Beiträge von Thomas

    Diskussionsthema zum Artikel: Die Suche nach der Konstanz


    Die Suche nach der Konstanz

    Zwei verlorene oder ein gewonnener Punkt? Lange Zeit fehlte dem FCK in Freiburg die nötige Durchschlagskraft - dabei fehlt besonders auswärts die notwendige Konstanz.


    Die Voraussetzungen für einen gelungenen Fußball-Nachmittag hätten kaum besser sein können. Beim besten Fußballwetter sorgten rund 9.000 Zuschauer im altehrwürdigen Freiburger Dreisamstadion für eine tolle Atmosphäre. Dabei ließen mehr als 5.000 Gästefans aus der Pfalz das Auswärtsspiel bei der zweiten Mannschaft des SC Freiburg zu einem gefühlten Heimspiel für die Roten Teufel werden.

    Zwei unterschiedliche Halbzeiten

    Trotz dieser Gegebenheiten erwischte der FCK keinen guten Start. Zu wenig Mut und zu wenig Qualität im Passspiel sorgten dafür, dass die Lautrer in der ersten Halbzeit lediglich zu einer guten Chance durch Kenny-Prince Redondo kamen. Der Sportclub hatte indes durch Kehl und zweimal Tauriainen die besseren Einschussgelegenheiten vor der Pause. Der Ansatz Antwerpens, die technisch starken Freiburger zunächst ihr Kombinationsspiel aufziehen zu lassen, um dann situativ zu pressen und über den schnellen Redondo umzuschalten, ging besonders in den ersten 45 Minuten wenig bis gar nicht auf - was allerdings auch an der Tagesform mehrerer Spieler lag.


    Nach dem Seitenwechsel präsentierten sich die Lautrer auch durch den vorgenommenen Doppelwechsel deutlich besser: Hanslik kam für Redondo, Ciftci ersetzte den überraschend schwachen Götze und konnte durch seine Zweikampfpräsenz und zwei gefährliche Abschlüsse Akzente setzen. Den guten Eindruck seines Auftritts trübten allerdings auch mehrere sehr schlampige Abspiele, welche auch Mike Wunderlich unterliefen. Letzterer wirkt ohnehin seit einigen Wochen etwas überspielt, was angesichts seiner hohen Einsatzquote und seines Alters auch nicht überraschend ist. In der Schlussphase hätte das erlösende Tor durchaus noch fallen können, beispielsweise als der Schuss des eingewechselten René Klingenburg im Torraum geblockt wurde. Ein Sieg wäre über die volle Spielzeit betrachtet allerdings auch nicht verdient gewesen, zu bieder und harmlos war der Auftritt in den ersten 45 Minuten. Ähnlich sah Marco Antwerpen den Verlauf der Partie: "Wir können nicht zufrieden sein, weil wir in der ersten Halbzeit viel zu wenig für das Spiel gemacht haben. Wir haben auch nicht die Leistung von allen Spielern auf den Platz bekommen. In der zweiten Hälfte haben wir die Zweikämpfe und die Intensität angenommen und die Laufbereitschaft erhöht. Da hat man dann gesehen, was hier möglich hätte sein können. Wenn wir das 1:0 noch machen, wäre es sicher etwas glücklich gewesen." Zudem gelang es den Freiburgern erstaunlich gut, die Standards des FCK, welche in dieser Saison schon häufig als „Dosenöffner“ fungiert haben, wegzuverteidigen.

    Tendenz der letzten Wochen eher negativ

    Das Spiel im Breisgau reiht sich in den Trend der letzten Wochen ein. Die Offensivaktionen gehen den Roten Teufeln zuletzt nicht mehr ganz so leicht von der Hand. Klammert man den 3:0-Sieg über die Teilzeit-Profis des TSV Havelse aus, liegt auch der letzte souveräne und überzeugende Sieg schon eine ganze Weile zurück. Vor allem die letzten Auswärtsauftritte beim äußerst glücklichen Sieg in Osnabrück, bei der verdienten Niederlage in München oder beim Südwest-Derby in Mannheim lassen berechtigte Sorgen aufkommen, ob der FCK in dieser Verfassung den ganz großen Sprung schaffen und auch am Ende der Saison noch auf Platz zwei stehen wird. Bei einigen Fans werden schon Erinnerungen an die Saison 2014/15 wach, als der Verein lange ähnlich gut oben mitspielte, jedoch im Schlussspurt die entscheidenden Zähler liegen ließ.


    Gleichzeitig gilt feszuthalten, dass es der Mannschaft gelungen ist, selbst in dieser aktuell etwas schwächeren Phase aus sieben Spielen ordentliche 12 Punkte zu holen - und das trotz der vier Partien gegen die direkte Konkurrenz. Des Weiteren ist auch die Nachwuchstruppe des SC Freiburg alles andere als Fallobst: Seit mittlerweile neun Spielen sind die jungen Breisgauer nun ungeschlagen, in der Heimtabelle lagen sie vor dem gestrigen Samstag gar auf Rang drei.

    Das Restprogramm scheint machbar, aber Vorsicht!

