Kommentar: Das nächste Wunder bitte!

Frust, Verzweiflung, Existenzangst und ein Hauch von Gleichgültigkeit. So lässt sich das Stimmungsbild in den sozialen Medien unmittelbar nach dem Spiel in Magdeburg zusammenfassen. Eine Untergangsstimmung breitet sich rund um den Betze aus. Die Sorgen sind durchaus berechtigt, zumal die Leistung der Roten Teufel am gestrigen Tag in allen Bereichen enttäuschend war. Wieder einmal schafft es das Team von Marco Antwerpen nicht, seine Qualität gegen einen direkten Konkurrenten auf den Platz zubringen. Doch noch ist der FCK rechnerisch nicht abgestiegen. Kein Grund zur Panik also. Ja, die Leistung war nicht drittligareif. Aber Beleidigungen und Diffamierungen sind dennoch ein absolutes "No Go!". Je mehr Abstand ich zum Spiel gewinne, desto entschlossener und stärker wird meine Bindung zum Verein und dem Glauben an den Klassenerhalt. Aus gutem Grund.

Der FCK und seine zwei Gesichter

Blicken wir doch zunächst auf das Spielgeschehen. Ohne Cheftrainer Marco Antwerpen, der von Co-Trainer Frank Döpper vertreten wurde, startete der FCK mit der Doppelspitze Huth und Pourié und wollte dementsprechend offensiv auftreten. Doch zwei Stürmer versprechen bekanntlich nicht unbedingt mehr Torgefahr. Schon früh war erkennbar, dass der Sieger nur über den Kampf ermittelt werden wird. Zahlreiche Zweikämpfe und Fehlpässe bestimmten weitestgehend die Partie auf beiden Seiten. Dabei wurde mit Standardsituationen ein extrem wichtiges Mittel im Abstiegskampf wieder einmal fahrlässig hergeschenkt.


Der FCK stand in der Defensive bis auf einige wenige Ausnahmen sicher und ließ bis auf die Chance von Baris Atik in der Anfangsphase nichts zu. Auch wenn das Spiel nach vorne deutlich ausbaufähig war, konnten sich die Roten Teufel in der ersten Hälfte sogar ein leichtes Chancenplus erspielen. Letztlich fehlte jedoch in den meisten Szenen die nötige Durchschlagskraft. Wenn es mal gefährlich wurde, hatte meist Marlon Ritter seine Füße im Spiel. Umso erstaunlicher war es als Ritter nach der Pause nicht mehr auf dem Platz stand. Der technisch versierte Mittelfeldspieler hat zwar nicht all zu viel viel Kredit bei Fans und wird auch oft kritisiert, doch mit der Auswechslung verlor der FCK seinen Dreh-und Angelpunkt im Spiel nach vorne. Nicht zum ersten Mal in der laufenden Saison. Bis auf eine kurze Druckphase nach der Pause brachten die Lautrer offensiv nämlich rein gar nichts mehr zu Stande. Mit langen Bällen und Flanken aus dem Halbraum zeigten sich die Pfälzer dermaßen einfallslos und waren dementsprechend auch leicht zu verteidigen. Und dann kam es wie es kommen musste. Wie schon in den Spielen zuvor war es genau eine gegnerische Aktion, eine Unachtsamkeit in der eigenen Defensive, die das ganze Spiel der Roten Teufel zu nichte machte. Wieder war man nicht auf der Höhe, kassierte ein völlig unnötiges Gegentor und gab einem Gegner, der bis dahin auf Augenhöhe spielte, Selbstvertrauen. Mit der Führung bekamen die Magdeburger reichlich Oberwasser.


Faszinierend dabei ist folgendes: Sobald die Schlussphase anbricht, versucht der FCK plötzlich schneller zu spielen und den Sieg bzw. den Ausgleich zu erzwingen. Hier muss die Frage erlaubt sein. „Warum setzt die Mannschaft damit nicht schon früher an?" Ertragreich ist das in den seltensten Fällen (was bei vielen anderen Mannschaften auch der Fall ist). Letztlich zu harmlos zeigte sich der FCK über die gesamte Spieldauer. Es ist erstaunlich, wie unterschiedlich die Leistungen einer Mannschaft doch sein können. Während die Roten Teufel gegen Aufstiegskandidaten immer gute Leistungen zeigen und dann meist knapp sowie unglücklich verlieren, bekommen sie gegen die direkte Konkurrenz nie ihre PS auf den Rasen.

