"Ambitionen auf Selbstdarstellung sind fehl am Platz"

Es sind nur noch wenige Tage bis zur Jahreshauptversammlung und der damit verbundenen Neuwahl des 5-köpfigen Aufsichtsrates. Wir haben in diesem Zusammenhang alle Kandidaten kontaktiert und um ein kurzes Gespräch gebeten. Heute geht es weiter mit Udo Zender. Der 55-jährige ist derzeit als selbstständiger Unternehmensberater tätig. Im Gespräch mit Treffpunkt Betze spricht der in Hasloh bei Hamburg lebende Udo Zender über das Versagen des Aufsichtsrates und über die Notwendigkeit, Konzepte, Pläne und Abläufe systematisch zu kontrollieren und zu messen.


Treffpunkt Betze: Was sollten die Mitglieder des 1. FC Kaiserslautern über Sie wissen? Welche Kompetenzen bringen Sie ein, die den FCK in seiner gegenwärtigen Situation wirksam unterstützen?


Udo Zender: Ich bin 55 Jahre alt, verheiratet und habe zwei Kinder. Mein erstes Spiel der Fußball-Bundesliga habe ich mit 7 Jahren in Kaiserslautern gesehen, es war das Duell zwischen Kaiserslautern und Mönchengladbach. Über die Jahre hinweg sind dieser Begegnung noch viele weitere gefolgt. Sie müssen wissen, dass ich aus der Nähe von Trier komme.

Gradlinig, ehrgeizig und leistungsorientiert

Bei Grohmann Engineering, heute Tesla, habe ich fast 16 Jahre gearbeitet. In den ersten fünf Jahren bei Grohmann als Fertigungsleiter hatte ich sieben Betriebsleiter, bis ich dann selbst für 11 Jahre erfolgreich als Betriebsleiter gearbeitet habe. Nach dieser Tätigkeit habe ich ein Kölner Unternehmen aus der Insolvenz gerettet. Von dort aus bin ich nach Norddeutschland und war dort zeitgleich in zwei Firmen Geschäftsführer. Aus dieser Tätigkeit heraus habe ich mich 2013 selbstständig gemacht und berate bzw. unterstütze heute mittelständige Betriebe bei der Einführung von Qualitätsmanagementsystemen bis zur Zertifizierung. Ich helfe bei der Umsetzung der DSGVO und in meinem Spezialgebiet der Betriebs- und Prozessoptimierung. Der Beruf passt gut zu meinen Fähigkeiten, denn ich bin ein gradliniger, ehrgeiziger und leistungsorientierter Mensch. Meine größte Herausforderung über die Jahre hinweg war stets das Thema „Mensch im Bereich der Führung“.


Wenn ein oder das Ziel nicht erreicht wird, hinterfrage ich zuerst die Leistung, die ich selbst erbracht habe, bevor ich den Verantwortlichen die Fakten auf den Tisch lege. Dann ist Schluss mit subjektivem Gequatsche, dann reden wir nur noch über Fakten mit ständiger Kontrolle von geplanten Aufgaben und Ergebnissen. Ab diesem Moment wird zielstrebig an einer Lösung gearbeitet.


Treffpunkt Betze: Nach der Anstellung von Marco Antwerpen als neuen Cheftrainer ist eine öffentliche Debatte entfacht worden, inwieweit der Aufsichtsrat Einfluss auf das operative Geschäft nehmen darf. Welches Selbstverständnis liegt dem Aufsichtsrat zugrunde? Und welche Position vertreten Sie dabei?


Udo Zender: Der Aufsichtsrat hat eine sehr wichtige Aufgabe im „System FCK“ und dieses Potenzial wurde und wird noch nicht erkannt. Vor wenigen Tagen bin ich über einen Spox-Artikel [Anm. d. R.: 1. FC Kaiserslautern: Insolvenz, sportlicher Niedergang, umstrittene Trainerwechsel] gestolpert. In den Aussagen, die Dr. Markus Merk dort trifft, erkenne ich genau die Unfähigkeit seines Handelns in der Position als Aufsichtsrat und als Berater im Beirat. Er greift in das operative Geschäft ein, begründet dieses Vorgehen als alternativloses Handeln und übergeht dabei Sportdirektor Boris Notzon. In dem Artikel heißt es: "In entscheidenden Situationen der Verantwortung stellen. Nicht aus Misstrauen, sondern weil uns die Erfahrung gelehrt hat, dass man Menschen vor gewissen Entscheidungen in der Öffentlichkeit schützen muss", begründet Merk bei der Vorstellung des neuen Cheftrainers Marco Antwerpen das Vorgehen, Boris Notzon nicht in die Trainersuche zu involvieren.

Eingriffe ins operative Geschäft schaden allen Beteiligten

Er stellt sich in diesem Interview über das ganze System und über alle Verantwortlichen. Möglicherweise wäre es sinnvoller, sich auf einen Posten als Geschäftsführer zu bewerben. In der Funktion als Aufsichtsrat und Berater im Beirat erkenne ich hier jedoch ein komplettes Versagen. Ich bin der Meinung, dass Markus Merk denkt, alle in diesem Verein würden nach seiner Pfeife tanzen. Die Reflexion der eigenen Fehlleistung erkenne ich nicht. Was ich wiederum erkenne ist ein massiver Eingriff in das operative Geschäft - und dieses Vorgehen schadet dem Kontroll- und Steuergremium Aufsichtsrat, den Beratern des Beirats und letztlich auch der Führungsfähigkeit des Geschäftsführer und des Sportdirektors.


