ZitatAlles anzeigenDer FCK-Trainer warnt seine Mannschaft vor Übermut - Morgen Matchball gegen Rostock
Die Fans von Fußball-Zweitliga-Tabellenführer 1. FC Kaiserslautern fiebern der Partie morgen (18 Uhr) gegen Hansa Rostock entgegen. Bei einem Sieg wäre dem FCK vorzeitig die Rückkehr in die Bundesliga gelungen. Trainer Marco Kurz aber warnt ganz entschieden vor zu viel Ablenkung vom Wesentlichen.
Quiet, please. Silence, s"il vous plaît. Ruhe bitte. Vor dem ersten Matchball gegen den Tabellen-16. mahnt der FCK-Coach ganz nüchtern vor zu viel Getöse. Etwa so, wie ein Tennis-Schiedsrichter vor dem Aufschlag das Publikum beruhigt, damit sich die Spieler voll auf ihren Sport konzentrieren können. „Ich wundere mich, dass es jetzt schon überall darum geht, was nach dem Spiel ist", betont Kurz und mahnt: „Wir wollen eine hohe Konzentration über 90 Minuten hinbekommen. Da können zu viele andere Gedanken störend sein, und davor warne ich."
Kurz hofft, dass sich seine junge Mannschaft bis morgen Abend vom vorfreudig zappeligen Umfeld nicht verrückt machen lässt. „Ich rate der Mannschaft, sich auf das Spiel zu konzentrieren. Wir haben in Oberhausen gesehen, wohin das führt, wenn man nicht voll konzentriert ist", sagt der betont wirklichkeitsnahe Fußball-Lehrer mit Blick auf das 1:2 an Ostern gegen den damaligen Abstiegskandidaten, der ebenso angeschlagen war, wie es derzeit Hansa Rostock ist.
Nach dem 2:1-Sieg am Montagabend in Bielefeld stehen für die FCK-Profis in der Vorbereitung auf morgen vor allem lockere Einheiten zur Regeneration auf dem Plan. Angreifer Adam Nemec hat leichte Rückenprobleme, Kurz sieht Nemec" Mitwirken aber nicht gefährdet. Der FCK-Coach erwartet eine Rostocker Mannschaft, „die um ihre Existenz spielt und alles in die Waagschale werfen wird".
Wie die Partie morgen ist auch das letzte Saisonheimspiel des FCK am 9. Mai gegen Augsburg mit 50.000 Plätzen ausverkauft. Damit verzeichnen die Lauterer 601.400 Zuschauer zu den 17 Heimspielen dieser Runde - ein Schnitt von 35.376. „Fantastisch, Wahnsinn", schwärmt der Coach, „wir sind froh, dass wir diese Qualität auf den Rängen haben."
Kapitän Martin Amedick betont aber wie sein Trainer, die „Maloche" unbedingt vor das Vergnügen zu stellen. „Aber nach getaner Arbeit ist dann einiges möglich ..."
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Porträt: Tobias Sippel auf den Spuren seiner Vorgänger
VON OLIVER SPERK
Vor genau einem Monat ist Tobias Sippel 22 Jahre alt geworden. Erst 22. Aber dafür hat der Torwart des Fußball-Zweitliga-Tabellenführers 1. FC Kaiserslautern schon so einiges erlebt. Morgen hütet er für seinen Herzensverein, für den er nun seit zwölf Jahren Fußball spielt, das Tor vor 50.000 Zuschauern im Heimspiel gegen Hansa Rostock.
Ein Sieg der Roten Teufel würde nach vier harten Zweitliga-Jahren den Wiederaufstieg bedeuten. Die Rückkehr in die Bundesliga wäre zugleich ein großer Schritt auf dem langen Weg zur finanziellen Gesundung des Vereins.
Vor knapp zwei Jahren, an jenem denkwürdigen 18. Mai 2008, hatte der FCK auch rund 50.000 Zuschauer zu Gast und einen Matchball - allerdings unter völlig entgegengesetzten Ausgangsbedingungen. Im FCK-Tor stand beim 3:0-Sieg gegen den 1. FC Köln der damals 20-jährige Sippel, von der Startelf ist außer dem U21-Nationalkeeper morgen nur noch Georges Mandjeck dabei; Erik Jendrisek wurde im Schicksalsspiel eingewechselt. Vom Fast-Drittligisten ist der FCK in den zwei Jahren unter der Regie des Vorstandsvorsitzenden Stefan Kuntz zum Wohl-sehr-bald-Bundesligisten geworden.
„Für die Region, die Fans, den Verein ist es super, dass wir so einen Riesenschritt getan und etwas Tolles aufgebaut haben", meint Sippel mit Blick auf den 2:1-Sieg am Montag in Bielefeld, der den Lauterern den Weg zum heutigen Matchball gegen Rostock geebnet hat. „Vor zwei Jahren standen wir kurz vor dem Abgrund", betont Sippel, „jetzt ist es so, dass der ganze Verein den Berg hoch marschieren kann. Wir haben es in den vergangenen zwei Jahren geschafft, wieder eine gewisse Konstanz zu erreichen, die uns sehr hilft." Der gebürtige Bad Dürkheimer, der seit der E-Jugend beim FCK spielt, hat eben diese Konstanz nach einer für ihn schwierigen vergangenen Saison auch in seine eigenen Leistungen hineingebracht. Er ist wie beim FCK auch in der U21-Nationalmannschaft die Nummer 1. Der Bundesliga-Aufstieg würde ihn auch in seiner eigenen sportlichen Entwicklung noch ein gutes Stück voranbringen. Nicht nur deshalb ist besonders FCK-Torwarttrainer Gerry Ehrmann, der seit rund elf Jahren mit Sippel arbeitet, zurzeit ganz besonders aufgeregt, wie sein Schützling berichtet. „Dabei passt das eigentlich gar nicht zu ihm", sagt Sippel schmunzelnd, „aber die Bundesliga ist nicht nur für jeden jungen Spieler das große Ziel, sondern es ist auch für Gerry schön, dass dann vielleicht vier seiner Torleute dort spielen." Bei Roman Weidenfeller (Dortmund) und Tim Wiese (Bremen) ist das sicher, Florian Fromlowitz und Hannover 96 kämpfen noch um den Liga-Verbleib. Sippel könnte die Sache morgen mit dem FCK klarmachen. Sein Vertrag läuft noch bis 2011. Und danach? „Ich denke, Stefan wird frühzeitig auf mich zukommen und mir ein schönes Angebot machen ..."
Quelle: DIE RHEINPFALZ
Publikation: Pfälzische Volkszeitung
Ausgabe: Nr.93