Der absolute Wille fehlt

Einen Vorwurf in Sachen Einsatzbereitschaft kann man der Mannschaft nicht machen. Sie war bemüht und nahm den Kampf an. Doch diese letzten Prozente, dieser unbedingte Wille den Ball zu erobern oder das Tor zu erzielen, fehlten gestern wie auch schon über weite Strecken der kompletten Saison. Genau diese letzten Prozente waren schlussendlich dafür ausschlaggebend, dass Magdeburg die Partie für sich entschied. Mit Ausnahme von Hikmet Ciftci, Elias Huth und Jean Zimmer ließ sich gestern bei keinem anderen Spieler dieser absolute Wille erkennen, über seine gewohnte Leistung hinauszugehen und den Sieg zu erzwingen.


Mit Marvin Pourié hat der FCK eigentlich noch eine weitere Persönlichkeit, die diese Eigenschaften verinnerlicht hat, in seinen Reihen. Doch nach seiner Suspendierung wirkt er viel mehr wie ein Fremdkörper. Zwar zeigte der Stürmer Einsatz und war sichtlich bemüht die Defensive der Magdeburger zu beschäftigen, hatte aber insgesamt wie viele seiner Mannschaftskollegen kaum Bindung zum Spiel. Mit der Ein- und Auswechslung von Anas Ouahim binnen 20 Minuten wurde zudem womöglich eine weitere Baustelle im Teamgefüge aufgemacht. Ouahim konnte nach seiner Einwechslung zwar keine Akzente setzen und blieb blaß, die Höchststrafe hätte Frank Döpper ihm jedoch nicht zwingend aufbinden müssen. Zu diesem Zeitpunkt des Spiels hätte Döpper aufgrund von Leistungsverweigerung auch jeden anderen Offensivspieler auswechseln können. Für Antwerpen, der im kommenden Spiel wieder an der Seitenauslinie coachen darf, geht es jetzt nur noch darum, die Köpfe der Spieler frei zu bekommen, sie noch stärker in die Verantwortung zu nehmen, um den Ernst der Lage endgültig zu erkennen.

Erinnerungen an 2008

Tabellenplatz 18, sechs Punkte Rückstand auf das rettende Ufer bei noch 30 zu vergebenen Punkten. Nun sollte auch dem letzten Spieler, Vereinsmitarbeiter, Fan und Mitglied klar werden, wie ernst die Lage des FCK ist. Die verbliebenen zehn Spiele sind allesamt Endspiele. Die Niederlage gegen Magdeburg tut ohne Frage weh. Mit der Ergebnissen der Konkurrenz ist sie sogar extrem bitter. Mit einer couragierten Leistung und einem Auswärtssieg in der MDCC-Arena hätten die Roten Teufel in diesem "6-Punkte-Spiel" einen wichtigen Schritt machen können.


Dass auf dem Betzenberg sechs Punkte Rückstand aufgeholt werden können, dürften die meisten Fans auch schon hautnah miterlebt haben. Zur Erinnerung: Im Jahr 2008 war die Ausgangslage am 27. Spieltag der 2. Bundesliga nach einer Niederlage gegen Hoffenheim ähnlich prekär. Der Rückstand betrug damals wie auch heute sechs Punkte. Jeder, wirklich jeder hatte nach der Niederlage gegen die TSG alle Hoffnungsschimmer verloren. Jeder fußballbegeisterte Anhänger in diesem Land hatte den FCK endgültig abgeschrieben. Was dann geschah, geschieht nur auf dem Betze. Das Wunder nahm im Herzblutfinale seinen Lauf. Also warum nicht auch in diesem Jahr, in dieser so schrecklichen Drittliga-Saison? Wenn es jemand kann, dann wohl der 1. FC Kaiserslautern. Der FCK hat es nach wie vor in der eigenen Hand. Die Mannschaft hat sich ihre Siegesserie einfach für den Saison-Endspurt aufgehoben.


Und sollte es am Ende doch nicht reichen, dann soll es eben so sein. Diesen Verein macht so viel mehr aus als nur die Liga-Zugehörigkeit. Es ist die Familie, es sind die Freunde und die Werte, an die wir glauben. Nichts desto trotz, es sind weiterhin noch zehn Spiele zu gehen. Alles ist noch möglich. Und wenn jemand "Wunder" kann, dann wir, der 1. FC Kaiserslautern. Aufgeben ist keine Option, schon gar nicht auf dem Betze. Denn echte Lautrer kämpfen und geben niemals auf!


Quelle: Treffpunkt Betze