Zwischenbilanz: Aufwärtstrend erkennbar - Kaltschäuzigkeit fehlt

Zwei „folgenschwere“ Kolumnen hat unser Autor Wolfram Wuttke in dieser Saison verfasst. Nach The Trend`s not our friendwurde unser Team von Hoffenheim zerlegt und konnte im Derby den KSC nicht besiegen. Sein zweiter Artikel hieß Bitte kein Unentschieden!“, woraufhin die wohl niederschmetterndste Unentschieden-Serie der Vereinsgeschichte folgte. Logisch, dass wir dem Kollegen bei seiner aktuellen Kolumne ganz genau auf die Finger schauten.


Wie vorhersehbar war Frontzecks Handeln noch zu Beginn der Saison. Unveränderte Aufstellungen, unverändertes System, immer gleiche, positionsgetreue Wechsel. Resultat: Nach dem Auftaktsieg gegen 1860 schien jeder Gegner genau zu wissen, wie er den FCK zu nehmen hat, wir gewannen kein Spiel mehr und erzielten nie mehr als ein Tor pro Match. Der Trainer hingegen gab sich nach außen stur und unbelehrbar. Man konnte den Eindruck gewinnen, er wollte seine Stammformation mit aller Gewalt bereits nach zwei Spieltagen gefunden haben. Erst durch verletzungsbedingte Wechsel, eventuell auch durch Einsicht, bekamen andere Spieler ihre Chance und nutzten diese. Ausnahmslos.


Im Vergleich zum 1. Spieltag standen gegen die Sportfreunde Lotte mit Löhmannsröben, Bergmann, Schad, Hesl, Gottwalt und Kühlwetter sechs Spieler in der Startelf, von denen am 1. Spieltag vier noch nicht einmal im Kader waren und lediglich Schad einen Zwei-Minuten Kurzeinsatz bekam. Gerade Christian Kühlwetter und Lukas Gottwalt kamen buchstäblich aus dem Nichts in die Stammelf. Die Auswirkungen der Personaländerungen sind unverkennbar: Unser Spiel ist zuletzt schneller, ballsicherer und weniger berechenbar geworden. Statistisch gesehen erzielt bisher jedes Wochenende ein neuer FCK-Spieler sein erstes Saisontor und neben den elf verschiedenen (Liga-) Torschützen stellt das Team auch neun unterschiedliche Torvorbereiter. Spielten wir am Anfang noch jedes Match im 4-4-2 System, so spielen wir jetzt ein 4-2-3-1 oder 4-1-4-1.

Löh kann nicht nur Interviews

Den zweiten Platz bei der Wahl zum „FCK-Spieler des Monats September“ verdankt Jan Löhmannsröben sicher weniger seinem Auftritt als Frühstücksflocken-Testimonial im Telekomsport-Interview, sondern eher seiner Spielweise als körperbetonter Balleroberer im zentralen Mittelfeld, der sich für keinen Zweikampf zu schade ist. Mit guter Technik und viel Ruhe am Ball agiert er zudem als Taktgeber und Ballverteiler in der Zentrale und lässt sich des Öfteren bis zur Abwehrreihe zurückfallen um von dort aus das Spiel aufzubauen. Seine 40m-Zuspiele weisen gefühlt eine deutlich bessere Passquote auf als sämtliche Querpässe von Sportkamerad Ziegler in den vergangenen Jahren, aber das ist sicher nur eine subjektive Wahrnehmung. Die (leider recht erfolgreiche) Taktik der gegnerischen Teams, die Räume in der Zentrale gegen uns eng zu machen und dort die Spieler zu Fehlern zu zwingen geht, insbesondere dank Löhmannsröben, mittlerweile immer weniger auf. Er ist in der Lage auch in Bedrängnis Bälle zu behaupten und hat immer ein gutes Auge für den startenden Stürmer oder Außenbahnspieler. Doch nicht nur Löh, auch Theodor Bergmann hebt das spielerische Niveau deutlich an. In der gegnerischen Hälfte ist er eigentlich immer anspielbar und hat, mit dem direkt verwandelten Freistoß gegen Köln und den Hackentrick-Assist für Zucks 2:0 gegen Lotte, bereits spektakuläre Highlights gesetzt. Durch Julius Biadas Verletzung überhaupt erst ins Team gerutscht, scheint er sich erst mal als Zehner fest gespielt zu haben.