Stellen Sie sich bitte dieses Handeln als einfache Rechenaufgabe vor: Wenn Sie alle Beteiligten, sprich die Kompetenzen des „Unternehmens FCK“, hintereinander aufstellen - inklusive der Mannschaft, die die Siege einfährt - und dann prozentual zusammenzählen, dann kommen Sie exakt auf 100%. Wenn der Aufsichtsrat ganze Strukturen verlässt und überspringt, dann wird weniger Kompetenz aufaddiert und das Ergebnis wird schlechter. Sie schaden damit dem gesamten System und unterbinden professionelles Handeln. Das Ergebnis weniger oder einzelner Personen ist nie so gut wie das Ergebnis einer Mannschaft oder eines Teams.


Treffpunkt Betze: Das Insolvenzverfahren ist abgeschlossen, die Aktiengesellschaft ist zwar schuldenfrei, der e.V. jedoch mit mehreren Millionen Euro verschuldet. Welche Weichen gilt es aus Ihrer Sicht in den kommenden 12 bis 24 Monaten unbedingt zu stellen? Welche strukturellen Herausforderungen gehen damit einher? Und welche Ideen und Lösungen werden Sie diesbezüglich einbringen?


Udo Zender: Durch das Vorgehen der Umstrukturierung und Insolvenz wurde vielen Menschen, Gläubigern, Wettbewerbern und treuen Fans vor den Kopf gestoßen. Hier müssen wir wieder Vertrauen schaffen. An dieser Stelle möchte ich ein weiteres Zitat von Markus Merk aus dem besagten Spox-Artikel anführen: „Es muss nach dem großen wirtschaftlichen Erfolg auch sportlich ein Lauf gestartet werden, um auch mit einem guten Gefühl aus der Saison zu gehen“. Ich kann in der Insolvenz keinen Erfolg erkennen und bisher sehe ich auch keinen sportlichen Lauf. Die letzten drei Spiele unter Marco Antwerpen geben jedoch Hoffnung. Aber wie soll sich hier ein zukünftiger Investor fühlen, geschweige denn diejenigen, die 24 Millionen Euro verloren haben.

Der Aufsichtsrat muss eine neutrale Stelle bleiben

Herr Merk ist Mitglied beider Aufsichtsräte und auch Mitglied im Beirat. Er macht sich diesen Umstand sogar zum eigenen Nutzen und handelt ohne Kontrolle. Das Kontrollorgan Aufsichtsrat hat in der derzeitigen Konstellation versagt. Die Auswirkungen auf den Verein sind schlicht weg verheerend. Sollte ich in den Aufsichtsrat gewählt werden, so muss es eine Trennung zwischen Aufsichtsrat und Management - also dem operativem Bereich - geben.


Grundsätzlich muss eine Prüfung erfolgen, inwieweit es möglich ist den Verein und die GmbH & Co. KGaA (Kommanditgesellschaft auf Aktien) mit einem Aufsichtsrat zu besetzen. Diese Mitglieder dürfen dann nicht in einem anderen Organ / einer anderen Position arbeiten bzw. eingesetzt werden. Der Aufsichtsrat muss eine neutrale Stelle sein, der die Arbeit der Vorstände und des Beirates kontrolliert, hinterfragt und die Ergebnisse prüft.


Aufgrund meiner beruflichen Expertise und Erfahrung verfüge ich über diese Fähigkeiten und kann sie kurzfristig im Aufsichtsrat umsetzen. Im Aufsichtsrat muss die Führung interaktiv agieren und dieses auch zulassen wollen, weil dieses letztlich den Erfolg bestimmt. Jeder im „Unternehmen FCK“ muss und wird sich seinem Verantwortungsbereich in Zukunft stellen müssen, genau das wird kontrolliert. Konzepte, Pläne, Abläufe und die Einhaltung der Instanzen werden hinterfragt, gefordert, messbar gemacht und letztlich auch kontrolliert und wieder miteingebracht. Diese sehr wichtige Aufgabe ist vergleichbar mit Spannung in der Steckdose. Ohne sie funktioniert kein angeschlossenes Gerät.


Der Aufsichtsrat wird dadurch in Zukunft als Team auftreten. Bevor Herr Merk sein Ansehen weiter ruiniert, sollte man den Fehler der Ämtervermischung beseitigen und ihn dadurch vor seinem eigenen Tun schützen. In den Aufsichtsrat gehören andere Personen, die keine Ambitionen auf Selbstdarstellung haben und brauchen.


Treffpunkt Betze: Wir bedanken uns für das offene und ehrliche Gespräch und wünschen Ihnen für die Wahl am 26. Februar alles Gute und viel Erfolg!

Quelle: Treffpunkt Betze


Ein Hinweis in eigener Sache: Wir haben im Vorfeld der Jahreshauptversammlung alle neun Kandidaten kontaktiert und um die Beantwortung drei standardisierter Fragen gebeten. Sechs Rückmeldungen haben uns erreicht. Deswegen endet an dieser Stelle unsere Vorstellung der Aufsichtsratskandidaten.


Die weiteren Aufsichtsratskandidaten im Gespräch:

- Bernhard Koblischeck: "Die Komplexität erfordert einen transparenten und messbaren Plan"

- Fritz Fuchs: "Nur mit einer sportlichen Philosophie kommen wir da raus"

- Carsten Krick: "Der FCK muss endlich von seinem hohen Ross"

- Johannes B. Remy: "Wir müssen uns weniger mit uns selbst beschäftigen"

- Valentin Helou: "Vertrauen und Nachhaltigkeit im Handeln schaffen"