Standardschwäche kostet Sieg

Die Wunderheilung fand nicht statt: Im Spiel eins nach Sascha Hildmann zeigte Fußball-Drittligist 1. FC Kaiserslautern sich wohl defensiv gut organisiert, der Vorwärtsgang aber wurde allzu oft mit dem Leerlauf verwechselt. Nur eine Chance in den ersten 45 Minuten – dürftig. Nach Florian Picks Solo klärte FCM-Linksverteidiger Timo Perthel vor dem herangestürmten Janik Bachmann (40.).


Der neue FCK-Trainer Boris Schommers hatte seiner Mannschaft ein 4-4-2 verordnet. Die Umschaltversuche in Richtung Magdeburger Tor litten an der mangelhaften Spieleröffnung aus der Abwehr heraus. Die Viererkette ließ, unterstützt von Bachmann, wenig zu, die Passsicherheit aber fehlte. Simon Skarlatidis, der Zehner, erstmals in der Startelf, brachte nicht die erhofften Impulse und vergab in der Nachspielzeit den „Lucky Punch“. Erstmals in dieser Drittliga-Saison lief Janek Sternberg auf, der den verletzten Philipp Hercher ordentlich vertrat, aber mäßig flankte.


Nach der Pause, in Richtung Westtribüne, spielten die Lauterer nach Schommers klarer und lauter Halbzeitansprache mutiger. Der sehr engagierte Christian Kühlwetter scheiterte aus der Distanz knapp (56.). Dann bereitete der Stürmer mit einem Klasse-Steilpass den Führungstreffer Picks vor, der in der 63. Minute seinen siebten Saisontreffer erzielte. Es war Kühlwetters vierte Torvorlage. „Ich hab’ nur verhalten gejubelt, weil mir auch die Magdeburger Fans sehr am Herzen liegen, die mich auch mögen“, sagte Pick, der in der Saison 2017/18 auf Leihbasis beim FCM spielte. Das 1:0 beflügelte nur kurz.


Der beste Lauterer Torschütze dieser Spielzeit war nach feinem Solo nah dran am 2:0 (68.). In der 79. Minute wollte Schommers wechseln, auf der Tafel leuchtete die Nummer 11 – Pick. Der lief schon Richtung Außenlinie – und musste kehrtmachen, weil die Auswechslung vom Schiedsrichter-Team noch nicht zugelassen wurde. Sekunden später nutzte Tobias Müller eine von Christian Beck verlängerte Bertram-Ecke zum verdienten 1:1. „Das Gegentor hat mit der Auswechsel-Szene nichts zu tun“, betonte Schommers. Der 40-Jährige war nicht unzufrieden mit seiner Premiere: „Es war ein ordentlicher Auftritt nach einer turbulenten Woche. Es war ein Startschuss in die richtige Richtung.“ Schommers FCM-Kollege Stefan Krämer meinte mit Blick auf Sören Bertrams späte Großchance zum 2:1 (90.+2): „Mit ein bisschen Matchglück gewinnst du das noch.“


Der gute Lennart Grill, der kurz vor dem Ausgleich toll gegen Beck pariert hatte, haderte mit der dem FCK nicht unbekannten Entstehungsgeschichte des Gegentores: „Wieder so ein Standard!“ FCK-Torschütze Pick sagte: „Wir haben wenig zugelassen, aber wir müssen bei Standards besser werden.“ Eines von vielen Themen für den neuen Trainer. „Wir werden daran akribisch arbeiten“, betonte Schommers im Gespräch mit Journalisten, „ich kann Ihnen versprechen: Es wird besser werden!“


Notenspiegel


Lennart Grill 2
Dominik Schad 3,5
Carlo Sickinge 3,5

Joe Matuwila 3,5
Janek Sternberg 3,5
Christoph Hemlein 4
Janik Bachmann 4
Simon Skarlatidis 4

Florian Pick 2,5
Timmy Thiele 4
Christian Kühlwetter3,5


So spielten sie:


1. FC Kaiserslautern: Grill - Schad, Sickinger, Matuwila, Sternberg - Hemlein (85. Fechner), Bachmann, Skarlatidis, Pick (79. Jonjic) - Thiele (63. Röser), Kühlwetter


1. FC Magdeburg: Behrens - Ernst (66. Chahed), Koglin, Müller, Perthel - Conteh (82. Laprevotte), Jacobsen, Rother, Osei Kwadwo (59. Preißinger) - Bertram, Beck


Tore: 1:0 Pick (63.), 1:1 Müller (79.)

Gelbe Karte: Bachmann (4)

Beste Spieler: Grill, Pick - Koglin, Müller, Jacobsen

Zuschauer: 19.316

Schiedsrichter: Stegemann (Bonn)


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Reizklima


Der FCK wartet auf den ersten Heimsieg der Saison. Sportchef Martin Bader wird zum Buhmann.


Die Flut an Gegentoren eindämmen, das Spielfeld in beide Richtungen beackern – ein wesentlicher Arbeitsauftrag, den Boris Schommers, der neue Cheftrainer des Drittligisten 1. FC Kaiserslautern, seinen Spielern nach dem 1:6-Debakel von Meppen mit ins Spiel gegeben hatte. Die Einstellung stimmte, der Einsatz war da, die Passsicherheit aber fehlte, um zwingender nach vorne spielen zu können. Und bei gegnerischen Standards verteidigen die Lauterer nach wie vor schlecht.


„Der neue Co-Trainer McKenna, ein super Typ, hat uns gesagt, was wir da ändern müssen“, sagte Florian Pick, der beste Lauterer Feldspieler. „Wir müssen da besser werden“, weiß Pick, der Unterschiedsspieler, der sich sehr, sehr positiv entwickelt hat. „Im Ansatz ordentlich“ fand Trainer Schommers den Auftritt seiner Mannschaft und liegt wohl richtig, dass „ein weiter Weg vor uns liegt“. Der Aufstiegstraum droht schon früh wie eine Seifenblase zu platzen. Momentan ist Lautern allenfalls Mittelmaß. Die Mannschaft muss dringend punkten!


Auch die eigenen Standards müssen verbessert werden, die Flanken müssen besser kommen. Nach dem 1:0 sah Schommers die Seinen „zu passiv“. Ein „physisches Problem“ gibt es seiner Ansicht nach nicht.


Zweitliga-Absteiger Magdeburg hat nun achtmal nicht verloren, aber auch sechsmal nicht gewonnen, philosophierte Trainer Stefan Krämer, von dem der direkte Aufstieg erwartet wird. Der Druck wächst. Hinter der Musik läuft auch der FCK her – fünf Heimspiele, kein Sieg. Vier Unentschieden und eine Heimschlappe – Reizklima auf dem Betze. In der Fan-Kurve gärt es. Die „Bader raus“-Rufe waren nicht zu überhören. Der Sport-Geschäftsführer ist für viele zum Buhmann geworden. Bader, seit 1. Februar 2018 im Amt, würde seine Mission gerne fortsetzen. Gelingt nicht rasch die Wende zum Besseren, sind die Aussichten gering, dass Baders zum Jahresende auslaufender Vertrag verlängert wird.


Ruhe kehrt in den einst so stolzen, aber so tief gesunkenen Verein nur ein, wenn sich der sportliche Erfolg einstellt.


Rheinpfalz am Sonntag