    Aufgrund der anhaltenden leichten Formdelle kommt die Pause für die Roten Teufel genau zur richtigen Zeit. Das sieht auch Terrence Boyd: „Die Länderspielpause kommt uns vielleicht ganz gelegen, dass wir die Akkus wieder auf 100 Prozent aufladen können, dass wir wieder komplett gallig sind und alles raushauen können für den Endspurt." Manche Spieler wirken derzeit überspielt, andere haben nach diversen Verletzungen (Götze, Klingenburg) oder einer Covid-Infektion (Boyd) noch nicht wieder komplett in die Spur zurückgefunden. Es liegt nun am Trainerteam, der Mannschaft zum einen durch richtige Trainingssteuerung die körperliche Spritzigkeit zurückzugeben und sie zum anderen mental auf die anstehenden sieben Endspiele einzustellen. Die restlichen Aufgaben scheinen auf dem Papier zwar durchaus lösbar, allerdings haben die Lautrer nun mit Duisburg und Würzburg zwei Gegner vor der Brust, deren Formkurve sich zuletzt positiv entwickelte und die im Abstiegskampf um jeden Punkt fighten werden.


    Danach folgt das richtungsweisende Topspiel im Saar-Pfalz-Derby gegen den 1. FC Saarbrücken, auf das viele Anhänger schon lange hinfiebern. Schließlich kommt es im Endspurt noch zu drei Duellen gegen Teams aus dem Mittelfeld der Tabelle, die zwar auf kein großes Saisonziel mehr hinarbeiten, allerdings genau deshalb ebenso befreit aufspielen könnten. Ein großes Fragezeichen steht weiterhin hinter dem letzten Heimspiel gegen Türkgücü München, eine Entscheidung bezüglich der Zukunft des Münchner Vereins wird für die kommende Woche erwartet. Und auch, wenn es aus den sieben verbleibenden Spielen nur sechs werden sollten: Die Spieler können sich der Unterstützung ihrer Fans sicher sein. Trotz der durchwachsenen Leistung in Freiburg war die Stimmung während des Spiels euphorisch - auch nach dem Abpfiff wurde das Team mit positiven Reaktionen bedacht. Ein äußerst wichtiges Zeichen an die Mannschaft!


    Es ist nicht auszuschließen, dass auch die letzten beiden Auswärtsspiele in Wiesbaden und Köln zu gefühlten Heimspielen werden. Auch durch die anstehenden Lockerungen für den Stadionbesuch könnte diese große Unterstützung zum entscheidenden Faktor werden, die der FCK immer noch aus einer sehr guten Position heraus angehen kann. Gelingt es den Verantwortlichen, wieder die nötige Konstanz in die Auftritte der Mannschaft zu bringen, hat der FCK definitiv gute Chancen und Voraussetzungen, den zweiten Tabellenplatz zu verteidigen. Oder um es mit Boyds Worten zu formulieren: Der Lachs muss weitergehen!


    Quelle: Treffpunkt Betze

    Diskussionsthema zum Artikel: Den Rivalen auf Distanz gehalten


    Den Rivalen auf Distanz gehalten

    "Waren nicht gut genug, um das Derby zu gewinnen". In einem ungewöhnlich sachlichem Derby lieferte der FCK eine der eher schlechteren Saisonleistungen ab.


    Es war angerichtet. Die Behörden hatten die Zuschauerkapazitäten zum Südwest-Gipfel kurzfristig erhöht, sodass letzten Endes 19.000 Fans ins Carl-Benz-Stadion strömten, darunter auch rund 2.000 aus der Pfalz. Das im Vorfeld heiß erwartete Duell hatte nicht nur aufgrund der geringen Distanz zwischen den beiden Städten ihre Brisanz - auch sportlich und tabellarisch ging es um einiges. Der Waldhof hatte die Möglichkeit, mit einem Sieg bis auf einen Punkt an den FCK heranzurücken.


    Marco Antwerpen veränderte seine erste Elf vom Spitzenspiel gegen den 1. FC Magdeburg nur auf einer Position. Für den gelb-gesperrten René Klingenburg startete Felix Götze auf der rechten Acht im Mittelfeld. Patrick Glöckner ließ dieselbe Mannschaft wie beim torlosen Unentschieden bei Türkgücü München auflaufen.

    Zerfahrene erste Hälfte

    Das Derby begann zwar äußerst intensiv mit vielen Zweikämpfen im Mittelfeld, blieb allerdings zunächst ohne nennenswerte Torraumszenen. Eine bedeutende Wendung bekam das Spiel dann nach knapp 20 Minuten, als Pechvogel Felix Götze umknickte und den Platz schließlich verlassen musste. Nach seinem Haarriss im Schädel und einer Gehirnerschütterung war es für ihn die nächste unglückliche Verletzung in dieser Saison. Gute Besserung an dieser Stelle!


    Für Götze kam der nach Erkrankung wiedergenesene Daniel Hanslik ins Spiel, wodurch der schnelle Redondo auf die Acht zurückrutschte. Diese Umstellung tat dem FCK fortan nicht wirklich gut. Hanslik, der grundlegend sehr von seiner Laufbereitschaft lebt, wirkte noch nicht richtig fit, kam unaufgewärmt auf den Platz und fand nie wirklich ins Spiel, weshalb er in Hälfte zwei auch wieder vorzeitig ausgewechselt wurde. Redondo machte zwar wie immer weite Wege, konnte aber auf seiner neuen Position kaum noch schnelle Läufe in die Tiefe starten, welche ihn zuletzt so stark machten. Es scheint durchaus wahrscheinlich, dass in der nächsten Woche wieder Klingenburg auf dieser Position auflaufen könnte.


    Die Partie blieb im weiteren Verlauf der ersten Halbzeit weiter zerfahren und hektisch. „In so einem Spiel agieren beide Mannschaften erstmal etwas vorsichtiger, keiner will den ersten Fehler machen“, erklärte der abermals lauffreudige Mike Wunderlich nach der Partie. Die etwas dominanteren Hausherren kamen durch Pascal Sohm und Marc Schnatterer zu ersten Torannäherungen, auf der Gegenseite scheiterte Terrence Boyd das ein ums andere Mal an Torhüter Königsmann. Wirklich zwingend in ihren Aktionen wurde allerdings keine der beiden Mannschaften.

