Sascha Hildmann: "Auf dem schnellsten Wege zum Torabschluss"

Teil 2 des großen Interviews mit Sascha Hildmann: Wir sprachen mit dem Lautrer Coach über den Saisonstart gegen Unterhaching, seine taktische Philosophie und über seinen Werdegang als Trainer.


Treffpunkt Betze: Sascha, 1:1 hieß es zum Saisonauftakt gegen Unterhaching. Die Reaktionen waren bei allen Beteiligten zwiegespalten. Wie zufrieden warst du mit dem Spiel, gerade mit Hinblick auf die Saisonvorbereitung?


Sascha Hildmann: Die Einsatzbereitschaft hat gestimmt. Die Mannschaft wollte. Was mir gefehlt hat, war ein Stück weit der Mut im Spielaufbau, im eigenen Ballbesitz noch mehr auf Lücke zu laufen und sich anzubieten.


Man muss aber auch bedenken, dass es das erste Spiel war. Wir haben gegen eine sehr gute Mannschaft aus Unterhaching gespielt, die mit Sicherheit noch gegen andere Mannschaften punkten wird. Wenn der Fehler beim 1:1 nicht passiert, gewinnen wir das Spiel wahrscheinlich. Insbesondere die letzten 20 Minuten haben mir gefallen, da haben wir Druck aufgebaut, Ecken erspielt und die Westkurve war voll da. Darauf müssen wir aufbauen.


Defizite haben wir sicher noch in der Präzision im Passspiel. Wir haben Unterhaching des Öfteren im Mittelfeld die Bälle geklaut, doch leider kam der Pass in die Spitze zu ungenau. Wenn diese Pässe ankommen, dann laufen Timmy Thiele oder Christian Kühlwetter allein auf das Tor zu und können treffen. Hier müssen wir noch besser werden. Was mir auch noch fehlt ist eine Portion Cleverness. Unterhaching hat mindestens drei Mal gefährliche Aktionen von uns mit einem taktischen Foul unterbunden. So etwas müssen wir auch tun. Hier liegt noch Arbeit vor uns.


Treffpunkt Betze: Wie bewertest du die Leistung der Neuzugänge in diesem Zusammenhang?


Sascha Hildmann: Man hat schon gemerkt, dass sie innerlich etwas angespannt waren. Das ist ja aber auch völlig normal vor dem ersten Spiel auf dem Betze. Sie müssen ja ein Gefühl entwickeln für diese Masse an Zuschauern, für das Spiel mit der Mannschaft. Ich war mit allen zufrieden. Sie brauchen aber noch Zeit und von mir werden sie die auch bekommen.


Treffpunkt Betze: Unterhaching war offensiv sehr zielstrebig, hatte viel Ballbesitz. Die Defensive wirkte zeitweise etwas überfordert, hatte Abstimmungsprobleme.


Sascha Hildmann: Unterhaching hatte zwei bis drei gute Möglichkeiten am Samstag. Unsere Defensive war in dem Sinne gefordert, weil Haching mit vier Leuten vorne ständig in Aktion war. Insbesondere Marseiler und Bigalke, aber auch Hufnagel, der noch nachgerückt ist und Heinrich, der über rechts kam. Da mussten unsere Jungs schon Schwerstarbeit leisten. Sicherlich hatten wir dann im 4-4-2 hinten oft eine Unterzahlsituation, in der dann ein 6er zurück musste. Das war dann etwas schwierig. Wir müssen uns mit Sicherheit in diesem Bereich noch steigern.


Treffpunkt Betze: Stichwort Defensive. Carlo Sickinger hatte in der Innenverteidigung sowohl seine Zweikampfstärke als auch seine Übersicht konstant abgerufen. Was spricht in der neuen Spielzeit für Carlo auf der Doppel-6?


Sascha Hildmann: Carlo ist ein sehr intelligenter Spieler. Er kann ein Spiel gut lesen, bringt eine gewisse Dynamik mit und kann einen guten Pass spielen. Er ist ein Box-to-Box Spieler, der dem Ball und dem Gegner auch mal nachjagt, was man schon letztes Jahr bei seinem Kopfballtor gegen Meppen gesehen hat. Er ist einfach sehr zielstrebig und das ist essenziell wichtig auf der Position der Doppel-6 und tut uns gut. Natürlich kann aber auch er sich noch steigern. Er kann aus meiner Sicht noch präsenter und aktiver auf dem Platz werden.


