"Wir hätten auch acht oder neun kriegen können"

"Lautern geht in Meppen baden", titelt der Kicker. "Hildmann vor dem Aus?", fragt der SWR. "Außer Ehrmann könnt ihr alle gehen", skandiert der Lautrer Anhang nach Abpfiff im Gästeblock. Es ist schlicht und ergreifend unmöglich die richtigen Worte für die heutige 1:6 Blamage im Emsland zu finden. Ein solches Komplettversagen in allen Mannschaftsteilen lässt sich einfach nicht erklären. Es offenbart allerdings Fragen: Spielte die Mannschaft gegen den Trainer und das Trainerteam? Oder wurde die Mannschaft wieder einmal falsch zusammengestellt? Fragen, auf die die sportliche Führung beim 1. FC Kaiserslautern dringend die richtigen Antworten finden muss.

Hildmann: "Man kann es nicht erklären"

Trotz der Schocks, der allen Beteiligten mehr als offensichtlich in den Knochen hing, muss man dem Lautrer Trainer Sascha Hildmann zu Gute halten, dass er sich nach dem Spiel trotzdem den Fragen der anwesenden Journalisten stellte. "Man kann nicht immer alles erklären. Wir haben unfassbar viele Fehler gemacht. Was heute da raus gekommen ist, das war richtig schlecht. Die Spieler sind heute komplett an ihrer Normalform vorbeigerauscht. Ohne Zweikampfverhalten und ohne Kopf kannst du hier in Meppen kein Fußballspiel gewinnen", resümierte der gebürtige Lautrer ziemlich resigniert nur wenige Momente nach dem Abpfiff.


Beinahe überrannt wurden heute die elf Lautrer vom SV Meppen, der mit klugem Umschaltspiel die FCK-Defensivreihen stets zu umspielen wusste. Auch Sascha Hildmann war von dieser Spielweise seiner Mannschaft mehr als erstaunt: "Natürlich hatten wir den Plan kompakt zu stehen, aber das war heute nur wild. Und trotzdem waren wir in vielen Situationen hinten in der Überzahl, wir haben aber dann die Zweikämpfe einfach nicht gewonnen. Wir haben es Meppen viel zu leicht gemacht. Wir sind nur nebenher gelaufen. Dieses Zweikampfverhalten heute war ungenügend, einfach bodenlos", lautete Hildmanns Fazit nach dem Spiel.

Erstmal sacken lassen und verarbeiten

Keine Frage, eine solche Schlappe zu erklären braucht Zeit. Es geht jetzt vor allem darum, die richtigen Schlüsse zu ziehen und adäquate Antworten auf die Frage nach der sportlichen Zukunft des FCK zu finden. Die Trainerdebatte ist gewiss ein Aspekt unter vielen, der beleuchtet werden muss. "Ich muss das alles erstmal verarbeiten und mache mir über solche Sachen [Anm. d. R.: gemeint ist die Trainerfrage] keine Gedanken", antwortet Sascha Hildmann auf die Frage nach seiner eigenen Rolle. Auch Boris Notzon übt sich in Geduld und bremst vorschnelle Entscheidungen aus. "Jetzt sind so viele Emotionen da. Das heißt jetzt erst einmal sacken lassen, analysieren und morgen alles in Ruhe besprechen". Sportvorstand Martin Bader hingegen wollte sich heute gar nicht äußern.

Fehlen der Mannschaft die richtigen 'Typen'?

Eine gut funktionierende Mannschaft zeigt auch dann Charakter, wenn sie hinten liegt. Heute zeigte der FCK weder Kampfgeist, noch gelang es der Mannschaft im Sinne einer 'jetzt erst recht' Mentalität zurückzukommen und sich zumindest zu wehren. Heute aber fehlten Führungsspieler an allen Ecken und Enden. "Ich habe es von außen versucht, aber irgendwann erreichst du diese Spieler dann auch nicht mehr. Da kannst du reden was du willst", so Hildmann. Die Frage, ob die Mannschaft gegen ihn spielte, hat Sascha Hildmann am Ende dann allerdings eindeutig ausgeschlossen.


Quelle: Treffpunkt Betze