    Die Geburt eines Derbyheldes blieb aus

    Das sollte sich nach der Pause ändern. Sohm ließ in der 53. Minute die größte Mannheimer Chance der Partie liegen, sein Abschluss nach starker Vorarbeit über Martinovic rollte nur knapp am Pfosten vorbei. Nur wenige Momente später hätte sich auf der anderen Seite Mittelstürmer Boyd zum Lautrer Derbyhelden aufschwingen können. Dem US-Amerikaner gelang es allerdings nicht die Ruhe behalten, sodass er den Ball nach einem Konter aus acht Metern deutlich über den Kasten drosch. Es sollte die letzte Gelegenheit des FCK gewesen sein, denn die Männer in Rot überließen fortan den Mannheimern das Kommando und kamen phasenweise nicht mehr aus der eigenen Hälfte heraus. Eine letzte große Gelegenheit ließ Waldhof-Kapitän Seegert kurz vor Schluss ungenutzt, als Matheo Raab unter einer Ecke durchtauchte. Es wäre beinahe sein erster folgenschwerer Fehler als Stammtorhüter gewesen.


    Anschließend pfiff FIFA-Schiedsrichter Aytekin das Spiel nach etwa 30-sekündiger Nachspielzeit ab. Es war nicht das erste Mal, dass die spannende Schlussphase eines Südwest-Derbys etwas verkürzt wurde. Auch am 7. Spieltag der Saison 2019/2020 beendete der damalige Schiedsrichter Robert Hartmann die Partie nach exakt 90 Minuten beim Stand von 1:1. Vermutlich steckt dahinter auch wenig das Kalkül, dass bei einem Unentschieden die Stimmung nach Abpfiff im Stadionumfeld etwas entspannter ist als nach einem möglichen Last-Minute-Sieg. Aytekin hatte das Spiel übrigens trotz einer großzügigen Linie durchaus im Griff und sah sich trotz vieler intensiver Zweikämpfe nur zu einer gelben Karte für Boris Tomiak genötigt. Es war dessen Zehnte, sodass er im kommenden Heimspiel gegen Verl auf der Tribüne Platz nehmen muss.

    Positives mitnehmen

    Auch wenn das Bollwerk wieder einmal hielt und der FCK somit bereits zum 16. Mal kein Gegentor kassierte, muss festgehalten werden: Die Mannschaft lieferte – ausgerechnet im für die meisten Fans wichtigsten Spiel des Jahres – eine der schlechteren Saisonleistungen ab und hatte nicht mehr als einen Punkt verdient. Dieser kann allerdings im weiteren Verlauf der Spielzeit noch viel wert sein. Da waren sich auch Mike Wunderlich und Hendrick Zuck einig: „In direkten Duellen kann man auswärts mit einem Punkt leben“. Zuck ergänzte zudem: „Es war kein gutes Spiel von uns. Wir haben heute viele lange Bälle gespielt, die nicht ankamen und waren heute einfach nicht gut genug, um das Ding zu gewinnen“.


    Trotz allem können die Roten Teufel die nächsten Wochen mit einer guten Portion Selbstvertrauen angehen. Immerhin hat man nur eines der letzten 19 Ligaspiele verloren und steht in der Tabelle weiterhin auf Rang 2. Auch Mike Wunderlich blickt schon nach vorn zum nächsten Spiel, womit die Marschrichtung für die nächste Woche klar sein sollte: „Gegen Verl können wir den Punkt vergolden“.


    Des Weiteren bleibt für die Fans die Roten Teufel noch die schöne Erkenntnis, dass ihre Mannschaft nun schon seit einiger Zeit „Derbys kann“. Seit dem Abstieg in die 3. Liga ging keines der verschiedenen Derbys verloren, weder gegen Saarbrücken, noch gegen Karlsruhe oder den SVW. Selbst das rheinland-pfälzische Pokalduell gegen die Mainzer konnte man für sich entscheiden. In diesem Sinne: Nur noch acht Wochen bis zum nächsten Derby!


    Quelle: Treffpunkt Betze

    Diskussionsthema zum Artikel: Im Blickpunkt: Wie der Waldhof zu schlagen ist


    Im Blickpunkt: Wie der Waldhof zu schlagen ist

    Das Südwestderby ist alles andere als ein gewöhnliches Spiel. Und ungewöhnliche Spiele erfordern neue Perspektiven. In unserer Vorab-Analyse blicken wir auf den bevorstehenden Fußball-Leckerbissen.


    Derbytime! Die Vorfreude auf den bevorstehenden Südwest-Gipfel ist auf beiden Seiten deutlich zu spüren und wurde durch die kurzfristige Erhöhung der Zuschauerzahl auf bis zu 19.000 noch einmal deutlich gesteigert. Auf den Rängen wird es am Sonntag also mit Sicherheit heiß hergehen. Doch wie könnte sich der sportliche Teil des Duells darstellen?

