptgründe, warum die beste Defensive der Nation momentan aus Kaiserslautern kommt. Mit 615 Spielminuten ohne Gegentor hat er Ende letzten Jahres bereits einen neuen Vereinsrekord aufgestellt und auch 2022 lief für den Schlussmann gut an. Mit 9:0 Toren aus vier Partien starteten die Lautrer in das neue Kalenderjahr und die Herren Raab und Spahic damit erneut eine Miniserie an weißer Westen. Vor immerhin schon wieder 401 Minuten traf mit dem Braunschweiger Jomaine Consbruch der letzte gegnerische Spieler ins Tor der Roten Teufel. Eine Bilanz, die das Selbstvertrauen natürlich steigen und die Brust breiter werden lässt, wie der Torhüter dem SWR verriet. Allerdings läuft der Vertrag des Saubermanns der Liga am Saisonende aus und noch sieht der Torwart wenig Handlungsbedarf. "Wir sind momentan in so einer guten Ausgangsposition und in so einer heißen Phase. Ich will mich auf eine Sache fokussieren und das ist, auf dem Platz zu stehen und der Mannschaft zu helfen. Ich will mir momentan einfach keine Gedanken machen, die mich dann im Kopf beeinträchtigen könnten, auf dem Platz 100 Prozent zu geben", ergänzte er beim SWR. Hoffentlich behält der 23-jährige bei den „Schlag-den-Raab“-Bemühungen der Konkurrenz möglichst oft die Oberhand und verhilft dem FCK mit seinen Paraden zum Aufstieg. Als Zweitligist dürfte die Überzeugungsarbeit hinsichtlich eines neuen Vertrags deutlich leichter fallen.


Matheo Raab: Der Saubermann im FCK-Tor

3. Baby-Boom am Betzenberg? Philipp Hercher ist ein weiterer Eckpfeiler des derzeitigen FCK-Gebildes, der noch keinen Vertrag für die neue Spielzeit hat. Und ähnlich wie sein Keeper äußert sich auch „Hecke“ im SWR-Podcast „Nur der FCK“ zur aktuellen Situation relativ nichtssagend: "Ich fühle mich wohl in Kaiserslautern, konzentriere mich aber derzeit Woche für Woche auf die Spiele. Sonst könnte ich meine Leistung auch gar nicht so bringen". Er ergänzt jedoch auch, dass er momentan mit großer Freude ein Roter Teufel ist und sich als Teil einer „geilen Truppe“ sieht. Von Anfang an sei er vom Lautrer Konzept überzeugt gewesen und habe deshalb den Weg in die Pfalz und nicht zu höherklassigen Clubs gesucht. Begeistert ist er von den Fans des FCK. "Das ist überragend. Wenn du da auf die Westkurve spielst, schreien die den Ball nach einer Ecke selbst ins Tor, da musst du als Spieler gar nicht mehr viel machen", zeigt sich der Defensivspieler beeindruckt von Lauterns steilster Kurve. Eine leichte Fehleinschätzung bringt er jedoch mit, wenn er auf die Extreme eingeht. „Erst der Hass, wenn es nicht läuft, und jetzt wollen sie gefühlt alle ein Kind von uns", schildert er seine Eindrücke, die man bei aller Sympathie für den Regensburger so jedoch nicht stehen lassen kann. Hass gegenüber der Mannschaft gab es nie. Die treuen Fans des FCK sind aber sehr wohl ein Spiegelbild der Leistungsbereitschaft der Mannschaft. Und wenn die alles gibt, verzeiht der „Westkurvler“ eben auch schnell und ist gern bereit, sein Team wieder mit allem was die Lunge hergibt nach vorn zu peitschen. Ob man daraus direkt den kollektiven Wunsch sinnloser Vermehrung herleiten kann, sei wiederum dahingestellt. Die Fachabteilung für Frauenheilkunde und Geburtshilfe im Westpfalzklinikum würde sich auf jeden Fall bedanken.