Spalle fehlt – oder nicht?

So tragisch Spalvis´ Verletzung auch ist, so stehen doch erst seit seinem Ausfall zumindest einer der beiden herausragenden Techniker (Bergmann und Biada) ständig auf dem Platz, was unserem Offensivspiel spürbar guttut. Das Duo Spalvis/Thiele hatte nicht ein einziges Tor erzielt, wenn beide gleichzeitig spielten - in erster Linie mangels Futter aus dem Mittelfeld. Und da Biada/Bergmann nur dann ran durften, wenn einer der beiden Stürmer fehlte, gab es kaum verwertbare Zuspiele. Das soll allerdings nicht grundsätzlich heißen, dass der FCK nur mit einem einzigen klassischen Stürmer spielen kann. Wenn Torjäger Thiele durch die Offensivreihe - zuletzt Zuck, Kühlwetter, Bergmann - läuferisch nicht ausreichend unterstützt wird, hängt er oftmals (wie in Osnabrück) in der Luft, bzw. muss den Ball ständig gegen zwei und mehr Gegner behaupten. Man sieht ihm manchmal an, dass er momentan mit dem wenigen Raum, den er hat, eher mittelmäßig zufrieden ist. Die Variante Thiele/Huth kommt leider immer nur bei Rückstand gegen Ende des Spiels zum Tragen, wobei Elias Huth seine Qualitäten nicht nur als „Zwei-Tore-Joker“ in Jena gezeigt hat.


Zur „Versorgung“ Thieles tragen die Außenbahnen allerdings zuletzt etwas besser bei. Seitdem Zuck auf „seine“ rechte Seite gewechselt ist, geht seine Formkurve (von überschaubarem Niveau kommend) nach oben, was auch an Rechtsverteidiger Dominik Schad liegt, der ebenso überraschend wie auch verdient, den Stammplatz von Florian Dick eroberte. Er zeigt sich einfach deutlich schneller und beweglicher als der Mannschaftskapitän. Ebenfalls viel Tempo und Einsatz beweist Christian Kühlwetter, der als linker Mittelfeldspieler direkt mal drei Tore in seinen ersten beiden Partien erzielte und auf seiner Seite auch vom Offensivdrang von Außenverteidiger Janek Sternberg profitiert. Christoph Hemlein und Florian Pick (letzterer traf zuletzt sowohl im Pokal als auch bei den Amateuren) haben momentan kaum Spielzeit, sollten aber auch bald wieder ihre Chance bekommen. Nach wohlverdienter Pause auf der Bank, war Fechner zuletzt wieder im Team und spielte endlich mal stark, wobei ich persönlich weiterhin Albaek (der zuletzt 3 Mal nicht im Kader war) als den offensivstärkeren Spieler bevorzugen würde. Ein Traum wäre natürlich die Achse Löhmannsröben-Bergmann-Biada (als 6, 8 und 10), wobei ich mir nicht vorstellen kann, dass Michael Frontzeck diese Variante jemals von Anfang an bringen wird.

Hauptbaustelle Abwehr

Zwölf Tore in vier Spielen (6. -10. Spieltag) zu erzielen ist an sich bärenstark, sofern man nicht in den selben Partien auch katastrophale acht Gegentore kassiert. Es passt allerdings zum Tabellenbild, wo wir fünf Punkte vom oberen Relegationsplatz entfernt sind, aber auch nur zwei Pünktchen von den Abstiegsrängen. Neben „Konzentration ab der 90. Minute“ war das generelle Defensivverhalten in den letzten Wochen zunächst unsere Hauptbaustelle. Unsere Gegner bekamen einfach viel zu viele Torchancen. Vor allem gegen Jena, Köln und Braunschweig war es zum Teil schon vogelwild, was sich im und am Lauterer Strafraum abspielte. Allerdings kam nach dem glücklichen Sieg in Braunschweig auch endlich Sicherheit in unsere Defensive. Die Sportfreunde Lotte wurden fast komplett kontrolliert und hatten bis auf die letzten drei Minuten (die mich allerdings um Jahre altern ließen) keinerlei Torchancen. Auch bei Tabellenführer Osnabrück hatten wir das Spiel, abgesehen von einer wieder mal verschlafenen Anfangsphase, überwiegend im Griff. Allerdings sind die Niedersachsen vor allem deshalb Tabellenführer, weil sie kaum Gegentore kassieren. Warum das so ist, zeigten sie gegen uns recht eindrucksvoll: Nach dem Sonntagsschuss zum 1:0 zogen sie sich zurück und ließen in der kompletten 2. Halbzeit nur noch drei - keinesfalls hochkarätige - Torchancen von uns zu. Nichtsdestotrotz sollten wir auch gegen die stärkste Abwehr der 3.L iga in der Lage sein, bessere Chancen heraus zuspielen. Oder einfach mal ein Tor nach einem Eckball erzielen. Dass wir gegen die Sportfreunde Lotte ein ganzes Dutzend Ecken hatten oder auch speziell Lukas Gottwalt in den letzten Wochen, jeweils nach Eckbällen, nur Millimeter von seinem ersten Saisontor entfernt war, kann man durchaus positiv deuten. Allerdings wird es wirklich Zeit, dass es nach einer Ecke oder indirektem Freistoß einfach mal im gegnerischen Tor scheppert.