    Formkurven spielen in Derbys eine untergeordnete Rolle

    Nach einer starken Hinrunde, die der Waldhof auf Rang 3 beenden konnte, sind die Kurpfälzer zu Jahresbeginn etwas eingebrochen. So kommen die Mannheimer trotz namhafter Winterneuzugänge wie Pascal Sohm oder Dominik Kother lediglich auf zwei Siege aus sechs Spielen. In der Rückrundentabelle steht der SVW aktuell gar nur auf Rang 13 - mit acht Punkten aus sieben Spielen. Die Formkurve der Mannheimer zeigt also eher nach unten, weswegen der Rivale allerdings trotz allem nicht unterschätzt werden sollte. Zum einen lassen sich die Ergebnisse der letzten Wochen gerade im Derby einfacher ausblenden als in anderen Spielen, zum anderen waren die gezeigten Leistungen in der Rückrunde nicht durchweg schlecht. Gegen die U23 von Borussia Dortmund verlor Mannheim äußerst unglücklich durch ein Traumtor in der 90. Minute. Angesichts eines zuvor selbst vergebenen Elfmeters ließ der Waldhof die Chance auf den Sieg liegen. Auch im letzten Ligaspiel bei Türkgücü München war der SVW klar überlegen, konnte sich Chance um Chance erspielen, scheiterte jedoch immer wieder am an diesem Tag überragenden Münchner Torwart Flückiger.

    Formation und Aufstellung

    Auch gegen den 1. FC Kaiserslautern sind keine Experimente in der taktischen Ausrichtung zu erwarten: Der Waldhof tritt in dieser Saison in aller Regel im 4-2-3-1 oder im 4-4-2 mit Doppelsechs an, wobei sich diese beiden Formationen grundsätzlich nicht stark voneinander unterscheiden. Vor allem gegen den Ball ist das Anlaufverhalten meist identisch, da der Zehner häufig zum zweiten Stürmer mutiert und im wechselnden Pendel mit dem Mittelstürmer die gegnerische Abwehr anläuft. Das System ist somit eher wenig variabel und leichter auszurechnen, kann dem Team von Patrick Glöckner aber auch viel Stabilität verleihen, da die Abläufe besonders genau einstudiert sind.


    Gesetzte Spieler sind neben Torwart Timo Königsmann auch Routinier Marc Schnatterer und Marcel Costly, der die meiste Einsatzzeit vorzuweisen hat (2299 von 2340 möglichen Minuten) und auf dem rechten Flügel sowohl defensiv als auch offensiv agieren kann. Ebenso gesetzt sein dürften Kapitän Marcel Seegert und Top-Scorer Dominik Martinovic (11 Tore, 6 Vorlagen). Gefährlich ist auch Flügelspieler Joseph Boyamba, der bereits auf 10 Scorer-Punkte kommt, obwohl er nur in 6 Partien über die volle Spielzeit auf dem Platz stand.

    Offensivspiel und Chancenkreierung

    Im bereits erwähnten System der Mannheimer, welches immer mit einer Viererkette verteidigt, werden häufig auch offensive Außenverteidiger wie Anton Donkor oder Niklas-Wilson Sommer eingesetzt. Trotz der dadurch beidseitig doppelt besetzten Flügel liegt die Anzahl der geschlagenen Flanken leicht unter dem Liga-Durchschnitt (13,8 pro Spiel). Dass die Spieler primär über Kurzpassspiel zu ihren Chancen kommen möchten, zeigt sich auch dadurch, dass sie im Ligavergleich am seltensten zu langen Bällen greifen (41,2 pro Spiel). Häufig kombinieren sich die vielen technisch sauberen Spieler wie Schnatterer oder Lebeau bis in den Strafraum, wo das Team die zweitmeisten Ballberührungen der Liga aufweist (538). Nur Spitzenreiter Magdeburg kommt auf mehr „Touches in Box“. Mit ihrem Kombinationsfußball konnten sich die Kurpfälzer außerdem die zweitmeisten Großchancen der Liga erspielen (36). Der Aufwand, den das Team offensiv betreibt, lässt sich außerdem an der hohen Anzahl an Eckbällen (162, zweitbeser Wert im Ligaschnitt) und der Menge an abgegebenen Schüssen (347, dritttbeser Wert im Ligaschnitt) festmachen. Allzu effektiv sind die Waldhöfer dabei allerdings nicht: Einem hohen xGoals*-Wert von 44,32 stehen nur 39 erzielte Tore gegenüber, was eine Underperformance von mehr als fünf Toren bedeutet. Fairerweise muss aber erwähnt werden, dass aktuell nur zwei Konkurrenten ihren erwarteten Wert übertreffen können, sodass eine leichte Underperformance in der 3. Liga durchaus üblich ist.

    Defensivspiel und Pressingverhalten

    Der SVW hat zwar doppelt so viele Gegentore kassiert wie der FCK (30), im Ligavergleich gibt es allerdings nur vier Teams mit weniger Gegentreffern. Der Wert für die „xGoals against“, also die erwarteten Gegentore, liegt bei 30,44 und stellt den zweitniedrigsten Wert der 3. Liga dar. Da die meisten Teams in dieser Spielklasse weniger Tore erzielen als statistisch erwartet, spricht dies für eine grundlegend gute Abwehrarbeit der Mannheimer. Einige Male war auch schlicht das Glück auf Seiten der Gegner, unter anderem bei den Fernschusstoren von Immanuel Pherai (Borussia Dortmund II) oder Vincent Vermeij (SC Freiburg II). Generell hat man bisher die zweitwenigsten Schüsse zugelassen (275).


    Dass die Waldhöfer nur wenige gegnerische Chancen zulassen, liegt auch an ihrem aggressiven Pressingverhalten. Dies lässt sich anhand von zwei Kennzahlen belegen, bei denen der SVW jeweils auf dem 4. Platz der Liga liegt:

    • Challenge Intensity: Diese Kennzahl gibt an, wie viele Defensivaktionen ein Team pro Minute gegnerischen Ballbesitzes unternimmt. Beim Waldhof liegt dieser Wert bei 7,5. Zum Vergleich: der FCK kommt nur auf 6,3.
    • PPDA: Bei den „Passes Per Defensive Action“ wird bestimmt, wie viele Pässe der Gegner spielen kann, bevor eine Defensivaktion erfolgt. Der SVW lässt im Schnitt nur 7,84 Pässe zu, bevor ein Versuch unternommen wird, den Ball zu erobern. Beim FCK sind es ganze 11,23.