Treffpunkt Betze: In den Testspielen habt ihr jedoch 9 Gegentore in 3 Spielen gegen unterklassige Gegner kassiert. Wäre das nicht doch ein Argument, Carlo wieder in die Innenverteidigung zu ziehen?


Sascha Hildmann: Diese Überlegungen spielen bei mir ständig eine Rolle, weil ich immer überlege, was die bestmögliche Aufstellung für die Mannschaft sein könnte. Carlo ist vielseitig einsetzbar und jetzt schauen wir mal wie die Situation aussieht, wenn Skarlatidis zurückkommt, dann haben wir ja noch mehr Optionen. Ich schließe da nichts aus.

Taktisch flexibel bleiben


Treffpunkt Betze: Sieben Neuzugänge sind zum Betze gekommen, zuletzt Janik Bachmann. Ist die Kaderplanung damit abgeschlossen und wie zufrieden bist du mit den Transfers?


Sascha Hildmann: Ja, der Kader steht, wir haben die neuralgischen Positionen alle besetzt. Die Spieler, die wir geholt haben, bringen viel Drittliga Erfahrung und Qualität mit. Sie haben fast alle in ihren letzten Stationen über 30 Ligaspiele in der Saison absolviert. Das war uns auch wichtig und Teil unserer diesjährigen Philosophie. Da sind wir auf einem guten Weg. Es ist jetzt aber unsere Aufgabe Spieler wie Starke, Bachmann und Co. ordentlich zu integrieren und einzubinden.


Treffpunkt Betze: Du willst taktisch flexibel agieren. Nach dem anfänglich praktizierten 4-4-2 hast du später auch ein 3-5-2 bzw. ein 3-4-3 spielen lassen. Welches System favorisierst du für die kommende Saison?


Sascha Hildmann: Im Moment favorisiere ich tatsächlich das 4-4-2, denn wir haben Spieler, die es ausfüllen können. In der Vorbereitung haben wir darin auch gut agiert, von daher ist das aktuell unser System Nummer eins.


Treffpunkt Betze: Inwieweit passt der Transfer eines Manfred Starke hier rein, der in Jena zumeist als hängende Spitze agiert hat?


Sascha Hildmann: Manni passt absolut in das System. Er kann auch auf den Außen spielen, links wie rechts.


Treffpunkt Betze: Gerne hätten wir in diesem Zusammenhang nach Simon Skarlatidis gefragt, doch dieser fällt mit einem Haarriss im Knie möglicherweise noch länger aus. Wie steht‘s um seine Gesundheit?


Sascha Hildmann: Dass Simon sich verletzt hat ist natürlich sehr bitter und schade. Ein Haarriss ist wie ein kleiner Bruch, da müssen wir schon aufpassen. Es wird noch dauern, bis er wieder einsatzbereit und fit ist. Das wird aber immer wieder im Laufe der Saison passieren, davon dürfen wir uns nicht unterkriegen lassen. Dafür haben wir einen breiten Kader.


Treffpunkt Betze: Neben Carlo Sickinger planst du mit Janik Bachmann im defensiven Mittelfeld. Welche Erwartungen hast du an diesen Spielertyp?


Sascha Hildmann: Janik hat eine riesengroße körperliche Präsenz mit seinen 1,96 Metern. Dadurch ist er auch sehr kopfballstark, genau das, was wir auf dieser Position gesucht haben. Aber auch fußballerisch bringt er jede Menge Qualität mit. Er kann ein Spiel von hinten heraus ordnen und aufbauen, kann das Spiel extrem gut lesen. Er rückt aber auch durchaus mal nach in die Box. Er verkörpert also genau den Spielertyp, den wir wollten und nach dem wir lange gesucht haben. Von daher bin ich sehr froh, dass dieser Transfer jetzt geklappt hat.

Von den Anfängen in Rodenbach bis zum Profi-Coach: Hildmanns stetiger Weg


Treffpunkt Betze: Du hast dich im Laufe deiner Trainerkarriere langsam aber sicher nach oben gearbeitet. Vom Spielertrainer in Rodenbach, bis zur U-16 in Mainz, ehe du in Großaspach die erste Profimannschaft übernommen hast. Du hast dich enorm nach oben gearbeitet …


Sascha Hildmann: Immer. Das war immer mein Weg. In Rodenbach angefangen…


Treffpunkt Betze: Wenn ich da einhaken darf. Als gebürtiger Weilerbacher frage ich mich natürlich, wie du in Rodenbach landen konntest (lacht).

