Ein Sahnetag der Roten Teufel

Diese Neurose jedenfalls ist kuriert: Erstmals seit 13 Monaten feiert Fußball-Drittligist 1. FC Kaiserslautern zwei Punktspielsiege in Serie. Beim hoch verdienten 2:0 (2:0) gegen Hansa Rostock erleben 18.009 Zuschauer die beste Saisonleistung der Roten Teufel.


Beifall zur Pause und Ovationen am Ende belohnen den Fußball mit Herz noch einmal emotional. Nur das 3:0 und 4:0 hätten Sickinger und Kollegen schießen müssen. Was der am Sonntag zufriedene FCK-Trainer Boris Schommers nicht bemängeln möchte, er mag bewusst kein Haar in der Suppe suchen: „Nein, ich habe nichts zu kritisieren.“


Der auch und gerade fürs Selbstbewusstsein so wichtige Führungstreffer war ein Tor des Willens: Christian Kühlwetter erarbeitet den zweimal verlorenen Ball in dem ihm eigenen dynamischen Stil zurück und trifft nach Doppelpass mit Florian Pick (24.). „Timmy Thiele hat gesagt, es war ein typisches Kühlwetter-Tor: Ich hab’ den Ball zweimal durch Pressschläge erkämpft. Das Glück habe ich mir heute erarbeitet“, frohlockt Kühlwetter.


Picks 2:0 ist ein Sonntagsschuss


Pick, bester Mann auf dem Platz, in großer Spiellaune, ein belebender, persönlich und fußballerisch jüngst stark gereifter Profi vom Typ Straßenkicker, wird sechs Minuten zuvor nach einem Foul von Nils Butzen um einen klaren Elfmeter geprellt. Nach einem grandiosen Solo donnert Pick den Ball mit links aus knapp 16 Metern in den Winkel – das 2:0, ein Sonntagsschuss (42.). „Ja, der Schuss war ganz nett – der hat schön eingeschlagen“, sagt Pick später grinsend. Der 24-Jährige feiert seinen zehnten Saisontreffer mit einem „Klose-Salto“. Die neue Nummer 11 der Lauterer grüßt die legendäre Nummer 11. „Ich wollte den Salto schon lange mal machen“, sagt Pick, „heute hab’ ich dran gedacht.“


5:1 Ecken – 14:1 Chancen – die Roten Teufel sind dominant, zweikampfstark und siegeshungrig. Typisch an diesem Tag der Einsatz von Janik Bachmann. Er erobert den Ball gegen zwei Rostocker, setzt Pick ein, dessen Pass beschert Timmy Thiele die erste Chance der einseitigen Partie (11.). Klasse, wie Kühlwetter den Rückwärtsgang einlegt, den Turbo einschaltet und Mirnes Pepic ausbremst (40.).


Joker Bjarnason trifft den Pfosten

Thiele, der Zielspieler, ist sehr viel unterwegs, macht die Bälle gut fest. Nach Picks klasse Pass aber ist Hansa-Schlussmann Kolke vor dem Lauterer Mittelstürmer am Ball (28.). Nach Schad-Flanke haut Thiele in bester Position über den Ball (44.), dann feuert er das Spielgerät aus 16 Metern knapp am Torgiebel vorbei (45.). Den ersten Auftrag aber erfüllen Thiele und Pick – die Stürmer sind die ersten Verteidiger.


Nach dem Seitenwechsel, Hansa kommt, Lautern steht einige Minuten zu tief, verteidigt aber gut. Der Trainer zeigt die Marschrichtung an – nach vorne – Richtung Westkurve. Über die Außenverteidiger Schad und Philipp Hercher, der nach 80 Minuten verletzt ausscheidet – Tendenz: Entwarnung –, kommt viel Schwung. Torwart Markus Kolke verhindert ein Debakel, hält nach Picks Konter einen Zuck-Schuss gekonnt (51.). In der 65. Minute versiebt Zuck nach Doppelpass mit Pick. „Den muss ich machen“, gesteht der stark spielende Linksaußen. Pech hat Andri Bjarnason. Der Joker trifft den Pfosten (88.).


So oder so – unterm Strich steht der beste Heimauftritt der Lauterer in dieser Saison. Und Pick, der Mann des Tages, zeigt sich auch als Gesprächspartner einmal mehr gut aufgelegt. „Wir haben eine super Teamleistung gezeigt, die Räume gut zugemacht, top verschoben“, betont der 24-Jährige. „Es hat einfach Spaß gemacht.“


1. FC Kaiserslautern: Grill - Schad, Kraus, Hainault, Hercher (80. Fechner) - Kühlwetter, Bachmann, Sickinger, Zuck - Thiele (71. Bjarnason), Pick (87. Röser)


FC Hansa Rostock: Kolke - Butzen, Riedel, Sonnenberg, Reinthaler, Neidhart - Pepic, Nartey (23. Öztürk) - Opoku (46. Vollmann), Omladic (57. Breier) - Verhoek

Tore: 1:0 Kühlwetter (24.), 2:0 Pick (42.) -

Gelbe Karten: Pepic (5/1), Neidhart (3), Öztürk (2), Sonnenberg (2)

Beste Spieler: Pick, Kühlwetter, Zuck, Bachmann - Kolke

Zuschauer: 18.009

Schiedsrichter: Schlager (Hügelsheim)


Rheinpfalz am Sonntag