Der Anfang vom Ende?

Nach der Niederlage gegen 1860 machte sich beim FCK Fassungslosigkeit breit
Foto: Imago Images / Oryk Haist

Am 25. Mai 1983 schoss Felix Magath im Europapokal der Landesmeister gegen Juventus Turin in der neunten Spielminute das 1:0. Das frühe Tor sollte das einzige an diesem Abend bleiben. Jahre später sagte Magath, dass ihm während seines Torjubels allerdings nur ein einziger Satz durch den Kopf ging: „Oh nein, das war zu früh.“ Frühe Tore sind Fluch und Segen zugleich. Sie leiten regelmäßig hohe Siege ein, wiegen einen in falscher Sicherheit oder kommen im Falle der Guardiola-Bayern einem Todesurteil gleich. Denn wer es in den Jahren 2013 bis 2016 wagte, gegen die Münchner ein frühes Tor zu erzielen, konnte sich schon mal auf ein lässiges 1:6 einstellen.

Kampf nicht angenommen

Am gestrigen Abend erzielte auch der 1. FC Kaiserslautern im Flutlichtduell gegen die Münchner Löwen ein frühes Tor. Nach einem Fehler von Stephan Salger (immerhin 132 Einsätze in Liga 2 und sogar fünf in der Bundesliga) netzte Mike Wunderlich nach nur 90 Sekunden zur überraschenden 1:0 Führung ein. Technisch keineswegs unanspruchsvoll. Mit weiteren Lorbeeren durfte sich der offensive Mittelfeldspieler und Routinier allerdings nicht schmücken. Einzig und allein eine Schwalbe, die ihm eine gelbe Karte einbrachte, stand am Ende neben dem Tor auf der Habenseite. Es war wohlgemerkt seine fünfte gelbe Karte, was die Schwalbe noch etwas bitterer erscheinen lässt als ohnehin schon. Dem frühen Gegentor folgten auf Seiten der Lautrer einige wilde Angriffe, aber - wie so oft in den vergangenen Wochen – nichts wirklich Zwingendes. Nach und nach kamen die Münchner so besser ins Spiel und schossen folgerichtig das 1:1 - wenn auch etwas glücklich, da der Schuss von Merveille Biankadi von seinem Mitspieler Marcel Bär unhaltbar abgefälscht wird. Unglücklich für Lautern, aber absehbar.


In Halbzeit zwei wirkten die Münchner dann wie ausgewechselt. Und der Druck auf den FCK wuchs so weit, dass die Roten Teufel bis auf Befreiungsschläge und lange Pässe auf Muhammed Kiprit keine anderen Mittel mehr fanden, sich aus der eigenen Hälfte zu befreien. Zu Kiprits Verteidigung: Er ist kein Konterstürmer und wird wahrscheinlich auch keiner mehr werden, weswegen die meisten Angriffe der Lautrer an seiner fehlenden Schnelligkeit scheiterten. Und auf einen goldenen Moment von Marlon Ritter konnte der FCK auch nicht setzen. Zwar versuchte der 27-jährige es hin und wieder, doch in der 63. Minute wurde er nach immerhin starker Laufleistung ausgewechselt. Damit verließ die Lunge des FCK den Platz und die Pfälzer ließen sich infolgedessen noch weiter an den eigenen Sechzehner nageln. Das 2:1-Siegtor der Münchner ließ dann jedoch länger auf sich warten, als die Zuschauer im Grünwalder Stadion hätte annehmen können. Denn wenn der FCK in dieser Saison eine Sache besser kann als alle anderen, dann ist es das Verteidigen. In der 85. Minute dann der Moment des eingewechselten Kevin Goden - ironischerweise nach einem Freistoß und nicht aus dem Spiel heraus. Phillip Hercher, nach der Pause für Dominik Schad eingewechselt, war sich unsicher, ob er den Mann oder den Pfosten decken soll. Und drin war das Ding. Selbst in der dritten Liga hat man keine Zeit zum Zögern.

Die erste Niederlage seit Oktober

Ist die Niederlage nur ein kleiner Einbruch oder aber der Anfang vom Ende? Der 1. FC Kaiserslautern tut sich seit exakt vier Spielen etwas schwer und hat vor allem Probleme gegen Gegner, die in der Lage sind, den Druck auf das Lautrer Tor phasenweise zu erhöhen und den FCK damit zum Kontern verdammen. Gegen Verl ging dieses Szenario Dank eines grandiosen Sololaufs von Marlon Ritter noch gut, doch gegen 1860 München fehlte ein solcher Moment. Was dem FCK auch fehlt sind Spieler und eine generelle Konstanz. Schuld daran sind die vielen vor allem kleinen Ausfälle. Seien es Gelbsperren, plötzlich auftretende Krankheiten oder Corona. Die immer noch beste Abwehr der Liga spielt selten in der gleichen Besetzung, was ihre Leistung nur noch größer macht. Doch selbst diese Abwehr kann eben nicht jedes Spiel zu Null spielen und so reicht es mit einer solchen Leistung nicht zwangsläufig für ein Unentschieden - wie beispielsweise in den Spielen gegen Magdeburg und Mannheim.


Den 1860ern wiederum kann man zu ihrer Leistung nur gratulieren. Nicht nur, dass sie den Zweitplatzierten der dritten Liga in die Schranken gewiesen haben, sie klopfen nach unerwarteten Niederlagen gegen Halle und Türkgücü München doch nochmal oben an. Für den FCK dürfte das allerdings nicht das Schlechteste sein - schließlich müssen die wieder besser spielenden Münchner noch gegen Mannheim und Saarbrücken ran.

Ein Blick in die nähere Zukunft

Als nächstes treffen die Roten Teufel auf den VfL Osnabrück. Und der Verein von der Bremer Brücke hat gegenwärtig genauso viel Lust auf ein spätes Aufstiegsrennen wie 1860 und Wiesbaden. Zudem sind die Niedersachsen seit acht Spielen ungeschlagen und nur drei Punkte hinter Platz zwei. Dieser wird – nachdem sich die Magdeburger schon früh uneinholbar abgesetzt haben – Stand jetzt von sieben Mannschaften ins Visier genommen, die sich zwar untereinander die Punkte nehmen, aber auch mehr Druck auf den FCK ausüben werden. Mehr, als die Pfälzer möglicherweise vertragen. Doch wenn der FCK in dieser Saison – zumindest seit dem 0:1 gegen Magdeburg – eines bewiesen hat - dann, dass er nach Niederlagen immer wieder Höchstform erreichen kann. So war es gegen besagte Magdeburger, gegen den TuS Mechtersheim und Würzburg. Und vielleicht auch jetzt nach der Niederlage gegen München, an deren Ende die frühe Führung nicht gereicht hat. In der Saison läuft es dagegen umgekehrt. Einem schlechten Start folgte eine unvergleichliche Aufholjagd. Und wer weiß. Die von Felix Magath trainierten Wolfburger waren in der Saison 08/09 bis zum 27. Spieltag kein einziges Mal auf Rang 1. Und wir alle wissen, wie das endete.


Quelle: Treffpunkt Betze

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