Sascha Hildmann: Ja, gegen Weilerbach haben wir einige schwere Schlachten geschlagen (lacht). Peter Degen, die gute Seele von Rodenbach, hat damals dafür gesorgt. Er hat mich gefragt, ob ich Lust dazu hätte als Spielertrainer einzusteigen. Ich wollte immer Trainer werden, von daher habe ich gesagt, na klar mache ich. Spielen wollte ich eigentlich nicht mehr, aber das habe ich dann auch noch gemacht. Rodenbach war damals ein guter Landesligaverein und stand auf dem 10. Tabellenplatz. Und was passierte? Ich war noch Spieler in Homburg und die Rodenbacher haben in der Rückrunde jedes Spiel verloren. Wirklich jedes (lacht). Ich habe das natürlich mit Sorge verfolgt und sie sind dann sind in die Bezirksliga abgestiegen. Peter hat mich dann gefragt, ob ich es trotz des Abstiegs machen würde. Da habe ich gesagt, ich kann ja jetzt schlecht Nein sagen (lacht). Und nach 2 Jahren sind wir dann wieder aufgestiegen, sind dann nochmal aufgestiegen und im Jahr darauf sogar fast nochmal eine Etage höher. Das war also unterm Strich eine sehr erfolgreiche Zeit, die mich unheimlich geprägt hat, weil dort ein sehr ehrlicher Fußball gespielt worden ist.


Treffpunkt Betze: Und dann ging es weiter nach Idar-Oberstein…


Sascha Hildmann: Genau. Wenn man meinen Werdegang anschaut, dann war das immer der Weg. Schritt für Schritt eine neue Herausforderung angehen. Erst hatte Idar-Oberstein angefragt, dann kam Hauenstein, Elversberg und so weiter. Wenn man die Stationen bilanzieren möchte, war es unterm Strich immer recht erfolgreich. In Großaspach hatten wir im ersten Jahr zu keinem Zeitpunkt etwas mit dem Abstieg zu tun, und das mit dem kleinsten Etat der Liga.

"Meine Heimat, unser Stolz - Der FCK bedeutet mir alles!"


Treffpunkt Betze: Es gibt ja eine Vielzahl an verschiedenen Trainertypen im Fußball. Ob junge „Taktikfüchse“ wie Nagelsmann und Tuchel oder sehr emotionale wie Jürgen Klopp. Für welche Art von Fußball steht Sascha Hildmann, was ist deine Vision von richtig gutem Fußball?


Sascha Hildmann: Die einfachste Philosophie ist die, den Ball, wenn du ihn hast schnell ins Tor zu schießen und wenn du ihn verlierst, ihn dir schnell wieder zu holen (lacht). Nein, im Ernst, das ist natürlich zu oberflächlich. Mir ist es wichtig, eine gute Mannschaft auf dem Platz zu haben, die mit viel Leidenschaft, Engagement und Power agiert, die aber auch zu jeder Zeit in der Lage ist, sich gegen den Gegner in Zweikämpfen zu wehren. Mir ist wichtig, dass die Mannschaft auf dem schnellsten Weg zum Torabschluss kommt und sich so viele Chancen erarbeitet. Zielstrebigkeit im Umschaltspiel, das alles gehört für mich essenziell zu gutem Fußball. Aber die beste Philosophie ist immer noch die, die erfolgreich ist.


Treffpunkt Betze: Eine ganz persönliche Frage. Du bist gebürtiger Lautrer, der erste seit über 50 Jahren an der Seitenlinie beim FCK. Was bedeutet für dich Heimat und die Region hier?


Sascha Hildmann: Alles. Ganz kurz und knapp. Alles. Unsere Liebe, unser Stolz. Das ist der FCK. Ich bin Lautrer und werde immer durch und durch ein Lautrer bleiben, ganz egal was passiert.


Treffpunkt Betze: Sascha, was muss passieren, damit du am Ende der kommenden Saison sagen kannst: „Wahnsinn, was für eine geile Saison das war“?


Sascha Hildmann: Das war ja klar (lacht). Die Frage stellt sich aber nicht. Ich lass mich da nicht festnageln, von daher: Wir haben viele Spiele gewonnen. Wenn wir das am Ende sagen können, dann wird die Saison schon okay gewesen sein (lacht).


Vielen Dank Sascha für dieses ausführliche Interview. Viel Erfolg für die kommenden Aufgaben und die Saison!


Den ersten Teil unserer Interview gibt hier nochmal zum Nachlesen.


Quelle: Treffpunkt Betze