    Die Spieler des FCK sollten sich also darauf einstellen, schnell Druck von anlaufenden Gegnern zu bekommen, sowohl direkt nach Ballgewinn als auch im Spielaufbau in der Dreierkette. Dies dürften die Roten Teufel allerdings noch aus der Vorwoche vom Spiel gegen Magdeburg gewohnt sein.

    Prognose

    Für die Roten Teufel wird es zunächst darum gehen, die Intensität des Spiels voll und ganz anzunehmen. Eine gewisse Zweikampfhärte ist im Derby zwar wichtig, wäre aber aufgrund der generellen Spielweise der Mannheimer auch ohne die lokale Rivalität angebracht. Denn der SVW hat bereits 352 Fouls begangen - kein Ligakonkurrent kann das übertreffen. Allerdings wurden die Waldhöfer auch bereits 349 Mal gefoult (zweithöchster Wert).


    Abgesehen davon gilt das, was den FCK in der bisherigen Saison so stark gemacht hat: Eine stabile Defensive und eine im Optimalfall weiße Weste wären eine hervorragende Grundlage für einen Derbysieg, zumal es den Lautrern in den letzten Monaten fast immer gelang, Tore zu erzielen. Aber auch die stark besetzte Mannheimer Offensive um Schnatterer, Martinovic und Boyamba ist immer für einen Treffer gut. Außer gegen 9 Rote Teufel vielleicht.


    Quelle: Treffpunkt Betze


    * Ein xG-Wert beschreibt die Wahrscheinlichkeit eines Schusses, zu einem Tor zu führen. Daher liegt der Wert für einen einzelnen Schuss immer zwischen 0 und 1. Bei der Berechnung des Wertes werden u.a. der Ort des Torschusses, der Winkel zum Tor, die Bedrängnis der Gegenspieler, die Höhe des Balls und störende Spieler zwischen Abschlussposition und Tor berücksichtigt. Werden diese Werte addiert (bspw. 0,77 für einen Elfmeter), ergibt sich daraus die Menge an zu erwartenden Toren eines Spielers bzw. einer Mannschaft.

    Diskussionsthema zum Artikel: Im Blickpunkt: Wie der Waldhof zu schlagen ist


    Im Blickpunkt: Wie der Waldhof zu schlagen ist

    Wie tritt der SVW in der Regel auf? Wo liegen seine Stärken? Wo kann der FCK aber auch Nadelstiche setzen? In unserer Vorab-Analyse blicken wir auf das bevorstehende Derby.


    Derbytime! Die Vorfreude auf den bevorstehenden Südwest-Gipfel ist auf beiden Seiten deutlich zu spüren und wurde durch die kurzfristige Erhöhung der Zuschauerzahl auf bis zu 19.000 noch einma deutlich gesteigert. Auf den Rängen wird es am Sonntag also mit Sicherheit heiß hergehen. Doch wie könnte sich der sportliche Teil des Duells darstellen?

    Formkurven spielen in Derbys eine untergeordnete Rolle

    Nach einer starken Hinrunde, die der Waldhof auf Rang 3 beenden konnte, sind die Kurpfälzer zu Jahresbeginn etwas eingebrochen. So kommen die Mannheimer trotz namhafter Winterneuzugänge wie Pascal Sohm oder Dominik Kother lediglich auf zwei Siege aus sechs Spielen. In der Rückrundentabelle steht der SVW aktuell gar nur auf Rang 13 - mit acht Punkten aus sieben Spielen. Die Formkurve der Mannheimer zeigt also eher nach unten, weswegen der Rivale allerdings trotz allem nicht unterschätzt werden sollte. Zum einen lassen sich die Ergebnisse der letzten Wochen gerade im Derby einfacher ausblenden als in anderen Spielen, zum anderen waren die gezeigten Leistungen in der Rückrunde nicht durchweg schlecht. Gegen die U23 von Borussia Dortmund verlor Mannheim äußerst unglücklich durch ein Traumtor in der 90. Minute. Angesichts eines zuvor selbst vergebenen Elfmeters ließ der Waldhof die Chance auf den Sieg liegen. Auch im letzten Ligaspiel bei Türkgücü München war der SVW klar überlegen, konnte sich Chance um Chance erspielen, scheiterte jedoch immer wieder am an diesem Tag überragenden Münchner Torwart Flückiger.

    Formation und Aufstellung

    Auch gegen den 1. FC Kaiserslautern sind keine Experimente in der taktischen Ausrichtung zu erwarten: Der Waldhof tritt in dieser Saison in aller Regel im 4-2-3-1 oder im 4-4-2 mit Doppelsechs an, wobei sich diese beiden Formationen grundsätzlich nicht stark voneinander unterscheiden. Vor allem gegen den Ball ist das Anlaufverhalten meist identisch, da der Zehner häufig zum zweiten Stürmer mutiert und im wechselnden Pendel mit dem Mittelstürmer die gegnerische Abwehr anläuft. Das System ist somit eher wenig variabel und leichter auszurechnen, kann dem Team von Patrick Glöckner aber auch viel Stabilität verleihen, da die Abläufe besonders genau einstudiert sind.