Der nächste Gegner: KFC Uerdingen

Der nächste Gegner heißt KFC, das klingt nach einem Franchise-Unternehmen, ist aber Private Equity. Der Verein ist im Besitz des russischen Millionärs Mikhael Ponomarev, der gerne großzügig in die Schatulle greift, wenn es darum geht Spieler mit Nationalmannschafts- (Großkreutz), Euro-League- (Maroh) oder einfach „nur“ Bundesligaerfahrung (Aigner, Pflücke, Beister, Schorch) zu verpflichten. Solche Kaliber wechseln sicher nicht in die 3. Liga, weil die Krefelder einen gesicherten Mittelfeldplatz anstreben. Das Vorbild ist wohl eher Hoffenheim. Gegen zwei der tabellarischen Top 4 (Münster und Osnabrück) haben wir verloren und lediglich einen Punkt gegen Karlsruhe geholt. Wenn wir das Ziel Aufstieg im Visier behalten wollen, müssen wir endlich auch mal ein Topteam wie den Tabellenzweiten schlagen. Mit dem KFC Uerdingen kommt am Samstag eine eingespielte Aufstiegstruppe, verstärkt mit den oben erwähnten Hochkarätern - für mich DAS Topteam der Liga. Nach einem kleinen Zwischentief läuft es bei den Krefeldern wieder rund und gerade Routinier Stefan Aigner trifft zur Zeit wie er will. So gesehen war die Länderspielpause für uns sicher kein Nachteil.

Aufwärtstrend erkennbar, Fortsetzung erwünscht

Nach dem 0:0 gegen den KSC meinte Frontzeck einen Aufwärtstrend ausgemacht zu haben. Ansichtssache bis dahin. Betrachtet man die folgenden fünf Partien muss man sagen: Ja, es gibt eine deutlich positive Tendenz. Im Gegensatz zu den ersten Matches erspielte sich die Truppe zuletzt mehr Torchancen, kontrollierte auch teilweise die Partien und bekam nach dem Auftritt in Braunschweig auch das Abwehrverhalten in den Griff. Es ist mehr Geschwindigkeit in unserem Spiel und der Einsatz stimmt definitiv. Was bisher immer noch absolut fehlt, ist die Kaltschnäuzigkeit (der Wille? das Selbstvertrauen?) nach einem Führungstreffer weiterhin mit Vollgas nach vorne zu spielen, das Ergebnis auszubauen und damit das Spiel vorzeitig zu entscheiden. Zu oft wurde in dieser Saison nach einer Führung, völlig unverständlicherweise, das Fußballspielen eingestellt und erst nach einem Gegentreffer wieder aufgenommen.


Sollten wir am Samstag den positiven Trend fortsetzen und zumindest kein Schiedsrichter- oder sonstiges Pech haben, können wir Uerdingen auf jeden Fall schlagen. Bei einer erneuten Niederlage hingegen haben wir wieder einmal Feuer unterm Dach und der Trainer dürfte wieder in die Schusslinie geraten - aus der er sich eigentlich gerade erst entfernt hatte. Zudem käme der Vorwurf wieder hoch, Frontzeck verliere, wie schon letzte Saison, immer die entscheidenden Spiele. Das nächste Heimspiel bietet somit die Chance für den Trainer sich dieses Vorwurfs zu entledigen und den FCK im Aufstiegsrennen anzumelden.


Quelle: Treffpunkt Betze