Mit Spaß die Welle mit dem FCK weiter reiten


4. Der Stamm der Antwerpianer: Marco Antwerpen und Frank Döpper sind seit vergangenen Dienstag schon ein Jahr im Amt als Trainerteam des FCK. Beide saßen - ab und an auch abwechselnd - beim FSV Zwickau zum 42. Mal auf der Trainerbank. Der letzte Chef-Coach, der die Roten Teufel öfter an der Seitenlinie betreute, war Kosta Runjaic, der im September 2015 seinen Platz räumen musste. Seitdem versuchten sich acht unterschiedliche Übungsleiter am FCK und scheiterten mehr oder weniger krachend. Und auch Antwerpens Amtszeit in der Pfalz schien zwischenzeitlich nur von kurzer Dauer zu sein. Gerade die ihn jetzt so abfeiernde BILD-Zeitung hatte den Abgesang nach sieben Spielen und der Niederlage in Magdeburg schon angestimmt. Aber beim FCK hat sich einiges geändert – zum Glück! Anstatt blindem Aktionismus herrscht seit dem Engagement von Thomas Hengen offenbar vorausschauendes Handeln. Er schenkte seinem Coach das Vertrauen und dieser lieferte. Gemeinsam mit dem Trainerteam wurde das besonnene Handeln des Sportdirektors gerechtfertigt. In einer furiosen Aufholjagd wurde der Absturz in die Viertklassigkeit vermieden. Der Ruhrpottler impfte seinem Team die klassischen Betze-Tugenden ein, welche er bei Bedarf auch immer wieder boostert, wie es neudeutsch so schön heißt. Und er formte, trotz überschaubarem Saisonstart, innerhalb eines Jahres eine Spitzenmannschaft. Die spärliche Fanmasse gegen Halle feierte Antwerpen kürzlich vor laufenden Kameras und verdeutlichte, dass wir mittlerweile alle irgendwie zu „Antwerpianern“ wurden. Auf viele weitere erfolgreiche Jahre am Betzenberg!


"Du bist der beste Mann": Antwerpen beim FCK seit einem Jahr im Amt


5. Ein Herz für Lautrer: Die überregionale Präsentation des FCK durch Mark Forster hat die Roten Teufel auch in die Erinnerung der Süddeutschen Zeitung zurückgerufen. Deren Redakteur Martin Schneider hat sich folglich unmittelbar auf Spurensuche in der jüngeren FCK-Geschichte begeben und einen Überblick über die Geschehnisse seit 2018 gegeben. Zur völligen Überraschung der neutralen Leserschaft merkte er an, dass die Talsohle durchschritten scheint und sich rund um den Betzenberg eine positive Entwicklung eingestellt hat. Abschließend stellt der Journalist jedoch treffend fest, dass langfristig gesehen nur ein Aufstieg den FCK am Leben halten kann. Die Erkenntnis sei nicht neu, neu sei nur, dass eine bessere Zukunft nun möglich erscheine. Recht hat er und es tut der jahrelang geschundenen FCK-Seele gut, auch mal warme Worte über den geliebten Club zu lesen.


Tatsächlich: Gute Nachrichten vom Betzenberg


6. Alt bist du erst, wenn der Bürgermeister gratuliert: Georg Koch feierte am vergangenen Donnerstag seinen 50. Geburtstag. Die 1,91 große Schrankwand wechselte im Januar 2000 von Arminia Bielefeld zum FCK und obwohl der Keeper nur dreieinhalb Jahre für die Roten Teufel spielte, erlangte er einen Kultstatus. Nach seinem Wechsel in die Pfalz verdrängte er Andreas Reinke und Uwe Gospodarek und wurde sehr schnell die neue Nummer eins im Lautrer Tor. Insgesamt stand er in 85 Bundesligaspielen im Kasten der Roten Teufel und wusste zu überzeugen. Dass er 2003 weiterziehen musste hatte zwei Ursachen. Zum einen verordnete der damalige Präsident des FCK, René C. Jäggi, dem Club einen Sparkurs und zum anderen war die Nummer zwei hinter Koch mit dem Jungspund Tim Wiese bestens besetzt. Koch zog es nun weiter in die Lausitz, wo er bei Energie Cottbus einen Anschlussvertrag unterzeichnete. Leider wurde der spätere Torhüter von Rapid Wien durch die Explosion eines Böllers im Stadtderby gegen Austria so schwer verletzt, dass er im Jahr 2009 seine Karriere beenden musste. Mittlerweile ist Koch als Scout und Übergangstrainer im Nachwuchsleistungszentrum bei Viktoria Köln beschäftigt. Alles Gute nachträglich, lieber Schorch!


Schlagartiges Ende einer bewegten Karriere: Zum 50. Geburtstag von Georg Koch


Quelle: Treffpunkt Betze

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