    Gesetzte Spieler sind neben Torwart Timo Königsmann auch Routinier Marc Schnatterer und Marcel Costly, der die meiste Einsatzzeit vorzuweisen hat (2299 von 2340 möglichen Minuten) und auf dem rechten Flügel sowohl defensiv als auch offensiv agieren kann. Ebenso gesetzt sein dürften Kapitän Marcel Seegert und Top-Scorer Dominik Martinovic (11 Tore, 6 Vorlagen). Gefährlich ist auch Flügelspieler Joseph Boyamba, der bereits auf 10 Scorer-Punkte kommt, obwohl er nur in 6 Partien über die volle Spielzeit auf dem Platz stand.

    Offensivspiel und Chancenkreierung

    Im bereits erwähnten System der Mannheimer, welches immer mit einer Viererkette verteidigt, werden häufig auch offensive Außenverteidiger wie Anton Donkor oder Niklas-Wilson Sommer eingesetzt. Trotz der dadurch beidseitig doppelt besetzten Flügel liegt die Anzahl der geschlagenen Flanken leicht unter dem Liga-Durchschnitt (13,8 pro Spiel). Dass die Spieler primär über Kurzpassspiel zu ihren Chancen kommen möchten, zeigt sich auch dadurch, dass sie im Ligavergleich am seltensten zu langen Bällen greifen (41,2 pro Spiel). Häufig kombinieren sich die vielen technisch sauberen Spieler wie Schnatterer oder Lebeau bis in den Strafraum, wo das Team die zweitmeisten Ballberührungen der Liga aufweist (538). Nur Spitzenreiter Magdeburg kommt auf mehr „Touches in Box“. Mit ihrem Kombinationsfußball konnten sich die Kurpfälzer außerdem die zweitmeisten Großchancen der Liga erspielen (36). Der Aufwand, den das Team offensiv betreibt, lässt sich außerdem an der hohen Anzahl an Eckbällen (162, zweitbeser Wert im Ligaschnitt) und der Menge an abgegebenen Schüssen (347, dritttbeser Wert im Ligaschnitt) festmachen. Allzu effektiv sind die Waldhöfer dabei allerdings nicht: Einem hohen xGoals*-Wert von 44,32 stehen nur 39 erzielte Tore gegenüber, was eine Underperformance von mehr als fünf Toren bedeutet. Fairerweise muss aber erwähnt werden, dass aktuell nur zwei Konkurrenten ihren erwarteten Wert übertreffen können, sodass eine leichte Underperformance in der 3. Liga durchaus üblich ist.

    Defensivspiel und Pressingverhalten

    Der SVW hat zwar doppelt so viele Gegentore kassiert wie der FCK (30), im Ligavergleich gibt es allerdings nur vier Teams mit weniger Gegentreffern. Der Wert für die „xGoals against“, also die erwarteten Gegentore, liegt bei 30,44 und stellt den zweitniedrigsten Wert der 3. Liga dar. Da die meisten Teams in dieser Spielklasse weniger Tore erzielen als statistisch erwartet, spricht dies für eine grundlegend gute Abwehrarbeit der Mannheimer. Einige Male war auch schlicht das Glück auf Seiten der Gegner, unter anderem bei den Fernschusstoren von Immanuel Pherai (Borussia Dortmund II) oder Vincent Vermeij (SC Freiburg II). Generell hat man bisher die zweitwenigsten Schüsse zugelassen (275).


    Dass die Waldhöfer nur wenige gegnerische Chancen zulassen, liegt auch an ihrem aggressiven Pressingverhalten. Dies lässt sich anhand von zwei Kennzahlen belegen, bei denen der SVW jeweils auf dem 4. Platz der Liga liegt:

    • Challenge Intensity: Diese Kennzahl gibt an, wie viele Defensivaktionen ein Team pro Minute gegnerischen Ballbesitzes unternimmt. Beim Waldhof liegt dieser Wert bei 7,5. Zum Vergleich: der FCK kommt nur auf 6,3.
    • PPDA: Bei den „Passes Per Defensive Action“ wird bestimmt, wie viele Pässe der Gegner spielen kann, bevor eine Defensivaktion erfolgt. Der SVW lässt im Schnitt nur 7,84 Pässe zu, bevor ein Versuch unternommen wird, den Ball zu erobern. Beim FCK sind es ganze 11,23.

    Die Spieler des FCK sollten sich also darauf einstellen, schnell Druck von anlaufenden Gegnern zu bekommen, sowohl direkt nach Ballgewinn als auch im Spielaufbau in der Dreierkette. Dies dürften die Roten Teufel allerdings noch aus der Vorwoche vom Spiel gegen Magdeburg gewohnt sein.

    Prognose

    Für die Roten Teufel wird es zunächst darum gehen, die Intensität des Spiels voll und ganz anzunehmen. Eine gewisse Zweikampfhärte ist im Derby zwar wichtig, wäre aber aufgrund der generellen Spielweise der Mannheimer auch ohne die lokale Rivalität angebracht. Denn der SVW hat bereits 352 Fouls begangen - kein Ligakonkurrent kann das übertreffen. Allerdings wurden die Waldhöfer auch bereits 349 Mal gefoult (zweithöchster Wert).


    Abgesehen davon gilt das, was den FCK in der bisherigen Saison so stark gemacht hat: Eine stabile Defensive und eine im Optimalfall weiße Weste wären eine hervorragende Grundlage für einen Derbysieg, zumal es den Lautrern in den letzten Monaten fast immer gelang, Tore zu erzielen. Aber auch die stark besetzte Mannheimer Offensive um Schnatterer, Martinovic und Boyamba ist immer für einen Treffer gut. Außer gegen 9 Rote Teufel vielleicht.


