Kommentar: Hauptsache drei Punkte

Es waren häufig diese vermeintlich kleinen Clubs wie Sandhausen, Aue oder eben der VfR Aalen, mit denen sich der FCK in der Vergangenheit schwer tat. Und beim gestrigen Auswärtsspiel in Aalen sah es mindestens 60 Minuten lang so aus, als könnten die Roten Teufel diesen "Aalen-Fluch" wieder einmal nicht besiegen. Doch FCK-Cheftrainer Michael Frontzeck bewies mit seinen beiden Einwechselungen in der 66. Minute ein glückliches Händchen. Mit Elias Huth und Christian Kühlwetter wechselte er sozusagen den zweiten Auswärtssieg dieser Drittliga-Saison ein.


Am Rande der schwäbischen Alb steht die Ostalb-Arena, die Heimstätte des VfR Aalen. Für den Pfälzer eine gut 250 Kilometer lange Anfahrt an einem Montagabend. Folgerichtig auch Frontzecks Kommentar: "Eine Zumutung für die Fans". Doch davon lassen sich FCK-Anhänger gewiss nicht beirren, denn wieder einmal besuchten mehr als 1.000 Fans den gegnerischen Steh- und Sitzplatzblock. Kurios: Die Lautrer stellten damit gestern rund ein fünftel der gesamten Zuschauerzahl dar. Respekt an dieser Stelle.

The trend is our friend

Die Formkurven vor dem Spiel hätten nicht unterschiedlicher sein können. Während die Mannschaft von Trainer Giannikis aus den letzten fünf Spielen lediglich einen Sieg holte und zudem eine Niederlage im Landespokal gegen einer Oberligisten kassierte, zeigte die Formkurve der Roten Teufel deutlich nach oben. Und mit der bärenstarken Leistung gegen Uerdingen im Rücken sollte es sich doch locker leicht aufspielen. Doch schon zuvor warnte Frontzeck vor genau solch schweren Partien gegen angeschlagene Gegner: "Wenn du keinen guten Tag hast, dann läufst du Gefahr das Spiel zu verlieren".

Erste Halbzeit: Der FCK hat Aalen scheinbar unterschätzt

Und so erwischte der VfR in Halbzeit eins quasi einen Sahnetag. Aalen ging bissiger in die Zweikämpfe, suchte immer wieder das offensive Pressing und nutzte mit schnellem Umschaltspiel die zahlreichen Räume in der Lautrer Defensive. Der FCK zeigte sich vor allem in der erste Hälften zu passiv, zu ideenlos, zu fahrig in der Zweikampfführung. Folgerichtig auch der verdiente Führungstreffer der Aalener nach einem Konter im eigenen Stadion. Und da war er wieder: Der "Aalen-Fluch". So sah es auch Cheftrainer Frontzeck: "Wir haben keine gute erste Halbzeit gespielt, wir haben im letzten Drittel zu viele Bälle verloren und Aalen dadurch zum Kontern eingeladen".

Der Fußballgott auf Lautrer Seite

Wir erinnern uns: 1:1 in Zwickau in letzter Sekunde, 3:3 gegen Köln in letzter Sekunde, 3:3 in Jena in letzter Sekunde. Wer so viel Pech verbraucht, wird auch irgendwann vom Fußballgott belohnt. Und dieser entschied sich am gestrigen Abend für ein besonderes Duell zwischen Christian Kühlwetter und Torhüter Daniel Bernhardt. Kühli kam am gegnerischen 16er freistehend zum Schuss, traf den Ball jedoch nicht richtig. Als Stürmer und Verteidiger beinahe schon abdrehten, erklang ein Jubelschrei aus 1.000 Lautrer Kehlen. Bernhardt rutschte der Ball durch die Arme. 1:1. "Beim meinem Tor war schon ein bisschen Glück dabei. Wie die Fans gesagt haben: Fritz-Walter-Wetter, da ist das Ding reingegangen. Ich habe mich schon umgedreht und habe erst dann das Tor gesehen. Ist natürlich geil", kommentierte Kühlwetter den zwischenzeitlichen Ausgleich. Der FCK übernahm dann die Spielkontrolle und ging dann auch durch den eingewechselten Elias Huth in Führung.


Auffällig beim FCK sind immer noch gewisse Leistungsschwankungen. Von außen betrachtet ist es nur schwer nachvollziehbar, warum die selbe Mannschaft, die gegen Uerdingen mit Abstand die beste Saisonleistung zeigte, in den ersten 45 Minuten gegen Aalen weit von dieser entfernt war. Dies zeigte sich in der fahrigen Zweikampfführung, zahlreichen Fehlpässen und Ballverlusten, Unkonzentriertheiten im Aufbauspiel und einer fehlenden erkennbaren Struktur im Spiel nach vorne. Doch neben diesem kritischen Blick auf die Leistung in Halbzeit eins halten wir ebenfalls gerne fest, dass Frontzecks Mannschaft läuferisch und kämpferisch nichts vermissen ließ. In Halbzeit zwei war ein Aufbäumen deutlich spürbar, wenn auch Aalen den Fehler beging, sich zunehmend einzuigeln und auf Konter zu lauern. "Wenn du die letzten Spiele siehst, dann hast du natürlich das Selbstvertrauen, dann kannst du ein solches Spiel auch mal drehen", resümierte Frontzeck den "nicht unverdienten" Auswärtssieg. Übrigens: Mit diesem fünften Saisonsieg steigt die FCK-Punktquote auf 1,54. So gut wie schon lange nicht mehr. Der FCK ist auf dem richtigen Weg.


Am Ende bleibt: Mittelmäßig gespielt, trotzdem gewonnen. In den vergangenen Jahren hätte der FCK solche Spiele bei solch einem Gegner immer verloren. Immer. Und nun das Glück des Tüchtigen. Genugtuung pur für die drei Last-Minute-Remis.


Quelle: Treffpunkt Betze

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