Kommentar: Eine Tragödie jagt die nächste

Kaiserslautern gegen Meppen. 3:3 Endstand nach 3:1 Führung. Auch Tage später bleibt dies ein Spiel, welches den konservativen FCK-Fan geistig noch immer überfordert. Denn worüber wir im Jahr 2012 noch gelacht hätten, heißt heute Tabellenplatz 13 gegen Tabellenplatz vier. Und wir sind diejenigen, die sich im Keller befinden. Das ist die bittere FCK-Realität im März 2020.

Inzwischen kennt man sie: Die Stimme in deinem Kopf

Ich gebe es offen zu. Ich freue mich seit Jahren auf kein Betze-Spiel mehr. Hier und da ein Hoch. Die fünf Siege Ende letzten Jahres habe ich gerne mitgenommen. Doch es macht einfach keine Freude mehr. Man führt 3:1, denkt man habe den Emsländern zwei Nackenschläge kurz hintereinander versetzt und die Stimme im Hinterkopf meldet sich schon: „Du kennst deinen FCK, du weißt wie das noch ausgehen wird. Hast du diesen Elfmeter gesehen? Wieso macht Grill sowas? Die wollen gar nicht gewinnen!


Zugegeben: Es ging dann nicht so aus, wie es mir meine pessimistische Stimme vorgaukelte. Die rechnete nämlich fest mit einer 3:5 Niederlage. Ich soll mich also nicht so anstellen, so die Stimme aus dem Off. Könnte doch schlimmer sein. Ja, könnte es. Aber es könnte auch verdammt viel besser sein. Vor mehreren Wochen lobte ich Florian Pick noch in den Himmel, selbst seiner Mutter gefiel der Treffpunkt Betze Beitrag sogar auf Facebook. Und jetzt rennt er sich nur noch die Seele aus dem Leib und versucht Bälle auf Spieler zu verteilen, die nicht da sind. Jeder „erfolgreiche“ Angriff verläuft über ihn. Er trägt sehr viel Verantwortung. Vielleicht zu viel. Und das obwohl Schommers die taktische Aufstellung bereits veränderte, um mehr als nur einen Weg ins vorderste Drittel zu haben.

Gerry und der FCK

Bereits im letztem Jahr schrieb ich schon einmal über das 4-4-2 System. Damals noch unter Sascha Hildmann, der auch immer auf dieses System zurückgegriffen hatte, wenn er nicht weiterwusste. Ich hoffe sehr, dass Schommers sich mehr dabei gedacht hat, als es seinen Spielern taktisch möglichst einfach zu gestalten. Seinen Kredit, den er sich durch ehrliche Interviews und die schon erwähnten fünf Siege Ende letzten Jahres erworben hat, hat er bei den meisten Fans schon wieder verspielt. Jetzt wurde auch noch Gerry Ehrmann entlassen. Welch eine Tragödie. Oder etwa nicht?


Vor zwei Wochen schrieb ich, dass Gerry Ehrmanns Trainingsmethoden „veraltet und revolutionär“ zugleich wirken. Ich war immer von Ehrmann als Mensch beeindruckt. Er war eine stattliche Erscheinung, die immer Emotionen ins Stadion brachte, wenn es sonst niemand tat. Aber ich muss auch ehrlich zugeben, nicht im mindesten über etwaige Gerüchte, Wahrheiten und Anschuldigungen überrascht zu sein. Er wirkte schon immer wie jemand, der sich nichts sagen lässt. Und jemand, dessen Trainingsmethoden „veraltet und revolutionär“ sind, hat vielleicht einfach kein Platz im deutschen Profifußball. Sofern man den FCK noch zu eben diesem zählen kann. Es fällt mir nach den letzten zwei Monaten wieder extrem schwer zu sagen: Ich respektiere die Entscheidung. „Die“ werden schon wissen, was sie tun. Soviel zur Causa Ehrmann.

Das letzte Fünkchen Hoffnung

Das Positive: Ein Eckballtor! Ein Standardtor! Ich wusste gar nicht mehr wie sowas aussieht. Das letzte Standardtor für den FCK erzielte im Übrigen Martin Amedick gegen Schalke 04. Das war im Jahr 2011. Das ist natürlich gelogen, aber es würde niemanden wundern, wenn's so wäre.


Es fällt mir von Mal zu Mal und von Kommentar zu Kommentar schwerer positive Eindrücke zu vermitteln. Hercher, Hainault und Thiele fehlten. Drei, die wichtig und in diesem Kader nur schwer zu ersetzen sind. Das ist nicht wirklich etwas positives, aber immerhin etwas, an dem man sich versucht hochzuziehen. Nach jedem Tief kommt ein Hoch, wie umgekehrt. Deswegen werden wir in dieser Saison auch wieder Spiele gewinnen. Im besten Fall schon gegen Magdeburg. Im schlimmsten Fall erst gegen Morlautern.


Positiv denken. Positiv denken. Positiv denken. Und vor allem nicht verzweifeln.


Quelle: Treffpunkt Betze