    Quelle: Treffpunkt Betze


    * Ein xG-Wert beschreibt die Wahrscheinlichkeit eines Schusses, zu einem Tor zu führen. Daher liegt der Wert für einen einzelnen Schuss immer zwischen 0 und 1. Bei der Berechnung des Wertes werden u.a. der Ort des Torschusses, der Winkel zum Tor, die Bedrängnis der Gegenspieler, die Höhe des Balls und störende Spieler zwischen Abschlussposition und Tor berücksichtigt. Werden diese Werte addiert (bspw. 0,77 für einen Elfmeter), ergibt sich daraus die Menge an zu erwartenden Toren eines Spielers bzw. einer Mannschaft.

    Diskussionsthema zum Artikel: Terrence Boyd – ist er der Königstransfer?


    Terrence Boyd – ist er der Königstransfer?

    Vom Stürmertyp her ist Terrence Boyd ein klassischer Wandstürmer. Doch wie passt er eigentlich in das aktuelle System? Und wen könnte er aus der Startelf verdrängen?


    „Es ist so gekommen, wie es kommen sollte“, äußerte Terrence Boyd gegenüber dem MDR, kurz bevor er Richtung Kaiserslautern aufbrach. Schon oft war Boyd mit dem FCK in Verbindung gebracht worden, nun hat er (endlich) einen Vertrag in der Pfalz unterschrieben, über dessen Laufzeit der Verein – wie seit dem Amtsantritt von Thomas Hengen üblich – keine Auskunft gab. Der Wechsel hat bei den Anhängerinnen und Anhängern der Roten Teufel direkt einen großen Hype ausgelöst. Trainer, Sportdirektor und Fans versprechen sich viel vom ehemaligen Nationalspieler der USA. Kann er den Erwartungen gerecht werden? Eine statistisch-taktische Analyse.

    Der Spielertyp

    Mit Terrence Boyd verpflichtet der FCK einen Stürmertyp, wie er ihn bisher nicht im Kader hatte: bullig, zweikampf- und kopfballstark. Er passt damit perfekt in das Bild eines typischen "Wandstürmers“. Der 30-jährige selbst scherzt gerne über seine beschränkten technischen Fähigkeiten und sieht seine Qualitäten eher „in der Box“ und im Torabschluss. „Es ist wichtig, einen Anker vorne drin zu haben, der für Ruhe sorgt und die Bälle festmacht“, beschreibt Boyd die Vorzüge einer, wie er sagt, „aussterbenden Stürmerart“. „Außerhalb des 16ers“, so der gebürtige Bremer, sei „jeder Spieler besser als“ er selbst. Aber in der Box „sind wir dann bei mir zuhause“, so der Neuzugang aus Halle.


    Diese Selbsteinschätzung lässt sich durch mehrere Daten unterstreichen. So liegt Boyds Passquote in dieser Saison lediglich bei 61%. Zum Vergleich: Der aktuell beim FCK gesetzte Daniel Hanslik kommt auf 71%. Darüber hinaus verliert Boyd pro 90 Minuten 14,2 Mal den Ball. Im Ligavergleich liegt dieser Wert deutlich über dem Schnitt. Im Gegenzug arbeitet Boyd überdurchschnittlich viel für das Team: Er kommt in der bisherigen Saison (Stand 21. Spieltag) auf 86 Ballaktionen im Strafraum: Ligabestwert. Außerdem bestreitet er pro Spiel ca. 22 Zweikämpfe, auch das ist ein außergewöhnlich hoher Wert. Die Erfolgsquote dieser Zweikämpfe ist mit 49% für einen Stürmer ebenfalls äußerst sehenswert. Der US-Amerikaner macht seine technischen Defizite also mit besonders viel Einsatzwille und Körperlichkeit wett und verkörpert somit eine Spielweise, die auf dem Betzenberg seit eh und je gefeiert wird.


    Seine Kopfballstärke bringt eine neue Note in das Offensivspiel der Roten Teufel. Boyd bestreitet überdurchschnittliche 8,5 Kopfballduelle pro Spiel, von denen er starke 61% gewinnt. Auch bei seinen vielen abgegebenen Schüssen in der bisherigen Spielzeit (aktuell 57, Platz 2 in der Liga) waren 16 Kopfbälle dabei. Generell geht von ihm viel Torgefahr aus, denn 43% seiner Schüsse kommen direkt aufs Tor. Noch aussagekräftiger sind in dieser Hinsicht seine Scorer-Werte, welche sich vor allem in den letzten beiden Saisons sehen lassen konnten. 2020/21 kam er für den HFC auf 18 Tore und 6 Vorlagen, in der Spielzeit davor waren es 14 Tore auf 11 Assists. Zur Wahrheit gehört jedoch auch, dass er in dieser Saison für seine Verhältnisse etwas unterperformt. So hat er bereits 6 Großchancen vergeben und kommt trotz eines xGoals-Wert* von 8,7 nur auf 7 Tore, womit er den zu erwartenden Wert um etwa 20% unterschreitet. Dabei sollte eines nicht vergessen werden: Das sind immer noch mehr Treffer als jeder Spieler im FCK-Kader zu verzeichnen hat.

