Häämspiel: Annerschdwu is annerschd

Nach dem 3:3 Remis herrschen beim FCK gemischte Gefühle.
Foto: Imago Images

Es war bestimmt nicht das beste Spiel, das der FCK in dieser Saison absolvierte. Aber der Punkt in Mannheim dürfte einer der wertvollsten sein, den die Roten Teufel bisher eingefahren haben. Er unterstreicht nämlich die Tatsache, dass es selbst einer Spitzenmannschaft, über die die Waldhöfer nun mal verfügen, verdammt schwerfällt, gegen Antwerpens Mannschaft ein Tor zu erzielen - selbst wenn diese eher einen ihrer schlechten Tage hat. Erkenntnisse, die natürlich auch den übrigen Konkurrenten nicht verborgen bleiben und allmählich zu etwas Frustration führen dürften. Während der FCK nahezu optimal in das Kalenderjahr 2022 gestartet ist, stottert bei allen anderen Spitzenmannschaften, die Magdeburger einmal nicht mitgerechnet, der Motor nämlich teilweise gewaltig.

Fußball ist wie eine Frikadelle – man weiß nie, was drin ist

Lediglich der VfL Osnabrück kommt mit 13 Punkten aus sieben Spielen an die Lautrer Ausbeute von 14 Zählern aus sechs Partien einigermaßen heran. Zudem war die Hoffnung sicher groß, dass die Roten Teufel in den beiden vergangenen Begegnungen Federn lassen würden, aber den Gefallen taten die Mannen rund um Kapitän Zuck der Konkurrenz dann doch nicht. Ganz im Gegenteil. Im Heimspiel gegen den derzeit scheinbar übermächtigen Tabellenführer aus Magdeburg kamen die Lautrer nach zwei Rückständen zurück und bewiesen echte Nehmerqualitäten. Auch Rückschläge, wie beispielsweise ein verschossener Elfmeter, konnten das Team nicht aus der Bahn werfen. Der Lohn war ein mehr als verdienter Punkt, mit dem es sich auch gut leben ließ.


Beim Derby in Mannheim hingegen zeigte die Elf von Marco Antwerpen ein anderes Gesicht. Im Vertrauen auf eine stabile Defensive überließen die Roten Teufel den Waldhöfern weitestgehend das Spiel und versuchten lediglich hin und wieder eigene Offensivaktionen gezielt nach vorn zu tragen und abzuschließen. Leider fehlte bei diesen Bemühungen jedoch das Glück. Aber es gibt Unentschieden, die man gern mitnimmt. Der Abstand zu den Verfolgern wurde gehalten, die Serie unbesiegter Spiele ausgebaut und das Selbstbewusstsein weiter gestärkt. Der FCK ist auf dem besten Weg, die alte Fußballweisheit "Die Offensive gewinnt Spiele, die Defensive Meisterschaften" zu untermauern. Allerdings gilt es nun, die Spannung hochzuhalten. Die kommenden Aufgaben werden nicht einfacher.


Bevor die beiden ganz schweren Auswärtsaufgaben bei den 60ern und in Osnabrück anstehen, kommt morgen der SC Verl auf den Betzenberg. Für einen Aufstiegsaspiranten vermeintlich also eine Pflichtaufgabe. Aber der Überraschungssiebte der Vorsaison sollte nicht unterschätzt werden. Zum einen sind die Ostwestfalen in Anbetracht ihrer tabellarischen Situation fast schon zum Punkten verdammt, zum anderen ist das Gastspiel in Kaiserslautern die erste Begegnung, die unter die Verantwortung des neuen Coaches Michél Kniat fällt. Die Verantwortlichen der Verler versprechen sich natürlich vom neuen Trainergespann frische Impulse, die die Mannschaft wachrütteln und zurück in die Erfolgsspur bringen sollen. Allerdings dürfen sie damit gern noch eine Woche warten und dann so richtig loslegen. Zum Beispiel gegen Mannheim, Osnabrück oder Saarbrücken.

Du bist erst alt, wenn Du getrennt von Deinen Zähnen schläfst

Horst Schömbs feierte am Dienstag seinen 65. Geburtstag. Als mittlerweile etwas älterer Anhänger der Roten Teufel kann ich mich gut an seine Anfänge auf dem Betzenberg erinnern. Nachdem Udo Scholz 1994 den FCK verlassen hatte, war klar, dass sein Nachfolger ein schweres Erbe anzutreten hat. Scholz genoss als die Stimme vom Betzenberg und als Einheizer der Westkurve schließlich Kultstatus. Legendäre Spiele wie das 7:4 gegen Bayern München oder das 5:0 gegen Real Madrid bringt man auch Jahrzehnte danach noch unweigerlich mit der Stimme des gebürtigen Lüdenscheiders in Verbindung. Es schien unmöglich, den Erfinder des Stadion-Evergreens „Zieht den Bayern die Lederhosen aus“ nach seinem Wechsel zu den Mannheimer Adlern ersetzen zu können.


Doch dann kam der 12. März 1994. Der SC Freiburg war beim FCK zu Gast, ein etwas schlaksig wirkender Mann schnappte sich das Mikrofon und erhob zum ersten Mal seine Stimme auf dem Betzenberg. Horst Schömbs hieß „der Neue“ und arbeitete damals noch parallel als Stadionsprecher für Mainz 05, was jedoch kein Problem war. Die 05er spielten seinerzeit regelmäßig gegen den Abstieg aus der zweiten Liga und der FCK war etabliertes Bundesligamitglied – Zeiten ändern sich. Das Team um Norbert Thines hatte die Scholz-Nachfolge auf jeden Fall mit Bedacht geregelt. Jeder Versuch, eine Rampensau wie Udo Scholz zu kopieren wäre gnadenlos gescheitert. Also fiel die Wahl auf den FCK-Fan aus Ingelheim, der bereits erste Erfahrungen in Wiesbaden und eben beim FSV gesammelt hatte.


Horst Schömbs, der spätere Direktor der Volksbank in Mainz, verstand es von Anfang an, die Fans des FCK in jedem Spiel auf seine eigene Art und Weise mitzunehmen. In einem Interview mit dem „Pfalz-Echo“ sagte er einst: „Ich bin Stadionsprecher mit der Energie, die ich geben kann, aber auch mit der Fairness, Gäste als Gäste zu behandeln. Aber unsere Fans behandle ich natürlich ganz besonders! Das ist klar! Ich gehe mit ihnen emotional ganz anders um – das braucht Kaiserslautern! Kaiserslautern braucht Emotion, Kaiserslautern ist Emotion!“. Seine besondere Art, die er auch immer wieder im Zusammenhang mit Benefizveranstaltungen oder als Botschafter der „Betze-Engel“ unter Beweis stellt, hat ihn zum absoluten Unikat beim FCK werden lassen. Herzlichen Glückwunsch zum Halbrunden, lieber Horst, und hoffentlich auf viele weitere Jahre am Betze-Mikro!


Quelle: Treffpunkt Betze

Unsere Empfehlungen