    Das Spielsystem

    Angesichts der Erfolge sowie der Formkurve der vergangenen Wochen stellt sich die Frage, ob der FCK überhaupt einen solchen Spielertypen für sein Spiel braucht. Aktuell verfügt das Trainergespann mit Redondo und Hanslik über zwei Stürmer, die zwar ähnlich viel arbeiten, allerdings weniger stark im direkten Zweikampf und im Torabschluss sind. Das Duo harmoniert aktuell sehr gut, da es ihnen meist gelingt, im Wechsel Flügel und Zentrum zu besetzen. Auch das Anlaufverhalten wirkt mittlerweile gut einstudiert. Wie passt der Neuzugang nun in dieses System?


    Grundsätzlich kann Boyd vor allem gegen tief stehende Gegner eine wichtige Rolle einnehmen, um Bälle auf engem Raum mit dem Rücken zum Tor festzumachen. Im aktuell am häufigsten praktizierten 3-1-4-2 müsste er einen der beiden etablierten Stürmer auf die Bank verdrängen. Je nach Spielweise des Gegners, Spielstand oder generellem Matchplan von Antwerpen kann Boyd also entweder von der Bank kommen oder direkt zu Beginn an der Seite von Redondo oder Hanslik agieren. Vor allem die Variante mit Redondo an seiner Seite lässt leise Erinnerungen an das Sturmduo aus der Aufstiegssaison 2009/10 wach werden, als Adam Nemec als zentraler Prellbock agierte, während der kleine, wendige Erik Jendrisek immer wieder Läufe hinter die gegnerische Abwehrkette startete.


    Des Weiteren wäre eine offensivere Variante mit allen drei genannten Stürmern denkbar. Dafür könnte Antwerpen zurück ins 3-4-3-System wechseln, welches er beim erfolgreichen Schlussspurt zum Ende der vergangenen Saison häufig anordnete. Hierbei könnten die spielerisch begabten Hanslik und Redondo die Halbräume hinter und um Boyd herum nutzen. Bei dieser Formation müsste der Trainer allerdings einen Spieler aus der Mittelfeldzentrale „opfern“, was unwahrscheinlich erscheint, da dort mit Ritter, Wunderlich, Götze, Klingenburg, Ciftci und neuerdings auch Niehues etliche Spieler mit Stammplatzambitionen parat stehen. Ein derartiges Luxusproblem hat in dieser Liga wohl kaum ein anderes Team, wenn man bedenkt, dass zudem noch Strafraumstürmer Muhammed Kiprit, Kapitän Jean Zimmer oder der wiedergenesene Nicolas Sessa zu Optionen werden können. Eher ist jedoch zu erwarten, dass Antwerpen zunächst am derzeit erfolgreichen System mit zwei Spitzen festhält und die Spieler – hoffentlich – in den richtigen Momenten in der richtigen Kombination auf den Platz schickt. Wobei auch klar sein sollte, dass Boyd mit klaren Stammplatz-Ambitionen in die Pfalz gewechselt ist.

    Soft-Facts

    Ganz wichtig für den Erfolg ist, dass die beschriebenen Ambitionen Boyds nicht zum Problem werden. Denn unabhängig aller taktischen Theorie und statistischer Fakten muss ein Spieler in erster Linie auch menschlich in ein Team passen. Daher wird ganz entscheidend, ob er sich charakterlich und persönlich gut in die funktionierende Mannschaft eingliedern kann. Teure "Star"-Zugänge können im Worst Case ein bestehendes Mannschaftsgefüge durchaus sprengen, wenn sie sich nicht am Teamerfolg orientieren, sondern mehr auf die eigenen Einsatzzeiten und Scorer-Werte achten. Diese Gefahr ist allerdings als eher gering zu bewerten, da Boyd zum einen seit Jahren als positiver Mensch und mitreißender Führungsspieler gilt, zum anderen bereits selbst im Interview mit dem SWR die Wichtigkeit, „sich erstmal gut in das bestehende System einzufügen“, betont hat.

    Fazit

    Die kolportierten 300.000 Euro sind für einen bald 31-jährigen Drittligastürmer, dessen Vertrag zudem im Sommer 2022 ohnehin ausgelaufen wäre, eine stattliche Summe, an welcher mitunter auch die Erwartungen bemessen werden. Rein sportlich gesehen gibt es nur wenige Gründe, warum Boyd diese nicht erfüllen und nicht an die Scorer-Werte der vergangenen Jahre anknüpfen sollte. Sofern Boyd und die anderen Stürmer sich mit der sich anbahnenden Aufteilung der Einsatzzeiten arrangieren können, wird er das entscheidende Puzzlestück des Kaders, um die Saison erfolgreich zu beenden.


    Und spätestens mit diesem Transfer-Coup ist – selbst wenn es von Seiten der Verantwortlichen weiter unausgesprochen bleibt – allen klar, was das heißt: Der Aufstieg soll noch in diesem Jahr gelingen!


    Quelle: Treffpunkt Betze


    Anm. d. R.: Unser Gastautor Thomas beschäftigt sich vor allem mit Statistiken und Analysen rund um den 1. FC Kaiserslautern. Seit einigen Wochen teilt er sein Wissen auf seinem Kanal Betze_Inside. Zu erreichen auf Instagram, Twitter oder Facebook.


    * Ein xG-Wert beschreibt die Wahrscheinlichkeit eines Schusses, zu einem Tor zu führen. Daher liegt der Wert für einen einzelnen Schuss immer zwischen 0 und 1. Bei der Berechnung des Wertes werden u.a. der Ort des Torschusses, der Winkel zum Tor, die Bedrängnis der Gegenspieler, die Höhe des Balls und störende Spieler zwischen Abschlussposition und Tor berücksichtigt. Werden diese Werte addiert (bspw. 0,77 für einen Elfmeter), ergibt sich daraus die Menge an zu erwartenden Toren eines Spielers bzw. einer Mannschaft.